Samstag, 20. Juni bis 18. Juli

Santa Cruz / Galapagos → Hiva Oa / Marquesas

 

Die ersten 1000 Seemeilen

Heute ist Sonntag, der 28. Juli, 13:30 Uhr. 1000 nm sind geschafft. Acht Tage segeln.

Davon waren 2-3 Tage ganz schön, 2 Tage ok, der Rest anstrengend und nervig. Keine allzu schöne Bilanz.

Norbert stellte nach 4 Tagen fest, daß er segeln haßt und wollte unser Boot spontan verkaufen oder verschenken. Der Andrang der Interessenten lag in diesem Moment jedoch bei Null und so erübrigte sich diese Aktion.

Ich wünschte mir einen Hubschrauber, der mich in die Alpen fliegt, auch diese Idee verlief sich -nein, nicht im Sand, den gibt es hier nicht- im Wasser.

Inzwischen haben wir uns eingerichtet und sind wieder gelassener. Läuft alles so weiter wie bisher feiern wir in 4 Tagen Bergfest.

Rosi und Klaus haben die Marquesas inzwischen abgegrast und sind unterwegs zu den Tuamotos. Annemarie, Jan und Bernhard haben geschrieben, daß sie Gambier heute erreichen. All diese Inselgruppen gehören zu Französisch Polynesien. Andreas und Katja erholen sich laut Rosi und Klaus noch auf den Marquesas.

Gestern surrte Norberts Angel. Es folgte das Übliche, Segel verkleinern, Käscher und Gaff holen. Wir trieben mit zwei Knoten durch das Wasser. Norbert kurbelte mit aller Kraft. Dieser Fisch muss deutlich größer als der im Atlantik gewesen sein. Die Angel bog sich und zeigte steil nach unten. Was immer auch daran hing, ich wollte es nicht an Bord haben. Irgendwann riss die Leine (zu meiner großen Erleichterung).

Übrigens Fisch: Die Menge der bisher auf unserem Deck gelandeten fliegenden Fische würde reichen, einen Marktstand ordentlich auszustatten.

Noch etwas: Auf dieser endlos weiten Wasserfläche herrschte bisher ein Verkehr wie auf dem Ku'damm. Jeder zweite Nacht sahen wir das Licht eines Schiffes. Auch unser Sea me

empfing oft Radarsignale, die dazu gehörenden Schiffe sahen wir jedoch selten.

Bergfest, 2. Juli 11:00 Uhr

Die Hälfte ist geschafft.

Kennt jemand von euch noch Ping Pinguin aus der Geschichte“Urmel aus dem Eis“?

Ein kleiner Genießer mit einem niedlichen 'Sprachfehler, der die mir unvergesslichen Worte prägte: „Die Sonne zieht über mich hinweg,

der Mond zieht über mich hinweg,

die Sterne ziehen über mich hinweg

und ich liege in meiner Mupfel und träume.“

Unsere „Mupfel“ gleitet durch das Wasser, mal schneller mal langsamer. Auch wir schauen auf Sonne, Mond und Sterne, zusätzlich noch auf Wellen und Wolken, im ständigen Gleichklang der Tage und Nächte.

Unsere Gedanken sind oft daheim bei Familie und Freunden, bei Blumen und Bäumen und bei Lili, die heute drei Monate alt ist.

Montag, 6. Juni

Die letzten 1000 Meilen

Heute ist es passiert, unsere Restmeilen sind dreistellig. „Nur“noch 999 nm.

Normalerweise ca. 8 Tage, aber was ist schon normal? Der „Wind“ war kaum noch vorhanden die damit segelbare Richtung nicht optimal. Statt mit Großsegel und Genua schaukeln wir nun mit Genua und ausgebaumter Fock mit 4 kn vor Wind und Wellen her. Darin ist ein Knoten Strömung bereits enthalten. Allerdings ist die ruhige Fahrt nach dem nächtlichen Schlagen der Genua bei jeder Welle direkt ein Genuss.

 

 

 

 

A prspos Genuss: nachmittags, wir hörten gerade unser tägliches Hörspiel, sprang hinter uns ein schöner Fisch. Norbert schlug ihm vor, an seine Angel zu gehen und der Blödmann tat es auch noch. Ein herrlicher Dolphin oder Mahi Mahi, wunderschön schillernd in gold und blau. Wir holten ihn ein, er bekam einen Schuß Alkohol hinter die Kiemen und unser Essen für die nächsten drei Tage war an Bord. Vom Kopf bis zu den Schwanzenden maß er ungefähr einen Meter.

