Dienstag, 03. Juni

Jahrestag

Neues von der Waterfront

Es ist 11:35 Uhr. Wir touchieren gerade die 1,5 km Sicherheitslinie eines Unter Wasser liegenden Vulkans, der mal mehr, mal weniger aber immer aktiv ist. Kick'-em-Jenny so heißt dieses Seegebiet, das für seine häßlichen Kabbelwellen bekannt ist. Heute war alles friedlich, die aktuelle Aktivitätsstufe des Vulkans ist gelb. (Haben wir im Internet erforscht) Vier Stufen gibt es, grün, gelb, orange und rot. Bei orange sollte man ein paar Meilen Abstand halten, bei rot müßte ich mich hier nicht herum treiben.

Heute früh haben wir die Tyrrel-Bay verlassen und sind nun auf dem Weg nach St. George auf Grenada. Der Himmel ist leicht bewölkt, trotzdem scheint ab und zu die Sonne. Es ist diesig, keine gute Sicht. Die Regenzeit hat begonnen, nachts gibt es immer mal wieder kurze Schauer. Auch auf dem Wasser sahen wir ein kräftiges Regengebiet, das aber freundlicherweise hinter uns durchzog.

Eben ist ein weißer Tropicbird über uns hinweg geflogen, man sieht sie leider recht selten. Auf Carriacou habe ich einen schwarzen gesehen, nett, aber die weißen sind schöner. Wenn sie vor dem blauen Himmel fliegen und die Sonne auf ihr weißes Gefieder scheint, sieht das fast aus wie ein Heiligenschein. Norbert meint gerade, es sind vielleicht verkleidete Schutzengel. Ihr sehr, ihm geht es auch gut.

Heute vor einem Jahr sind wir in Kröslin gestartet. Da war es noch deutlich kälter. Alles lag noch vor uns und ich war damals sehr unsicher, ob ich zur Seemannsbraut tauge. Mein Skipper nimmt dazu jetzt keine Stellung, aber ich finde, es ist gut gelaufen.

(Etwas später meinte er, Seemannsbraut wäre absolut daneben, fast so als würde man Knallerbsen mit Dynamit vergleichen (meine Interpretation))

Jetzt segeln wir die Küste von Grenada entlang. Die Sonne scheint schon seit langem wieder. Dieser Törn war traumhaft schön. Nach langer Zeit mal wieder ein Raumschotkurs. Guter Wind, kaum Wellen (1,2m pfhh, lächerlich) Ein schönes Geschenk zum Jahrestag.

Von 54° 07 Nord und  013° 45 Ost → Tagestemperatur 15°C, Nachttemperatur ca. 4-5°C

nach 012° 02 Nord und  061° 45 West → Tagestemperatur 29°C , Nachttemperatur 24° C

das sind 42 ersegelte Breitengrade und 74 Längengrade sowie 20°C Durchschnittstemperatur mehr.

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Abends saßen wir noch spontan mit Carla und Dieter und Elke und Bert zusammen und haben unser erstes

Jahr begossen. Sie haben sich halbtot gelacht, die einen sind 15, die anderen 4 Jahre unterwegs.

Aber feiern können wir alle gleich gut!

Donnerstag, 5. Juni

Touristeninformation

Laut unserem Reiseführer gibt es diese nützliche Stelle in St. George, genauere Angaben waren jedoch nicht enthalten. Kein Problem, fragen wir halt.

Der“Großraum Touristeninformation“ war schnell gefunden. Er befindet sich an der Carenage der Hauptstadt. (Carenage = hufeisenförmiges Hafenbecken mit angrenzenden Straßen)

Dann jedoch wurde es schwierig. Vier Mal fragen, immer noch kein genaues Ergebnis. Halt: eine Polizeistation! Prima, da geh ich mal rein. Vier Polizisten, gemeinsames Schulterzucken, es folgte eine kleine Plauderei untereinander. Einer begann zu telefonieren, mehrmals. Nach ein paar Minuten, ich war schon leicht lethargisch, trafen zwei Kollegen ein. Einer davon kannte sich aus. Der gesuchte Ort befindet sich: !!!! im Nachbarhaus!!!!

