Sonntag,4. Oktober

Moorea

Tja, das war Tahiti!

Ohne eine Spur Wehmut im Herzen verließen wir die Insel. Vor dem Paß gab uns eine Gruppe Delfine das Geleit, immer wieder ein schönes Erlebnis.

Der Windschatten Tahitis reichte bis Moorea, das ca. 12 Meilen nordwestlich liegt. Leider trafen sich in diesem „schattigen“ Bereich die Wellen, die von Süden durch den Moorea-Channel kamen mit denen, die von Osten heran rollten. Es gab ein wüstes Geeier aber unser tapferes Schiff wühlte sich durch. Gemütlich war es nicht! (Hatte ich je Probleme mit der Seekrankheit???)

Auf Moorea war Waschtag. Dicke graue Wolken deckten die Inselmitte zu und schoben sich in die Täler. Ab und zu tauchten schemenhaft ein paar Berge auf, die jedoch schnell wieder verschwanden. Mir gefiel diese düstere Stimmung.

Der Paß zu der Bay de Opunohu war kein Problem und so suchten wir uns hinter dem Riff einen guten Platz zum Ankern. Passend zu dem wolkig-grauen Panorama regnete es ein wenig und als der Anker lag sah ich aus wie eine frisch gebadete Katze.

Das Wasser um unser Boot herum ist herrlich grün und glasklar.

Am späten Nachmittag tauchte ab und zu ein Sonnenstrahl auf und schon sah alles ganz anders aus.

Nach dem Lärm Papeetes genießen wir nun die Ruhe an diesem wirklich wunderschönen Ankerplatz.

Am nächsten Morgen schien die Sonne schon ein wenig länger und die Berge am Ende der Bucht ließen sich sehen.Ab morgen soll das Wetter wieder richtig sonnig werden. Wahrscheinlich ist es dann hier kaum noch zum Aushalten.

Mittwoch, 7. Oktober

Rollerrunde um Moorea

Moorea ist ein richtige Urlaubsinsel. Besonders an der Nordseite bieten kleine Fare's (Pensionen), aber auch einige Resorts der Luxusklasse Unterkünfte an.

Zehn Gehminuten von unserem Dinghilandeplatz entfernt liegt das Moorea Hilton Resort. Jeden Vormittag sausen diverse Boote an uns vorbei, die die Urlauber zum Schnorcheln, Tauchen oder zum Whale-Watching transportieren. Diverse Jetskis folgen, erkunden Lagune und Bucht und wagen sich auch manchmal nah an das Riff. Allerdings immer mit einem Guide.

Buchen kann man sowohl See- als auch Landausflüge am Activity Desk, englisch und japanisch beschriftet, da das Resort voller Japaner ist, meist jung und scheinbar reich.

Wir mieteten uns einen Roller, ganz poplig aber mit großem Wohlfühlfaktor. Eine Inselkarte gab es dazu. Sie ist sehr übersichtlich. Eine Straße umrundet die Insel! Hinter unserer Bucht führt noch eine kleine Stichstraße hinauf zum Bevedere. Hier ist man der eindrucksvollen Bergkette, die das landseitige Panorama unserer Bucht dominiert, sehr nah. Der Ausblick auf die Cook Bay, in der mittig ein großes Kreuzfahrschiff ankerte, sowie auf unsere Bucht war schon schön, leider mußten wir sie mit unendlich vielen Kreuzfahrern teilen, die dem Luxusdampfer entströmt waren.

Ein paar Kilometer weiter besichtigten wir die Anlage des Club Med. Sie ist gut durchdacht und sehr schön. In die vorhandene Lagune hinein gebaute längliche Inseln wurden mit typischen Südsee-Bungalows mit Schilfdach bebaut. An den Ufern gibt es Sandstrände und Liegen unter Palmen. Man kann in der Lagune baden oder schnorcheln, alles ist naturbelassen. Toll, aber bestimmt auch sehr sehr teuer.

