Samstag, 01. März

Echte Helden

Jedes Jahr startet im November auf La Gomera das Atlantic Rowing Race, genau genommen in 2013 das Tallisker Whisky Atlantic Challenge. Ziel ist nach 4727 km Antigua. Einzeln, zu zweit oder zu viert rudern sie über den Atlantik. Zwischen 50 und 70 Tagen rechnet man für die Überfahrt.

Seit drei Tagen liegt „die Nr. 1“ bei uns in der Marina. Ein Einzelfahrer aus Australien, Andrew Abrahams,

40 Jahre alt, der für die Überquerung 57 Tage gebraucht hat. Norbert hat sich gestern mit ihm über seine Fahrt unterhalten, während ich das Foto schoß.

Wenn ich an unserer Wellen denke!!!

A real hero, völlig jenseits meiner Vorstellungskraft.

Montag, 3. März

Zurück auf Martinique

Ca. 10 nm südlich von Fort de France liegen zwei schöne Ankerbuchten, die Grand und die Petit Anse d´Àrlett. Der Wind war freundlich und die Wellen in der Passage waren maximal 1,5 m hoch, also segeln der Luxusklasse. St. Lucia verschwand langsam hinter uns im Dunst.

Um 15 Uhr lagen wir neben der Salmon vor Anker. Fünf Minuten später lief noch die Anke Sophie ein. Thomas und Norbert hatten sich über Funk verabredet.

 

Unser Wiedersehen mit Rosi und Klaus wurde mit einem kalten Bier gefeiert.

Abends saßen wir alle zusammen in einem Restaurant. Thomas und Anette hatten ihre Freunde Eva-Maria und Harald mitgebracht, die seit Barbados mit ihnen segeln. Wir warteten eine Stunde auf unser Essen, aber das war fast egal, denn es gab jede Menge interessanter Gesprächsthemen.

Eva-Maria und Harald waren letztes Jahr in Peru, das spukt uns auch im Kopf herum und so hörte ich ihren begeisterten Erzählungen gerne zu.

Natürlich wurden auch die Atlantiküberquerungen verglichen, bisher in der Karibik erlebtes und neue Ziele erörtert.

Vor dem Lokal tobte der örtliche Carneval Vier „Goldlamé-Girlies“ führten den Zug an, eine Trommelgruppe folgte, dahinter die Fans, fröhlich auf und ab hüpfend. 200 m die Straße hoch, dann kamen sie wieder zurück.

Irgendwann gab es dann tatsächlich noch etwas zu essen. Zwischen dem klangvollen Namen des von uns bestellten Gerichts: Casserolles de Crevettes und dem vor uns stehenden Teller lagen Welten. Aber das tat der guten Laune keinen Abbruch wie man auf dem zu später Stunde entstandenen Gruppenfoto deutlich erkennen kann.

 

 

Am nächsten Morgen besuchten uns Eva-Maria und Harald, sie wollten sich die SPICA ansehen.

Später besichtigten sie noch die Salmon. Nette, interessante Leute. Berliner! Allerdings treulose, sie leben schon seit vielen Jahren nicht mehr dort.

Übrigens: In dieser Bucht gibt es riesige Schildkröten. Gleich nach unserer Ankunft sahen wir eine fast direkt neben unserem Schiff, am nächsten Tag noch zwei weitere.

 

Mittwoch, 5. März

Carneval in Fort de France

Schon bei der Ankunft lockten Trommeln und Musik. Fort de France war außer Rand und Band. Musikgruppen, meist Trommler, zogen durch die Straßen, bestaunt und bejubelt von den Zuschauern, Einheimischen und Touristen. Fast alle waren kostümiert, meist im schwarz-weiss-silbernen Outfit. Bunte Autos dazwischen, die Fahrer ließen die Motoren heulen. Wer die meisten Fehlzündungen hinbekam war der Sieger. Marschierte eine der zahlreichen Trommelgruppen an einem vorbei wummerte es in der Brust. Die Musik riss einen mit, es waren faszinierende Rhythmen.

Viele schöne Gesichter, fröhliche Gruppen, Familien mit Kindern, auch etliche alte Leute. Ein paar Fotos vermitteln vielleicht einen kleinen Eindruck.