Heute gibt es Bratfisch, morgen Ceviche und übermorgen wieder Bratfisch. Lecker!

7. bis 11. Juni

Meeresfrust

Wir hassen segeln!!!!

Der Wind wurde immer schwächer. Donnerstag Nacht, ich hatte meine Wache gerade beendet, Durchschnittsgeschwindigkeit 2 Knoten incl. Strömung, strich Norbert die Segel. In vier Tagen hatten wir es 350 nm näher zum Ziel geschafft, am letzten Tag waren es gerade noch 60 Meilen. Dann war es vorbei mit dem Wind. Diese Situation ist, 680 Meilen vor dem nächsten Hafen, psychisch nicht wirklich aufbauend.

Die SPICA rollte in den Wellen. Gestern war es es wirklich schwer auszuhalten. Keine einziger Windhauch kräuselte das Wasser, nur die alte Dünung hob und senkte den Wasserspiegel. Für die nächsten 36 Stunden gibt es laut Wetterbericht keine Veränderung. Gegen 14 Uhr Lokalzeit hielten wir es nicht mehr aus und starteten den Motor. 5 Stunden dieseln,. Das half der Stimmung wieder etwas auf die Beine. Ein wenig Kosmetik, mehr nicht, aber allem Anderen vorzuziehen.

Nachts schwieg der Diesel und wir schliefen mit kleinen Ausguckpausen 10 Stunden.

Heute Morgen pfiff der Wind, von Westen, also von vorn. Um uns herum luden graue Wolken ihre nasse Fracht ab. Wir gingen wieder nach unten.

Jetzt ist es Samstag, 12:20 Uhr. Wir segeln mit drei Knoten in eine blöde Richtung, aber wir segeln. Ab Montag soll der Wind wieder mit 4 Bft. Aus SSW kommen. Bloß nicht glauben.

Norbert schimpft von oben, es gibt mal wieder kaum noch Wind.

 

Abends sandte Norbert Kruse eine weiträumige Wetterkarte. Wir befanden uns die letzten Tage in einem Trog, einem Windloch. Es war unendlich beruhigend zu sehen, daß um dieses Loch herum der Wind in guter Stärke vorhanden war.

Die letzten 5 Tage

Morgen früh werden wir Hiva Oa erreichen. In den letzten Tagen hatten wir stetigen Wind, immer 4 Bft, manchmal ein wenig mehr. Am ersten dieser Windtage machte mein Herz jedes Mal einen kleinen Satz wenn es wieder einmal etwas langsamer wehte, aber dann legte sich das. Dafür tauchten die Gedanken und Ängste, die ich mir bei der Windstille rigoros verboten hatte, nach und nach auf. Man ist sehr verletzlich in diesem Teil des Ozeans, so weit entfernt von irgend welchem Land. Einmal losgefahren gibt es kein Zurück.

Wir sind schmal geworden auf den letzten beiden Törns obwohl wir soviel Zucker verbraucht haben wie im ganzen letzten Jahr. Circa 250 bis 300 g, versteckt in Pudding, den es in letzter Zeit fast jeden Tag zum Kaffee gab. Ein Schmiermittel für die Seele und ein kleines Ritual zur Strukturierung des Tage. 14:30 ist Kaffeezeit, danach hörten wir Hörbücher, viele skurril und witzig. Krass war ein Hörbuch von Donna Leon mit Commissario Brunetti. Die ganze Zeit futtert diese Familie schon mittags dreigängige Menüs, deren Beschreibung uns sabbern läßt und die die „kulinarischen Köstlichkeiten“ des Bordlebens trotz meiner eingekochten Spezialitäten wie Fraß aussehen läßt. Dazu gibt es Flaschenweise Wein und Grappa. Sie müssten alle aussehen wie ein Fass!!!

Samstag, 18. juli

Wir sind da!

Fast auf die Minute genau nach 28 Tagen = vier ganze Wochen. Vier Wochen unseres Lebens.

In dieser Zeit sind wir 2975 Meilen gesegelt, das sind 5509 Kilometer.

Dann endlich Land. Aus der Dämmerung tauchten drei Inseln auf. Hiva Oa, die Hauptinsel, Tahuata und Mokotan, zwei kleinere Trabanten.