Von der meist guten Straße hatten wir viele schöne Ausblicke auf das die Insel umschließende Riff. Die Gesellschaftsinseln sind die dritte Variante, die man in Französisch Polynesien zu sehen bekommt. Die Inseln sind älter als die Marquesas und viel jünger als die Tuamotos. Sie sind umgeben von einem Korallenring, der die ursprüngliche Größe und Form der Insel zeigt. Zwischen ihm und der langsam wieder versinkenden Insel bildet sich die Lagune. Aber noch ragen die Berge hoch hinauf und zeigen sich majestätisch in ihren bizarren Formen.

Plötzlich tauchte nach einer Kurve eine graue Inselsilhouette auf. Kurze Verwirrung, dann war es klar. Es war Tahiti. Damit hatte ich irgendwie nicht mehr gerechnet.

An der Südostküste gab es dann noch einen wirklich wunderbaren Aussichtspunkt. Von der leichten Anhöhe hatte man einen herrlichen Blick auf das grüne Wasser der Lagune und die weite Linie des Riffs.

An der Cook Bay saßen wir in einer Strandbar und schauten aufs Wasser.

Capt. Cook hat hier geankert. Seine Reisen in die Südsee und die exakte Kartographierung dieses riesigen Areals mit den Möglichkeiten der damaligen Zeit sind bis heute eine absolute Ausnahmeleistung. Ein faszinierender Typ, damals wie heute.

Zufrieden gaben wir den Roller wieder ab und wanderten zurück zu unserem Dinghi. Der heftige Wind des Tages flaute ab, das Wasser wurde ruhig.

Mit hochgelegten Füßen bei einem kalten Bier sahen wir der Sonne beim Untergehen zu.

Samstag, 3. Oktober

Geisterstunde

Gaben sich die Vertreter der großen Wale bisher alle Mühe sich nicht von uns sehen zu lassen, war das letzte Nacht ein wenig anders.

Norberts Ruf: „Christiane, hier ist ein Wal“ ließ mich fast aus dem Bett springen.

Merkwürdige Töne hallten durch das Schiff. Das war es auch, was Norbert geweckt hatte.

In dem schmalen Bereich zwischen unserem Boot und dem Ufer trieb er sein Unwesen, schlug mit der Fluke auf das Wasser und blies ab und zu seinen Atem aus. Diese beiden Aktivitäten konnte man nicht nur hören, sondern auch „sehen“, alles andere verbarg sich diskret im Dunkeln. Nach ein paar Versuchen fand er dann wieder den Weg zurück in tiefes Wasser. Am nächsten Morgen suchte ich hoffnungsvoll die glatte Oberfläche der Lagune nach ihm ab.

Nada, nothing, NICHTS!

Es war ja inzwischen hell und Wal sollte es nicht übertreiben.

12.-14. Oktober

Moorea → Raiatea

Der letzte Törn, die letzten 105 Meilen, die letzte Nacht.

Bei schönem Wind und Sonne, es war kaum zum Aushalten, begannen wir unsere letzte Fahrt. Ich hielt Ausschau nach Walen. Weiter weg sahen wir eine kleine Gruppe, allerdings wieder nicht die großen Gesellen. Sie hatten wohl keine Lust auf einen Besuch und so blieb es bei einer kurzen unpersönlichen Begegnung. An uns lag es nicht!

Dann kam die Nacht und mit ihr änderte sich die Windrichtung. Statt weiter so schön seitlich in die Segel zu blasen wurde es achterlicher und die Genua begann zu scheppern. Hätte nicht wirklich sein müssen.

Der zweite Teil der Nacht dagegen war ein Traum. Der Wind kam wieder aus der richtigen Richtung und die Sterne hatten sich zum Abschied poliert und funkelten um die Wette. Mir wurde ganz wehmütig.

In der Dämmerung passierten wir Huahine. Vor uns lagen Raiatea und 'Tahaa. Die beiden Inseln haben ein gemeinsames Riff mit vielen Ein- und Ausgängen. Die Wasserfläche in der Lagune ist stattlich, es gibt viel Platz zwischen Riff und Land. Kleine Motus liegen hübsch eingebettet in dem klaren Wasser.

Im Hafen von Uturoa, der zweitgrößten „Stadt“ Französisch Polynesiens (ein echter Witz für einen Berliner) legten wir uns an einen Steg direkt am Hafenbecken. Direkt dahinter gibt es einen Supermarkt, sehr praktisch.

