Oh wie schön ist Panama

 

Besonders da wir hier eine wundervolle Nachricht erhielten:

 

 

LILI ist da! Unser erstes Enkelkind

 

Geboren am 2. April. Ein kleiner Sonnenschein im fernen Zürich, der bis hier unsere Herzen erwärmt. Wir wünschen ihr ein gutes Leben voller Liebe.

 

Früher gab es dafür weise Frauen oder gute Feen, die dem Kind ihre Gaben oder guten Wünsche in die Wiege legten. Wohin sie verschwunden sind weiß ich nicht. Gerade jetzt hätte ich ein paar von ihnen gebrauchen können.

31.03.-03.04.

Santa Marta → San Blas Archipel

 

Dienstag, Cabo Aguja – immer noch!

Im Moment hat dieses „Kap Hoorn der Barfußroute“ noch die Samtpanttoffeln über den Krallen, denn die Farben im Passage-Wetter, die die Windstärken anzeigen, sind dunkelblau, dunkelgrün mit ab und zu einem Fleckchen hellgrün. In den Wochen davor tauchten regelmäßig gelbe, orangefarbene und ab und zu rote Stellen in der Wetterkarte auf.

Dunkelblau zeigt Wind von 15-20 kn, eine gute und brauchbare Windgeschwindigkeit. Dunkelgrün zeigt 20-25 kn an, hellgrün 25-30, mittlere Windgeschwindigkeit wohlgemerkt, es kann stellenweise mit zwei Windstärken mehr blasen.

Also, zur Zeit wie oben erwähnt: Samtpantöffelchen!

 

Am Dienstag war ein guter Tag zum Starten. Farben: dunkelblau, dunkelgrün, nur nachts an dem kleinen Kap bei Barranquilla, ein kleiner Fleck hellgrün. Unbequem, aber segelbar. Die Wellenvorhersage 2 m Welle, ab und zu bis 3 m. Schon ab Beginn hatten wir jedoch bis zu 30 kn Wind und den von der Seite, ebenfalls die Wellen, alles ziemlich hackig und unbequem, aber das haben wir ja alles immer mal wieder erlebt.

Bei Barranquilla fließt der Rio Magdalena ins Meer. Davon hatte ich schon viel gehört und gelesen. In seinem Wasser treiben oft Baumstämme, die dann heimtückisch hilflose kleine Segelyachten bedrohen. Kurze steile Wellen vor der Mündung kommen dazu, kurz ein Horrorszenario. (Mein Skipper ist Realist. Er meinte, wenn es immer so wäre, würde es am Ufer dieses Flusses keine Bäume mehr geben, denn so schnell würden die nicht nachwachsen)

Wir hatten den Rio Magdalena bei unserer Busfahrt nach Cartagena überquert und einen ruhigen Fluß gesehen, aber ein gewisses Unsicherheitsgefühl bleibt doch zurück.

Vor Barranquilla war es schon heftig windig, aber dort konnten wir parallel zur Küste vor Wind und Wellen gehen, sehr viel angenehmer. Wind bis 35 kn trieb uns die Küste entlang. Mit ca 8-9 qm Genua brachte die SPICA es bis auf 8 kn Fahrt.

Ab 2 Uhr nachts wurde es etwas ruhiger. Viel geschlafen haben wir nicht in dieser Nacht, aber wenigstens sind wir jetzt 100nm weit weg von dieser Windküche Kolumbiens.

Anscheinend stimmt doch, was man so hört, ganz ungeschoren kommt hier keiner vorbei. Nicht mal wir, obwohl ich Neptun zwei Schluck von meinem Rosé versprochen habe. Er bekommt sie trotzdem, aber erst in San Blas.

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Mittwoch bis Freitag

Ab Mittwoch Abend segelten wir mit nur durchschnittlich 4 kn, da wir am Freitag Morgen erst im Hellen die komplizierte Einfahrt in den San Blas Archipel wagen konnten.

Am Donnerstag, gerade als ich sinnierte, daß man auf dem Meer manchmal doch ganz schön allein ist, gaben sich die Meeresbewohner dann die Ehre. Zuerst ein Fisch an Norberts Angel, der sich am Anfang wild wehrte, nach einem starken Ruck aber jeden Widerstand aufgab. Er war uns zu 2/3 von der Angel weg gefressen worden. Wir filetierten den Rest, der im Nu gebraten, sehr lecker schmeckte.