Vielen Dank! Ich entschwand erleichtert.

Das Nachbarhaus: Beige Fassade, Türen und Fenster aus schwarzem Glas, oder etwas ähnlichem. Kein Hinweisschild, wäre ja uncool. Ein zaghaftes Drücken, eine Tür ließ sich öffnen. Wir standen in einem Büro mit ca. 6-8 Mitarbeitern. Mit dem sicheren Gefühl hier endlich richtig zu sein, fragten wir nach Informationsmaterial. Mit der ersten Hälfte dieses Wortes konnten sie dienen. Wir müßten um das Haus herum gehen, die Treppe hinauf und hinter der Mittleren von drei Türen fänden wir dann die gewünschte Institution. Taten wir! Und voilá! Wir waren angekommen. Hier bekamen wir diverse Hochglanzbroschüren, eine Karte von Grenada und dann sie druckten uns sogar noch den Linienplan der Busse aus.

Zurück an Bord trug ich die Buslinien in unsere Karte ein. Jetzt ist der Inselplan perfekt.

Freitag, 6. Juni

Concord Falls und „Fish-Friday“

Gut vorbereitet, da perfekt informiert, stiegen wir heute früh in St. George in den Bus der Linie 5, der uns für 3,50 EC Dollar (= 1 Euro) nach Concord fuhr, einem kleinen Ort, von dem eine Stichstraße hinauf zu den gleichnamigen Wasserfällen führt. Wir wanderten durch ein üppig grünes Tal, umgeben von hohen Bergen. Muskatbäume voller gelber Früchte, Brotfruchtbäume und Kakaobüsche standen am Weg, an hohen Bäumen reiften Unmengen Mangos, von denen bereits viele am Boden und auf der Straße lagen. Wir sahen immer wieder hübsche, kleine, farbige Häuser mit den hier üblichen Terrassen, fast alle mit „offenen Kellern“. Sie stehen auf Pfählen, darunter trocknet die Wäsche und lagern die Vorräte. Auch einige Inder leben hier. Einer schälte für uns die Schale einer Muskatnuß, aus der hier Marmelade gemacht wird, erzählte viel, öffnete eine Kakaofrucht, deren noch unreife Kerne von einer süß-sauren gallertigen Schicht umgeben sind, die man lutschen kann. Sehr erfrischend. Wir wollten dann weiter, aber ich glaube, er hätte uns gern noch viel mehr erzählt.

 

Durch das Tal fließt ein Fluss, der weiter oben in drei Kaskaden herunter fällt, den Concord Falls, unserem heutigen Ziel. Am 1. und 2. Wasserfall endet die Straße. Danach wurde es noch viel viel schöner. Ein Trampelpfad führte hinauf zur dritten Kaskade. Dem Fluss-/Bachbett folgend durchquert man dieses ein paar Mal auf Trittsteinen. Manchmal liefen wir durch eine schulterhohe Vegetation, immer wieder sah man kleine Stellen, an denen Kohl, Mohrrüben oder Zwiebeln angebaut werden. Die letzten 100 m kletterten wir über große Steine im Flussbett, die moosüberwachsen und ziemlich rutschig waren. Dann waren wir am Ziel. Ein hoher, sprühender Wasserfall ergoss sich in ein Badebecken. Herrlich kühles Süßwasser, ca. 22°C (was manchen von uns ein erschrecktes Japsen entlockte). Wir genossen es ausgiebig! Hier sah man auch wieder die typische Regenwaldvegetation, allerdings graziler, nicht so großblättrig wie auf Dominica oder Gouadeloupe. Auf einem großen Stein, bis zum Hals im Wasser sitzend, schaute ich hinauf in das grüne Dickicht und lauschte auf das Rauschen der Wasserfalls und das Gurgeln des Flusses.

 

Zurück an der Hauptstraße warteten wir auf den Bus nach Guayava. Vier Stunden waren wir unterwegs, einschließlich der Pausen. Ich merkte meine Füße.