Das Wetter war nur am ersten Tag schön. Für Morgen ist viel Wind und Regen angesagt und das soll mehrere Tage so bleiben.

Seit heute morgen liegen wir an einer Boje vor der Carenage, in der die SPICA übersommern wird. Am 26. Oktober haben wir einen Krantermin. Nun ist alles geregelt.

Heute haben wir die Liste der notwendigen Arbeiten erstellt. Ist nicht so viel, alles gut zu schaffen.

Für die letzten Farbarbeiten brauchen wir nur noch ein paar regenfreie Tage. Das müßte sich doch machen lassen, oder?

Schock beim Sundowner

Wie wir ja bereits mehrmals verkündet haben fliegen wir am 10. November nach Hause.

Der Einfachheit halber haben wir einen Direktflug von Tahiti nach Paris gewählt, sozusagen einen „Inlandsflug“. Keine VISA, keine Probleme!

In unseren Reiseunterlagen steht: 2 Std. technischer Stopp in Los Angelos. Ist ok, die Strecke ist lang und die Leute sind hungrig, das Flugzeug fliegt auch nicht ohne Treibstoff, so muß halt nachgeladen werden.

Der Hinweis bei der Buchung: „Bitte prüfen Sie, ob Sie ein Visum für Franz. Polynesien benötigen“

wurde verworfen. Brauchen wir nicht. Alles ok. Wir waren völlig relaxed und anscheinend auch ziemlich blauäugig!

In Uturoa, wir saßen gerade gemütlich auf der Casa Bianca, einer schweizer Yacht beim Sundowner, kam dieses Thema zur Sprache. Norbert wollte wissen, ob man die zwei Stunden im Flugzeug bleiben muß oder ob man sich in einem Sicherheitsbereich die Beine vertreten kann.

Oh oh! Wir erfuhren, daß für die zwei Stunden sehr wohl ein Visum erforderlich ist, nämlich ein bei den Amerikanischen Behörden übers Internet zu beantragendes ESTA-Visum. Ohne die daraufhin ausgestellte Erlaubnis, amerikanischen Boden zu betreten, egal in welcher Form, nimmt einen keine Fluggesellschaft mehr mit.

Da stehst du dann mit deinem Gepäck vor dem Schalter, hast ein gültiges Flugticket, freust dich wie blöd auf Zuhause und das Flugzeug fliegt ohne dich!!!!!!!!!!!!

Mich hätten sie heulend, kreischend und tobend in einer weißen Jacke mit vor der Brust fixierten Armen abtransportieren müssen.

Aber das Schicksal meinte es gut mit uns, denn nun wussten wir ja, daß wir dieses Visum brauchen

Leider gab es das einzig taugliches WIFI in Uturoa, der zweitgrößten Stadt in FP, im „Cubaner“, einem Restaurant am Hafen, allerdings mit Tücken. Für jedes Getränk bekommst du 30 Minuten freien Zugang zum Internet. Das ist ganz schön wenig Zeit, denn man muß mehrere Seiten ausfüllen und das 2 x, einmal für Norbert und einmal für mich und zwar in einem Dokument. Also los. Ich tippte und Norbert dirigierte. Die „kubanische Leitung“ in die amerikanische Behörde funktionierte gut, wir haben es fast auf die Minute geschafft.

Die Versicherung, keine Anschläge auf die USA zu planen, nicht die Absicht zu haben jemanden zu vergewaltigen und ähnlich furchtbare Dinge konnten wir mit gutem Gewissen verneinen und so wurde uns 30 Minuten später die Einreise in die USA gestattet. Damit werden wir, falls keine weiteren Katastrophen auftreten, am 12. November Berlin erreichen.

Den Schock selbst haben wir noch nicht ganz überwunden, aber wir arbeiten daran.

 

Was lernen wir daraus?

Es gibt nichts Wichtigeres als einen gemeinsamen Sundowner mit netten Leuten!

Donnerstag, 22 Oktober 2015

Die letzten fünf Tage

Wir sind in eine sehr nette schweizer Clique hinein geraten, wobei man den Begriff „schweizer“ etwas gerade biegen muß.

