Sonntag, 04. Januar

Abschied

Heute mussten wir Abschied nehmen. Von den „blauen Felixen“ die wir zu unserer großen Freude hier nach einem Jahr wieder getroffen haben, von Werner, den wir erst seit dem Heiligen Abend kennen, aber mit dem wir uns prima verstanden haben, von Martina und Dietmar, Andi und Thomas, den Tangaroas und von Lilian und Hanspeter, mit denen wir uns den Modder vom Mt. Qua Qua geteilt haben. Auch die Crews der Sapphire, der La Favorita und noch einige aus der Nachbarbucht werden wir wohl nicht mehr sehen.

Fast alle segeln nach Norden und verbringen, zumindest noch diese Saison, in der Karibik. Lilian und Hanspeter könnten wir mit viel Glück noch auf den ABC Inseln oder in Kolumbien treffen.

So viel geballter Abschied, so viele nette und interessante Leute, die alle auf einmal aus unserem Leben verschwinden, es machte mir echt zu schaffen.

Wir wünschen allen eine schöne Weiterreise und immer die oft beschworene Handbreit Wasser unter dem Kiel.

Es war eine superschöne Zeit in de Prickly Bay, mit vielen schönen Erlebnissen und einer lockeren und herzlichen Atmosphäre Besser geht es nicht.

Samstag, 10. Januar

Stand der Dinge

Seit sechs Tagen liegen wir wieder in der Port Louis Marina in St. George und die ganze Zeit fegen immer wieder heftige Regenfälle über die Bucht.

Wir haben alle Leinen durchgesehen und einige erneuert, unsere Vorräte aufgefüllt und heute!!! unsere eklige, dick bewachsene und grausig stinkende Ankerkette auf den Steg gelegt und geputzt. Einige Leute der Chartercrews, die gestern hier in Mengen eingetroffen sind, schauten teils betroffen, teils leicht angeekelt, aber nun stinkt es nicht mehr in unserem Ankerkasten.

Norbert schaut gerade Wetter. Es sieht gut aus, zumindest auf dem Bildschirm. Ich habe uns inzwischen ausklariert. Morgen früh setzen wir Segel und nehmen Kurs auf Bonaire, der ersten der drei ABC Inseln. 400 nm, unser erster längerer schlag nach der Überquerung des Atlantiks vor knapp einem Jahr.

Bild 1: Port Louis Marina

Bild 2 und 3: Anglerglück

Bild 4: Rosemarie und Ludwig auf der Cacique

Grenada → Bonaire

 

Sonntag, 11. Januar

8:45 Uhr: Leinen los

8:50 Uhr: es regnet!! Klasse Timing!

Noch im Hafen setzten wir die schon vorbereiteten Spinnakerbäume. Dann ging es frohgemut hinaus aufs Meer. Wind und Wellen waren laut Prognose optimal.

Grenada ist über 2000 m hoch. Das bedeutet jede Menge Windschatten. Wir brauchten drei Stunden für 10 nm bis der versprochene Wind uns erreichte. Die die Westseite der Insel herunter laufenden Querwellen schüttelten uns am Anfang ganz schön durch. (Ich habe nicht gemeckert!)

15 bis 20 Knoten Wind von hinten schoben uns mit 6 bis 8 Knoten durch das Wasser, ein wenig Strömung half mit. Dicke schwarze Wolken zogen heran und glücklicherweise meist dicht an uns vorbei und bewässerten das Meer. Trocken saßen wir in der Plicht und schauten zu, wie Grenada im Regen ertrank.

Meine erste Nachtwache: die SPICA jagte durch die See, fast immer mit 7,5 kn. Viele viele Sterne und später ein schöner Halbmond leisteten mir Gesellschaft. Die unterschiedlich dichten Wolken, von hinten durch den aufgehenden Mond beleuchtet, überzogen den Himmel mit einem bizarren Patchworkmuster, schwarz, weiß, dunkle undurchsichtige Flächen und hell leuchtende weiße Wolkenfetzen. Wunderschön.

 

Montag

Keine Besonderheiten. Viele fliegende Fische, durchschnittlich 2 m hohe Wellen, ab und zu ein paar höhere Wellenberge, die uns von NO kreuzten,. meist in Serien. Ein paar kleine Schauer. Nachts war es manchmal fast gespenstisch. Völlig ruhig liegend segelte die SPICA durch das Wasser, nur ab und zu ganz leicht schwankend. 7,5 kn zeigte die Logge an, Traumsegeln pur! Allerdings dauerte dieser Zustand immer nur ein paar Minuten. Wäre es immer so, würde ich nie mehr aufhören die Welt zu umrunden.