Kurz danach besuchten uns vier Delfine. Norbert hatte sie im Verdacht, seinen Fisch geklaut zu haben. Sie lächelten nur geheimnisvoll und verschwanden. Kurz darauf begleitete uns eine Gruppe Wale, ca. 4-5 m lange Tiere, die aber immer nur kurz aus den Wellen auftauchten und die wir auch nach einem Blick in unser Buch, nicht bestimmen konnten. Egal, schön waren sie auf jeden Fall.

In Norberts Wache leistete ihm eine müde Schwalbe Gesellschaft. Sie ruhte sich eine Weile auf unserem Solarpanell aus. Ein Segelboot kreuzte hinter uns und verschwand in Richtung Portobelo.

Also, es war ganz schön was los. Wir waren nicht allein!

Der Vollmond beleuchtete die ganze Nacht das Wasser, die letzten Nachtwachen waren ruhig und schön.

Am Freitag früh tauchten die ersten Inseln der Hollandes Cays an Backbord auf, palmenbestanden, wie Tupfen im Meer.

Um 11 Uhr erreichten wir die Insel Provenir, klarierten nachmittags ein und tranken danach unseren Anlegeschluck. Ein kaltes Bier, welch ein Genuß!

Ostersamstag und -sonntag

Provenir auf San Blas = Kuna Yala

Wir liegen ca. 200 m vor der Einflugschneise der winzigen Insel. Ca. alle zwei Tage landet ein kleines Flugzeug auf der von Palmen gesäumten Piste. Vor einem Pfahlbau am Wasser liegt ein Schiff der Küstenwache, es wirkt genauso irreal wie die Landebahn.

Viele Riffe und ein paar winzige Inseln umgeben uns. Direkt hinter uns liegt Wichubhuala, hier ist „Kuna-Land“. Dicht bebaut ist sie Ausgangspunkt der vielen Kanus, mit denen die Indianer unterwegs sind. Manche fischen, andere fahren zu den ankernden Booten und bieten frische Fische oder Lobster an. Bunt gekleidete Frauen zeigen ihre selbst gefertigten Molas, wunderschöne bunte Arbeiten, aufwendige Applikationen mit Stickereien. Vögel, Fische, Schildkröten oder einfach nur tolle bunte Muster. Ich dachte vorher, so etwas brauche ich nicht, aber schon beim ersten Hinschauen erstand ich begeistert einen bezaubernden Stoffbeutel, der ab sofort meine Handtasche ist.

Unser“ Fischhändler brachte seine zwei kleinen Söhne mit, kleine stachelige braune Kerlchen mit Zahnlücken und einem unwiderstehlichen Lächeln.

Laut Reiseführer gibt es ca. 55.000 Kunas. Sie leben auf den Inseln und auf dem dahinter liegenden Festland. Ihr Land, ein Teil von Panama, nennen sie Kuna Yala und verwalten es selbst. In jedem Dorf gibt es drei Chefs, die Sailas. Sie sind viel mehr als politische Führer, denn sie sind ebenfalls die Halter des alten Wissens über religiöse Gebräuche, Poesie, medizinische Kenntnisse und über ihre Geschichte. Über diesen stehen drei hohe Chefs, oder Cacique = Häuptlinge, die die ganze Nation regieren. Einer von ihnen ist der Oberchef!

Die Kunas sind relativ klein. Gesunde Leute mit eigenwilligen Gesichtern, meist freundlich lächelnd.

In Kuna Yala gibt es keinen Landbesitz, wohl aber Eigentum. Kokosnüsse sind der wichtigste Exportartikel. Jede Palme, auch die auf den unbewohnten Inseln, gehört jemandem, manchmal auch mehreren Leuten. Das Schlimmste was man hier machen kann, ist sich an ihren Kokosnüssen zu vergreifen. Da hört der Spaß auf und es gibt richtig Ärger. Die Kriminalitätsrate ist extrem niedrig.

Allerdings gibt es überall Schlitzohren, die eine dusselige vertrauensvolle Touristin, die mit Karl May Büchern aufgewachsen ist und für die das einstige Indianer-Ehrenwort noch einen hohen Stellenwert hat, übers Ohr hauen. Unser Lobsterverkäufer zog mit treuen Augen und unserem Geldschein ab um ihn zu wechseln. Auf unser Wechselgeld warten wir immer noch. Allerdings, den Verlust können wir wegstecken, denn die Lobster waren sensationell und immer noch richtig günstig.

