03. Mai

Bequia

Seit Dienstag Nachmittag liegen wir in der Admirality Bay vor Port Elisabeth, dem Hafen von Bequia, der nördlichsten Insel der Grenadinen. Die Bucht ist bei Seglern beliebt, man liegt gut geschützt und laut Insidern ist es ist oft sehr voll. Wenn die Sonne scheint leuchtet das Wasser helltürkis, petrol und dunkelblau, je nach Wassertiefe und Untergrund. Hinter hellen Sandstränden wachsen Palmen und auf den daran anschließenden Hügeln stehen kleine Häuser in bunten Farben (und ich meine wirklich bunt). An der Strandpromenade reihen sich kleine Restaurants, Boutiquen und Geschäfte gefällig aneinander, dazwischen findet man Obststände mit einem vielfältigen Angebot. Blühende Sträucher und Bäume sorgen zusätzlich für Farbe und karibisches Ambiente. Manchmal schwimmen auf dem hellgrünen Wasser viele zartrosa Blüten, die der Wind herunter geweht hat. Ein wunderschönes Bild.

 

In unseren Reiseführern widmen sie St. Vincent und den Granadinen zwei Seiten, (St. Lucia hat 30) davon geht schon die Hälfte für Allgemeines drauf. Überall empfehlen sie einen Segeltörn durch die schöne Inselwelt. Darüber läßt sich reden.(Grins)

Für Bequia empfehlen sie einen Besuch der Friendship Bay im Süden der Insel mit anschließendem Besuch des dortigen Walmuseums. Auf dieser Insel hat man bis vor 3-4 Jahren noch Wale gejagt. Zwei Stück pro Jahr waren erlaubt. In kleinen Holzbooten mit nur knapp 10 m Länge und mit handgeschleuderten Harpunen sind sie auf die Riesen der Meere losgegangen. Nun ist der Letzte der alten Walfänger verstorben und die Tradition des Walfangs stirbt anscheinend aus. Ich kann nicht sagen, daß ich das bedaure.

Walknochen findet man auf der ganzen Insel. Sie bilden Bögen über den Entrées zu den Restaurants, dienen als Treppengeländer und ein paar der riesigen Wirbelknochen fanden wir als Sitzfläche in einer Bar.

 

Zur Friendship-Bay führt eine Straße über die Hügel, der wir heute gefolgt sind. Zu Fuß! Die Bucht ist wirklich schön, das Wasser leuchtet in vielen Grüntönen. Draußen türmten sich weiße Wellen, da es seit gestern hier heftig bläst. Barfuß bewanderten wir die Wasserkante. Etwas weiter fanden wir dann das Wal“museum“. Es besteht aus einem winzigen Raum und wird wohl gerade etwas aufgerüscht, denn überall lagen Werkzeuge herum.

Eine Wand dient als Ausstellungsfläche, Länge: 3 m, Tiefe: 0,25m, Höhe: 2 m.

Als Exponate dienen kleine Walknochen, zwei Harpunen und ein paar alte Fotos oder Bilder. Die Tür stand offen, aber es war niemand da. Es kam auch keiner! Das war schon sehr speziell.

Das Fischerdorf, Paget Farm, welches man sich ebenfalls „nicht entgehen lassen durfte“, verschlug uns dann richtig die Sprache. Die angekündigten bunten Boote versanken im Müll. Riesige Haufen von Cochon-Schneckenhäusern bedeckten das Ufer. Diese Schnecken sind am Aussterben und daher geschützt, werden aber immer noch von den Einheimischen und leider auch von Touristen gegessen.

Wir blieben nicht lang. Ein Bus brachte uns zügig zurück nach Port Elisabeth.