 

In diesem Chaos (keine Taxis, keine Busse) erwarteten wir unsere Freundin Christiane, die um 19:50 Uhr landen sollten. Wider Erwarten hatte sie keine Schwierigkeiten den Hafen zu erreichen. Ein langersehntes wiedersehen, der Abend war dann noch lang.

 

 

Die Schoelcher Bibliothek und der Baum der Reisenden

Beim Streunen durch die Stadt standen wir plötzlich vor dieser wunderschöne Bibliothek, die nach Victor Schölcher benannt wurde, der am Ende des 18. Jahrhunderts die Sklaverei auf den französischen Inseln abschaffte. Bei der Weltausstellung in Paris im Jahr 1889 diente das Haus als Karibischer Pavillon. In Einzelteile zerlegt wurde es dann nach Fort de France transportiert, wieder aufgebaut und ist nun hier ein architektonischer Schatz.

Auch eine exotische Palme in Form eines Fächers sieht man oft auf Martinique. Sie ist heimisch auf Madagaskar, fühlt sich aber hier sehr wohl. Ihre Blätter enthalten viel Wasser, an denen sich durstige Reisende laben konnten. Ein Hingucker, wo auch immer sie wächst.

Montag, 10. März

Dominica

Roseau und Champagne Bay

Wir liegen an einer Boje vor Roseau, einem kleinen Ort an der Westküste Dominicas.

Vormittags waren wir in der Stadt. Ein Kreuzfahrschiff hatte dort festgemacht und so gab es ein breites Angebot aller Art für Touristen. CB gönnte sich ein neues Kleid.

Der Obst- und Gemüsemarkt interessierte mich jedoch mehr, denn an Bord sah es flau aus, was Frischkost betrifft. Grüne Bohnen, Tomaten, Bananen, nun ist alles wieder vorhanden. Gestern haben wir an einem Stand an der Straße vier Grapefruits gekauft. Auf St. Lucia kosteten sie 10-12 EC Dollar, hier zahlten wir zwei. (Ungefähr 55ct.) Ich konnte es nicht fassen.

Auch auf Dominica gibt es die kleinen Busse. Für 1,5 ECD sind wir schnell in der Stadt oder zurück am Anchorage Hotel, wo unser Schlauchboot auf uns wartet.

 

Nachmittags fuhren wir, ebenfalls mit dem Bus, zur Champagne Bay. Hier liegt ein kleines Korallenriff vor der Küste, in dem man gut schnorcheln kann. Das letzte Mal habe ich das vor 40 Jahren in Griechenland ausprobiert. Aber dort sah man nur ab und zu eine Seegurke oder ein paar kleine Fische.

Hier erwartete uns eine vielseitige Unterwasserlandschaft. Es wuselten jede Menge Fische aller Art herum. Manche gründelten geschäftig am Boden, andere schwammen in majestätischer Haltung darüber hinweg. Besonders begeisterte mich ein Schwarm blau-schwarz gestreifter Fische, die ein Touch gelb im Sonnenlicht strahlen ließ. Sie standen so ruhig im Wasser, daß ich das Gefühl hatte, ich könnte sie mit den Händen berühren und es würde sie nicht stören. Große blaue Fische mit einem neonblau-lila leuchtenden Schwanz waren ein weiteres Highlight.

Am Boden und auf dem Riff wachsen Korallen. Große tonnenförmige, schwammartige von ca. 1 m Durchmesser, Fächerkorallen, die sich in der Strömung wiegten, „Fadenkorallen“ mit langen Auswüchsen und viele eng nebeneinander stehende gelbe Röhren, die wie Kakteen im Topf in die Höhe wachsen. Dazwischen Seeigel, ein Koffer- und ein Kugelfisch und neben vielen anderen auch die oben beschriebenen Riffbewohner. Eine bezaubernde Welt. Norbert sah ein paar kleine Wasserschlangen (ich zum Glück nicht, denn wie kreischt man auf, wenn man einen Schnorchel im Mund hat?)

Aus Spalten und kleinen Löchern am Boden strömten viele Bläschen wie an einer Schnur aufgefädelt nach oben. Die Vulkane hier sind noch aktiv. Diese Bläschen geben der Bucht ihren Namen. In diesem großen „Champagnerglas“ drehte ich mit meiner neuen Taucherbrille (grün!) und meinen gelben Flossen meine Runden, so fasziniert, daß ich vor einem großen Riffabbruch gerade noch stoppen konnte, sonst wäre ich mit dem Kopf dagegen geknallt.

