Mittwoch 4. November

Freitag in Uturoa

Einkaufen war angesagt.

Schon von Weitem hörten wir Musik. Vor der Markthalle hatte sich eine bejahrte Südsee“band“ etabliert und produzierte klasse Musik.

Eins muß ich erst einmal bemerken: Der Fotograf dieser Homepage ist auch nicht mehr der, der „er“ einmal war. Das letzte mal in Uturoa war es zum Gäääähnen langweilig und so verschwendete ich diesmal nicht einen Gedanken an meinen Fotoapparat.

Heute nun tummelten sich vor mir die tollsten Motive.

Eine füllige Südseelady im Rentenalter hatte sich einen jungen Touristen geschnappt. Anmutig tanzte sie hüftewiegend zu der schönen Musik. Der junge Mann hielt sich tapfer! Leicht in den Knien eingeknickt improvisierte er den Gegenpart. Er machte seine Sache richtig gut, dicker Applaus war den Beiden gewiß als das Lied zu Ende war.

Die Band bot ebenfalls super Fotoziele. Wunderbare alte Gesichter, Männer und Frauen, voller Spaß und Begeisterung. Auch die Zuschauer wären ein paar Fotos wert gewesen. Aber leider, mein Fotoapparat lag ja weit weg im Boot.

So ist jetzt eure Fantasie gefragt.

Die Augen schließen, an die vielen Gesichter auf früheren Fotos denken, einen Hauch Südseemusik dazu geben und schon habt ihr einen kleinen Eindruck von dem, was ich heute von ganzem Herzen genossen habe.

 

Pause → Augen schließen …...

 

Vier Tage später.

Ein Kreuzfahrschiff lag am Kai, Stände waren aufgestellt, Touristen schlenderten durch die Reihen. Auch heute spielte eine Band. Die Damen trugen Tracht und Kränze, hübsch anzusehen, aber alles sehr geschäftsmäßig.

Dafür gibt es heute Fotos.

Mittwoch, 4. November

Marathon“ auf polynesisch – das große Rennen

Wir haben es tatsächlich geschafft. Nach der Pleite auf Tahiti, wo uns keiner genau sagen konnte, wo das Ziel der Kanu-WM ist und wann die Athleten erwartet werden, waren wir heute beim Zieleinlauf der „6-er“ Auslegerkanus des großen Rennens dabei.

3 Tage = 3 Inseln:

  1. Tag: Huahine → Raiatea

  2. Tag Raiatea → Tahaa

  3. Tag Tahaa → Bora Bora

94 Boote nahmen an dieser Regatta teil (das sind 564 durchtrainierte Männer, die Ladys wissen wovon ich rede).

Ca. 30 Meilen sind es von Huahine nach Uturoa, wo wir gemeinsam mit vielen begeisterten Leuten auf die Helden warteten.

In jedem Kanu paddeln sechs Männer, treiben das Boot durch Wind und Wellen und die können hier ganz schön hoch sein. Wir haben Bilder von vergangenen Rennen gesehen, die mir den Atem nahmen.

Langsam füllte sich die Wasserfläche vor uns mit Motorbooten. Eine ganz große Show. Jeder zeigte noch schnell was er kann, nahm eine enge Kurve und ließ die Gischt aufspritzen, heischte nach Aufmerksamkeit. Kurz vor 11 Uhr sah es vor uns aus wie der Wannsee vor Maueröffnung an einem herrlichen Sonntagnachmittag. (Man brauchte kein Boot um trocken ans andere Ufer zu kommen.)

Dann das erste Boot! Sie gaben noch einmal ALLES!!. Die Paddel zischten in einem Wahnsinnstempo, das Boot flog regelrecht ins Ziel. Nach knapp 60 km noch diese Kraft und Schnelligkeit, ein Wahnsinn.

Boot 2 und 3 folgten nach ca. 5 Minuten, dicht gefolgt von Boot 4. (Die mußten wenigstens keinen der drei potthäßlichen Holzpokale mit nach Hause nehmen.)

Nun riss der Strom der ankommenden Boote nicht mehr ab.

Wunderschön waren die Szenen der ersten Sekunden und Minuten nach passieren des Ziels. Die Paddel sanken herunter, Köpfe fielen nach hinten, Füße wurden hochgelegt, die Aura „geschafft“ schwebte über den Booten.