 Sonntag, 04. Mai

3 Highlights

Heute wollten wir zum Turtle Santuary, einer Schildkröten-Aufzuchtstation im Nordwesten der Insel. Aber schon auf dem Weg in den Ort hörten wir gospelähnliche Gesänge, die uns anlockten. Unter den schönen schattenspendenden Bäumen vor dem Hafen fand ein Treffen einer religiösen Gemeinschaft statt. Ein Tag gemeinsames Singen und Tanzen zum Lob des Herrn. Es waren überwiegend Frauen in traditioneller karibischer Bekleidung, sehr farbenfroh, mit fantasievoll geschlungenen Kopftüchern oder schönen Hüten. Die Meisten sangen und tanzten, Andere ruhten sich im Schatten aus. Eine Weile sahen und hörten wir zu, aber dann rissen wir uns los, stiegen in ein Taxi und fuhren zu den Schildkröten.

Schildies, wie Fritzi sie liebevoll nennt, begeistern mich immer wieder. Oft sieht man sie 15 bis 20 m vom Boot entfernt Luft schnappen, dann tauchen sie wieder ab. Je nach Art können sie ein bis zwei Stunden unter Wasser bleiben. Leider sind sie sehr scheu und so war es um so schöner, sie einmal aus der Nähe betrachten zu können.

Es gab zwei Arten, Green Turtles und Caretta Caretta. Green Turtles sind reine Vegetarier und können bis zu 900 kg schwer werden. Carettas wiegen ausgewachsen „nur“ ca. 80 kg. Sie fressen auch kleine Fische und Krebse, wenn sie welche finden. (oder meine Finger, wenn ich sie nicht schnell genug weg ziehe). Die großen Exemplare waren zwischen drei und fünf Jahre alt. Fünfjährig werden sie ins Meer entlassen. Dann ist ihr Panzer hart genug, so daß sie eine ganz gute Überlebenschance haben und mit viel Glück die nächsten 195 Jahre beschaulich im Meer verbringen können.

In einem anderen Becken schwammen die „Kleinkinder“, fünf und sieben Monate alt, sehr niedlich. Wir fragten, schauten und fotografierten. Unser Taxifahrer wurde inzwischen allerdings etwas ungeduldig.

Zurück in der Stadt lauschten wir noch ein wenig den immer noch singenden Ladys, aber die Versammlung löste sich nun langsam auf.

Am Eingang der Bucht, direkt über Devils Table, einer häßlichen Untiefe, steht auf einem Hügel Hamilton Fort, eine alte Festungsanlage, die wir uns noch ansehen wollten.

Auf dem Weg dorthin überholten wir drei Damen, die von der Versammlung kommend auf dem Weg nach Hause waren. Rosi fragte und!! wir durften sie fotografieren. Mein Bild des Monats Mai!

Kurz darauf erreichten wir das ehemalige Fort. Das Meer glitzerte silbern im Sonnenlicht, bis weit im Westen nur Wasser. Fünf Kanonen stehen noch dort und erinnern an alte Zeiten.

Der Blick über die Bucht ist atemberaubend. Wir saßen lange dort, schauten auf die vielen Boote und genossen das Spiel von Sonne und Wolken auf dem Wasser.

Zurück an Bord kochte ich einen Grüne-Bohnen Eintopf. Bohnen, bei denen man die „Fäden“ entfernen mußte. Auch ein Relikt aus „alter Zeit“.

 

Donnerstag, 08. Mai

Canouan

20 nm südlich von Bequia liegt Canouan, der Vorposten der Tobago Cays. Hier ankert man in der Charlestown Bay, einer weiten Bucht mit herrlich grüngesprenkeltem Wasser. Nur wenige Boote lagen hier, als wir gestern eintrafen. Unser Anker hielt auf Anhieb und so nutzten wir sorglos den Rest des Tages zum Schwimmen, Schnorcheln und Faulenzen.

An dem weißen Strand steht ein schön gestalteter Hotelkomplex mit Allem was dazu gehört. Allerdings leer, die Saison ist vorbei.

Heute lockte uns ein Rundgang über die Insel. Nachdem ein Hurrikan in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts alles zerstört und verwüstet hatte war die Bevölkerung bettelarm. Es gab kein Wasser und keine Arbeit.

