1. und 2. Mai

Im Panamakanal mit MATILDA

Heute hatten wir uns als Linehandler verdingt!

Um es vorweg zu nehmen, es war eine super entspannte Fahrt. Der etwas aufwendigere Part für die Leinenhandler sind die ersten drei Schleusen, die einen 26 m hinauf befördern. Jedes Boot braucht neben dem Skipper und dem Advisor vier Leinenhandler. Es gab eine kurze Einweisung, dann ging es los.

MATILDA, „unser“ Katamaran wurde mit der JOSHUA, einem schönen langen Stahlschiff, zu einem Päckchen verschnürt, so daß wir nur zwei Leinen zu bedienen hatten.

Norbert und Daniel, ein junger Schweizer, der von Spanien bis Panama auf der MATILDA mitgefahren war, standen an den Leinen und holten diese dicht, sobald sie ein wenig durchhingen. Mandy, erst seit zwei Tagen auf dem Boot und ich hielten das fotografisch fest.

Alles lief ruhig ab und ca. 1,5 Stunden später lagen wir an einer großen, begehbaren Boje im Gatunsee. Der Skipper hatte eine Lasagne vorbereitet, die wir genüsslich verspeisten.

Das gehört zur Vereinbarung: Arbeit gegen gutes Essen.

Der Advisor war schon abgeholt worden, ein neuer für den nächsten Morgen, 6 Uhr, angekündigt.

Samstag

Der Himmel über dem See war schwarz, überall grollte der Donner. Auf der MATILDA grollte der Skipper: „Fahren wir halt hinein in das Gewitter“. Grummel!!! Blitze zuckten und es krachte heftig. Erst nach zwei Stunden ließen Regen und Gewitter nach und es wurde langsam heller.

Die betonnte Fahrrinne führte dicht an der idyllischen Inselwelt entlang, bei schönem Wetter bestimmt ein visueller Genuß.

Um 11:15 Uhr lagen wir vor Schleusen von Miraflores. Nach und nach stießen die anderen vier Boote zu uns und es wurden neue Päckchen „gepackt“. Diesmal hatten wir rechts ein kanadisches Boot und links wieder die JOSHUA. Der Skipper heißt Eggi und kommt aus Neuwied am Rhein. Die Welt ist klein!!!

So hatten unsere Leinenhandler nichts mehr zu tun, behielten aber die anderen genau im Auge.

In der ersten Miraflores Schleuse gibt es eine funktionierende Webcam. Ich hüpfte ein wenig auf dem Boot herum, könnte ja sein, daß jemand zuschaut.

Diesmal schleusten wir ohne Bigship. Für nur fünf Segelboote ging es abwärts vor die letzte Schleusentür. Dann lag der Pazifik vor uns.

Zum ersten Mal fuhr ich unter der Puenta de las dos Americas hindurch. Ein großartiges Gefühl.

Unser Skipper strahlte! Alles war gut gegangen.

Es war eine super nette Crew, ein kompetenter Skipper, alles fröhliche, interessante junge Leute, zusätzlich ein kleines Abenteuer. Wir haben viel gesehen und gelernt.

 

NS: Hinter der letzten Schleuse lag in einer Sandbucht ein 2-3 m langes Krokodil. Davon gibt es viele im Gatunsee und Umgebung. Sie sind übrigens die Einzigen, die durch die Schleusen gehen ohne zu bezahlen!

5.und 6. Mai

Panama-Kanal, jetzt gilt es!

1. Tag

Termin: 2 Uhr → 4 Uhr → 4:45 Uhr

Um 4:50 wurde dann Victor, unser heutiger Advisor, angeliefert. Wir gehen zusammen mit einem 70 Fuß langem Katamaran (ca. 21 m) durch die Schleusen, die SPICA fällt da nicht groß ins Gewicht. Der Durchgang hatte etwas von einem Spaziergang. Ich wechselte sogar in der dritten Schleusenkammer das Schiff, um ein paar Fotos aus einer anderen Perspektive zu machen.