 

Aber das war nicht die einzige Sensation. Direkt hinter dem Strand steigt ein dicht bewachsener Hang steil nach oben. Hohe Bäume mit knorrigen, verschlungenen Wurzeln, Büsche und ein paar Bodendecker ziehen den Blick auf sich. Darunter leben Leguane, einige Exemplare hatten mit Schwanz gut 1,50 bis 1,60 m Länge. Leuchtend grün, graubraun, graugrün, manche mit hellgrauen

fast weißen Köpfen, wirken sie wie aus einer anderen Zeit. Sie graben in ihren Höhlen, werfen den Sand heraus, jagen sich und begrüßen einander. Oft sind sie versteckt hinter den dichten Blättern aber manchmal stehen sie schön an einer offenen Stelle in der Sonne, so daß dann endlich auch mein Fotoapparat merkt was da vor ihm steht und sich auf die kleinen Hauptdarsteller konzentriert und nicht immer nur die ihn umgebenden Blätter scharf stellt.

 

 

Der Nachmittag klang aus im Anchorage Hotel zur Happy Hour mit einem Coctail für die Damen und einem Bier für Norbert und Klaus. Die Coctails sind lecker und gut verträglich, da der Alkohol nur in einer homöopathischen Dosis darin enthalten ist.

Für die nächsten zwei Tage haben wir ein Auto gemietet. Wasserfälle, Regenwälder und viele schöne Orte erwarten uns. Große Flächen der Südhälfte der Insel sind als Weltkultur/natur/erbe ausgewiesen. Ich kann es kaum erwarten dies alles zu sehen.

Dienstag, 11. März

Victoria Falls

Kann man unwissentlich in das absolute Erlebnis stolpern? Man kann!

Erst einmal landeten wir auf der falschen Straße. Egal, hier ist es überall schön. Bei einen „Car Stop“ hielt ein weiteres Auto und zwei Holländerinnen gaben uns einen Flyer, Werbung für das Zion Vally: Experience Vikctoria Falls and the Rasta way of life! Dieser, der Rasta Moses James zeigt einem seinen Garten. Man kann an Küchenkräutern riechen, diese fühlen und das lokale Gemüse probieren.

Weit ab von allen anderen Sehenswürdigkeiten liegt dieser Wasserfall, der größte und eindrucksvollste der Insel. Genau daran führte unsere Straße vorbei. Norbert steuerte souverän und so verschwand unser Suzuki „Jeep“ nicht in einem ihrer riesigen Schlaglöcher sondern wurde ordentlich im Zion Vally geparkt. Aber das Beste stand nicht auf dem Flyer! Denn dort trafen wir Heidi, eine Oberösterreicherin, die seit Jahren dort lebt. Wir informierten uns. Der Fluß, dem man zum Wasserfall folgt, muß fünf Mal überquert werden und die kleinen Trampelpfade dazwischen sind schwer auszumachen. Hier ist ein ortskundiger Guide unbedingt erforderlich. Klaus bestand auf Heidi, die diesen Job gerne übernahm. Unter den riesigen Bäumen brachte der Fluß sein manchmal leicht milchiges Wasser herab, umspülte große Steine, strömte durch enge Felsformationen. Das Grün des Regenwalds über uns, das Plätschern des Flusses neben uns, es war ein großartiges Erlebnis. Bis zu den Hüften im Wasser querten wir ein um das andere Mal das 10 – 15m breite Wasser, kletterten Felsen hinauf und hinunter, mal leicht, mal schwierig zu erklimmen. Die Sonne schien durch das Blätterdach, ein seltenes Ereignis, denn hier regnet es sehr oft und die Wolken, die über die Insel ziehen, sperren die Sonne aus. Das lichtgesprenkelte Grün, die grandiose Pflanzenwelt, der wirbelnde Fluß im Sonnenlicht, schöner geht es nicht. Und alles „gehörte“ uns, denn wir waren fast die ganze Zeit allein dort. Nach ca. einer Stunde erreichten wir den Wasserfall, der sich im weiten Bogen über eine Felswand in ein gischtiges Wasserbecken ergießt. Sprühnebel hüllte uns ein, wir alle waren glücklich hier zu sein und das Naturerlebnis genießen zu können. (CB hat allerdings gefroren!)