1970 begann der erste vorsichtige Einstieg in den Tourismus. Inzwischen ist der ganze Norden ein Luxus-Tourigebiet. Eine Meerwasserentsalzungsanlage liefert Süßwasser, ein Golfplatz wurde angelegt, diverse Resorts und Cottages errichtet.

Charlestown selbst, ehemals sehr klein, breitet sich aus. Überall wird gebaut. Neben kleinen Hütten stehen schöne Häuser, alles kunterbunt durcheinander – und das meine ich wörtlich. Meine Lieblingsfarbkombination ist maigrün-orangerot. Das sieht einfach klasse aus! Unser Rundgang führte auf einen Hügel, von dem wir einen schönen Blick auf die Tobago Cays, Mayreau und Union Island hatten. Später, am Straßenrand, „trafen“ wir drei große Landschildkröten, die gemeinsam unterwegs waren. Auf Canouan herrscht eine angenehme, entspannte Atmosphäre. Alle Leute grüßen freundlich. In dem kleinen Supermarkt kaufte ich noch ein paar Vorräte, denn wir wollen ein paar Tage im Horseshoeriff auf den Tobago Cays bleiben.

 

 

Abends spendierte uns die Sonne einen besonders leuchtenden Untergang, den ein einlaufender Oldtimer als Kulisse nutzte. Fast schon kitschig, oder?

Freitag, 9. Mai

Tobago Cays, das Bilderbuchrevier der Karibik.

Mein erstes Atoll

Wir sind da! Der Weg in das Horseshoe-Riff ist mit elektronischen Seekarten und bei ruhigem Wetter kein Problem. Wir sahen rechts und links die Untiefen, umfuhren Petit Rameau und dann direkt hinein in das Ankerfeld. Es war nicht sehr voll. Nur etwa 20 Yachten teilten sich das türkisfarbene Wasser. Bald hatten wir einen guten Platz gefunden und konnten uns in Ruhe umsehen. Ich flippte fast aus. Weit draußen brachen sich die Wellen an dem Riff, schäumende, weiße Kämme vor dem tiefen Blau der See. Vor und unter uns leuchtete das Wasser türkis.

Wir liegen genau im Dreieck von Petit Bateau, Baradal und Jamesby, kleine Inseln mit schönen weißen Sandstränden.

Jamesby haben wir gestern besucht. Der Sand ist fast pulverig, meine Füße wirkten wie gepudert. Die Sonne ließ das Wasser aufstrahlen. Leider schoben sich ab und zu ein paar Wolken vorbei, aber auch das erzeugte atemberaubende Effekte, z. B. einen intensiv leuchtenden grün-türkisfarbenen Streifen, den ich ungefähr zehn Mal fotografiert habe. Die Fotos mußte ich dann aber wieder löschen, da sie nicht annähernd zeigten, was ich sah.

Samstag

Es ist bewölkt!!! Die Flut der gestrigen Farben kann man nur noch ahnen. Ich will die Sonne zurück!

Abends waren wir mit Karla und Dieter und Lydia und Arno zum Barbecue am Strand. Stefan, unser hiesiger Boatboy, bewirtete uns mit Hähnchenkeulen, Reis, Kartoffeln, Kochbananen und Salat. Das Essen war köstlich, die Runde lustig. Ein supernetter Abend.

 

Sonntag

Heute Vormittag fuhren wir mit dem Schlauchboot nach Baradal, der Insel mit der „weißen Nase“.

Der Wind ist zur Zeit ganz schön heftig. Wir hüpften über die Wellen und zogen unser Schlauchboot an Land. Ein schmaler Weg führt hinauf auf den Hügel. Viele große Leguane leben dort, ein besonders frecher versperrte uns sogar den Weg und rührte sich lange nicht vom Fleck. Die Sonne linste durch die Wolken und zauberte das Südseeambiente zurück. Auf dem Rückweg sahen wir große Schildkröten auf dem hellen Sand unter uns. Die schauten wir uns nachmittags, mit Flossen und Schnorchel ausgerüstet, genauer an.