Der Katamaran war so etwas von GROSS!!! Man könnte sein Jogging Training darauf absolvieren. 10 Minuten später kehrte ich zurück auf unser „BAFÖG-Boot“. (Aber das flüster ich nur, damit SIE nicht gekränkt ist)

Aparterweise zofften sich die beiden Advisor seit der ersten Schleuse. Es war teilweise so heftig, daß wir dachten, sie gehen aufeinander los. Victor (lang, nervös und schmal) hatte den Streit begonnen, der Advisor von dem Katamaran („nur“ knapp 1,80m aber mit deutlich mehr als 100 kg und mit Sicherheit der Kompetentere) hat ihn gewonnen. Victor war sauer!

Noch im Gatunsee schmollte und grummelte er. Ich fütterte ihn mit Sandwiches und Kuchen, denn ein bißchen leid tat er mir schon.

An der Boje gab es dann ein Feierabendbier, eiskalt, denn der nette Busfahrer aus der Marina hatte mir heute vier Pakete Eiswürfel mitgebracht, da ich keine Zeit mehr hatte um selbst zu fahren.

Mein Goulasch mit Spagetti fand bei unserer Crew reißenden Absatz und so gab es, Gott sei Dank, keine Reste.

 

Wir haben einen professionellen Linehandler an Bord. Leroy. In der Marina waren die Meisten beschäftigt mit ihrer Ab- und Weiterreise. Viele Boote lagen schon im „Sommerschlaf“ und so fanden wir dort nur einen Willigen, Dauphin, einen Texaner, (sein Segelboot heißt Monarch! Grins!!!) der gern mit uns durch den Kanal ging.

Bei der Fahrt über den Gatunsee erzählte er von meiner Anwerbung. Ich hätte gesagt: Hi, I'm Christiane, we are looking for a linehandler. I'm a very good cook. And so he said at once: I do it!!

Er war ein total lustiger Typ, fast ein Entertainer, und wir hatten jede Menge Spaß.

Daniel von der Matilda war schon am Sonntag bei uns eingetroffen und somit waren wir komplett.

 

Die Diskussionen nach dem Essen waren interressant, besonders da Leroy von seiner Verbindung zu den Geistern erzählte, aber um 23 Uhr warf ich das Handtuch und ging ins Bett.

 

2. Tag

Normalerweise ist Abfahrt ab 6 Uhr. Ich wachte erst 15 Minuten später auf. Norbert schrubbte schon den Schlamm vom Vorschiff, den unsere Ankerkette gestern darauf hinterlassen hatte. Daniel schlief noch den Schlaf der Gerechten. Um 7 Uhr gab es Frühstück, kein Advisor weit und breit. Um 8 Uhr wurde es langweilig. Gegen 8:15 Uhr wurde ein Advisor auf dem Katamaran abgesetzt und dieser legte ab. Wir hingen nun allein an unserer Boje, wie ein hässliches Entlein, das keiner haben wollte. Aber dann kam er: Robin. Nett, ruhig, gut drauf. Er hatte gestern die Trinity begleitet. Heute hatten wir anscheinend Glück.

Die Sonne schien, kein Regen in Sicht. Ein perfekter Tag. Die Hitze gab es gratis.

Die Fahrt über den Gatunsee war ganz anders als beim ersten Mal, aber genau so faszinierend. Aus dem gestauten Gewässer, das von mehreren Flüssen gespeist wird, schauen nahe der Inseln noch die Spitzen der ertrunkenen Bäume heraus. Die Vegetation ist üppig und schön. In dem grünen Dickicht stehen ab und zu gelb blühende Bäume, sehr dekorativ. Hier leben Krokodile, Jaguare, Affen und sogar die seltenen Harpyen, auf englisch Harpy Eagle, die allerdings in den alten Sagen immer mit einem schlechten Image behaftet waren.

unsere Linehandler am 2. Tag:

Daniel war am Steuern als die Wasserpolizei das zweite Mal an uns vorbei fuhr. Ich saß auf dem Dach und sah hinter uns etwas rotes im Wasser treiben. Darauf meinte Norbert: „SCHE...., das ist unser Kissen“. Er hatte auf der Reeling gesessen und das Kissen untergeschoben, war dann aber aufgestanden ohne daran zu denken. Sie bargen es und brachten es tropfnaß, aber süßwassergespült zu uns zurück. Wir tauschten es gegen zwei Bier und alle waren zufrieden.