Das erste Schulterklopfen, die ersten Umarmungen, glückliche, zufriedene Gesichter. Eine Stimmung wie nach jedem großen Marathon nur statt Medallien wurden ihnen hier Blumenketten umgehängt.

Es dauerte noch eine Weile, bis auch die letzten Boote eintrafen. Inzwischen lief bei den vielen „rollenden Küchen“ das Geschäft auf Hochtouren. Egal was passiert, um 12 Uhr hat hier jeder Hunger und muß essen. Ist auch logisch, denn der Tag beginnt um 6 Uhr, selbst ich wache inzwischen kurz vor 6 auf.

Mit einer Portion Pommes frites passten wir uns den örtlichen Gepflogenheiten an.

Auch für die Jungs aus den Booten gilt nun: viele Kohlenhydrate essen und so gut wie möglich erholen, denn Morgen und Übermorgen folgen die nächsten Etappen.

Viel Glück.

Samstag, 7. November

Sightseeing

Heute mal mit dem Auto, da wir uns Beide eine fette Erkältung zugezogen haben. Die Temperaturen gehen zur Zeit schon mal runter auf fast arktische Temperaturen von 23°C, da ist das schnell passiert.

Raiatea hat, wie Moorea und Tahiti, eine Straße rund um die Insel. Allerdings gibt es eine 6 km lange Traverse, die angeblich wunderbare Aussichten auf die Küstenlinie bietet. Gefunden haben wir diesen Aussichtspunkt allerdings nicht.

Der Nordteil des Ostseite war nicht weiter bemerkenswert, dafür bot der Südteil der Insel interessante Ansichten. Die Landschaft wirkte irgendwie wild, fast unberührt. In dem überwiegend flachen Wasser liegen viele Motus (Inselchen). Manche davon sind winzig, andere von stattlicher Größe. Fjordähnlich schieben sich lange Buchten in das Inselinnere, an Wassergrundstücken ist hier kein Mangel. Zeitweilig verlief die Straße auf einem Damm, rechts und links Wasser, merkwürdig aber schön zum anschauen.

Hat man die Südspitze hinter sich bieten die Berge spektakuläre Ansichten. Besonders auffällig ist der Zuckerhut, hier Pain de sucre genannt. Alles ist üppig grün, dabei hat die Regenzeit noch gar nicht begonnen.

Zwei Mareas, Begegnungstätten aus alter Zeit liegen am Weg. Beim Schlendern durch die größere Anlage fanden wir Historisches, Witziges, Überraschendes, Kurioses und Erhabenes.

Fünf  Stunden später waren wir zurück in Uturoa, lieferten unser Auto wieder ab und wurden nach „Hause“ gebracht.

Bei der SPICA trafen wir Erwin und Jrmina, die, wie sie sagten, schon ein Loch in unseren Rumpf geklopft hatten. Sie liegen draußen an einer Boje. Wir verabredeten uns zum Sundowner auf ihrem Boot. Erwin holte uns mit dem Dinghi ab. Hin war einfach, jedoch nach drei Stunden fröhlicher Plauderei brachte er uns zurück durch die Schwärze der mondlosen polynesischen Nacht, die heimtückisch die schmale unbeleuchtete Einfahrt zum Dinghisteg verschluckt hatte. Aber die Männer gaben nicht auf und so lieferte uns Erwin „gesund“ und munter wieder ab. Danach fuhr er allein hinaus, zurück auf das schwarze Meer, auf der Suche nach seiner Red Harlekin.

Sonntag

..es wird Zeit für uns zu gehen

Meine Frauen-Doko-Tasse hat zwei dicke Sprünge, ich warte jeden Tag, daß sie auseinander fällt und den heißen Kaffee über mich ergießt (es ist eine Art russisches Roulette, gewinnt sie oder ich?)

Die Tastatur meines Computers hat sich schon vor langer Zeit verabschiedet, von meiner externen Tastatur fallen seit Kurzem die Tasten ab, auch die Maus wirkt irgendwie kränkelnd.

Mein Fotoapparat löst sich auf und der Wein ist alle!

Morgen um 9:25 Uhr startet unser Flieger. Juhu!

Wir freuen uns wie verrückt auf Familie, Freunde, Bekannte und auf unser geliebtes Berlin, einfach auf zuhause!