6.-8. April

Chichime Bay

So viele Palmen auf einmal habe ich noch nie gesehen. Die Chichime Bay ähnelt einer Flasche. Hinein fährt man durch den Hals, eine einfache Einfahrt, verglichen mit dem Zugang zu anderen Ankerplätzen. Zwei lang gestreckte Inseln voller Palmen übernehmen die seitliche Begrenzung, den Boden bildet das Riff, welches etwa 100 m vor uns beginnt und in circa einer Meile endet. Hier krachen ununterbrochen die Wellen von außen auf die Riffkante um dann weißschäumend zu zerfließen. Das stetige Dröhnen ist gut zu hören. Ein sicherer Ankerplatz und ein bezaubernder noch dazu.

Die SPICA schwimmt in türkisfarbenen Wasser, zusammen mit noch ca. 20 anderen Booten. Es sah furchtbar voll aus als wir ankamen, aber hier findet jeder noch ein Plätzchen.

 

Heute haben wir die größere der beiden Inseln zu Fuß umrundet. Ein paar Kunafamilien leben hier und kümmern sich um die Palmen und um ein paar Touristen, die hier in kleinen Hütten wohnen. Das Innere der Insel ist dicht bewachsen. Junge Palmen, aber auch eine Art Gras und ein paar Büsche bilden ein freundlich grünes Dickicht aus dem die schlanken Stämme der Palmen heraus ragen, unter der Krone reich bestückt mit Kokosnüssen. Das Rascheln der Palmwedel im Wind ist das zweite Geräusch, das allgegenwärtig ist. Dazu kommt das Gluckern und Plätschern der kleinen Wellen.

Und das ist noch nicht alles! Gestern glitt ein großer Delfin durch die Bucht, sprang in einem eleganten Bogen aus dem Wasser um auch wirklich alles zu sehen und verschwand wieder. Ich hätte nichts gegen eine weitere Inspektion am nächsten Tag.

Mittwoch, 8. März

Westliche Lemon Cays

Gibt es eine Staffelung des Paradieses? Ich denke JA, denn wir erleben es gerade. Die SPICA liegt nur 3,5 nm von unserem letzten Ankerplatz entfernt (Luftlinie 2nm) im südlichen Bereich der Lemon Cays. Schaue ich um mich herum sehe ich 13 Inseln in verschiedenen Größen, eine traumhafter als die andere. Palmen und weiße Sandstrände sind hier selbstverständlich, trotzdem hat jede Insel ihr eigenes „Gesicht“. Manche sind von Kunas bewohnt, ihre malerischen Hütten mit Palmwedeldächern verstecken sich unter den Bäumen. Untiefen und Riffe sind hier überall präsent. Eine navigatorisch schwierige Region.

Der San Blas Archipel besteht aus unendlich vielen dieser Riff-Insel-Gemeinschaften.

Das Wasser ist weiß oder  blau, die Riffe sind gelb und die Inseln grau. Stellt man sich das Fell einer Tigerkatze vor, mit all seinen Streifen und Flecken, hat man einen groben Eindruck von diesem Gebiet. Jeder Fleck oder Streifen ist eine Riff mit etlichen Ausläufern, manchmal mit, manchmal ohne Insel. Zwischen den kleinen Archipelen liegt tiefes Wasser, in dem man meist ohne Gefahr segeln kann.

Eric Bauhaus hat den Panama Cruising Guide geschrieben, ohne den man dieses Gebiet nicht befahren sollte, da man sich auf die elektronischen Seekarten hier nicht mehr verlassen kann.

Immer wieder sieht man Wracks auf den Riffen liegen.

Die westlichen Lemon Cays sind ein ovales Areal. Einen Zugang ins Zentrum gibt es über acht Wegpunkte, die einen durch die Riffe und Untiefen leiten. Wir haben uns von Süden herein geschlichen und ich finde, das Herzklopfen hat sich gelohnt.

9./10. April

Coco Bandero Cays

Das ist, laut Buch, die großartigste Inselgruppe, unbewohnt und von atemberaubender Schönheit. Gleich am ersten Tag besuchten wir zwei der fünf Inseln. Leider war die Sicht nicht besonders und die Sonne versteckte sich.

Aber am Freitag wurde der Himmel blau. Das Wasser leuchtete in allen Tönen zwischen blau und grün, endlich. Zuerst besuchten wir die winzige Insel nah am Riff. Sie hat einen Durchmesser von ca. 30-40 m. Zwei Palmen stehen in ihrer Mitte und sie gehörte uns. Ein Robinson Gefühl der Sonderklasse.

