Samstag bis Samstag, 1.-8. August

Tahuata

Samstag Mittag erreichten wir nach nur 12 nm Hamoenoa im Nordwesten der Insel Tahuata, eine traumhaft schöne Bucht mit blauem und grünen Wasser. Zwei lange Felsnasen bilden den Rahmen, am Ende der Bucht lockt ein herrlicher Strand. Ein schmaler Palmengürtel trennt diesen von den dahinter aufragenden Hügeln mit ihrer wilden Vegetation.

Zwei Männer leben hier. Sie sind sich nicht grün. Eigentlich merkwürdig in dieser wirklich sehr grünen Umgebung.

Steven, der auf der rechten Seite lebt, hat ein wenig Kontakt mit den Seglern, die hier ankern. Er tauscht gern Reis oder andere Nahrungsmittel gegen etwas Gemüse, das er hier anbaut. Der Herr auf der linken Seite wünscht keinen Kontakt, was auch respektiert wird.

Wir teilen uns diesen schönen Platz mit fünf anderen Booten Vier davon kennen wir bereits aus Atuona, auch Erwin und Jrmina mit der Red Harlekin liegen hier.

In dieser Bucht drehen wohl oft Mantas ihre Runden. Thomas, Klaus und Rosi haben sie gesehen. An unserem ersten Tag zog einer durch die Bucht, seinen riesigen Schatten konnten wir vor dem hellen Strand bewundern.

Das Wasser ist glasklar und ruhig. Hier kann man sein Unterwasserschiff reinigen und das ist nach sechs Wochen Pazifik dringend nötig.

Die SPICA sieht grauenhaft aus. Wir haben an der Fußreeling am Vorschiff ein paar häßliche Roststellen, die wir seit Panama immer mal wieder notdürftig verarzten. Sie färbten bei der Überfahrt das schöne Weiß unseres Schiffes auf ca. 40 cm Breite dunkelorange. Vom Wasserpaß wuchsen dicke grüne Belege den Schiffsrumpf hinauf. Mir fielen spontan die hängenden Gärten der Semiramis ein. Das muß alles weg!

Wir haben die ganzen sieben Tage, die wir nun hier sind, hart geschuftet.

Hier greift nun der alte Seglerspruch: Blauwassersegeln heißt, sein Boot an den schönsten Ankerplätzen der Welt zu reparieren und in diesem Fall auch zu putzen.

Norbert hat sich die Roststellen vorgenommen. Der Rost hat die Fußreeling an der schlimmen Stelle fast aufgefressen. Danach war ich drann. Überall warteten kleine und größere Stellen auf eine Sanierung. Rostumwandler, Rostschutzfarbe, alles war gut vorbereitet für den weißen Anstrich. Dieser Tag war gestern, aber es war nicht mein Tag!!!

Ich hatte gerade mit der Schönheitsreparatur angefangen als Norbert mich auf eine Stelle hinwies, die ich nur unzureichend gestrichen hatte. Mit meinem Pinsel bewaffnet ging ich dorthin, um das zu korrigieren. In diesem Moment fegte eine fette Boe die Schale mit der weißen Farbe vom Dach des Deckshauses. Sie (die weiße Farbe) verteilte sich nach einem eleganten Überschlag über das darunter liegende Fenster inclusive Rahmen, verspritzte eine nette Menge auf dem Deck, schlug einen Karbolz, saute die Außenwand des Schiffes ein und schaukelte danach fröhlich auf dem Wasser, wo sie mit aufgeblähter Plastikumhüllung zu segeln begann.

Unser Dinghi war gerade motorlos, da Norbert dabei war diesen in der Plicht zu zerlegen. Also war powerpaddeln das Motto der Stunde (denkt an die Böen). Wir fingen den Ausreißer ein, ebenso den ein Stück weiter treibenden Pinsel.

An Deck ging ich daran die Kollateralschäden zu beseitigen, was eine eklige und langwierige Angelegenheit war.