Diese Kissen sehen inzwischen schon etwas heruntergekommen aus, sind aber Wachmaschinen- und Trockner getestet und von der Bequemlichkeit her unschlagbar.

Um 12 Uhr servierte ich den Lunch. Burritos, hinterher frische Ananas. Alle spachtelten zufrieden. Langsam wurden auch die kalten Getränke knapp aber da waren wir schon in den Schleusen.

Der Skipper des Katamarans wünschte in der Schleuse an die Wand zu gehen, so hatten wir auf der SP'ICA nichts zu tun, denn bei dieser Art zu schleusen gibt es nur zwei Leinen, die von den mauerseitigen Klampen des Kats zu den Pollern über der Schleusenkammer geführt werden.

In der letzten Schleuse hatten sie etwas Streß den Kat festzumachen. Es dauerte und dauerte. Wir waren inzwischen zu nah und Norbert drehte in der Schleuse eine Runde um eine bessere Position zum Anlegen zu bekommen. Von hinten schob das Dickschiff die Wassermassen vor sich her und so gestaltete sich das Drehmanöver etwas spektakulärer als geplant. Unser ruhiger Robin meinte, allerdings mit einem Lächeln, zu Norbert: „You make me nervous.“ Aber alles ging gut und kurz darauf ging es wieder im Päckchen nach unten.

Dann öffneten sich die Tore und das Wasser des Pazifiks begrüßte unseren dritten Oldie, die Beiden sind schließlich alte Bekannte. Ich servierte Champagne (englische Schreibweise) zur Feier des Augenblicks. Leroy setzte an und zog sich die Dröhnung mit einem Zug rein, Hauptsache kalt. Mir fiel fast das Glas aus der Hand.

Vor dem Balboa Yacht Club hatte unser „Leinenagent“ eine Boje für uns reserviert. Hier verließen uns Leroy und Dauphin. Letzterer wollte ins Hotel, mindestens 90 Minuten duschen und dann 12 Stunden schlafen. Ein total lustiger Typ, wir mochten ihn sehr.

Daniel bleibt noch bis morgen. Er möchte Südamerika bereisen und macht zuerst einen Stopp in Kolumbien um Spanisch zu lernen.

Als „Apero“ tranken wir seine bis hier geschleppte schweizer Spezialität: Appenzeller Kräuterschnaps, bestehend aus 42 Kräutern und Alkohol, aßen noch einmal Burritos und legten die Beine hoch. Geschafft!

½ Meile vor uns liegt der Eingang zum Pazifik, die Startlinie in eine neue und andere Welt.

Pleiten, Pech und Pannen

11. Mai

Vor zwei Tagen sind wir mit dem Taxi zum Bauernmarkt gefahren um uns für die nächsten drei Wochen mit Obst und Gemüse einzudecken. Nach dem ersten Großeinkauf setzte sich Norbert mit unseren Taschen an die Saftbar. Ich sauste über den für Neulinge schwer überschaubaren Markt auf der Suche nach Ananas, Mangos und Bananen. Man hätte sich viel mehr Zeit nehmen müssen, um alles in Ruhe anzuschauen. Weite offenen Hallen voller Ananas in allen Größen und Reifegraden warten hier auf Käufer. Ich erstand sechs Stück der mittleren Größe, schön grün, für insgesamt drei Dollar. In dem Melonenareal des Marktes lagern Tonnen der großen Früchte. Ihr Transportweg ist originell, denn dabei werden sie zu „Flugmelonen“. Alle drei Meter steht jemand, der die ankommende Melone fängt und zum nächsten Posten weiter wirft. Der Letzte lagert sie sanft und sicher in die wartenden Kundenautos.

Irgendwann fand ich die Bananenstraße und erstand eine Staude kleiner grüner Bananen in der passenden Größte, für 2,50 Dollar!!! Ich konnte es kaum glauben. Mit meinen Schätzen beladen suchte ich nun Norbert und die Saftbar. (War ziemlich schwierig, denn ich hatte mich hoffnungslos verfranst.