 

 

Auf dem Rückweg merkte ich, daß meine Kraft nachließ und ich die Steine im Fluß nicht mehr so gut ausbalancieren konnte. Aber bald waren wir an der letzten Flußquerung und legten eine Badepause ein. Süßwasser in der Menge hatten wir schon lange nicht mehr und so freuten wir uns umso mehr über das schöne Bad.

So interessant der Rückweg auch war, die Großartigkeit des Erlebten war nicht mehr zu toppen.

Glücklich, zufrieden und müde landeten wir auf unseren Booten. CB schläft schon und auch ich verschwinde jetzt im Bett und erlebe, wenn ich Glück habe, noch einmal alles im Traum.

 

Sonntag, 16. März

Prince Rupert Bay

Seit 2 Tagen liegen wir in der Prince Rupert Bay vor Anker. Die große, schöne Bucht ist grün umsäumt, kleine bunte Hütten verstecken sich hinter Büschen und Bäumen oder lassen sich von hohen Palmen beschatten. Im Norden liegt der Cabrits Nationalpark, eine Halbinsel, auf der sich Reste eines altes Forts und ein paar Museen den Platz mit der schönen Vegetation und den hier wohl reichlich vorhandenen Tieren und 'Vögeln teilen. Die Unterwasserwelt bietet zahlreiche Tauch- und Schnorchelreviere, von denen Klaus, Rosi und Norbert bereits ein wenig erkundet haben.

 

Indian River

Die Stadt Portsmouth mit ca. 3800 Einwohnern zieht sich nach Süden bis zum Indian River, einem „Dschungelfluß“, der 1,5 km weit in das Land hinein befahren werden kann. Allerdings nur mit Muskelkraft, denn Motore sind verboten.

Rosi und Klaus hatten schon für uns alle eine Verabredung mit Albert getroffen, einem der hier total netten Boat“boys“ (das sind meist gestandene Männer) der uns heute früh um 9:00 Uhr abholte.

Der Indian River ist die tropische Variante des Spreewalds. Die dort vorherrschenden Erlen werden hier durch Mangroven ersetzt. Die in unendlich vielen Formen vorhandenen Wurzeln dieser Bäume dienen zugleich der Uferbefestigung. Sie bilden Wände, die gewellt ca. zwei Meter in den Fluß hinein ragen und dort Ihren Stamm in die Höhe schieben. Man sieht holzige Strukturen wie verhedderte Wollknäule oder großzügig in fließende Falten drapierte „Vorhänge“, unendlich abwechslungsreich.

Das Wasser des Flusses ist leicht milchig. Scheint die Sonne hinein sieht man in einem perlmutter artigen Schimmer Fische oder an flachen Stellen den Sand und die Steine des Flußbetts.

Albert wußte viel zu berichten über die Vegetation, das Verhalten von Vögeln und Tieren. Er sprach ein gutes verständliches Englisch und alle seine Erklärungen waren sehr interessant.

Ein Seitenarm beherbergte eine kleine Holzhütte, malerisch in das Ufergehölz eingefügt. Hier wurde ein Teil von „Fluch der Karibik“ gedreht. Es war die Behausung von Calypso am Ende des zweiten Teils. Sie paßt wunderbar in das sie umgebende Ambiente und erweckt den Wunsch, hier 1-2 Tage zu verweilen.

Am Ende der schiffbaren strecke liegt eine Dschungelbar. Hier gibt es jede Art Getränk, von Tee über Saft zum Rumpunsch. Selbst ein paar Champagnerkelche warteten auf das Befüllen. Ich liebe den hiesigen Grapefruitsaft und vormittags um 11 Uhr erscheint mir das auch angemessener.

An einigen leuchtenden Blüten tummelten sich ein paar blau-schwarz schillernde Kolibris und sicherten sich so ihren eigenen Frühschoppen.

Ein paar Boote, die wir trafen, waren vollgepfropft mit vielen Leuten, die alle eine Schwimmweste trugen. Bei der Hitze bestimmt nicht sehr angenehm. Ich tippte auf Kreuzfahrer, irgendwie wirkten sie so.

Fast drei Stunden dauerte unser Ausflug. Ein klasse Erlebnis, das wir so schnell nicht vergessen werden.