Große Greenturtles schwebten über den Grund und weideten die Grashalme ab, die aus dem Sandboden wuchsen. Zwei, drei, vier, einmal sah ich sogar sechs auf einmal. Langsam folgten wir ihnen, bewunderten die schöne Zeichnung des Kopfes, die sanftmütigen Augen und die eleganten Bewegungen. Wir schnorchelten 1-2 Meter über ihnen, aber das störte sie nicht. Fast schwerelos tauchten sie auf, schnappten 2-3 Mal nach Luft und glitten wieder hinunter. Ein wunderschönes Erlebnis.

Norbert und Klaus sahen sogar noch zwei Rochen, eine großen und einen etwas kleineren. War bestimmt sehr spannend.

Montag

Die Sonne schien. Wir saßen lange auf dem „Gipfel“ von Petit Bateau und konnten uns nicht satt sehen

an dem Anblick, der sich uns bot.

Vier Fotos, von Nord nach Süd zeigen euch was vor uns lag und wovon (eigenartiges Wort) wir uns lange

nicht trennen konnten.

Auch hier gibt es Leguane. Einem etwas kleineren folgte ich. Er kletterte flink einen Busch hinauf,

knabberte an den zarten Blättern, reckte sich höher um einen Ast mit einer Blüte zu greifen, die er

dann genüsslich verspeiste.

 

Hier noch ein paar Unterwasserfotos von unserem Lieblingsschnorchelrevier von Brigitta

Freitag, 16. Mai

Seit einer Woche sind wir hier. Ganz langsam kann ich mich an den Gedanken gewöhnen, dieses kleine Paradies irgendwann zu verlassen.

Inzwischen haben wir alle vier Inseln erkundet. Heute waren wir das erst Mal mit Rosi und Klaus draußen am Riff. Die Schlauchboote wurden an einer Boje festgebunden, dann schnorchelten wir los. Ein schönes Korallenriff mit vielen Fischen aller Art. Ich war gerade auf dem Rückweg, da sah ich ihn. Ein Hai, ungefähr meine Größe. Ruhig bleiben! schoß es mir durch den Kopf. Freundlicherweise schwamm er von mir weg, umrundete einen großen Korallenblock und war verschwunden. Das schwebte mir auch vor, nichts wie weg! Mit betont ruhigen Bewegungen aber leicht verknoteten Innereien schwamm ich zurück zum Boot. Norbert kam auch bald, Rosi und Klaus etwas später. „Ein Hai, ehrlich?“ die Beiden fanden es gut. PUH!

Ich wollte zurück zu dem kleinen Korallenriff vor unserem Lieblingsstrand. (Haifreie Zone!) Jeden Nachmittag waren wir dort, haben vom Strand auf das Meer geschaut und sind in dem leider bisher sehr unruhigen Wasser geschnorchelt. Hier sieht man immer Schwärme kleiner Fische, mal mehr mal weniger. So viele wie heute habe ich noch nie auf einmal gesehen. Sie waren überall, über, neben und unter mir. Große, kleinere und ganz kleine, vereint in einem nicht endenden Tanz in dem klaren Wasser. Auch einen Schwarm Kalamare gibt es hier. Sie wiegen sich elegant in der Dünung, schauen dich mit ihren großen Augen an und im Sonnenlicht flimmern die lila Punkte auf ihren beige-grauen Rücken.

Meine absoluten Lieblingsfische sind Palometas. Sie gleiten ätherisch durch das Wassernso nah, daß ich selbst etwas zurück weiche. In den flimmernden Sonnenstrahlen beginnt ihre silberne Haut rosa zu schimmern.

