Freitag, 11. September

Kauehi Über- und Einfahrt

Nach fünf Tagen erblickten wir im ersten Morgenlicht das Riff von Kauehi, dem Atoll, das wir uns ausgesucht hatten.

Drei Tage segeln, zwei Tage dieseln, der Wetterbericht folgte mal wieder dem Motto: „Was schert mich mein Geschwätz von gestern“.

Aber einen schönen Thunfisch hat Norbert gefangen, den wir an zwei Tagen genüsslich verspeisten.

Das alles war vergessen. Jetzt gab es nur noch den Gedanken an die Passage hinein in die Lagune.

Kauehi ist 12 Meilen lang und 8 Meilen breit, kein besonders großes Atoll. Auch die Tide hier ist kaum der Rede wert, zwischen 20 und 60 cm. Summiert man die dabei entstehende Wassermenge, die sich bei ablaufendem Wasser durch den schmalen Pass drängeln muß, dann weiß man, daß eine Einfahrt in dieser Zeit nicht möglich ist. Ideal ist das Kippen der Strömung oder die Passage bei einlaufendem Wasser. Dummerweise gibt es für Kauehi keine genauen Angaben wann dies der Fall ist. Wir hatten Zeiten von den südlich gelegenen Inseln und konnten jetzt rechnen, würfeln oder hoffen, daß wir zur richtigen Zeit vor dem Paß stehen. Wir versuchten es mit rechnen. Pünktlich waren wir da. Vor der Einfahrt schäumte es auf einem schmalen Streifen, hinten sah es ruhig aus.

Norbert nahm Anlauf. Ich war mal wieder unten am Computer und schaute nur kurz hinaus. Um uns brodelte das Wasser, ein wenig wie in einem Whirlpool mit gigantischen Ausmaßen. Wir hatten noch 2,2 kn Gegenströmung am Anfang, am Ende waren es dann 0,3 kn mitlaufende Strömung.

Egal, wir waren drinn!!! Der Adrenalinspiegel sank langsam wieder ab. Hinter dem Steuer saß ein zufriedener Skipper.

Nach 8 Meilen erreichten wir das Dorf, legten den Anker, tranken einen Anlegeschluck. Dann war erst einmal Pause. Ausruhen, Schlaf nachholen, entspannen.

Der Tuamotu Archipel

 

Es war einmal.

Vor vielen Millionen Jahren, vielleicht „als die Dinosaurier die Erde beherrschten“, ragten hohe Inseln vulkanischen Ursprungs, ähnlich wie die Marquesas, aus dem Wasser. Aus über 2000 m Tiefe stiegen sie empor. Aber wie fast Alles waren auch sie vergänglich. Ihre Kraterspitzen brachen ein und durch ihr eigenes Gewicht versanken sie wieder langsam in der Tiefe des Ozeans. Die Erosion tat ein Übriges.

Das Korallenriff, das sich einst an ihren Küsten gebildet hatte, wuchs weiter und bildete einen Ring um die sterbenden Inseln.

Nur diese Riffe gibt es noch. Sie umschließen die entstandenen Lagunen. Korallenschutt und -sand lagerte sich auf ihnen ab und es entstanden kleine Inseln, die Motus. 78 Atolle gibt es, über 40 davon sind bewohnt.

Eine Gruppe im nordwestlichen Teil, darunter auch Kauehi, gehört inzwischen zum Unesco Biosphärenreservat. Aber auch ihre Existenz ist bedroht.

Unser“ Atoll

Zeigt unser Heck zum Dorf schaut man auf kleine Häuser unter Palmen, eine hübsche Kirche und eine heraus ragende Landnase, vor der ein Streifen mit hellgrünem Wasser den Blick einfängt. Etwas abgelegen liegt eine Insel, Toe Toe.

Der Palmen gesäumte Ring um das Atoll verliert sich in der Ferne hinter dem in der Sonne glitzernden Wasser. Ein paar Wolken ziehen am Himmel, einige Vögel suchen nach Futter.

Es ist still, nur das Glucksen des Wassers unter unserem Schlauchboot ist zu hören. Eine ruhige, zeitlose Welt. Hektik und Eile haben hier keinen Zutritt. Der Paß sperrt sie aus, sie müssen draußen bleiben.

Bei unserem ersten Rundgang durch das Dorf trafen wir Hiti. Er ist über dreißig Jahre als Cargo-Kapitän zur See gefahren. Ein netter Typ. Aber hier sind alle Leute nett und freundlich. Viele „Bonjours“ wandern hin und her. Wir fühlen uns willkommen. Vor den Häusern wachsen blühende Sträucher, allerdings nur wenige, denn Wasser ist rar. Einige Häuser stehen leer.