Die letzte Meile bis zur Ankerbucht verbrachte ich unter Deck vor dem Computer. Die Wellen schüttelten uns ein letztes Mal, dann war die Bucht erreicht. Als ich wieder hoch durfte schaute ich staunend auf die smaragdgrünen Hügel die uns umgaben. (Ich habe den Rest des Tages nicht Anderes getan.) Wir sind müde bis zum Umfallen, aber auch ein kleines bißchen stolz es (hoffentlich) ohne bleibende Schäden geschafft zu haben.

Ein Mann in einem Dinghi tauchte neben uns auf und ich hörte die schönen Worte:

Willkommen in der Südsee“, auf Deutsch! Gibt es einen netteren Empfang?

Die Marquesas

Ein wenig Geschichte:

Die hohen, von steilen Felsgraten zerteilten Inseln liegen ungeschützt im Südpazifik. Sie haben keine Riffe, die sie vor den oft heftigen Wellen des Pazifiks schützen.

Vor der Entdeckung durch die Spanier im Jahr 1595, die ihnen den Namen „Las Marquesas de Mendoza“ gaben, ihre Existenz aber vor den Engländern geheim hielten und schnell mal alle Einheimischen abschossen, die sie sahen, lebten die Inselbewohner in Dorfgemeinschaften, mit einem Häuptling als Dorfoberhaupt, in den fruchtbaren Flußtälern.

Später wurden viele durch die Peruaner versklavt, die sie in den Minen und Farmen Südamerikas arbeiten ließen. Ein paar Rückkehrer schleppten dann noch die Pocken ein und so gab es nur noch wenige der ursprünglichen Bewohner.

1842 informierte Admiral Du Petit-Thouars in Papeete die Inselbewohner, daß sie ab sofort Teil des französischen Protektorats wären.

Die Marquesas gehören zu Ost-Polynesien, wie auch der riesige Tuamoto Archipel, die Austral Islands, die Gambier Inseln und die Gesellschaftsinseln. Das gesamte Gebiet ist so groß, daß fast ganz Europa hinein passen würde.

Auf einer vergleichsweise kleinen von den 118 zu diesem Gebiet gehörenden Inseln sind wir nun gelandet. Hiva Oa, der größten der 6 bewohnten Inseln der Marquesas.

Am Wochenende flitzten viele bunte Kanus mit Auslegern durch die Bucht. Ein älterer Mann ist der absolute Paddelkönig. Er trägt eine Blume hinter dem Ohr. Ich bin dahin geschmolzen.

Die Boote lagern ca. 200 m entfernt auf einer Wiese, direkt hinter der Dusche, einem Gestell, aus dem im 10 cm Abstand je ein kräftiger Wasserstrahl kommt, sozusagen ein Duschvorhang. So viel schönes Süßwasser. Wir nutzen jede Gelegenheit uns darunter zu stellen

Hiva Oa – die ersten Tage

Grüne Hügel, ein hoher spitzer Berg, freundliche entspannte Leute, ein wunderbares kulinarisches Angebot in den örtlichen Läden, französische Lässigkeit beim Einklarieren, das waren unsere ersten Eindrücke.

In der Bucht von Atuona liegen drei französische Schiffe, zwei englische, ein belgisches, ein schweizer und mit uns zwei deutsche Boote. Nach uns erreichte auch der alte Neuseeländer, dem auf Galapagos seine Crew weg gelaufen war, mit seinem neuen Gefährten die Bucht.

Man liegt hier mit Bug- und Heckanker, da der Wind gleichzeitig aus allen möglichen Richtungen kommt. Es ist ein wenig schwellig, aber meist gut auszuhalten.

Bei unserer Ankunft lernten wir Erwin kennen, der uns beim Ausbringen des Heckankers half. Etwas später besuchte uns Alexandra von der Ghost, dem anderen deutschen Schiff, ebenso das neue Crewmitglied des Neuseeländers. Auch Erwin und seine Frau Ermina kamen kurz vorbei und so war die SPICA von Dinghis regelrecht umzingelt. Eine freundliche Seglergemeinde, in der wir uns sofort wohl fühlten. Wir bekamen die ersten Tipps, schafften es noch in dem Laden an der Tankstelle einzukaufen und gönnten uns dann ein Mittagsschläfchen. Wir sind total müde. Eigentlich nicht verwunderlich, da wir 28 Tage maximal 5-6 Stunden geschlafen haben und das noch aufgeteilt in zwei Etappen.