Heute, zwei Tage später, sind unsere Bananen gelb, die Ananas durften fordernd und die Mangos sind schon fast überreif.

Jetzt wollten wir noch schnell Diesel und Wasser bunkern, ausklarieren und morgen zu den Las Perlas Inseln aufbrechen.

So der Plan! Ist aber nicht, denn dummerweise haben wir unsere Aufenthaltsgenehmigung um sieben Tage überschritten. Mit keinem Gedanken haben wir in all dem Trubel der letzten Tage daran gedacht, daß diese nach 30 Tagen verlängert werden muß.

Es hagelte eine Strafpredigt und dann mußte ich eine Quarantäneerklärung ausfüllen, 40 Dollar dafür bezahlen und morgen früh geht es dann ins Mainoffice der Immigration, wo sie uns dann wohl den Rest geben werden.

Dienstag, 12. Mai

Die faule Bande im Mainoffice hat nicht einmal gemerkt, daß etwas nicht stimmt und so haben wir nun einen offiziellen Ein- und Ausreisestempel (der von den Kunas gilt hier nicht).

Bei der Marina Authority in Amador holten wir uns dann die Zarpe, eine Art Genehmigung von Panama zu den Marquesas zu segeln.

Der Abschied von der TRINITY und von Andreas und Mandy folgte. Gestern hatten wir die Beiden noch auf der MATILDA besucht.

 

Mittwoch, 13, Mai

Juhu!!! unsere Lieblingstochter hat Geburtstag.

Happy Birthday to you,

happy Birthday to you,

happy Birthday liebe Fritzi,happy Birthday to you. → und ein wunderschönes neues Lebensjahr.

 

 

 

 

Wir fahren vorbei an der Skyline von Panama-City. Unser heutiges Zeil ist die Isla Contadora, die erste der Las Perlas Inseln, die wir besuchen werden. Laut Andreas tragen diese Inseln ihren Namen zurecht, denn bis auf wenige sind sie noch ursprünglich, einsam und wunderschön.

Und übrigens: wir halten uns tapfer und verzehren Unmengen reifer Früchte.

 

13. bis 20. Mai

Die Las Perlas Inseln

Vor der Isla Contadora, dem Sylt der Reichen aus Panama-City, schnappten wir uns eine Boje. An dem wunderbaren Sandstrand brachen sich ein paar kleine Wellen, dahinter zeigen die Villen, wieviel Geld es auch in diesem Land gibt. Am Wochenende ist hier Highlife und die Motoryachten liegen an den Bojen. Jetskis jagen dazwischen hindurch und aus jeder Yacht tönt laute Musik.

 

Am nächsten Morgen zogen wir weiter zu der kleinen Insel Espiritu Santo. Leider verbarg sich die Sonne hinter den Wolken und die Luft war voller Feuchtigkeit. Den Kanal zwischen Epiritu Santo und der großen Isla del Rey teilten sich schon zwei Segelboote, wir legten uns in die Mitte. Ein ruhiges, schönes Plätzchen.

Jeder Reiseführer dieser Region weist auf die Großartigkeit der reichlich vorhandenen maritimen Lebewesen hin. Delfine, Wale, Rochen, Haie, sowie Unmengen von Fischen, all das kann man hier wohl beobachten. Bisher halten sich diese Arten jedoch vornehm zurück.

Unser nächstes Ziel war die Südseite der Isla Canas, einer der schönsten und sichersten Ankerplätze der Las Perlas Inseln. Langsam schaukelten wir unserem Ziel entgegen, über dem sich immer mehr schwarze Wolken ansammelten. Donnergrummeln erfüllte die Luft, es sah ganz schön bedrohlich aus. Wir nahmen noch etwas Fahrt heraus und hofften, daß sich das Gewitter vor uns verzog. Allerdings waren die schwarzen Wolken nur Attrappen, denn hinter uns, aus einem unspektakulären Himmel, krachten nun die Blitze herunter, ungefähr 3-4 km entfernt. Ich habe eigentlich nicht viel Angst vor Gewittern, auf dem Wasser ist dies aber eine andere Sache. Hier bangt man um die technische Ausrüstung, die einen Treffer oft nicht überlebt. . Dann hatten uns die hiesigen Blitzgötter erspäht. „Schaut mal ein Segelboot!“ Drei Blitze krachten nacheinander hinter und neben uns herunter, ca. 50 m entfernt. Blitz und Donner akustisch und optisch nicht zu trennen, schon irgendwie beängstigend. Selbst Norbert kam nun nach unten.