An tieferen Stellen vergnügten sich Schwärme großer Fische. Dunkelblau oder zartgelb. Aber immer wieder kehrte ich zurück zu den Kleinen, total verzaubert von dem Schwingen über den Felsen.

Im Schatten einer Palme saßen wir noch lange und schauten auf das Wasser, das wirklich in jeder Minute seine Farben ändert. Ein kleiner Leguan kam vorbei, lief über den Strand, setzte sich auf seine Hinterbeine und schaute ebenfalls hinaus. Waren wir schon Drei.

 

Was haben wir noch erlebt:

-Leguansex am Strand

-Vollmond über den Cays

-und ein wunderbares BBQ am Strand, serviert von „noch-Free“-Willy und seiner Freundin.

Das beste karibische Essen, das wir bisher bekommen haben. Mitgenossen haben dies Brigitta und Horst von der Sapphire, Rosi und Klaus und Monika und Jürgen von der Nereus.

 

Im Übrigen denke ich, sie schütten nachts Farbe ins Wasser! Was meint ihr?

Mittwoch, 21 Mai


Mayreau

-schwimmende Hunde - räubernde Vögel - ein Baby und ein kleiner Kater!

Montag früh verließen wir die Cays und steuerten Mayreau an. In der Salt Whistle Bay, im Norden der Insel, fanden wir ein nettes Plätzchen. Wieder eine schöne Bucht mit langem Sandstrand und Palmen.

Nachmittags schwammen wir an Land und „wanderten den Strand ab“. Bald hatten wir Begleitung. Ein (wirklich netter) Hund lief neben uns her und tat nach fünf Minuten so, als würde das für den Rest seines Lebens so bleiben. Am Ende des Strandes angelangt zogen wir die Flossen wieder an und schwammen die 300 m zurück zu den Booten. Kein Problem für unseren Trabanten. Zielstrebig und irre schnell schwamm er mit und folgte Rosi und Klaus, die wirklich sehr schnell sind, ganz ohne Mühe. Erst als er niemanden mehr im Wasser sah (Klaus hatte sich hinter seinem Boot versteckt) schwamm er zurück zum Strand. War schon fast tragisch.

Abends begossen wir auf der Salmon die Ankunft von Marius, dem ersten Enkelkind von Rosi und Klaus. Jeder von uns gab sein Bestes und so tranken wir zu viert eine Flasche braunen Rum auf seine Gesundheit, seine Zukunft und aus Freude über seine Ankunft. Ich glaube, es ging ihm am nächsten Morgen deutlich besser als manchen von uns.

Beim Frühstück bekamen wir dann noch Besuch von einem Vogelpärchen. Schrill pfeifend forderten sie einen Teil des Essens für sich. Mein gutes selbstgebackenes Brot fraßen sie mir aus der Hand, aber trocken war ihnen wohl zu poplig. Die Dame inspizierte unseren Frühstückstisch und schwupp klaute sie Butter aus der Butterdose. Ganz schön dreist!

Übrigens: Hier ist es anscheinend ganz normal das Hunde im Meer baden. Man sieht sie oft bis zur Nase im Wasser stehen. Sieht echt lustig aus.

Sonntag, 25. Mai

Union Island

Vier Tage Zeit die kleine Insel zu erkunden. Wir liegen an der Mouring in Clifton Harbour, fast direkt neben der Landebahn des hiesigen Flughafens, wo wir heute ausklarieren werden.

Fünf bis sechs Mal am Tag legt sich ein kleiner Flieger elegant oder stürmisch in die Kurve, um auf der kurzen Piste zu landen.

Zweimal haben wir die Insel bewandert, sind die Straße entlang gelaufen, zwischen Ziegen Hühnern und Kühen, die hier völlig frei in der Gegend herum ziehen. Selbst einige Jungbullen sind darunter, die ich immer misstrauisch beäuge.