Aber nun sind wir da und können uns erholen. Über dem zwischen den Hügeln sanft ansteigenden Tal kreisen viele Fregattvögel. Die Sonne scheint, das Klima ist mit seinen 26°C warmen Tagen und kühleren Nächten extrem angenehm, die hiesigen Mischwälder der dichten Vegetation sind Balsam für die Augen. Auf dem oberen Teil der „Berge“ sieht man grüne Wiesen mit einzeln stehenden Bäumen, die fast wie Almen im Voralpenland wirken.

Unser erster Gang in den Ort.

Bis zum Ortszentrum brauchten wir fast eine Stunde. Wir müssen tatsächlich wieder gehen lernen. Auf dem Rückweg war ich fix und fertig. Außerdem habe ich an Land immer wieder extreme Gleichgewichtsstörungen. Am zweiten Tag ging es schon besser, aber es ist immer noch ein Elend!

Allerdings haben wir an diesem Tag die örtlichen Supermärkte inspiziert und sind mit wunderbaren Schätzen zum Boot zurück gekehrt. Knuspriges Baguette, Schinken, Salami und Coppa, reifer Brie, frisches Gemüse und Obst. Abends gab es grüne Bohnen mit 2 cm dicken köstlichen Entrecotes.

Brunetti kann einpacken!

Horrorgeschichten

Dachten wir, unsere Überfahrt war anstrengend, wurden wir hier eines Besseren belehrt. Der Ghost brach die Halterung der Unterwant. Sören musste trotz der hohen Wellen am Mast hinauf klettern um diesen provisorisch mit Seilen zu sichern. Beide hofften, daß er nicht gerade in diesem Moment fällt. Der Rest der Strecke war eine Zitterpartie. Mit 3-4 Knoten schlichen sie weiter in Richtung Marquesas, (wir wissen, wie langsam das ist) die sie dann nach 38 Tagen erreichten.

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Noch krasser war die Geschichte des Neuseeländers, der, um seinem Freund zu helfen, nach Galapagpos gereist war um dessen Boot zusammen mit diesem zu überführen. (Puh, aus diesem Satz habe ich kaum noch herausgefunden.)

Die vorhandene Windsteueranlage funktionierte nicht, einen elektrischen Autopilot gab es nicht, die Steuerung war weich und schwammig und funktionierte mit jedem Tag schlechter. Sie mussten die ganze Zeit, 28 Tage, von Hand steuern!!!!!!!!!!!!!

Das Bordwasser war grün und faulig, außer verschimmeltem Käse gab es kaum etwas zu essen.

Wundert sich noch jemand, daß dem Skipper seine alte Crew auf Galapagos davon gelaufen war?

Jedenfalls ist dieses total nette neue Crewmitglied glücklich nach Neuseeland zurück geflogen. Ich glaube nicht, daß er sich noch einmal auf so ein Abenteuer einläßt.

Donnerstag, 23. Juli

Franziska hat heute Geburtstag. Ganz herzliche Glückwünsche aus der Südsee.

 

Inselrundfahrt

Zusammen mit Jrmina und Erwin starteten wir gegen 9 Uhr in einem weißen Pickup zu einer Inselrundfahrt. Es gibt nur wenige Straßen, die zwischendurch zu Pisten werden können und dann eine echte Aufgabe für die Bandscheiben darstellen. (Besonders wenn so verhinderte Rennfahrer wie Norbo das Steuer in der Hand haben)

Rund um die Inselmitte dominieren Kiefern, die gleiche Sorte wie auf den Kanaren, die Vegetation. Dicke grüne puschlige Kiefern, die einen herrlichen Duft verbreiten, dazwischen Palmen und beeindruckende einheimische Bäume mit extrem dicken Stämmen.

Die Straße schlängelte sich bergauf und bergab, bot herrliche Ausblicke über Küste, schöne Buchten und tiefe Täler zwischen den hohen, steilen Hängen.

Das Hauptziel unserer Tour war die alte Kultstätte lipona im Puamautal, der bedeutendsten in ganz Polynesien. Auf der gut gepflegten alten Versammlungsstätte stehen die beeindruckenden Tiki-Figuren. Drei sind gut erhalten, ein paar anderen fehlen ein paar Körperteile. Steht man vor ihnen und schaust sie an ahnt man etwas von den vielen Erinnerungen, die sie einfach haben müssen, die sie aber lächelnd für sich behalten.