Danach hielt ich die Schale mit der neu angerührten Farbe krampfhaft fest, leider irgendwann auch ein wenig schief und ich durfte wieder Farbe wischen. Meine Laune war danach nicht die Beste!!!

Tatsächlich gelang es mir noch, um die guten Dinge (ihr wisst, es sind immer drei) zu vervollständigen, mich am Ende der Runde in einen noch feuchten Farbfleck zu setzen, was meine grüne Leinenbluse zu künftiger Arbeitskleidung degradierte.

Trotzdem war die Zeit in der Bucht wunderschön und auch erholsam. Zum Schnorcheln kamen wir allerdings selten und wenn, dann waren die Mantas wohl gerade anderweits beschäftigt.

 

-SPICA im Sonnenuntergang

9. bis … August

Ua Pou

Eine spektakuläre Insel mit einer rauen Küste. Große Steine stehen wie alte Krieger am Ufer, kleine Buchten mit gelbem Sand tauchen auf. Hohe Berge, die Reste der alten Vulkane, bilden eine Kette, die sich über die gesamte Insel zieht. Auffällig viele Schlote ragen hervor, Relikte aus der Zeit, als die Vulkane noch aktiv waren. Festes, von der heißen Lava verschmolzenes Gestein, das der Erosion locker standhält. Die zwei Größten stehen auf der Inselmitte nebeneinander. Selten geben die Wolken die Sicht auf Beide frei, aber manchmal sieht man die hohe Spitze des Größeren oben aus den Wolken ragen.

Der Hafen ist klein. Zur Zeit liegen nur drei Segelboote hier, die SPICA, die Red Harlekin und die Kalliope, ein schönes altes amerikanisches Boot. Die Eigner, Debbi und Gregg, kommen aus Alaska.

Zu sechst haben wir am Montag in der kleinen Pension am Hang ein köstliches Abendessen verputzt. Ein dickes Stück Thunfischfilet, auf jeder Seite 6 Sekunden gebraten, in dünne Scheiben geschnitten und mit Sonnenblumenöl und Soyasoße beträufelt und mit frischen Ingwerstreifen bestreut. Unglaublich lecker! Ebenso die Ziegenpfanne. Ich kann nicht sagen, was besser war.

Jerome überschüttete uns nach dem Essen mit vielen Infos über die alte Zeit und das Leben heute.

Ebenso über die Bedeutung der überall präsenten Tattoos, ohne die hier kaum einer aus dem Haus geht. Ein schöner Abend.

Am Kreuz, das auf einem Hügel hinter der Bucht steht, waren wir auch schon., Ein toller Blick über Tal, Berge und Bucht belohnte uns.

Tagsüber streifen wir gern durch das Dorf. Jedes Haus hat hier einen Garten und die vielen Blumen bezaubern mich immer wieder. Alles ist gut gepflegt und die Leute wirken zufrieden.

Im kulturellen Zentrum gibt es ein gutes Internet. Ich habe schnell die Emails geholt und inhaliert. Ich freue mich über jede Nachricht. Auch einen sehr guten Espresso und guten Grapefruitsaft bekommt man hier.

Mittags (gegen 11 Uhr) wird es dort voll. Für ca. € 4,20 kann man sich am Buffet bedienen. Leckere Salate, Reis, Fleisch und Fisch gibt es dort, alles superfrisch und abwechslungsreich. Das Angebot wird gut genutzt, um 12 Uhr ist alles verspeist.

Hier bekommt man auch gutes Obst, das von den Einheimischen direkt angeliefert wird. Die Grapefruits und die Bananen sind sensationell. Gestern gab es Mangos, ich habe vier große ergattert, die noch ein bis zwei Tage nachreifen müssen, aber dann …

Mittwoch, 13. August

Grande Fete auf Ua Pou

 

Grund 1: Das Kreuzfahr-/Versorgungsschiff Ananui 3 liegt am Kai

Grund 2: Der oberste Repräsentant der Marquesas erschien zu seinem Antrittsbesuch

Grund 3: Das kulturelle Zentrum des Dorfes Hakahau feierte seinen 1. Geburtstag

und last but not least:

Grund 4: Die Red Harlekin, die SPICA und die Kalliope liegen in der Bucht vor Anker

und die wissbegierigen Crews lechzen nach Neuem

 

Der Grand Chef wurde mit großem Bahnhof empfangen. Er verschwand fast unter der Menge der Blumenkränze, die ihm um den Hals gelegt wurden. Feuerwehrleute und Gendarmen in ihren „Paradeuniformen“ standen stramm. Orden wurden verteilt und Leute befördert.