Guayave ist der größte Fischerort der Insel. Jeden Freitag ab 18 Uhr werden hier kleine Freiluft-Garküchen eröffnet. Es gibt Fisch, meist frittiert, Brotfrüchte, Bananen, kleine Hefefladen, aber auch Pasteten, Aufläufe, Fischpizza, Kokosbrot und vieles mehr. Wir probierten vieles, fast alles war richtig gut. Am Besten schmeckte der frittierte Fisch, aber auch die angebotenen Brotfruchtkugeln waren sehr lecker. Für 50 € Cent bekam man ein frittiertes Hefebrötchen mit einer Einlage von einer Art Fischpuffer. Auch sehr gut. Leider macht dieses Essen schnell satt und so verließen wir dieses Fest, das jetzt erst richtig losging, schon kurz nach 19 Uhr. Aber meine Füße wollten nach Hause.

In den Dörfern, durch die wir zurück fuhren, trafen sich die Leute auf den Straßen, saßen oder standen irgendwo zusammen und plauderten.

In St. George, auf dem Busbahnhof war die Hölle los. Proppenvolle Autobusse verließen im Minutentakt die Ausfahrt, meist in Richtung Norden. Wir mußten etwas warten bis unser Bus voll besetzt war, so konnten wir das quirlige Treiben am Bahnhof und auf den Straßen in Ruhe genießen.

 

Zurück am Boot besprühte ich meine jammernden Knöchel und Füße immer wieder mit Wasser und bald hatten sie sich um gefühlte 10 bis 15 Grad herunter gekühlt.

Geschlafen habe ich heute Nacht 10,5 Stunden, am Stück!

Sonntag, 7. Juni

Die Flagge von Grenada

Es war das Aha-Erlebnis des Morgens. Ich saß in der Plicht, trank meinen Kaffee und schaute auf das

Angelboot vor mir. In der Flagge des Inselstaats Grenada befindet sich in dem mastseitigen grünen Dreieck

ein Symbol. Ich hatte seinerzeit unsere Gastlandsflagge in Berlin nach Vorlage (1,5x2,5cm) gemalt und dieses Symbol eingefügt, welches ich damals nur seltsam fand. Erst heute früh, nach unserer gestrigen Wanderung wurde mir klar, was es war.

Eine sich öffnende Muskatfrucht. Hier Nutmeg genannt.

Grenada, auch Spice-Island genannt, ist nach Indonesien der zweitgrößte Muskatlieferant der Welt.

Gestern haben wir die zum Teil schon aufgeplatzten Früchte an den Bäumen hängen sehen, vergleichbar mit unseren Kastanien. Nimmt man die Nüsse heraus ist jede in ihrer roten oder orangefarbenen Faserhülle ein kleines Unikat.

Fata Morgana

Dienstag, 10. Juni

 

Dschungeltrip

 

Im Herzen der Insel, in den Bergen liegt der Grand Etang, ein großer See inmitten des Regenwalds.

Hier beginnen diverse Wanderwege, z. B. zum Mt. Qua Qua und den Seven Sisters, einem siebenstufigen Wasserfall. Auch ein Besucherzentrum gibt es hier, wir hofften auf Informationen, denn Wanderkarten oder Tourbeschreibungen gibt es kaum oder gar nicht.

 

Am Eingang schwebte eine Fata Morgana auf uns zu. Carneval? Nein, die Lady war so gestylt um uns Touristen zu erfreuen (und primär ihren Geldbeutel zu füllen).

 

 

Unser Ziel war heute die ersten beiden Wasserfälle der Seven Sisters.

Zehn Minuten folgten wir laut Anweisung der Straße. Endlich an dem Wegweiser St. Margret Falls angekommen ignorierten wir dummerweise das hier keine Häuser standen, auf die uns die Dame in dem Besucherzentrum hingewiesen hatte.

Wir sahen nur das Hinweisschild! ->Prima, es kann losgehen.