Es war wohl das Finale gewesen, denn danach kehrte Ruhe ein. Die schwarzen Wolken hatten sich nach Süden abgesetzt und wir liefen einen ruhigen Ankerplatz an. Die SPICA ist das einzige Boot hier, alles gehörte uns, auch die ungefähr 1000 Flautentierchen, die uns in der Dämmerung besuchten. Eine schwarze Wolke, aus der 2000 hauchfeine Flügel auf uns herab fielen. Sie waren überall, ich musste sie am nächsten Tag mit dem Staubsauger entsorgen.

Abends hatte Norbert keine Funkverbindung und bangte schon, den Tuner könnte es abgeschossen haben. Aber zum Glück war das nicht so und wir konnten aufatmen.

Ab und zu schien dann auch die Sonne und hob die Schönheit der Inselwelt hervor. Unmengen von Pelikanen fliegen hier über das Wasser, lange ruhige Linien, die zielstrebig weiter eilen, einem Ziel entgegen, das nur sie kennen.

Zwei Tage lagen wir vor der Isla Canas. Für Unterhaltung sorgten die Wettergötter, die uns mit einem weiteren heftigen Gewitter erfreuten. Natürlich ohne viel Regen, den wir gern in unseren Wassertank umgeleitet hätten. Am letzten Tag, nach dem Frühstück, machten wir uns auf in das kleine Dorf, wo man angeblich Früchte und Gemüse kaufen kann. Es gab weder das Eine noch das Andere, dafür besichtigten wir die extrem saubere „Mainstreet“, die an allen Häusern vorbei führt. (Die Lage ist erste Klasse, alle haben Meerblick!)

9 nm weiter. Vor uns liegt „La Esmeralda“, ein weiteres Fischerdorf.

Ich habe einen Sonnenbrand auf der Nase. Eine Stunde ohne Sonnenschutzmittel hat gereicht. Meine Nasse ist so rot, daß Rentier Rudolf, würde er sie sehen, depressiv in den Schnee heulen müßte.

Mit eben dieser Nase sind wir am Nachmittag in das oben genannte Dorf gefahren. Schon 100 m vor dem Strand rasten zwei junge Männer los in Richtung unseres Landungspunkts. Immer mehr rannten ihnen hinterher, aber die Beiden haben „ihre“ Gringos verteidigt. Sie halfen uns beim Anlanden und stellten sich vor. Ich nutze hier vermehrt den Namen Christina, denn bei Christiane verknoten sich ihre Stimmbänder und sie fangen an zu würgen.

Inzwischen waren ungefähr 10-12 Kinder bei uns eingetroffen, die auf unserem Boot platziert wurden. Wir bekamen eine Führung durch das Dorf verpaßt. Was wir bräuchten? Fisch, kein Problem, Frutas, ebenfalls alle Sorten vorhanden.

Das Dorf war voller Kinder und Hunde. Die Kinder waren überall. Braun, großäugig und fröhlich. Auf meine Nachfrage hin erklärte uns der schwatzhaftere unserer beiden Guides, sie äßen halt viel Mariscos (Meeresfrüchte). Das Argument war überzeugend, vielleicht geben sie ja auch ihren Hunden welche. Wir besichtigten die Schule und begrüßten die Schüler (zwischen 8 und 30 Jahren). Einer ihrer Lehrer sprach gut Englisch und erklärte allen, wir seien aus Deutschland gekommen um La Esmeralde zu besuchen. Sie haben viel gelernt an diesem Tag. Die Frauen aus Deutschland sind klein und haben eine extrem rote Nase.