Im kulturellen Zentrum fanden sich inzwischen die Einwohner und die Passagiere der Ananui 3 ein. Viele Frauen waren geschmückt mit einem der wunderschönen Blumenkränze, die hier bei vielen Anlässen getragen werden.

Der Bürgermeister und der hohe politische Besuch machten die Honneurs und hielten jeder eine Rede, die von einer hiesigen Lehrerin ins Englische übersetzt wurde. Dann, völlig unerwartet, kam noch eine Begrüßung für die schweizer und deutsche Crew in einem niedlichen Deutsch. Wir fühlten uns geehrt.

Eine Musikgruppe spielte und sang. Eine wunderbare Musik! Davon will ich noch viel mehr.

Es folgte eine Tanzvorführung.

Wilde tätowierte Krieger sprangen aufeinander zu, stampften mit den Beinen, schwangen ihre Waffen und bezwangen nach Heftigen Attacken ihre Gegner. Der Tänzer vor mir grunzte und fauchte wie ein wildes Tier, es wirkte sehr martialisch.

Etwas später platzierten sich vier junge Damen zwischen sie, knieten auf dem Boden, schwangen Arme und Oberkörper in sanften, graziösen Bewegungen, wiegten sich hin und her um am Ende ganz auf den Boden zu sinken. Damit war die Tanzveranstaltung zu Ende und alle strömten zum Buffet.

Hier gab es gegarte Brotfrucht, gebratene Bananen, Mangos und diverse andere Früchte. Als Teller dienten grüne Blätter, als Gabel ein Zahnstocher. Eine weitere Tanzvorführung auf eine Art Freiluftbühne folgte, dann war das Fest vorbei.

Die Blumenkränze trugen die Damen noch den ganzen Tag. Eine wunderschöne Tradition.

Freitag, 14. August

Letzte Bilder von Ua Pou

Die Insel machte uns ein Abschiedsgeschenk, den Blick auf eine wolkenlose Inselmitte. Bei unserem letzten Spaziergang durch das Dorf entdeckten wir noch den Friedhof, der von unzähligen Frangipanibäumen eingerahmt ist. Der Wind verteilt großzügig die schönen Blüten, die man auf fast jedem Grab finden kann.

Eine schöne Insel!

Samstag, 15. August

Taiohae

Nach wunderbaren fünf Stunden schönen segelns mit Sonne und gutem Wind erreichten wir Taiohae, einen zur See hin offenen Doppelkrater, an derem Ende viele Boote einen guten Ankerplatz finden.

Am Nachmittag landeten wir mit unserem Dinghi am Kai an. Hier betreibt Henry eine Mischung aus Imbiß und Restaurant mit einem guten und kostenfreien Internet. Leckeres Essen und köstliche Fruchtsäfte in jeder Obstvariante locken die Segler, alle sind zufrieden. Es ist der Seglertreff.

Auf dem Tresen stand unser Abendessen, drei knusprig gebratene Hühnerbeine.

Henry spricht gut Englisch und wenn er kann, lernt er Deutsch. Ich quäle mich durch die zehn überlebenden Vokabeln meines Schulfranzösisch.

So ergab sich die folgende Konversation.

Ich: „Je voudrais avoir le trois Poulet??? ähm Chicken legs“

Henry: „Ühnchen, das ist Ühnchen!“

Ich: „H! H! Henry, das heißt Hühnchen!“

Henry: „Ja, Ühnchen“. (Bringt ihr mal einem Franzosen bei, am Anfang eines Wortes ein H zu

benutzen. Geschmeckt habe sie gut, dazu bekamen wir noch zwei Bananen und ein Baguette.