Erst einmal ging es steil bergab. Das es etwas slippery werden könnte hatten wir schon erfahren. Ich hatte meine Wanderstöcke dabei, das war sehr hilfreich. Der Pfad führte hinein in eine dichte Vegetation. Nach ca. 300 m querten wir einen Bach, dann ging es wieder bergauf. Die Strecke war noch ein kurzes Stück gut begehbar, teilweise aber über uns schon zugewachsen. Dann schlug der Dschungel richtig zu. Es folgte ein sehr steiles Stück durch ein total zugewuchertes Gelände, in dem die Pflanzen manchmal unser einziger Halt waren. Dazwischen mischte sich mehr und mehr stark klettendes, teuflisch scharfes Schneidegras. Meine Fingekuppen bluteten, meine Schienbeine jaulten. Hinter mir maulte Norbert, zurecht, denn der offizielle Weg zu diesem Teil der Fälle ist auch für Familien mit Kindern begehbar, was unser Weg keinesfalls war. Klaus ging noch über die nächste Kuppe aber Norbert und ich wollten zurück. Schon nach 25 m hatten wir uns verlaufen, da wir den quer abzweigenden „Tunnel“ verpasst hatten. Es ging fast senkrecht bergab. Norbert mußte sich mühsam wieder hocharbeiten und kam verblutet und mit abgebrochenem Stock bei uns an.

Zurück am Bach trafen wir ein Pärchen, auch auf der Suche nach dem richtigen Weg. Mathew und Barbara, gebürtige Polen, aber wenn nicht beim Segeln in London lebend. Er hat gerade eine Weltumsegelung beendet. Barbados → Barbados, in drei Jahren. Es gab viel zu erzählen.

Plaudernd folgten wir der Straße, wieder auf der Suche nach dem richtigen Weg. Meine Hose war braun, ich war auf dem Rückweg in der steilen Passage ein Stück auf dem Hintern herunter gerutscht und meine Schienbeine verblutet. Sie sahen aus als hätte Kenny sie mit seiner Machete bearbeitet.

Und hier beginnt nun der zweite Teil der Geschichte, denn nun fielen wir IHM in die Hände:

 

Kenny, „der „große“ Diktator“.

Gleich am Anfang des nun richtigen Wegs trafen wir ihn. Er zeigte uns (ungefragt) das Laub der Nelkenbüsche (riecht wie Glühwein), Zitronenmelisse, Muskat, etc. Dabei wies er mehrmals darauf hin, daß er nicht oder kaum etwas hören könne. (Ich benutze jetzt mal dieses Wort, aber ich denke „würde“ würde besser passen!)

Als alle das verinnerlicht hatten erklärte er nun, er würde uns helfen, den Weg zu den Wasserfällen zu finden. Nun bringt mal Einem, der nicht hören kann (oder will) in höflicher Form bei, daß wir lieber allein gehen würden. Wir haben es nicht geschafft. Was nun folgte war slapstickreif.

Kenny ist knapp so groß wie ich (1,57m) aber wahrscheinlich 20 kg leichter. Er hüpft wie ein Floh hin und her und ist ständig am Reden obwohl ihn keiner von uns richtig verstanden hat. Ohne seine riesige Machete tut er keinen Schritt. Zunehmend mutierte er zu einer Mischung aus Kobold, Schäferhund und Diktator. Wenn jemand wagte sich etwas aus der Gruppe zu entfernen wurde gepfiffen und gezischt. Es folgte eine Strafpredigt mit anschließendem Appell, so etwas ja nicht wieder zu tun. Amüsiert oder resigniert, immer im Wechsel erreichten wir nach ca. 30 Minuten unser Ziel.

Nun folgte die Belohnung, das köstliche erfrischende Bad in einem kühlen Wasserbecken unter

dem Wasserfall. Unser Führer wartete oben am Weg an einer Bank und so durften wir schwimmen, plantschen oder uns treiben lassen, was wir wollten, ganz ohne Reglement.

 

Auf dem Rückweg hatten wir es leichter. Wir kannten den Weg und ein paar schwarze Schafe brachen aus der Herde aus. Am Ende der Tour erhielten wir durch Zahlung von 10 ECD pro Person unsere Freiheit zurück und ließen einen zufriedenen Kenny auf der Bank vor seinem Haus sitzen.