Unter den unendlich vielen Palmen liegen Kokosnüsse. Aus ihren Schalen bauen sie kleine Mauern, das Fleisch wird getrocknet.

Der Dorfladen hat jeden Tag geöffnet. Obst und Gemüse sucht man hier vergebens aber es gibt die üblichen Grundnahrungsmittel, Konserven, tiefgefrorenes Fleisch, Reis, Nudeln, Cola und Bier.

Ein Stück weiter steht die Kirche, natürlich mit Blick auf die Lagune. Wenn wir am nächsten Sonntag noch hier sind besuchen wir die Messe. Hans und Imma waren begeistert von dem Gesang, es wäre wie in einem Konzert.

Nur ein paar Schritte weiter fanden wir eine „Open air Marienkapelle“. Kleine Kunstwerke aus Muscheln stehen vor der Marienstatue, handgroße Perlmuttschalen sind in das Gewölbe eingearbeitet in dem sie steht. Altar und Pult wirken rustikal, alles strahlt weiß in der Sonne.

Jeden Tag, wenn wir an Land gehen, besuchen wir Hiti, schütteln uns die Hände und tauschen aus wie es uns und Ihm heute geht. Ein schönes Ritual.

Mein Lieblingsplatz

Mein absoluter Lieblingsplatz liegt an der Südseite des Dorfes, vor der alten Perlenfarm.

Das Wasser hier ist nur 10-20 cm tief und wirkt fast weiß. Es ist die Kinderstube der Fische. In kleinen Schwärmen stehen sie in dem warmen Wasser, immer bereit schnell zu flüchten.

Kleine Haie drehen ihre Runden, erst 30 bis 40 cm lang. Auch seine erst 10 cm langen Geschwister sieht man hier. Meist sieht man nur die kleinen schwarzgetupften Rückenflossen.

Ich könnte ewig auf dem Steg sitzen und schauen, leider brennt die Sonne sehr stark und so sitzen wir meist im Schatten am Ufer. Sehr zur Freude der Nonos, der winzig kleinen Mücken, die versuchen uns leer zu saugen.

100 m weiter fand ich eine winzige Bucht, die ich spontan vereinnahmt habe. Es ist meine!

Christianes Bay!

Heute bin ich durch das flache Wasser hinaus zum Riff gewandert. Gelbbraun bildet es die Grenze zu tieferem Wasser. Dahinter schimmert es grün, dann blau. Weit hinten sieht man die Segelschiffe.

Vier Boote liegen hier. Die SPICA, ein Katamaran aus Raiatea, ein Boot, das Tauchfahrten anbietet und die Tuvalu mit Immal und Hans. Gestern haben wir uns zu einem Sundowner getroffen. Die Sonnenuntergänge sind herrlich. Orangefarben versinkt der Feuerball im Meer.

5. und 6. Tag

Gefangen in Kauehi

Wir vermissen unsere „Freunde“ Hektik, Eile und Stress!

Nachdem wir den Ort mehrmals durchlaufen und meinen Lieblingsplatz an der alten Perlenfarm noch zweimal besucht haben fällt uns nun die Decke auf den Kopf.

Die Einwohner verbringen hier ihr ganzes Leben. Dieser Gedanke läßt mir das Blut gerinnen. Norbert liegt ebenfalls völlig ermattet auf dem Sofa im Salon, von der Langweile gefällt.

Tahiti ist nah, nur 270 Meilen entfernt, aber uns fehlt der passende Wind.

Am Freitag starteten wir, drehten aber nach 2-3 Meilen wieder um. Harte Böen knatterten uns um die Ohren, das Wasser war weiß. In so einer Situation durch den Paß? Mit unserer quasi nicht vorhandenen Erfahrung? Trauten wir uns nicht!

Vor dem Dorf lag ein Boot, deren Eigner Tauchfahrten im Atoll anbieten. Die müssen es wissen.

Bewaffnet mit einer Grapefruit (Obst gibt es hier nicht) landeten wir bei ihnen an. Eine halbe Stunde Nachhilfe erweiterte unseren Wissensstand und etwas beruhigter zogen wir wieder ab.

Der Wetterbericht korrigierte inzwischen seine Vorhersage zu unseren Ungunsten. Bei Start am Samstag hätten wir noch einen Tag richtigen Segelwind. Reichte für den Rest unser Diesel? Bei noch weniger Wind würde es knapp. Aber auch hier half Garry. Er kennt alle Leute im Dorf denn seine Frau arbeitet ein Jahr als Lehrerin an der kleinen Schule.