 

Dienstag

Unser Etmal an diesem Tag: 158 nm. So schnell waren wir noch nie. Wir ließen es laufen, da wir Bonaire nun auf jeden Fall im Dunkeln erreichen würden. So einen schönen Sternenhimmel wie heute Nacht hatten wir seit der Atlantikquerung nicht mehr gesehen. Grandios, verzaubernd, einfach unbeschreiblich.

Um 23 Uhr erreichten wir die Südspitze, dann folgten wir der Insellinie nach Norden. Nach ca. 3 Meilen strahlte hinter uns plötzlich ein greller Scheinwerfer auf. Schwarzes Wasser, ein schwarzes Schlauchboot, eine schwarze Crew, ein bißchen like a nightmar. Die Dutch Carebean Coastguard!

Wir kommen an Bord!“ In Sekunden waren sie neben uns. Zwei der Besatzungsmitglieder enterten stuntmäßig unser Boot, nahmen sich die Schiffspapiere vor , kontrollierten die Pässe und machten eine Besichtigungstour durch die Innenräume. Mit einem Lächeln wünschten sie uns danach einen schönen Aufenthalt, sprangen zurück auf ihr Schlauchboot, welches wieder aus dem schwarzen Nichts auftauchte und verschwanden wie Schemen in der Nacht, ohne Licht!!!!

Es war stockdunkel auf dem Wasser, am Ufer leuchteten grell die Lichter der Stadt Kralendijk. Schwere Kost für die Augen Langsam tasteten wir uns an das Bojenfeld heran. Inzwischen war es 1 Uhr. Zwischen den Schiffen suchten wir nach einer freien Boje, 30 Minuten später lagen wir fest.
Jeder teilte noch ein Bier mit Poseidon / Neptun oder wie der hier ansässige Meeresgott heißt. Dann fielen wir ins Bett und uns die Augen zu.

Mittwoch, 14. Januar

Bonaire, erste Eindrücke

Ausschlafen, frühstücken, etwas aufräumen, Schlauchboot richten, an Land fahren zum Einklarieren.

Bonaire ist eine richtige Urlaubsinsel und alles ist voller Holländer. Fast jeden Tag läuft ein Kreuzfahrschiff ein und lässt seine menschliche Fracht auf die Insel los.

Boutiquen, ein Markt und viele Souvenirläden locken die Urlauber. Von Angebot her ist es ein riesiger Unterschied zu dem der Windward Islands. Ich werde hier ausgiebig shoppen!!

Nachmittags wanderten wir die Strandpromenade entlang zur Marina und bezahlten unsere Boje, erst einmal für eine Woche. Die ersten Fotomotive ließen nicht auf sich warten. Ein „Latschenbaum“, daneben ein "Mobile" der besonderen Art, voller Krempel, unter anderem ein gehenkter Gorilla.

Es gibt hier nur einen ganz schmalen Uferstreifen mit flachem Wasser in dem die Bojen verankert sind. Dahinter fällt der Meeresboden steil ab bis auf 250 m. An dieser Kante kann man gut schnorcheln und tauchen. 15 m hinter unserem Schiff beginnt die schöne Unterwasserwelt für die Bonaire bekannt ist. Man kann es deutlich erkennen, denn die Wasserfarbe wechselt abrupt von türkis zu blau-violett. Ich werde es erkunden, warte aber bis die Sonne kontinuierlich scheint.

200 m weiter liegt Karel's Bar. Hier gibt es einen Dingisteg. Man trifft man sich zum Sundowner, schaut aufs Meer und genießt seinen Urlaub.

Auch den innerörtlichen Supermarkt haben wir schon gefunden. Ich habe Joghurt gekauft, einen großen Becher und eine Ananas. Beides zusammen war in meiner Tragetasche, die ich in einem Anfall von Irrsinn aus ca. 1,20 m ins Schlauchboot fallen ließ. Dem Joghurt gelang die Flucht aus seinem Behälter, leider hinderte ihn dann der Stoff meiner Einkaufstasche am Weiterkommen.

War nicht wirklich lustig!!!

Donnerstag, 17. Januar

Rollertour – Bonaires Süden

Mit einem schönen, glänzend roten Motorroller starteten wir heute in Richtung Süden. Die Straße zog sich am Meer entlang. Schon nach ein paar Kilometern → die erste Attraktion: hohe, strahlend weiße Salzberge. Das Salz wird in den riesigen Salinen geerntet.

Danach war die Straße beidseitig vom Wasser umgeben. Auf der Westseite das Meer, türkis-blau-violett. Davor der weiße Strand, sehr dekorativ, voller Korallenreste, dazwischen ein paar Sträucher. Auf der Ostseite die riesige Lagune, hellgrün, manchmal fast weiß. Am Ufer wachsen ein paar Mangroven, auf einer winzigen Insel steht ein Reiher. Wir sind fast immer allein, nur ab und zu überholt uns ein Auto, meist Touristen.