Aber die nächste Insel lockte schon. Hier leben sechs Kunas, zwei ältere Frauen, zwei junge und zwei Männer. Wir stellten uns vor, setzten uns in ihr „Wohnzimmer“, eine offene Fläche zwischen den Hütten und tranken eine Cola. Die „old ladies“ waren eine Show. Breite „Wadelschützer“ wie die Bayern sie tragen, jedoch aus Perlen, ein Mieder aus Molas, ein bunter Rock, ein traditionelles Kopftuch und: ein goldener Nasenring. Wenn ich ganz alt bin, laufe ich auch so herum!!!

Ich habe an diesem Tag unendlich viele Fotos gemacht, denn Meer und Inseln im strahlenden Sonnenschein nach den grauen Tagen waren unbeschreiblich schön.

Heute sah ich auch meinen ersten springenden Rochen. Von ihnen gelesen hatte ich schon.

Mit ca. einem Meter Flügelspannweite schoß er gut einen Meter hoch aus dem Wasser, schlug einmal mit dem Flügeln und verschwand wieder, ungefähr so wie ein übermütiger Delfin.

Samstag, 11. April

Immer noch Coco Bandero

Um 9:30 Uhr waren wir abfahrbereit. Das Schiff war segelfest, das Sonnendach und die Wäscheleine abgebaut, das Großsegel vorbereitet, das Dinghi gut angebunden. Norbert hatte sich gerade durch die beiden Riffe geschlichen, da kam uns ein roter Zweimaster entgegen → Lucie und John mit ihrer Maraki. Kurze Beratung, dann drehten wir um. Nach einer halben Stunde lag der Anker dann endlich richtig und wir begannen wieder alles herzurichten: Sonnendach, Wäscheleine …. etc.

Es war ein fröhliches Wiedersehen. Lustigerweise lag 100m weiter vorn noch ein Boot aus Michigan, auf dem wir uns dann alle zum Sundowner trafen. Zwei Stunden Intensivkurs in Amarican English. Ich war ziemlich fertig danach. Verstanden habe ich richtig viel, aber mein Mitteilungsdrang ist leider immer noch größer als mein englischer Wortschatz. Ich bleibe dran.

Joe und Michelle haben vor ein paar Jahren Würzburg besucht. Sie kannten noch ein deutsches Wort, nämlich „Glühwein“. Außerdem hatten sie dort Feuerzangenbowle getrunken, waren aber, trotz meines intensiven Unterrichts, nicht in der Lage dies richtig auszusprechen.

13.-17. April

Die Hollandes Cays

Schon die Einfahrt zu dem „Swimming Pool“ genannten Ankerplatz war sehr schön. Die SPICA wiegte sich in der Strömung in dem türkis-blauen Wasser, direkt vor der La Paloma und der Kama. Mit Ferdinand, Elke und Andreas verplauderten wir zwei Abende. Auch Lucie und John waren inzwischen angekommen und so wurde die dritte Runde, diesmal auf der SPICA, international.

Nachmittags, bei unserem Dinghiausflug, haben wir zugesehen, wie eine vor zwei Wochen aufs Riff gelaufenen Yacht nach ein paar Notreparaturen mittels dreier Schlauchboote von einer Sandbank ins tiefe Wasser gezogen wurde. Die Unterseite war flach wie eine Bratpfanne, der Kiel liegt irgendwo auf dem Riff. Für uns eine spannende Sache. Der Eigner jedoch wirkte nicht besonders glücklich.

Die westlichste Ankerbucht der Hollandes Cays ist unsere letzte Station in dem San Blas Archipel.

Von hier starten wir Morgen nach Portobelo, der letzten großen Ankerbucht vor Colon.

Zwei Inseln bilden einen Trichter, in dem etliche Yachten ankern. Vor der östlichen Insel liegt ein kleines Riff. An dessen Rand fanden wir einen Korallengarten, wie man ihn sich nicht schöner wünschen kann. Hohe Korallen ragen über die „Bodendecker“ hinaus. Manche erinnern an Straußenfedern, manche an Pilze, andere an das Gehörn der Hirsche. Dazwischen gelbbraune Kugelkorallen oder lila und weiße Fächer. Alle wiegen sich gleichmäßig im Rhythmus der sanften langen Wellen, die in Richtung Ufer unterwegs sind. Liegt man ganz still im Wasser wird man Teil dieses Wiegens, für einen Moment integriert in diesen Zaubergarten.