Auf einer dieser Touren haben wir „Hörmän the Dschörmän“ kennen gelernt. Er wird hier so genannt, weil er einige Zeit in Deutschland verbracht hat. München, Hamburg, Berlin, Oberhausen und viele Städte mehr hat er sich angesehen, von Juni bis September, dann wurde es ihm zu kalt. Einmal ist er mit einem Freund in der Cable Car auf den Säntis in der Schweiz gefahren. In der Bahn war es noch schön warm, aber oben hat er so gefroren, daß er, als es anfing leicht zu schneien aus Verzweiflung seinen Regenschirm aufgespannt hat. Alle haben ihn fotografiert, war wohl ein spezieller Anblick.

Im Dorf gibt es einen Obst- und Gemüsemarkt. Sechs kleine Hütten stehen nebeneinander. Dort bieten die Damen ihre Waren an. Eleen, Jenny, Trini, Sheena und Stephani, alle verkaufen das Gleiche. Bei Jenny haben wir jeden Nachmittag einen frisch gepressten Fruchtcoctail getrunken. Er ist so dick, daß der Strohhalm darin stehen bleibt. Nach der Einsamkeit der Cays kommt so ein quirliges, buntes Dorf gerade richtig. Allerdings kann ich meinen Skipper hier kaum aus den Augen lassen. Jenny schenkt ihm Obst, unter anderem Liebesäpfel, ein kleines Mädchen saß neben ihm auf der Bank und zupft an den Haaren auf seinem Arm. Morgen fahren wir weiter!!!

Donnerstag, 29. Mai
Jahrestag
In 5 Tagen sind wir genau ein Jahr unterwegs. Heute morgen hatte ich 9812 Klicks. Wäre doch klasse, wenn „wir“ die 10.000 noch in diesem Zeitraum schaffen würden.
Also, an die Arbeit.
Der Herausgeber

 

Freitag, 30. Mai

Tyrrel Bay – Carriacou

Seit vier Tagen liegen wir in der Tyrrel Bay. Carriacou gehört zum Inselstaat Grenada (sprich Grineida, das zergeht auf der Zunge). Wir dürfen 3 Monate bleiben, unser Boot nur einen Monat!?!? Ich nehme mal an, wir könnten dann verlängern.

Rund um die Bucht findet man viele kleine und größere Restaurants. Eins haben wir ausprobiert, das Sideslip- oder Slipway-Restaurant. Ein (sehr) feucht-fröhlicher Abend mit Gitti, Ulli, Fritz, Pierre und Peter, alles Österreicher und den Salmons. War total nett.

Drei Supermärkte, zwei Loundrys, ein paar Bars, mehr braucht kein Segler.

Das Wasser lädt zum Baden ein und man liegt schön ruhig, eine Segler-Idylle.

Und was habe ich gemacht? Gearbeitet. Viele kleine Rostflecken mit Rostumwandler behandelt, Rostschutzfarbe gestrichen, alles neu lackiert. An sich nichts Besonderes. Dummerweise habe ich mir noch den Ankerkasten vorgenommen. Hier gab es einiges zu tun. Allerdings ist die Zugänglichkeit dieses Ortes stark eingeschränkt. 30X57x17x57, alles Zentimeter, das sind die Maße des Klappenausschnitts, umrandet mit einem fast 5 cm hohen Rand. Mein Skipper muß beim Planen dieser Konstruktion meine Größe (und Breite) etwas unterschätzt haben. Der Raum darunter erstreckt sich durch die ganze Schiffsspitze, da kommt man an manche Ecken nicht besonders gut rann. Ich habe es trotzdem geschafft!

Nun haben meine Oberarme dicke blaue Flecke/Streifen, ebenso meine Hüften, die draußen die Stellung hielten, während Teile meiner Arme und eine halbe Schulter sich innen aufhielten.

Gäbe es hier ein Frauenhaus hätte man mich bei meinem ersten Landgang sofort dorthin verfrachtet. Außerdem habe ich einen Sonnenbrand (grellrot) am Hi..t..ern, da der heftige Wind meine Arbeitskleidung oft bis zum Hals hoch geweht hat. Aber es ist geschafft. Der Ankerkasten sieht sooo gut aus, man könnte ihn locker an Zwerge oder Elfen vermieten.