-Zwei gebürtige Österreicher auf der Casa Bianca = Schiff 1

-eine Berlinerin und ein Belgier, Heidi und Robert = Schiff 2

-zwei waschechte Schweizer, Claudia und Jerry auf Schiff 3.

Total nette Leute mit dem Hang es sich gut gehen zu lassen. Es gab zwei luxuriöse Treffen zum Sundowner mit netten Schmankerln zum Apero in lustig lockerer Atmosphäre. Wir haben es sehr genossen, zumal wir (besonders Norbo) 5 Tage im Kellerbereich der SPICA zugebracht haben um nach Rost zu suchen. Viel Aufwand, wenig Rost, gut aber anstrengend.

Heute Nacht schütteten die Wolken Unmengen Wasser über uns aus. Unser Dinghi hatte sich über Nacht in eine Badewanne verwandelt und so nutzten wir am Morgen die Gelegenheit zu einem Süßwasservollbad, s. Foto. Herrlich!!!

Die Regenzeit rückt näher und dieses Jahr rechnet man auch hier mit Zyklonen. Ich hoffe nur, die schönen Inseln bleiben davon verschont. Es gibt hier wirklich genug weite freie Wasserflächen, auf denen sich so ein Zyklon austoben kann ohne Schaden anzurichten.

Frisch gebadet brachen wir nach dem Frühstück zu einer Power-Shopping-Tour nach Uturoa auf. Hin sind wir getrampt. Auf dem Rückweg begleiteten uns Mangos, Apfel, Ananas, Bananen, Kartoffeln, Zwiebeln und drei Flaschen Languedoc, Proviant für die nächsten Tage.

Heute ist Ruhetag, Arbeitspause!!, so komme ich endlich mal wieder zum Schreiben.

Mittwoch, 28. Oktober

Ankern im Aquarium

Heute Morgen, wir wollten gerade mit dem Dinghi starten um frisches Baguette zu besorgen, stoppte uns ein bezaubernder Anblick. Fische aller Sorten tummelten sich um unser Boot herum. Sonnenbeschienen schwammen sie fröhlich hin und her. Kleine, Große, Bunte, echte Prachtexemplare. Auch eine Art Schleierschwanz ließ sich sehen, mit schönen Steifen und langen fadenartigen gelben Flossen. Unter ihnen breitete sich eine schöne Korallenlandschaft aus. Ein wunderbarer Anblick. Dann zauste ein leichte Brise das Wasser und alles war wieder vorbei.

Donnerstag, 29. Oktober

Finale

Die Spica steht wieder an Land.

Um 7 Uhr früh lagen wir in dem Becken, wo uns der Kran aus dem Wasser holen soll. Krantermin war um 8 Uhr, so hatten wir noch Zeit, die Genua in der Sonne zu trocknen und dann ordentlich zu verpacken.

8 Uhr Termin??? war wohl Südseezeit. Um 13 Uhr holten sie uns dann doch noch aus dem Wasser und parkten uns millimetergenau zwischen die schon an Land lagernden Boote.

Kein Morgenbad mehr!

Dafür haben wir eine grandiose Aussicht auf die Lagune und auf Bora Bora.

Norbert's erster Beitrag

 

Wir haben gerechnet.
Seit unserem letzten Berlin Besuch sind wir
6333 nautische Meilen gesegelt, das sind 11729 km;

58 Nächte haben wir uns die Sterne angesehen.

 

Ups... wirklich?

 

Seglerwitz;

Zwei segeln auf dem großen Meer. Fragt der Eine: „Was ist das denn da vorne? "
„Das ist der Horizont ."
„Was denn, so weit sind wir schon?

Noch ein paar Daten, ab hier wieder von mir:

Start am 21. Dezember auf Trinidad, Ziel am 29. Oktober auf Raiatea.

Unser schönster Ankerplatz: 5-Finger Bay vor Santa Marta in Kolumbien, ein absoluter Traum!

Die nettesten und freundlichsten Leute trafen wir auf den Marquesas, unschlagbar!

Längste gesegelte Strecke: Galapagos-Marquesas - 3000 nm  28 Tage und Nächte.

Sonnenuntergänge: ???????? Aber schön waren sie alle!