Die Menschen auf der Insel sind überall entspannt, nett und freundlich. Die Frauen, in jedem Alter schön (finde ich jedenfalls) beeindrucken mit ihrer Ausstrahlung. Alte Damen mit wallenden grauen Haaren, junge bildschöne Teenies, selbstbewusste Frauen im mittleren Alter, ich könnte sie stundenlang ansehen. Auch die Männer sind einen Blick wert. Manche sind schön wie Statuen, andere beeindrucken mit einem hohen Kampfgewicht.

Zurück im Hafen trafen wir auf die schon sehr fröhlich gestimmten Segelcrews, die bei einem Barbecue im Nieselregen den Abschied von dem netten Neuseeländer feierten.

Wir waren aber so fertig nach diesem langen Tag mit den vielen Eindrücken, daß wir kniffen und uns zurück an Bord zu einem Feierabendbier verzogen.

Sonntag, 26. Juli

Hiva Oa von oben – in doppelter Hinsicht

Die letzten beiden Tage ließ uns das Wetter ahnen, was Regenzeit hier bedeuten kann. Das Gute daran ist, daß unsere Wassertanks wieder fast voll sind. Aus unseren „Regenrinnen“ strömte weiches sauberes Trinkwasser durch die Schläuche.

Sieht man es positiv, wurde unsere frisch gewaschene Wäsche ebenfalls mehrfach regenwassergespült. Trocken wurde sie dabei leider nicht.

Heute Vormittag, ich war gerade beim Goulasch einkochen, funkte uns Sandra, die hiesige Touristenmanagerin, an. Wir hatten einen Rundflug über die Insel geplant, welcher nun heute stattfinden sollte. Der Himmel klarte auf, die Wäsche trocknete und beim Start um 3 Uhr pm konnte es gar nicht schöner sein. Alles glänzte wie frisch gewaschen.

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Mit der winzigsten Maschine, in der ich je gesessen habe, flogen wir nun über Insel und Küsten. An der Steilküste im Südwesten fielen wir in ein kleines Luftloch und wurden etwas durchgerüttelt.

Wir konnten auch gleich einen Blick auf die Buchten der kleinen Nachbarinsel Tahuata werfen, in die wir in ein paar Tagen umsetzen werden.

Unser Flugzeug hieß Mokohé, Fregattvogel. Ich habe ihnen immer gern bei ihren Flugmanövern zugeschaut. Für eine gute halbe Stunde teilten wir heute ihre Sicht auf Land und Meer, einzig ihre krassen Sturzflüge haben wir nicht ausprobiert.

Paul Gauguin

Inspiriert von dem spannenden Krimi „Bretonische Verhältnisse“, den wir uns auf der Überfahrt angehört hatten und durch den wir viel über Gauguin, seine Malerei und seinen Aufenthalt in Pont Aven, im Süden der Bretagne, erfuhren, besuchten wir das Gauguin-Museum in Atuona. In dem wunderbaren Gebäude findet man in drei Sälen Kopien der Werke des Künstlers aus den vielen Etappen seines Lebens. Nicht alle Bilder haben mir gefallen, wohl aber die wunderbaren Farben seiner Südseebilder, ebenfalls viele der Gesichter aus dieser Epoche. Die Originale hängen in den großen Museen der Welt, aber auch deren Kopien hier auf Hiva Oa zeigen seine Genialität.

Gauguin hat in seinem Leben nicht viel ausgelassen. Zuletzt verbrachte er einige Zeit auf Tahiti, das er aber 1902 verließ um auf Hiva Oa zu leben. Er kaufte von der Kirche eine Parzelle mitten im Dorf und lebte dort in seinem „Haus der Freuden“ im ständigen Kleinkrieg mit Kirche und Kolonialverwaltung. Hier gönnte er sich nebenher eine 14-jährige „Freundin“, denn etwas Freude braucht der Mensch. 1903 verstarb er. Sein Grab findet man auf dem schönen Friedhof oberhalb der Stadt, nicht weit entfernt von dem Jaques Brel's, der ebenfalls eine Zeitlang auf dieser Insel lebte, allerdings viele Jahre später.