Immer noch Sonntag, 16. März

Sunday night BBQ

Wir hatten schon auf St. Lucia von Wolfgang (SY-Rosine) gehört, daß die Boatboys von Portsmouth jeden Mittwoch und Sonntag einen Barbecue-Abend für die in der Bucht ankernden Yachties ausrichten. Neben Touren in den Indian River oder in die Schnorchelbuchten ein weiteres Angebot, das gern angenommen wird. Die häufigste Frage, wenn man andere Crews traf, war: „Kommt ihr auch am Sonntag?“ Thomas und Anette waren mit ihren Freunden letzte Woche dabei und hatten uns auch davon berichtet.

Bewaffnet mit unseren Tickets enterten wir gegen 7 Uhr pm den Eventbereich der Boat-Boy-Cooperative. Es füllte sich rasch, sämtliche Sitzplätze waren schnell besetzt und so rückte man immer näher zusammen. Auf dem Grill schmorten Hähnchenkeulen und Thunfischsteaks, auf einem Buffet wurden Salat und Reis plaziert.

Rumpunsch, Wasser und Saft wurden bereits großzügig ausgeschenkt. Mein erster Schluck: Uih, uih, uih, viiiel Rum im Punsch, aber lecker. Danach stieg ich erst einmal auf Saft um. Die Stimmung war super, alle quatschen mit- und durcheinander. Laute Musik aus dem Nachbaretablissement erschwerte die Konversation allerdings ein wenig.

Wir trafen Segler, die wir schon kannten, ebenso andere, von denen wir schon gehört hatten, lernten neue Leute kennen, z. B. die beiden Männer von Silvia aus der Schweiz: Werner und Hans-Peter, und verschmolzen in dieser internationalen Gemeinschaft.

Das Essen war sehr gut, das Fleisch gar aber nicht hart, der Reis ein Highlight, mit Gemüse verfeinert, der Salat knackig mit einer leckeren Soße. Alle mampften zufrieden. Jetzt vertrug man auch den Rumpunsch wieder besser. Ich weiß nicht, wie viele Liter an diesem Abend getrunken wurden, aber der Gute-Laune-Pegel streifte fast die (nicht vorhandene) Decke.

Nach dem Essen zogen sie einem buchstäblich die Bänke unter dem Hintern weg, räumten die Tische zur Seite und fertig war eine Freilufttanzfläche mit einem Boden aus 10-15 cm tiefen, weichen Sand. Barfuß hieß das Motto (kommt mir total entgegen) und schon füllte sich das Areal während die Schüchternen noch am Rand standen, aber schon mal mit Wippen und Zucken begannen. Altersgerechte internationale Hits mischten sich mit karibischen Klängen und bei AFRIKA war dann auch schon richtig was los. Die Damen trafen sich immer wieder auf der Tanzfläche, eine fröhliche Amerikanerin borgte sich Klaus aus, Silvia aus der Schweiz tanzte mit einem Dominicaner (bringt hier nichts durcheinander) mit einem sehr eigenen Outfit. Engländer, Franzosen, Skandinavier, Österreicher, Australier und natürlich auch wir Krauts, alles war vertreten. Ein paar Boatboys (wahrscheinlich hatten sie das kurze Streichholz gezogen) mischten mit und betanzten die Damen, allerdings mit extrem guter Laune.

Ein Superfest!!! Essen, trinken, tanzen, alles für 50 EC-Dollars (ca. 14 Euro), viel viel Spaß für wenig Geld.

 

Abschied von Dominica

Vor lauter Begeisterung über die wunderschöne Natur im Inneren der Insel habe ich die bezaubernde Küste fotomäßig total vernachlässigt. Also jetzt noch zum Abschluß Bilder der Süd-, West und Nordküste.

Ach ja, noch etwas.