Wenige Kilometer weiter stehen ein paar alte Sklavenhütten. Sie sind winzig, der Eingang ist maximal 60 cm hoch. Ich frage mich, wie viele sie damals dort hinein gepfercht haben. Heute sind sie schön weiß gestrichen und gelten als touristische Attraktion.

Die Straße folgt nun dem Bogen der Insel nach Osten. Hier sah Norbert die ersten Flamingos. Gravitätisch schreiten sie durch das flache Wasser, leider viel zu weit weg.

Auf der Ostseite der Insel prallen die Wellen gegen die Küste. Im Moment sind sie harmlos, unter zwei Meter. Trotzdem ist es ein schönes Schauspiel mit viel Getöse und hoch spritzender Gischt. Immer noch kein Mensch in Sicht.

Dann ein Hinweisschild: Hang over Bar, TibeCity, das Surferparadies.

Eine riesige Lagune, nach Osten begrenzt durch ein Riff an dem sich die Wellen brechen. Türkisfarbenes flaches Wasser, Surfer sausen hin und her, dazwischen die Anfänger, die fleißig üben. Die Bar ist randvoll, die Tische am Wasser sind alle besetzt. Wir verziehen uns nach ganz hinten in den Schatten, denn die Sonne brennt nun schon seit 10 Uhr auf uns herunter. Direkt vor uns der „hang-over-Teil. Bunte Liegen und kuschelige Polsternischen laden zum Verweilen ein. Hoch gelegene Doppel“betten“ mit Rückenstützen verschaffen eine gute Sicht. Leider sind diese alle belegt. Dort hätte ich mich gern eine Weile niedergelassen. Man schlürft Drinks, Wein oder Saft, liegt in der Sonne, flirtet, plaudert oder surft ab und zu ein wenig. Ich hörte Fritzi bei diesem Anblick laut und deutlich, nur ein Kommentar kommt in Frage: „Coooool“!!! 

Eine halbe Stunde später fuhren wir weiter. Die Landschaft veränderte sich. Riesige Kakteen und hellgrüne Bäume bestimmen das Bild. Dazwischen ein ganz flacher, ebener Boden, auf dem mit Sicherheit oft Wasser steht. Eidechsen huschen hin und her. Alles ist faszinierend, aber folgt man seinem Gefühl und den tollen Fotomotiven hätte man sich spätestens nach 15 Minuten hoffnungslos verirrt. Wilde Esel leben hier, eine Stute mit Fohlen stand an der Straße, eine größere Horde hörten wir zwischen den Büschen rumoren.

Langsam tat mir der Rücken weh und die Oberschenkel drohten mit Krämpfen. Der Roller war nicht der Bequemste! Aber das eine oder andere Fotomotiv auf dem Weg nach Hause konnten wir nicht ignorieren, auch wenn es zeitmäßig ein wenig hinterher hinkt.

Dienstag, 20. Januar

Der Norden

Im Nordteil der Insel lockt Gotomeer, ein großer See, der in der Karte mit einem Vogelsymbol gekennzeichnet ist.

Wir hatten heute einen Yamaha-Roller gemietet, schon ein wenig betagt aber noch voller Power, mit guten Fahreigenschaften (erfreute Norbert) und total bequem. Ich konnte „titanicmäßig“ mit ausgebreiteten Armen das Fahrfeeling genießen ohne Gefahr zu laufen hinunter zu fallen. (Hab ich nur ab und zu gemacht, wer weiß, wer einen so sieht und ob es hier eine „geschlossene Abteilung“ gibt.)

Mit Traumaussicht über Strände und Küste sausten wir nach Norden. Rechts neben der Straße vermittelte eine von Höhlen durchsetzte Felswand ein echtes Karl May-Feeling. Wir sahen uns das aus der Nähe an, aber schon nach ein paar Schritten musste ich meinen an den Felsen festgesaugten Blick vor mir auf den Boden richten, denn kleine Kakteen mit gemein großen Stacheln lauerten auf arglose Touristen und einer davon hatte sich schon in meinen großen Zeh gebohrt.

Überall waren Eidechsen, manche simpel braun, andere jedoch bunt und schillernd.

Dann, nach einer Anhöhe, der erste Blick auf den See. Riesig, mit kleinen Inseln durchsetzt, schmiegt er sich malerisch zwischen die Hügel. Überall sieht man Flamingos in dem flachen Wasser nach Nahrung suchen. Trotz ihrer gravitätischen Fortbewegung kommen sie gut voran.