Am nächsten Morgen brachte uns Eric, ein Amerikaner der mit seiner Familie für ein Jahr auf der Insel bleibt, ein frisches Baguette zum Boot, einfach so, ein „Willkommensbrot“.

Dazu gab es jede Menge Informationen, ein supernetter Typ. Sein Sohn besucht hier für ein Jahr die Schule.

Sonntag

Die Sonne schien, das Dorf lockte und so unternahmen wir einen Sonntagnachmittagsspaziergang über die total liebevoll und originell angelegte Strandpromenade. Die Segelboote schaukelten in der Bucht, der Himmel über dem Wasser war blau, die Sonne schien und die schiefen Bäume am Ufer vervollständigten das schöne Bild.

Frangipaniblüten im Sonnenlicht vor einem schwarzen Himmel, originelle Skulpturen auf einer „tikimäßig“ gestylten Anlage, die für Events jeder Art geschaffen war, luden zum Fotografieren ein.

Dann die Kirche. Verzeihung, die Kathedrale. Taiohae ist eine Bischofsstadt, zur Zeit allerdings wohl ohne Bischof. Nichtsdestotrotz bleibt die Kirche eine Kathedrale.

Durch ein „Lübecker Tor“ betritt man die Anlage. Eine T-förmige Kirche lädt zum Schauen und Beten ein. Die beiden T-Seiten sind oben offen. Der Wind weht hindurch, kein Fenster behindert die Sicht. Ein Erlebnis der besonderen Art, das wir schon von Ua Pou kannten. Die Kanzel besteht auf Holz, wunderbar geschnitzt und verziert, der Blumenschmuck ist exotisch und üppig.

Auf dem Rückweg trafen wir Margarete und Peter von der Seatime, Ich kannte sie bereits aus der Homepage von Rosi und Klaus, die sie auf Hiva Oa getroffen hatten. Sie erzählten uns unter Anderem auch von Eggi, der sein Schiff über den Sommer auf den Tuamotos läßt. Moment! Eggi aus Neuwied? Ja! Den kennen wir, mit dem sind wir zusammen durch den Panamakanal gegangen.

Die Welt ist klein!

Donnerstag, 19. August

Norberts Geburtstag

Gestern hat es viel geregnet, fast wie auf Bestellung, denn nun sind unsere Wassertanks wieder voll.

Heute schien bereits morgens die Sonne. Die Erde dampfte.

Wir hatten uns zu einer Wanderung entschlossen. Ganz in der Nähe gibt es eine historische Stätte, von der alle behaupten, sie wäre sehr schön. (und voller Moskitos)

Wir hatten mehrere Wegbeschreibungen, standen dann auch irgendwann vor dem kleinen Holzwegweiser „Koeva“. Ab hier führte der Weg durch den Wald, immer höher hinauf. Wir folgten ihm und landeten etliche Zeit später auf einem Privatgrundstück voller Sackgassen. Nix historisch, das hier stehende Haus wurde gerade erst erbaut.

Wir waren an zwei Abzweigungen vorbei gekommen. Also wieder zurück und die Erste ausprobiert. Ein schöner Weg, aber auch hier: weit und breit nichts Historisches. Dafür war die Aussicht grandios.

Bei der zweiten Abfahrt gelangten wir an eine Art Portal. Das war laut der letzten erfragten Auskunft richtig. Wir schlüpften durch die Metallstreben, fanden Beete voller Kürbisse, rund und prall, aber leider auch sie: keineswegs historisch.

Die letzte Möglichkeit war nun ein Trampelpfad, der den Berg hinauf führte. Den haben wir nun nicht mehr ausprobiert. Unser Wasser war alle und inzwischen dampften auch wir.

Auf dem Rückweg sammelte ich noch ein paar der köstlichen Mangos, die auf dem Parkplatz eines Supermarktes herum liegen. Dann waren wir zurück, müde aber zufrieden.