Unsere Guides waren unermüdlich. Sie schleppten uns zu ihrem Patron, wo wir einen Fisch kauften. Obst und Gemüse gehörten in das Reich der Fabeln, aber ein paar Limonen gab es.

Zurück am Dinghi bezahlten wir unsere Guides und die kleinen Monster, die unser Boot „bewacht“ haben. Als Andenken blieben uns ca, 2 kg Sand, der ihnen im Boot von den Füßen gefallen war.

20. Mai bis 1. Juni

Las Perlas Inseln → Galapagos

Um es vorweg zu nehmen: es war der zermürbendste Törn der ganzen bisherigen Reise.

965 nm durch die ITCZ = Intertropical Convergenc Zone.

Einige Segler ersetzen das C durch ein K: ITKZ = Intertropical Kotz Zone.

Wir schließen uns an, uneingeschränkt!!!!

Nichts, aber auch gar nichts auf dieser Fahrt war berechenbar, weder der Wind noch dessen Beständigkeit, von der Richtung ganz zu schweigen. Der Wetterbericht stimmte nur in den letzten zwei Tagen, 17-20 Knoten Wind, eigentlich ideal, aber wir krepelten mit einer Geschwindigkeit von maximal 4 Knoten in den hackigen Wellen herum, damit wir San Christobal im Hellen erreichen.

Von 965 nm mussten wir die Hälfte am Wind segeln oder gar kreuzen. Bei einem Wendewinkel von 110° brachten uns 24 Stunden 34 Meilen unserem Ziel näher.

 

Tropische Regengüsse ließen uns triefen, ein Squal mit ekligen Böen zerfetzte die Nähte des UV-Schutzes unserer Genua.

An einem Abend kam es dann ganz dick. Wir fuhren starren Blicks auf eine gewaltige Wolkenmauer zu, in der alle 10 Sekunden Blitze und flackerndes grelles Licht jeden Winkel erhellte. Vom Gefühl her ein bißchen so, als würden wir in einem Sarg auf Schienen in die Brennkammer eines Krematoriums hinein rollen. In dieser Nacht war selbst Norbert froh über unser Stahlschiff.

 

Am nächsten Tag hatten wir ab Mittag eine totale Flaute, schlagende Segel nervten. So ließen wir uns treiben, alle Segel geborgen. In der Plicht deponierten wir abends zusätzlich zur offiziellen Beleuchtung eine Blitzlampe. Dann legten wir uns schlafen, wie zu Hause.

Den Rest der Fahrt hatten wir wenig oder kaum Wind. Der Unterschied liegt in der Segelbarkeit.

Dies wechselte oft im Minutentakt.

Ab und zu gab es auch schöne Stunden. Wir sahen zum ersten Mal das Kreuz des Südens, glitten mit 4-5 Knoten über eine ruhige See, begegneten einer riesigen, sprungfreudigen Delfinschule und schauten den Tölpeln zu, von denen uns jede Nacht 10 bis 15 begleiteten. Geistergleich und weiß schimmernd umkreisten sie unermüdlich unser Schiff.

Und dann gab es noch das:

In einem perfekten Szenario, bleiglattes Wasser, beschienen von diffusem Sonnenlicht, tauchten SIE auf, begleiteten uns ein Stück und ließen uns begeistert und voller guter Laune zurück.

Heute, um 8 Uhr, sind wir in San Christobal angekommen, müde und ziemlich fertig.

Wir brauchen jetzt eine doppelte Dosis Hafendemenz und tolle Erlebnisse auf Galapagos um den langen Schlag zu den Marquesas unbeschwert in Angriff zu nehmen.

Ach übrigens, unsere Äquatorüberquerung habe ich in meiner Nachtwache gar nicht bemerkt.

Kein Neptun in Sicht, der mich/uns daran erinnert hat! Norbert hat es am nächsten Morgen bemerkt. Vor Anker in San Christobal haben wir die Ganzkörpertaufe nachgeholt. Kühles Wasser so viel man will! (Brrr!)

 

NS: die Seelöwen stinken tierisch!