Auf Dominica habe ich mich das erst Mal getraut allein mit dem Schlauchboot an Land zu fahren. Natürlich ging mir mitten auf halber Strecke der Motor aus und ließ sich trotz heftiger Bemühungen nicht wieder starten. Rudern brachte nicht viel, da wir das Mittelbrett nicht montiert hatten und ich deshalb knien mußte. Der Wind trieb mich immer weiter weg, mir war ganz schön mulmig. In der Nähe eines ankernden Bootes ruderte ich mit aller Kraft und schnappte mir die Ankerkette, an der ich mein Dingi erst einmal festmachte. Dort bekam ich dann glücklicherweise den Motor wieder zum Laufen. Nervlich leicht derangiert traf ich an Land ein. CB und Rosi hingen über ihren Computern und hatten nichts gesehen. Den Rückweg meisterte ich ohne Probleme. Inzwischen fahre ich schon ganz routiniert hin und her. Das Anlagen klappt bestens. Die Zeiten, als ich das Dingi unter den Steg gerammt habe sind, Gott sei Dank, Vergangenheit. Wieder etwas Neues gelernt, wieder unabhängiger geworden.

Schnell mal zum Einkaufen fahren? Kein Problem!

18.-20. März

Les Saintes → Terre de Hautes

Die Saintes sind eine kleine Inselgruppe südlich von Guadeloupe. Es sind neun Inseln, davon sind drei bewohnt. Eine große hufeisenförmige Bucht, von kleinen Hügeln umgeben, bietet guten Schutz. In den Hügeln verstecken sich kleine Häuser hinter Büschen und unter Bäumen. In der Bucht verteilt gibt es viele Mouringbojen, leider waren alle belegt als wir ankamen. Den Abend und die Nacht verbrachten wir vor Anker, allerdings sehr weit von dem Ort Bourg entfernt.

Die Überfahrt über den Dominica Channel war ein Hammer. Kräftiger Wind, 6-7 Bft, brachte uns in Rekordzeit nach Terre de Hautes. Wir segelten immer zwischen 6 und 7 kn, die Höchstgeschwindigkeit betrug 7,8 kn. Die Atlantikwellen in der Passage rollten weich unter uns hindurch, die Sonne strahlte, wir auch! Schöner geht es nicht.

Den Abend verbrachten wir zusammen mit Rosi und Klaus, da die Beiden am nächsten Morgen nach Pointe á Pitre auf Guadeloupe aufbrechen wollten. Sie bekommen am Samstag Besuch.

Auch wir zogen gestern früh um und machten an einer frei gewordenen Mouringboje fest. Auf dem Weg dorthin begleitete uns ein Delfin. Er schwamm fast den ganzen Weg unter unserem Bug, drehte sich ab und zu um und schaute zu mir hinauf, fast so, als wollte er uns den Weg zeigen. Erst ganz kurz vor der Boje verschwand er wieder. Später fuhren wir mit unserem Dingi an Land. CB wollte ins Cybercafé. Praktischerweise war dies auch der Ort wo wir einklarieren und unsere Wäsche abgeben konnten.

Hier ist ein richtiger Touriort. Jede Menge Boutiquen und Souvenierläden säumen die Straße, fast alle sehr edel. Norbert erstand einen Panamahut. Dieser schützt Kopf und Ohren vor der Sonne, läßt aber angenehmerweise viel Luft durch.

Die Bevölkerung auf Terre de Hautes ist fast ausschließlich weiß. Es ist richtig auffällig. In einem unserer Segelbücher fand ich dann die Erklärung. Seit dem 17. Jahrhundert leben hier Bretonen und einige Normannen, die in all der Zeit „unter sich“ geblieben sind. Da es nur ganz kleine Farmen oder Bauernhöfe gab wurden auch keine Sklaven benötigt. Es gibt auch heute noch noch sehr viele Fischer, die mit ihren kleinen Booten aufs Meer hinaus fahren. Dank der schönen Strände ist TdH aber inzwischen fast eine reine Urlaubsinsel.

Nachmittags wanderten wir zum Oststrand.. Eine weite Bucht, voller Schatten spendender Palmen. Eine vorgelagerte Insel schützt vor Wellen. Das Wasser ist glasklar und sehr warm, bestimmt 28° C.

 

Schätze des Meeres

 

Heute Vormittag traf der/die „Royal Clipper“ ein, ein 132 m langes Segelschiff mit fünf Masten. Wir hatte sie bereits in der Rodney Bay gesehen. Etwas später tauchte ein weitere Kreuzfahrschiff auf und schlich sich zwischen Clipper und der dahinter liegenden Insel hindurch, es sah ganz schön eng aus. Heute erkundeten wir noch den Südstrand. Hier laufen die Wellen wild ein und das Baden ist per Gesetz verboten. Man kann aber wunderbar an der Wasserkante laufen. Korallenreste liegen am Strand, von den wilden Wellen dorthin getragen.