Die Geschichte mit dem nicht hören können ist ein super Trick. Ich bin fast sicher, daß er sehr wohl hört, denn ein paarmal hat er nicht aufgepasst und direkt reagiert.

Trotzdem, der Weg war schön und die Berichte von Mathew super interessant.

 

Mit dem Bus wollten wir nun nach Glenville an der Ostküste, aber jeder Bus der vorbei fuhr war voll. Wir wanderten die Straße entlang in Richtung  St. Margret um dort eventuell einen Platz zu ergattern. Bald stoppte jedoch ein Bus neben uns, der allerdings in die falsche Richtung fuhr. Sie erklärten uns, daß sie uns nur einsammeln , dann wenden und nach Glenville fahren würden. Nachdem in St. Margret Fahrgäste ausgestiegen sind haben sie umgedreht und uns abgeholt. So freundlich und hilfsbereit haben wir viele Einheimische auf Grenada erlebt Eine echte Freude.

In Glenville stiegen wir nach einer kurzen Pause in den Bus der Linie 2 ein, der uns entlang der zerklüfteten Südküste zurück nach St. George brachte. Leider hatten wir durch das plötzliche Aussteigen in Marinanähe keine Zeit mehr uns richtig von Mathew und Barbara zu verabschieden, die wohl bis zur Endstation weiter fuhren. Sehr schade. Total sympathische und interessante Leute.

3. bis 17. Juni

Port Louis Marina
Zwei Wochen haben wir uns in dieser luxuriösen, sehr gut geführten Marina gegönnt.

-mit einem Schritt von Bord und schon an Land

-viiiel Süßwasser zum Duschen und Haare waschen

-schöne klimatisierte Badezimmer, ganz für mich allein

-10 Minuten mit dem Bus nach St. George

-Fußball gucken auf einem großen Bildschirm

 

Die Marina ist hübsch angelegt. Überall Bäume, Pflanzen und blühende Sträucher, wohin man auch schaut. Dazwischen stehen kleine bunte Bungslows im karibischen Stil, ein Stückchen weiter gibt es sogar einen Swimming Pool.

Jeden Freitag lädt der Bäcker ein zur „Build a Burger-Party“, wo sich dann Alle treffen und sich jeder nach seinem Geschmack seinen Lieblingsburger zusammen stellen kann.

Meiner bestand, zwischen den Brötchenhälften, von unten nach oben, aus:

Mayo, süß eingelegte Gurken, Ananas, Chicken, Ketchup, Tomate, Salat, Mayo. Lecker.

Oft starteten wir eine kurze Trimm-dich-Aktion hinauf auf den Hügel, von dem wir dann den Überblick über die große Bucht nach St. George, das Ankerfeld und den langen weißen Strand der Grand Anse hatten.

Auch der dickste Baum, den ich je gesehen habe, steht auf dem Gelände, direkt am Hang. Die Rinde ist grau, glatt und glänzend, wie die Haut eines Elefanten.

Im Restaurant haben wir mit einer holländisch-deutschen Gruppe das WM Spiel Holland – Spanien erlebt, eine wirkliche Show, denn der Holländer hatte ein krass witziges T-Shirt dabei, (natürlich orange) das er nach jedem Tor anzog und den dort aufgemalten Löwen „brüllen“ ließ. Vielleicht sehen wir ihn noch mal, dann mache ich ein paar Fotos.

Auch „unseren Jungs“ haben wir zugejubelt, ein tolles Spiel gegen Portugal.

Eine schöne Zeit, aber nach 14 Tagen reichte es dann und wir zogen um in die Prickly Bay, einer klassische Ankerbucht im Süden der Insel.

 

Wer noch Lust auf ein paar Bilder von der Marina hat, schaut einfach mal hinein:

http://www.cnmarinas.com/marinas/details.htm?id=5&name=port-louis-marina

La Sagesse und Robinson Strand

La Sagesse ist ein Naturreservat an der Südküste Grenadas. Ehemals privat ist das Gelände jetzt öffentlich zugänglich. Ein kleines Resort steht unter den Bäumen an dem schönen, halbkreisförmigen Strand Es war Mittagszeit als wir dort ankamen, außer uns war keiner unterwegs. Ein kleiner Bach schlängelte sich durch den Sand, dahinter lag ein Sumpfgebiet mit stehenden Gewässern, Mangroven und einem Salzsee.