18.-23. April

Portobelo

19 nm vor Colon gelegen bietet diese langgezogene Bucht vielen Durchreisenden eine letzte Ankermöglichkeit bevor es durch den Kanal geht. Der Ort ist überschaubar. Zwei gut mit Kanonen bestückte Festungen beschützten früher diese Stadt, in der Unmengen Gold zum Weitertransport nach Spanien gelagert wurden. Das ist schon lange her. Heute wäre einiges davon nötig, um den Eindruck von Verfall zu mindern.

Uns hat es hier gut gefallen. Aus dem dichten Dschungel, der die Bucht umgibt, ertönt manchmal das heisere Geschrei der Brüllaffen. Das braune Wasser des hier mündenden Flusses vermischt sich mit dem salzigen, grünlichen Meerwasser.

Drei Erlebnisse sind besonders zu erwähnen:

Nr. 1 → Der Regen

Es fing harmlos an. Da wir nur noch wenig Wasser hatten haben wir abends unsere Wasserschläuche an die Regenrinnen unseres Sonnendachs montiert und in den Tank gesteckt, voller Hoffnung auf ein wenig Regen. Am Morgen war dieser übervoll. Frisches kühles Regenwasser strömte aus dem Hahn über dem Waschbecken in der Küche. Noch den ganzen Tag rauschte der Regen vom Himmel, prasselte auf die ruhige Wasseroberfläche und vermittelte das Gefühl einer beginnenden Sintflut. In den Bäumen der umliegenden Hügel stauten sich die Wolken, ein paar ferne Blitze erhellten die Nacht.

 

Nr. 2 → Casa Vela

Birgit und Rainer bewirtschaften dieses Haus. Es ist eine Art Bar in dem es auch Kleinigkeiten zum Essen gibt, in erster Linie jedoch eine Anlaufstätte für Mensch und Tier. Etliche Hunde haben hier ein Zuhause gefunden, dazwischen lebt die Hauskatze, alle in friedlicher Eintracht. Jeder ist hier willkommen. Wir hatten schon nach kurzer Zeit (15 Minuten) das Gefühl zu den Stammgästen zu gehören. Zuerst bekamen wir einen Kaffee, später eine Ortsführung, da Birgit einkaufen mußte.

Besonders entzückte mich ein 5 Wochen alter Welpe, dem ich unendlich lange beim Spielen zusehen konnte und in dessen Fell ich meine Fingerspitzen vergrub.

Rainer betreibt in den hinteren Räumen eine Segelwerkstatt. Fast jeder kennt die Beiden. Rosi und Klaus gehörten zu ihren Besuchern, auch Elke und Ferdinand hatten uns von ihnen erzählt.

Nr. 3 → Die Busse

Von Portobelo fährt alle 40 Minuten ein Bus nach Sabanita. Diese Busse sind eine Show! Bunt bemalt, wahrscheinlich ehemalige Schulbusse aus den USA, hinten mit zwei langen hochgeführten, chromglänzenden Auspuffrohren bestückt. Schon an der leichten Steigung am Ortsausgang brüllen ihre Motore auf, trotzdem reißt einen die Geschwindigkeit nicht vom Hocker (auf dem Rückweg, wenn es wieder bergab geht, schon!). Will man mitfahren, hält man einfach die Hand raus. Dies führte etliche Male zu beißendem Gummigeruch, denn was bedeutet schon eine lange Lebensdauer der Reifen, wenn man statt dessen einen zahlenden Gast ergattern kann.

Die obere Hälfte der Frontscheibe ist mit Spiegeln bestückt, so ist der Innenraum für den Fahrer überschaubar. In unserem Bus waren die Spiegel zusätzlich mit langen lila Federboas eingerahmt, deren Federn sich anmutig dem Fahrtwind beugten.

Der übrig gebliebene Sehschlitz, durch den der Herr über mein Leben, hier Busfahrer genannt, Kontakt mit der vor ihm liegenden Straße hält, ist kaum noch der Rede wert. Nur eine fast liegende Position ermöglichte ihm den Blick auf Straßenverlauf und -verkehr.

Unser Bus war eine Luxusvariante, denn er verfügte über einen Scheibenwischer auf der Fahrerseite. Manche Busse haben gar keinen und ich frage mich, wie sie und ihre Fahrgäste den oben erwähnten Regentag überlebt haben.

Auf dem Rückweg war der Bus gerammelt voll. Ein- und ausgestiegen wird vorn und so drängelt man sich mit vollem Körperkontakt an den im Mittelgang stehenden Fahrgästen vorbei, bleibt dabei aber immer nett und freundlich.