Abends um 19 Uhr kam die erlösende Nachricht. Er hatte jemanden aufgetrieben, der uns 50 l Diesel verkaufen würde. Uns fiel ein Stein vom Herzen.

Samstag:

Diesel bunkern, es wurden dann noch 75 l, die wir bekamen. Zum Dank rückten wir zwei kleine Flaschen Albuelo Rum heraus, eine für Garry, eine für den Dieselmann.

Um 13 Uhr erreichten wir den Paß. Draußen sah man die Stehwellen, aber nun kannten wir uns ja aus. Dicht an der Südseite schlichen wir hinaus und nur eine kleine Seitenströmung schüttelte uns kurz.

Glücklich auf dem Weg nach Tahiti waren uns auch die Regenwolken egal, die uns ein wenig wässerten. Am zweiten Tag mussten wir Motor-Segeln, da der Wind auf 7-8 kn herunter ging.

Aber alles ist besser als in Kauehi noch 10 Tage herum zu lungern, denn erst dann sagen sie wieder segelbaren Wind voraus und ob das stimmt weiß kein Mensch.

 

Heute ist Montag 12 Uhr.

Es sind noch 80 Meilen bis Tahiti. Morgen früh sind wir dort.

Gestern haben sie eine Windwarnung für die Tuamotus heraus gegeben. Viel Wind, heftige Regenfälle, Gewitter und raue See werden erwartet. Puh! Glück gehabt. Noch rechtzeitig entkommen.

Am Nachmittag durften wir dann unerwartet noch ein paar Stunden segeln. Volle Besegelung, schöner gleichmäßiger Wind, Traumbedingungen! Schöner geht es nicht.

 

22. September bis...

Papeete

Wir liegen in der Marina Papeete im Haupthafen, seit Panama des erste Mal wieder direkt an Land. Die erste Dusche: warmes Wasser ohne Ende, welch ein Luxus!

Papeete hat eine sehr schöne Strandpromenade, viele Autos, viele Geschäfte, leider die Gleichen wie überall. Spannend ist die alte Markthalle, in der man Blumen, Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und jede Menge Souvenirs kaufen kann. Leider! und ich betone das, liegt das Angebot an Mitbringseln, für das ich Geld ausgeben würde, fast bei Null. Aber vielleicht finde ich ja doch noch etwas.

TAHITI

Meine Mutter hatte eine Platte (eine Single, LP's gab es damals noch nicht) von der Firma Amiga mit Titel und Refrain:

Ja ja das war Tahiti, das war Tahiti, der Traum von Liebe und vom Glück...“

verpackt in eine hübsche Melodie im Südseesound. Ich habe sie sehr geliebt, sie brachte ein wenig Fernweh und einen Hauch Exotik in unser Wohnzimmer.

Ein Teil des Textes lautete:

Übers Meer, übers Meer und das ist schon lange her, fuhr ein Schiff...“

Das erste europäische Schiff, das hier anlandete, war im Jahr 1767 die Dolphin unter Capt. Wallis, der hier den Union Jack hisste. Die Insulaner waren ganz wild auf den Handel mit den Fremden, brachten Schweine und Früchte die sie gegen Nägel tauschen wollten, denn die gab es hier nicht. Manche Tahitianerinnen boten Liebesdienste für die begehrte Ware. Das wiederum brachte Capt. Wallis in Bedrängnis. Um zu verhindern, daß sein Schiff wegen der nun auch bei den Matrosen begehrten Nägel völlig auseinander genommen wurde, strich der Kapitän der gesamten Mannschaft die Landgänge.

Weiter im Taxt:

Übers Meer, übers Meer, fuhren viele hinterher...“

Im nächsten Jahr erreichte der Seefahrer Bougainville Tahiti und beanspruchte die Insel für den König von Frankreich.

Wieder ein Jahr später, 1769, folgte Capt. Cook und gab dem gesamten Archipel den Namen Gesellschaftsinseln.

Unzählige Schiffe und viele viele Segelboote folgten und auch wir haben es bis hier geschafft.

 

Um es vorweg zu nehmen, die Insel hinkt ihrem Mythos weit hinterher.

Tahiti im Morgenlicht

Heute haben wir die vom Tourismusbüro empfohlenen „Route der Sehenswürdigkeiten“ abgearbeitet. Es war nicht wirklich spannend. Schön waren allerdings die unglaublich vielen Seerosen in dem kleinen Teich hinter der Botschaft. Auch das Perlen“museum“ haben wir uns angesehen. Ein wenig Historie und eine riesige Verkaufsfläche.