Schöne Sonnenuntergänge gibt es am Weststrand, die wir meist an Land bei einem Sundowner bewundern.

 

Nachmittags verlegten wir uns vor die kleine Insel Ilet de Gosier, Pelikaninsel, und tatsächlich flogen Pelikane zwischen Festland und Insel herum. Die Insel ist winzig. Einen Leuchtturm, zwei Strände und ein paar große Leguane gibt es hier. An den weißen Stränden liegen dicht an dicht kleine Kalksteinkorallen, eine schöner als die andere. Das Wasser ist glasklar und wunderbar warm. Abends nahmen wir an dem Weststrand unseren Sundowner. Und nicht nur wir!!! Alle Touris waren schon abtransportiert worden und wir waren die Einzigen, die noch am Strand saßen und in die Sonne schauten, ein Sonderangebot für kleine blutdurstige Mistviecher. Ich stand in der Beliebtheitsskala ganz oben, anscheinend entsprach die Zusammensetzung meines Blutes für die kleinen Biester der Pina Colada, die ich als Sundowner mitgebracht hatte. Bier (Norbert) und Weißwein (Beate und Klaus) waren an diesem Abend nicht gefragt. Ich hatte sie alle für mich allein.

Meine Arme und Beine sind total übersät mit winzig kleinen, heftig juckenden Stichstellen und auch heute noch jucken sie höllisch. Es reicht schon, wenn man nur an sie denkt oder über sie schreibt.

Unser Schlauchboot, gedacht für maximal drei Personen brachte uns dann alle Fünf im Dunkeln zurück zu den Booten, auch die eine oder andere Welle fand noch darin Platz.

 

Und hier nun noch eine Bildergeschichte

Bild 1:

Puh, schon wieder diese Touristen. Schneiden einem einfach den Weg ab.

Bild 2:

Na, die nerven vielleicht! Mir reicht es jetzt wirklich.

Bild 3.

Nichts wie weg!!! Den Sprung schaffe ich, Dann bin ich sie los.

Bild 4:

Na Also! Und Tschüss.

 

Heute früh verließen wir unseren Ankerplatz und liegen nun in der Marina Rivière Sens, am südlichen Ende der Westseite der Insel. Meine höfliche Funkanfrage auf Französisch brachte uns bei dem Hafenmeister ein paar Sympathiepunkte, auch wenn er seine Antwort auf englisch wiederholen sollte.

Zwei Pelikane ziehen ununterbrochen ihre Kreise über den Wasserwegen der Marina, nur wenn ich mit dem Fotoapparat auf sie warte machen sie Pause.

 

Mittwoch, 26. März

Guadeloupe

Von einem schmalen Kanal getrennt bilden die beiden Inselteile Grand-Terre -> flach und überwiegend landschaftlich genutzt und Basse-Terre → hügelig und vielgestaltig, mit einem riesigen Nationalpark, viel Regenwald und einigen kleinen Bergen die Insel Guadeloupe, ein Schmetterling im Antillenbogen. An dem schmalen Kanal, Rivière Salée, der die beiden Teile trennt und verbindet, liegt Pointe á Pitre, die Haupt-Hafenstadt der Insel. Viele Fähren starten hier und verbinden die großen und kleinen Inseln der Französischen Antillen.

Wir haben uns das Zentrum der Stadt angesehen. Besonders interessant war der überdachte Gewürzmarkt. Die in Säcken und diversen Gefäßen präsentierten Gewürze strömen intensive Gerüche aus, wie man sie aus dem Orient kennt. Braune Hände halten einem Kakaobohnen unter die Nase, denen ein grandioser Schokoladenduft entströmt. Dicke Zimtstangen liegen neben glänzenden Muskatnüssen, die von braun/rot/gelben holzartigen Schlieren umschlungen werden. Weiche, warme Arme haben mich umfasst und sanft in Richtung des Marktstands gedreht. Stimmen in einem wunderbar weichen Französisch priesen die dort angebotenen Gewürze an. Cherie, schau, riech, kauf. Non, merci, ich brauche nichts, malheureusement, leider, leider. Mein Bedauern war hörbar und so wurde ich ein letztes mal getätschelt und dann wieder freigelassen. Auch ich streichelte zurück um drei Meter weiter das Gleiche noch einmal zu erleben. Es waren zauberhafte Momente, das schöne Gefühl hielt noch den ganzen Tag an.