Wir haben viele Leute nach dem Weg gefragt, haben alle gefundenen Wege abgewandert, dabei nicht einen Moskito gesehen oder gespürt und leider auch Koeva nicht gefunden.

Schön war es trotzdem, wie heißt es doch: der Weg ist das Ziel.

Abfallverwertung auf Nuku Hiva

Immer noch Donnerstag.

Am Nachmittag fuhren wir noch einmal mit zum Kai, krabbelten die Leiter hinauf und banden unser Dinghi fest.

Ein Fischerboot hatte angelegt und seinen Fang des Tages ausgeladen. Auf den Tischen wurden gerade prachtvolle Gelbflossenthunfische filettiert. Kopf ab, Haut ab, Filets heraus getrennt, fertig. Die Häute, Innereien und Fischköpfe landeten nach und nach im Wasser, wo die Restverwerter schon warteten. Circa sechs große Haie balgten sich um die Beute, genau dort, wo ich vor ein paar Minuten unser Dinghi verlassen hatte. Sie waren irrsinnig schnell und anscheinend auch ganz schön hungrig, oder gierig, wie man will.

Ich erstand ein Kilo bestes Filet für etwas mehr als € 4,00, aber wenn ich jetzt von der Badeleiter ins Wasser kletter und meine „Kehrseite“ ins Wasser taucht, denke ich an meinen leichten Panikanfall, den ich am Kai noch cool unterdrücken konnte und kämpfe mit einem sehr speziellen, ziemlich unangenehmen Gefühl.

Bedeutend sympathischer war mir das Huhn, welches in dem Abfalleimer an Henry's Imbiß nach einem vorsichtigen Rundumblick nach Resten suchte – und sie auch fand.

Freitag, 21. August

Autotag mit Erwin und Irmina

Mietet man hier ein Auto hat man mit der Auswahl der Route kein großes Problem, denn es gibt nur einen „Rundkurs am Stiel“.

Der Stiel ist die Straße von unserer Bucht hinauf in die Berge, hier beginnt der Rundkurs. Ein Blick von oben über die dreiarmige große Bucht im Südwesten ist das erste Highlight. Bis hier ist die Straße noch gut und die begleitende Vegetation erinnert ein bißchen an Regenwald. Danach geht es nach Norden. Loch an Loch heißt es ab hier, Stoßdämpfer, Lenkung und Fahrer waren gut beschäftigt, auch die „Passagiere“ hatten zu tun, so kam der eine oder andere Halt recht gelegen.

Wir schlenderten durch die große Kultstätte vor Hatiheu, staunten dort über die riesigen Bäume, deren Stämme man vor lauter Luftwurzeln nicht mehr sieht und liefen ein wenig durch den Ort, der sich im Schatten steiler Felsen an das Ufer der Bucht schmiegt.

Dann begann eine abenteuerliche Fahrt hoch über den großartigen Buchten der Nordküste. Leitplanken sind hier kein Renner, zumal sie die freie Sicht auf die Abgründe neben der Piste doch etwas beeinträchtigen würden. 3-4 Stunden Fahrzeit rechnet man für die Nordstrecke, Norbert schaffte sie in 2 1/2.

Auf halber Strecke steht eine Madonna, an die man eventuelle Bitten richten kann. Sie schaut über Land und Küste, gut geschützt durch ein kleines Dach.

Die Vegetation an der Nordwestecke wurde karg, es scheint selten zu regnen. Nicht so heute. Die letzten 20 Minuten goß es wie aus Eimern. Unser 4x4 Pickup rutschte und schleuderte in der lehmigen Spur, die inzwischen freundlicherweise nicht mehr direkt an der Küste entlang führte, sondern ein wenig in ebeneres Gelände eingebettet war.

Kurz darauf erreichten wir den Flughafen. Ein Sandwich half gegen den Hunger. Es war mit Chicken und frisch frittierten Pommes frites belegt. Andere Länder, anderes Essen, aber mit französischem Touch.