Immer an der Wasserkante entlang wanderten wir zum Ende der Bucht. Ein schmaler Pfad führte hinein in das Unterholz. Schon nach ein paar Minuten erreichten wir die Nachbarbucht. Hier könnte Robinson gelebt haben. Alles war wild und wirkte unberührt. Große Steine peppten den Strand auf, umgestürzte Bäume vermoderten malerisch.
Im Schatten eines Steilhangs saßen wir eine Weile, ließen uns den Wind um die Nase wehen und schauten auf das Meer.

Die überwucherte alte Rumdestillerie mit Zuckermühle und Wasserrad haben wir leider nicht gefunden. Schön war es trotzdem, die unterschiedlichen Buchten, das warme Wasser. Idylle pur.

 

 

River Tubing

Auf dem Baltazar River gibt es eine Attraktion, -> River Tubing.

In einem unserer Hochglanzprospekte sah ich ein Foto, auf dem eine junge Frau mit Helm auf einem dicken gelben Reifen ein paar Stromschnellen hinunter saust. Es war ganz klar, das wollte ich auch!

Die Anfahrt war etwas kompliziert, aber dann waren wir da. Drei Waldhütten zum Umkleiden, ein paar gelbe Reifen, ein Helm für jeden, dann ging es los. Was wir nicht bedacht hatten: der Fluß führte nach der Trockenzeit wenig Wasser. Egal, mal langsam, mal schneller trieben wir dahin, überwanden diverse Stromschnellen (war ein bißchen wie Billard, boing, boing, boing). Mal flutschten wir rückwärts hinunter, mal vorwärts oder seitlich. Ein Guide begleitete uns, half nach wo Wasser fehlte, schubste die Reifen, wenn sie sich fest geklemmt hatten oder brachte uns in die Strömung zurück wenn wir im Aus gelandet waren.

Wir bekamen eine Ahnung wie es sein könnte wenn man mit viel Wasser schnell den Fluß hinunter schießt. 30 Minuten dauerte die Show, wir hatten den Regenwald für uns. Dann war es vorbei.

Es war oft lustig, aber manchmal auch etwas eigenartig, fast so als würde man auf einem völlig leeren Rummel Autoscouter fahren. Aber eins ist sicher! Wenn ich jemals die Möglichkeit habe ein River-Rafting mitzumachen werde ich das tun!!!

St. George

Bunt, geschäftig, ein wenig historisch und wunderschön gelegen ist St. George, die Hauptstadt von Grenada.

Das maritime Zentrum ist die Carenage, ein hufeisenförmiger Hafen umgeben von schönen historischen Bauten, Restaurants, Geschäften, der Feuerwehr und natürlich, wie könnte es anders sein, dem Tourismusbüro (zwinker). Nicht zu übersehen ist das „Schnitzelhaus“, eine Kuriosität auf die man sofort hingewiesen wird, sobald man sich als Deutscher outet.

Die Stadt zieht sich halbkreisförmig die umgebenden Hügel hinauf, die Häuser sind, wie überall, fröhlich bunt gestrichen.

Durch einen Tunnel, der 1895 fertig gestellt wurde, erreicht man den Fußaufstieg zu dem alten Fort. Dahinter den quirligen Stadtkern mit seinen Gassen, Geschäften, dem Markt und diversen Schulen und Kirchen. Fährt man die oben wirklich sehr steilen Straßen mit dem Bus hinunter, hoffe ich jedesmal, daß die Bremsen nicht versagen. Ist ein bißchen wie bei der Achterbahn nach dem ersten Anstieg.

Am Samstag ist Markttag. Dann kommen zu den festen Geschäften noch jede Menge Kleinverkäufer dazu, die ihre Waren, meist in zweckentfremdeten Einkaufswägen der

Supermärkte, anbieten.