 

 

30. März

J. Cousteau Marinepark

Es ist Sonntag, 14 Uhr. Wir liegen an einer Boje vor den beiden kleinen Inseln, um die sich der einzige Unterwasser-Naturpark Frankreichs erstreckt.

Direkt unter unserem Boot, in 6-7 m Tiefe beginnt eine unglaubliche Unterwasserwelt, ein Korallengarten, den man sich schöner nicht vorstellen kann. Zum Ufer hin steigt der Boden an. Dicht bewachsene Steine, große Tonnenkorallen, auch die schon aus der Champagne Bay bekannten gelben Röhrenkorallen gibt es hier. Dazwischen drängeln sich dicke braune Samtkissen, die an riesige Pilze erinnern, teilweise bis zu einem Meter hoch. Eine „Baumkoralle“, gewachsen wie eine noch junge Palme streckt ihre „Äste“ zwei Meter weit durch das Wasser. Überall sind Fische, in allen Farben und Größen. Sie schwimmen einzeln oder in dichten Schwärmen, lassen sich über weißen Sandkuhlen treiben oder suchen eifrig nach Futter.

Circa zwei Meter hohe „Fächer aus Straußenfedern“ wiegen sich in der Dünung, ein paar sehr große dunkelgrüne Kugeln erinnern an rasierte Kakteen. Das Wasser ist glasklar, die Sonne lässt es türkis leuchten.

Zweimal haben wir die Boje gewechselt. Das erst Mal verscheuchte uns ein Tauchboot, das zweite Mal die immer höher werdenden Wellen. Jetzt liegen wir auf der Leeseite der Insel, bewundern die grün bewachsene Hügelkette Guadeloups, über der ein paar weiße Wolken ihre Schatten werfen, und das türkis- bis violettfarbene Wasser, das uns in ein paar trägen Wellen schaukeln lässt.

Im Schatten unserer SPICA steht ein Schwarm blausilberner Fische mit gelben Schwänzen, die vor sich hin träumen und sich durch uns nicht stören lassen.

Später fahren wir wieder zurück nach Malendure, wo wir die letzten Tage geankert haben und noch bis zum 2. April bleiben werden.

 

Montag, 31. März

Autotag 1 → Nordteil

Heute und morgen haben wir ein Auto.

Von der Westküste führt, quer durch den Regenwald, eine wunderbar ausgebaute Straße, von der viele Wanderwege abzweigen. Einen davon haben wir ausprobiert und wanderten ca. eine Stunde durch den Nationalpark. Die Faszination des Regenwalds zog uns mühelos wieder in seinen Bann. Wir folgten einem schmalen Fußpfad, der von Wurzeln durchzogen, manchmal matschig und rutschig, meist aber gut zu belaufen war. Die Sonne schien durch das dichte Grün und ließ Blätter und Farne leuchten.

CB fand ein „Feigenblatt“, ich schaukelte auf einer Liane, Norbert, in seinem grünen Hemd, verschmolz mit dem Grün des Waldes.

Ein kühles Fußbad in dem schäumenden Fluß und ein Picknick bildeten den Abschluß dieses schönen Erlebnisses.

 

Die Straße führte nun nach Norden durch Zuckerrohrfelder und ein dicht besiedeltes Agrargebiet. Direkt hinter der Spitze im Norden der Insel gönnten wir uns einen Spaziergang an einem herrlichen Sandstrand, an dem sich die Wellen brachen. Das Türkis des Wassers strahlte und leuchtete. Wunderschön!

Der nächste Halt war in Deshaies, einem kleinen „Fischerdorf“ im Nordwesten. Norbert fotografierte gerade ein Boot, auf dem sich etliche Pelikane niedergelassen hatten, als Rosi, Beate und Klaus mit ihrem Dingi anlandeten. Sie sind auf dem Weg nach Antigua. Gestern hatten wir noch groß Abschied „gefeiert“, heute trafen wir sie wieder. Aber jetzt werden wir sie etliche Wochen nicht mehr sehen.

Zurück an Bord vollendete ein perfekter Sonnenuntergang, natürlich begleitet von einem Sundowner, diesen schönen Tag.