 

Strandleben:

  1. Spielplatz

  2. Wir warten auf die Frauen“ - die den Wochenendeinkauf erledigten

  3. Kühe am Strand, nicht viel zu fressen, aber das mit Superaussicht

  4. Fisch gefangen, Juhu! (Ich habe ihn beobachtet, er hat manchmal im Liegen geangelt!)

 

Samstag, 31. Mai

Shopping by bus

Gestern sind wir mit Rosi und Klaus mit dem Bus nach Hilsborough gefahren. Dort stiegen wir um in die „Nordlinie“, denn wir wollten zur Watering Bay und den Norden der Insel erkunden. Der kleine Bus war fast voll und endlich ging es los. Eine black Lady hinter mir palaverte mit den Fahrer. Es folgte eine Runde durch den Ort. An einem Geschäft übernahmen wir eine grüne Tasche von ihr, im nächsten ein paar volle Plastiktüten. Nach ca. 5-10 Minuten waren wir wieder zurück am „Busbahnhof“, schauten nach, ob noch jemand mitfahren wollte , dann erst ging es ab nach Norden.

Die „Wanderung“ war naja! Aber immerhin haben wir unsere Füße bewegt und der Sonne getrotzt. (Macht mir wirklich kaum etwas aus).

Durch den Nationalpark, der zur Zeit so trocken ist wie schwarzer Tee in einem Teebeutel, ging es zurück nach Hilsborough. Hier soll es tatsächlich kleine Boas geben, die auf den Bäumen leben und Vogeleier und kleine Tiere verzehren. Gesehen haben wir keine, nur ein paar Eidechsen waren unterwegs.

Im Bus zurück zur Tyrrel Bay erwachte in unserem Driver beim Vorbeifahren an dem örtlichen Kleiderkaufhaus  anscheinend der Wunsch dort etwas zu erwerben. Er äußerte dies durch sein Fenster, fuhr eine Runde durch den Ort (wir kannten sie schon) und verhandelte beim zweiten Durchgang noch einmal nach.

Heute ist Samstag. Meist gibt es an diesem Tag schöne Märkte und so starteten wir nach dem Frühstück noch einmal eine Tour in die Stadt. Hier gab es keine, es war kaum etwas los, aber die Rückfahrt war wieder echt krass. Der Fahrer dieses Kleinbusses erledigte dabei seine Wochenendeinkäufe an diversen Stellen. Wir wurden vor der Tankstelle abgestellt (der Bus war voll!) und warteten dort einige Zeit in der Sonne bis er wieder erschien. In einem Vorort stieg er ein zweites Mal aus und ließ uns stehen. Hier vergaß er die Handbremse anzuziehen und so begann unser Gefährt kurz darauf zu rollen. Zum Glück saß vorn ein Fahrgast, der cool die vergessene Handbremse anzog. Alles grinste über beide Backen. Endlich hatte unser Chauffeur wohl die richtigen Mohrrüben gefunden, stieg wieder ein und weiter ging es.

Auch ich habe diese einkäuferische Freiheit schon in Anspruch genommen. Einmal zog ich Geld aus einer cash-mashine. Das zweite Mal kaufte ich in aller Ruhe noch ein paar Tomaten bevor ich dann in den wartenden Bus stieg. No problem.

Übrigens: Wenn ich wieder in Berlin bin möchte ich Läden und Kaufhäuser, in denen nicht nur meine Einkaufswünsche erfüllt werden, sondern auch mein Ego und meine Seele gestreichelt werden. Hier heißt es immer Daling, Honey, Love, egal ob ich etwas kaufe oder nur schaue. Es ist ganz selbstverständlich und zum Schnurren schön. Ich glaube nicht, daß ich in Zukunft darauf verzichten möchte.