An diesem Tag ist die Stadt voll und die Straßen richtig bunt.

In der Youngstreet gibt es etliche Galerien, um den Markt herum eher große Bazare mit einem recht eigenwilligen Sortiment. Jeder hat Alles, alle haben das Gleiche. Kleidung, Haushaltswaren, Kosmetik, Lampen, Technik und vieles mehr.

Meine Wandersandalen mit den abgelösten Solen habe ich zum Schuster gebracht. „Shoe Repair und Fashionboutique stand auf seinem Eingangsschild. Eine eigenwillige Mischung, fast wie „Weine und Kohlen“ seinerzeit. Er hat sie geklebt und bis heute halten sie.

Fisch- und Fleischmarkt stehen sich gegenüber. Letzterer war schon ein wenig gruselig. Die Boxen sind gefliest aber vollständig vergittert. Dahinter hantieren sie, eingesperrt, mit Messern und Hackbeilen, überall liegen Fleischstücke und -fetzen herum. Eigentlich bin ich nicht empfindlich, aber hier war ich schnell wieder draußen.

Last but not least, der Busbahnhof, das wirkliche Herz der Stadt! Es pocht und dröhnt. Musik, die Rufe der Fahrer, freigiebig eingesetzte Hupen. Aber Alles ist gut organisiert und auch als Touri hat man schnell den Durchblick. Neun Buslinien gibt es auf der Insel, fast alle starten und enden hier. Dieses Verkehrssystem ist genial. Überall verfügbar, sehr preiswert und jede Fahrt ist ein Erlebnis. Jeder Bus hat neben dem Fahrer noch einen „Schaffner“(die gab es früher auch bei uns). Er kassiert, managed die Sitzverteilung und achtet darauf, daß ja kein potentieller Fahrgast übersehen wird, denn das hieße weniger zu verdienen. Der Busfahrer hat den härteren Job. 7-8 Stunden (im günstigsten Fall) jagt er über die Insel, die ganze Zeit hoch konzentriert, denn hier folgt einer Kurve die nächste. Überholen, egal wie, ist Ehrensache. Lauter Raggae oder RAP hält sie wach damit ihre Fahrgäste, in der Regel 18, sicher ihr Ziel erreichen.

St. George ist auch nach dem fünften Besuch noch interessant.

Ab 17. Juni

Prickly Bay

Diese schöne Bucht ist die Westlichste der Südküste Grenadas, eine der klassischen Ankerbuchten der Karibik. Gut „beankert“ aber mit immer noch genug Platz für alle. So international haben wir noch nie gelegen. Nördlich von unserem Boot ankern Brasilianer. Im Uhrzeigersinn schließen Italiener, Engländer, Schweden, US-Amerikaner, Venezuelaner, Kanadier (eine echte Frauencrew) und Österreicher den Kreis. Nachmittags trifft „man“ sich gegen 17 Uhr zur Happy Hour an der Bar der kleinen Marina an der Ostseite der Bucht. Eine Full-Service Marina mit Dingisteg, Bar, Restaurant, einer Bühne für Life Musik oder Kino, einer Loundry und einem kleinen Supermarkt.

Das Einzige das fehlt ist eine Reha-Klinik mit einem Spezialprogramm für die Seglerleber.

Hinter dem Restaurant ist die Sportbar, ein geräumiger, klimatisierter Raum mit großen Bildschirmen in allen Ecken. Zur WM geradezu ein Geschenk. Bei dem spannenden Spiel Ghana : Deutschland ging es hoch her. Aber die niedrigen Temperaturen und immer kaltes Bier kühlen die Gemüter und so ist es einfach nur schön, daß sich dort die Fußballfreunde jedes Spiel ansehen können, das sie interessiert.