Ein echtes Highlight aber ist abends der Besuch der „Les Brachettes“, der Essenswagen am Ufer vor den Fähranlegern. Köstliches in jeder Variante, tahitisch, chinesisch, klassisch, BBQ auf kleinen Tischgrillen, Burger, Crepes, was man halt will, wird auf kleinstem Raum appetitlich zubereitet. Die Tische sind voll, Einheimische und Touristen erfreuen sich gemeinsam an dem guten Essen.

Wir habe tahitisch gewählt. Roher Thunfisch in Kokosmilch auf Salat mit Pommes für Norbert, Thunfischtartar mit Ingwertouch und Kartoffelgratin für mich. Ein Wahnsinn. Geht aber leider nicht jeden Tag, denn dann würde uns bald nichts mehr passen.

Arbeit, Arbeit, Arbeit

Eine angekündigte drohende Regenfront und ziemlich viel Wind hielt uns davon ab, schon nach Moorea, der Nachbarinsel von Tahiti, überzusetzen.

Wir nutzten vielmehr das hier immer noch schöne trockene Wetter um einen Großteil der vor der Winterpause nötigen Arbeiten zu erledigen. Alle kleinen Roststellen sind nun beseitigt, die Farbe in der Plicht ist ein wenig aufgefrischt und der Edelstahl frisch poliert.

Meine Muskeln sind steif und ich bin müde, nach vier Tagen Arbeit darf ich das!

Zweimal hatten wir in dieser Zeit morgens eine „Stadt“ nicht nur vor, sondern auch hinter uns. Große, in der Nacht angekommene Kreuzfahrschiffe boten beim Frühstück interessante Beobachtungen. Beim Kaffee trinken sahen wir den Horden zu, die ohne Pause von Bord strömten, begrüßt von einer Gruppe singender Tahitianer, die erstaunlich lange durchhielten.

Hinter dem Tourismus Office spielten ebenfalls Musiker, ein paar Tahitianerinnen tanzten.

An den Touriständen in der Stadt tummelten sich die Leute und kauften die gräßlichsten Souvenirs. Ich habe wirklich noch einmal versucht etwas zu finden, mit viel Zeit und Engagement aber das Einzige, das ich mit nach Hause brachte, waren zwei Mangos. Nun weiß Jeder: Geschmack ist Geschmackssache und so finden die angebotenen Souvenirs doch einige Abnehmer. Abends verschwinden dann alle wieder in ihren schwimmenden Palästen und am nächsten Morgen ist die Sicht dann immer wieder frei.

 

Morgen und Übermorgen gibt es aber nun wirklich etwas zum Schauen.

In ganz Französisch Polynesien sieht man Unmengen bunter Kajaks mit Auslegern, an Land und auf dem Wasser. Eine Sportart, die mit Begeisterung ausgeübt wird. Männer jeden Alters sowie auch Kinder trainieren so oft es geht.

Am 2. und 3. Oktober nun sind Weltmeisterschaften.

Am Freitag für die Damen, am Samstag dann für die Männer. Hoffentlich kann man etwas davon miterleben.

Freitag, 25. September

Im Herzen der Insel

Jeder verdient eine zweite Chance, auch Tahiti.

Bei schönstem Wetter schwangen wir uns auf die Ladefläche eines Pick-up's, Tourilife pur!.

Eine nette Truppe traf hier zusammen. Zwei Spanier, einer davon ein echter Spaßvogel, ein Paar aus München, ein junges französisches Pärchen, alle auf einer längeren Rundreise in der Südsee.

Nach einer zügigen Fahrt auf der Küstenstraße schaukelte unser Gefährt durch ein langes Tal, hinein in den alten Krater mit seinen bizarren Bergspitzen.

Grün war es dort. Ein kleiner Fluß begleitete die Straße. Wir bewunderten drei „beautiful Waterfalls“, erfuhren einiges über die einheimische Vegetation, badeten in herrlich kühlem Süßwasser und aßen einen tahitischen Lunch auf der Terrasse eines Restaurants mitten in den Bergen, führen danach hinauf auf 800 m und erreichten über einen Tunnel die Südseite Tahitis. Bei einem Blick auf einen tiefer liegenden See erzählte uns der Guide eine lange, alte Geschichte von dem Mädchen Hina und einem häßlichen Riesen, der aber dann in eine Kokospalme verwandelt wurde, die dem Mädchen und seiner Familie das Überleben sicherte.

Danach ging es im Eiltempo zurück nach Papeete, wo wir völlig verstaubt eintrafen und erst einmal ein Bier durch unsere ebenfalls verstaubte Kehle fließen ließen.

Ein netter Ausflug, aber kein Hammer.