Die Straße folgt ein Stück dem Seeufer und dort waren wir ihnen ziemlich nah. Die lachsrosa Vögel in dem blauen Wasser sind ein hübsches Farbspiel. Allerdings stinkt es ziemlich, das gibt ein paar Punkte Abzug. (1,5 von 100)

Hinter einen kleinen Mauer trafen wir IHN, den Großvater aller Leguane. Von seinem Schwanz waren nur noch ca. 60 cm übrig, aber das tat seiner Würde keinen Abbruch.

Auch die restlichen tierischen Attraktionen von Bonaire bekamen wir vor die Linse. In dem grünen Hinterland des Sees scheuchten wir ein paar Parrots auf, die sich laut schimpfend ca. 30m weiter wieder niederließen. Mir ihren leuchtendgelben Köpfen sind sie ein echter Hingucker. Einer stand die Fotosession geduldig durch, dann zogen sie weiter.

Auch wilde Esel sahen wir immer wieder. In kleinen Gruppen grasten sie und ließen sich von uns nicht stören.

Ein Tag voller Highlights.

Zurück fuhren wir durch Rincon, einem verschlafen wirkenden Dorf mit „Wildwest-Charakter“.

Donnerstag, 22. Januar

Klein Bonaire

So heißt die kleine Insel, die sich in die westseitige Bucht der Hauptinsel schmiegt. Sie ist umgeben von einem Riff an dem man prima schnorcheln kann. Wassertaxis holen und bringen die Touris, die sich dann dort an Strand und Riff erfreuen.

Weißer Strand, türkisfarbenes Flachwasser, dunkelblaues tiefes Wasser, es war wieder zum Atem anhalten schön.

Das Riff geht bis an die Wasseroberfläche. Viele Fische, große und kleine, tummeln sich hier, leider auch dichte Schwärme von cent-großen Quallen, von denen manche beim Berühren ein wenig brizzeln. Ich verließ nach dem ersten Treffen mit ihnen erst einmal zügig das Wasser. Beim zweiten Schorchelgang konnte ich sie dann schon ignorieren.

Einen Fan fand ich dann auch noch. Ein großer blauer Fisch mit einem gelben Kußmaul umkreiste unermüdlich meine Beine, schnüffelte an ihnen, umbalzte sie sozusagen. War mir fast schon ein wenig unheimlich. Aber schön war er schon. Ich machte mein erstes gutes Unterwasserfoto.

Später fand er dann doch noch die Frau fürs Leben (siehe Foto).

Norbert kniete sich mehr hinein. Er tauchte hinunter um eine gute Fotosicht auf die Motive zu haben. Ich glaube, er wird der Unterwasser-Foto-Crack.

Die Sonne brannte inzwischen sehr und so nahmen wir das Wassertaxi um 13:30 zurück. Der Fahrtwind kühlte und zerzauste uns die Haare. Ein schönes Gefühl und ein tolles Erlebnis

Samstag, 24. Januar

Fahrradtour

Dort wo man Roller ausleihen kann bekommt man auch Fahrräder, sogar richtig gute. Zusammen mit Rosi, Beate und Klaus machten wir uns auf den Weg nach Süden. Die Drei kannten die Strecke noch nicht, für uns war es ein déja vu, trotzdem wieder sehr schön.

Das Radeln forderte meine Beinmuskeln und so genossen wir (sie und ich) die Rast in der Hang out oder over Bar. (sie nehmen es damit nicht so genau) Ich schnappte mir eine Liege in der ersten Reihe, räkelte mich in der Sonne und ließ mir den kühlenden Wind über die Haut streichen.

Auf dem Heimweg beobachteten wir noch ein Parrotpärchen, nette kleine Burschen. Sie kuschelten in einer Astgabel.

Ein wenig müde aber gut zufrieden gaben wir unsere Räder wieder ab.

Am Kai lagen zwei riesige Kreuzfahrschiffe. Die Stadt war unglaublich voll, alle Autos standen im Stau. Menschenmassen wälzten sich durch die Hauptstraße, der dortige Geldautomat erlaubte nur noch die Auszahlung von max. 50 USD pro Person.

Schnell noch etwas einkaufen, dann gab es nur noch die Flucht zurück an Bord. Selbst hier hatten wir akustisch noch Anteil an der Maxi-Fete an Land. Um 22Uhr legten sie wieder ab. Bonaire ging schlafen.

Sonntag, 25. Januar

Sundowner auf der Salmon

Die Fotos sprechen für sich, oder? Da muß ich nichts erklären!

Morgen früh segeln die „Salmonellen“ (ist wirklich nur nett gemeint, aber das Wortspiel ist einfach zu gut!!!) weiter nach Curacao.

 

 

 

Mein erstes gespleißtes Auge

 

Mein erster Versuch. Perfekt in der Funktion, aber an dem Outfit muß ich noch arbeiten.

Tot ziens Bonaire