Vom Flugplatz zurück nach Taiohae ist die Straße perfekt. Mit gutem Belag und herrlichen Ausblicken hinunter in die Täler quert sie das große Hochplateau der Insel mit seiner unterschiedlichen Vegetation. Hellgrün leuchtende Kiefernwälder weckten Heimatgefühle, hohe Baumfarne, die ich sehr liebe aber schon lange nicht mehr gesehen habe, stehen für das Exotische. Und überall Pferde! Schöne, schlanke Geschöpfe, die an den Straßenrändern grasen, mit großen Augen in Horden in den Kurven stehen und sich überall frei bewegen können.

Und Hühner, jede Menge Hühner, auch im dichten Wald, meilenweit entfernt von jedem Haus, scharren sie nach Futter und leben genauso wild und frei wie die Pferde, nur daß sie fliegen können und das auch oft tun. Nicht wie bei uns 2-3 Meter sondern hoch die Hänge hinauf oder auf den nächsten Baum. Neben fast jedem Huhn stolziert ein Hahn mit prächtigem Federkleid, einer schöner als der Andere.

Eine wunderbare abwechslungsreiche Fahrt. Viel zu schnell erreichten wir wieder den „Stiel“, der uns zurück in den Hafen brachte.

Mittwoch, 26. August

Hakaui oder Daniels Bay

6 nm westlich von Taioahe liegt Daniels Bay. Die Einfahrt hat es in sich. Links ragen hohe Felswände steil in die Höhe, rechts versperrt eine in die Durchfahrt hinein ragende Felsnase jede Sicht auf die Bucht. Die Wellen hielten den gleichen Kurs wie wir und bauten sich in dem Trichter immer höher auf bevor sie dann gegen die Felswand krachten. Dieses Schicksal blieb uns erspart, denn der Skipper stand am Ruder und bog rechtzeitig nach Steuerbord ab, hinein in die von steilen Bergen umgebene Bucht mit glattem Wasser. Wir suchten unseren Ankerplatz in Ruhe aus, denn die SPICA war das einzige Schiff, da hat man die Wahl.

Nachmittags paddelten wir an Land, folgten dem kleinen Weg am Ufer in die Nachbarbucht und landeten

in einem kleinen Paradies!

Eine riesige Garten/Plantage zieht sich durch das Tal. Obstbäume stehen zwischen Palmen, bunte Ziersträucher säumen den Weg. Hibiskussträucher mit riesigen Blüten betonen den Gartencharakter, Bougainvilleen in rosa und violett sorgen für Abwechslung. Nur ein paar Häuser und eine kleine Kapelle stehen dazwischen. Unter der Last von Bananen, Papayas, Mangos, Limonen, Avocados, Maracujas und unendlich viele Pampelmusen biegen sich die Äste. Alles wächst hier üppig, am Boden wachsen Ananaspflanzen.

Auch „Adam und Eva“ haben wir getroffen. Sie boten an, am nächsten Tag für uns zu kochen. „Adam“ hatte gerade einen Hahn geschossen. Gesicht und Arme tätowiert, das Gewehr in der einen, den Hahn in der anderen Hand bot er einen nicht alltäglichen Anblick.

Um in das Dorf zu kommen muß man durch den kleinen Fluß waten, herrlich kühles Süßwasser in beliebiger Menge! Norbert nutzte auf dem Rückweg die Gelegenheit zu einem Vollbad.

Donnerstag

Auf zum Wasserfall.

Von Daniels Bay führt ein Wanderweg zu dem angeblich dritthöchsten Wasserfall der Welt.

Jeder Segler, der hier ankert, macht sich auf den Weg dorthin, so auch wir.

Am Ende der der schönen Plantage geht der Weg in einen Trampelpfad über, der sich durch smaragdgrüne, hüfthohe Pflanzen schlängelt. Durch das Dickicht der Bäume erhaschten wir immer, mal wieder einen Blick auf die unglaublich hohen Felswände auf der linken Seite. Auf dem schmalen Pfad lag alle paar Meter eine große Blüte, gelb oder rötlich, ein kleines Juwel auf dem braunen Boden. Immer begleitete uns das Rauschen des Flusses, mal lauter mal leiser, den wir mehrmals überquerten. Beim letzten Mal wurde es aufgrund des hohen Wasserstands richtig abenteuerlich.