Einmal, nur einmal möchte ich erleben, daß ein solcher Bus in Berlin eingesetzt wird und den Aufschrei unserer Wächter über Sicherheit und Normen erleben. Nur ein einziges Mal.

23. bis 30. April

Shelter Bay Marina

Wir sind da! Luftlinie 1 nm vor den ersten Schleusentoren des Panamakanals entfernt. Und ich habe sie auch schon gesehen!

Wir sind am Freitag mit dem Marina-Einkaufsbus in die Quatro Altos Mall von Colon gefahren. Die Straße quert die Kanaleinfahrt über zwei Drehbrücken, die ca. 15 m vor den gigantischen Schleusentoren verlaufen. Direkt vor den Toren hatte ich nur einen Gedanken: Bleibt bloß zu!!!

Am Sonntag habe ich DAS Formular ausgefüllt, den Antrag auf Passage des Kanals und zur Kanal Autority faxen lassen. Dienstag früh kam dann der Vermesser. Da die SPICA schon einmal durch den Kanal gegangen und auch deutlich unter 50 Fuß lang ist, hat er die alten Daten übernommen.

Am Mittwoch brachte uns der nette Fahrer des Einkaufsbusses zur City Bank, wo wir das Geld für die Durchfahrt eingezahlt haben.

Heute ist Donnerstag und wir haben nun das Datum für die Durchfahrt. Dienstag, der 5. Mai, unseren Wunschtermin.

Erstens kann ich dann am Montag noch einkaufen fahren und zweitens haben wir am Dienstag Hochzeitstag, da kann man sich schon mal etwas Besonderes gönnen.

Gestern haben wir unseren Großeinkauf erledigt. Liegt die Rechnung über 400 Dollar bringt einen der Supermarktbus mit den erstandenen Waren kostenlos zur Marina. Das schaffen wir locker.

Wir kauften ein:

50 l Wein: Im Regal gab es nach meinem Raubzug noch 1 Restliter. Den habe ich stehen lassen, denn vielleicht wollte noch jemand etwas Wein.

132 l Wasser, 60 Dosen Bier, 40 Dosen Soda, Cola etc., 20 l Milch. Zwei große Einkaufswagen waren danach übervoll. Ein Dritter füllte sich mit festeren Bestandteilen.

Als wir mit unserer Beute durch die Marina zogen ging die Flapserei schon los. So viel Wasser, was macht man den damit? Ein Amerikaner meinte, das würde sich nur lohnen, wenn wir jemanden mitnähmen, der dieses in Wein verwandeln könnte.

Frischkost kaufen wir erst kurz vor dem Start nach Galapagos. Wann das der Fall sein wird weiß ich nicht, denn seit einem Monat gibt es auf der Pazifikseite keinen Wind. Alle jammern und kommen nicht vorwärts. Rosi und Klaus haben es mit viel dieseln bis nach Ecuador geschafft. Andreas und Katja machen eine Pause in Kolumbien.

Morgen, am Freitag, gehen wir als Linehandler das erst Mal durch den Kanal, ganz luxuriös auf einem Katamaran. So können wir uns die Sache mal ansehen, bevor wir mit der SPICA durchfahren. Das machen viele, denn es ist wohl wirklich ganz nützlich.

Ansonsten ist es hier sehr warm und leider fehlt auch häufig frischer Wind. Überall wird geschuftet. Viele lassen ihr Boot hier und fliegen nach Hause, die anderen rüsten auf für die Pazifikpassage.

Trotzdem bleibt noch Zeit für die Affen.

Von der Marina weg führen alte verfallene Asphaltwege in den Dschungel. Sie stammen noch aus der Zeit, als die Amerikaner die Zufahrt zum Kanal schützten. Alte verlassene Bauten integrieren sich hübsch in das Grün des dichten Waldes, der dieses Terrain so langsam zurück erobert. In den Bäumen sieht man immer wieder Affen, meißt Kapuzineräffchen, aber auch Brüllaffen, die wir bisher nicht gesehen, wohl aber oft gehört haben.

Die Eleganz und Lässigkeit, mit der sich diese sprungfreudigen Gesellen durch den Wald bewegen ist einfach großartig, ich kann ihnen stundenlang zusehen. Auch das eine oder andere Tier trifft man unterwegs.

Es ist eine schöner Rundgang, den wir fast täglich wiederholen.