Nach zwei Stunden erreichten wir das Ziel unserer Wanderung, den Wasserfall am Ende der Schlucht. Man sah recht wenig, da dieser nur am unteren Ende durch einen Spalt zwischen den Felsen zu sehen war. Sein Wasser jedoch sprudelte über den Grund des Tals und verwandelte diesen in eine dicht bewachsene grüne Matte.

Zurück im Tal warteten unsere Gastgeber schon . Der Tisch war nett gedeckt und das Essen war unglaublich lecker. Über Reis mit Kokosmilch häufte sich ein Berg von Flusskrabben, dazu gab es jede Menge gebratetener Bananen und einen frischen Salat. Wir schwelgten in den Köstlichkeiten und unsere Gastgeber ebenfalls. Der Hausherr futterte für drei, in seliger Gefräßigkeit und aus den das Essen begleitenden Geräuschen war klar ersichtlich, daß es ihm schmeckte.

Servietten gab es keine und so schleckten auch wir, wie er, unsere Finger ab. Die Konversation, englisch und französisch und mit „Händen und Füßen“ war lustig und auch informativ. Satt und zufrieden und beschenkt mit 10 kleinen Bananen zogen wir ab.

Es war gerade Hochwasser und der Fluß reichte mir diesmal bis zum Bauchnabel. Gut gespült erreichten wir die SPICA und legten die Füße hoch.

Immer noch Daniels Bay

Wir verbrachten noch drei herrliche Tage in Daniels Bay. Die Sonne schien, das Wasser schimmerte grün. Jeden Tag drehte ein kleiner Rochen seine Runden.

Am Samstag kletterten/wanderten wir bei Ebbe über Steine, Sand und Riff zu der Felsnase am Eingang der Bucht. Unmengen Strandgut verführte zum Stöbern, sogar den Schädel einer kleinen Ziege fanden wir zwischen Muscheln, Korallen, Baumstämmen und Steinen. In kleinen Tümpeln zwischen den Felsen schwammen Babyfische, Legionen von Krabben wuselten über den Sand.. Eine der großen Kegelmuscheln habe ich mitgenommen, die anderen haben wir auf den schwarzen Felsen platziert.

Nachmittags wuschen wir bei Hochwasser erst unsere Wäsche, dann uns in dem Fluß im Dorf, immer wieder ein Vergnügen.

Abends kreierte ich gebratene Bananen á la Marquesas.

Bananen in Butter gebraten, mit Kokosmilch, etwas Zucker und einem Schuss braunen Rum abgelöscht. Es war so lecker, daß ich die Pfanne mit dem Finger ausschleckte.

Ich überlegte wie unser Jäger auf diesen Nachtisch reagieren würde. Norbert meinte, er würde ihn in Sekunden samt der Pfanne, krax krax krax, verschlingen und höchstens den Stiel übrig lassen.

Am Montag konnten wir dann doch noch Früchte kaufen, nachdem wir am Sonntag niemanden im Tal angetroffen hatten. Es war wirklich Glück, denn „Adam“ war nur schnell vorbei gekommen, um sein Schwein zu füttern. Er nahm sich aber dann die Zeit und schlachtete 2 Kokosnüsse, schabte sie aus und presste die Milch aus. Wie immer und bei allem mit vollem Power. Das Pflücken unserer Grapefruits ging er mit einem Elan an der ausreichen würde den ganzen Baum zu fällen. Dieser Mann ist ein Energiebündel voller Kraft und Lebensfreude.

Ich liebe ihn.

Dann schlug er Norbert noch vor, sich schnell einen Hahn zu schießen, außerdem sagte er immer: "Norbert, iß Bananen.

Mit unseren Schätzen: Grapefruits frisch vom Baum, einer kleinen Bananenstaude, frischen Limonen und einen halben Liter Kokosmilch zogen wir zufrieden ab und sind nun bestens für die Tuamotos gerüstet..