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Von hier startet man auch zu den Events der Marinas in den Nachbarbuchten. Hier an der Südküste reiht sich Bucht an Bucht und alle werden gut genutzt. Jeden Sonntag ist BBQ auf Hock Island. Gestern sind wir zu sechst dorthin gelaufen, trafen Brigitte und Horst von der Sapphire und ließen uns nach ein paar Stunden plaudern, essen und trinken von einem Wassertaxi zurück zur Prickly Bay bringen. Das war schon ein kleines Abenteuer, denn die Nußschale schaukelte nicht schlecht in den Wellen, die sich vom Atlantik die Küste entlang schieben.

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Donnerstag ist Chicken Party in der Whisper Cove Marina. Das probierten wir letzte Woche aus. Ein Taxi holte uns ab und kutschierte uns luxuriös bis vor die Tür. Österreicher, Brasilianer (unsere Nachbarn) und Deutsche gehörten zu unserer Truppe. Fritz von der Tifricat hatte das alles großartig organisiert.

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Einkaufen ist auch kein Problem, denn der Bus der Linie 1 fährt an der Nordseite der Bay entlang , immer auf der Suche nach Fahrgästen. So haben wir schon oft den Weg zur Haltestelle gespart, da wir direkt an der Straße eingesammelt wurden.

Mt. Qua Qua – 707 Meter hoch

Windumtost ist er wahrscheinlich immer, der zweithöchste Berg Grenadas und oft versteckt er seinen Gipfel in den Wolken. Regen gibt es reichlich, so viel wie sonst nirgends auf der Insel.

Vom Besucherzentrum führt ein Wanderweg der besonderen Art hinauf. Nicht durch, sondern über dem Regenwald läuft man auf einem schmalen Grat. Der Boden ist lehmig, was bei Regen ein echtes Problem werden kann, denn der Pfad führt meist steil bergauf oder bergab und besonders bei Letzterem gäbe es dann wahrscheinlich eine hübsche Rutschpartie.

Wir hatten Glück an diesem Tag. Die Wolken flogen mit Höchstgeschwindigkeit über uns hinweg, rissen aber immer wieder auf. Dann war die Aussicht über die Hügelketten bis zum Meer grandios.

Von oben auf die dichte Vegetation zu schauen, welche wie ein grüner Pelz die Flanken der Hügel bedeckt, während man höher und höher steigt, ist ein tolles Erlebnis. Auf dem Gipfel peitschte uns der Wind derart, daß meine Haare senkrecht nach oben standen und wie verrückt flatterten.

Auf dem Rückweg hatten wir die ganzen Bergketten zu unseren Füssen, dazwischen, auf dem Plateau des Besucherzentrums liegt ein Kratersee, im Zentrum des Nationalparks. Eine wirklich wunderschöne Wanderung.

Ein paar Wege zweigen ab, die zu den Concord- und Annendale-Wasserfällen führen. Sie verloren sich schon nach einigen Metern in dem dichten Grün. Schade, daß es keine Wanderkarten gibt. Hier könnte man noch etliche schöne Touren machen.

 

26. Juni – Deutschland : USA – 12 Uhr

Fußball mit Hindernissen

Bei diesem Spiel wollte ich gern etwas früher vor dem Bildschirm sitzen, die Aufregung vor dem Spiel erleben und ja nichts verpassen!

Um 11:30 Uhr war ich angezogen und ready to go. Draußen hupte es, einmal, zweimal, beim dritten Mal schaute ich hinaus. Die Grenada Coastguard erwies uns die Ehre ihres Besuchs und legte gerade seitlich bei uns an. Na super! Sie setzten zwei Leute ab. Einer trug ein Klemmbrett, der Andere ein G3 Gewehr. Dieser setzte sich strategisch so hin, daß er uns alle drei im Blick hatte. Der mit dem Klemmbrett verlangte unsere Schiffspapiere und Pässe.

Wir hatten das Formular vom Einklarieren greifbar, er hätte es nur abschreiben müssen. Aber nein! Selbst ist der Mann, der sich jedoch mit seinem Formular schwer tat. Nach ca. 25 Minuten (gefühlt waren es mindestens 50) hatte er die Seite zufriedenstellend ausgefüllt und sie machten sich abholbereit. Der mit dem Gewehr verhakte sich in unseren Spannleinen und fluchte leise vor sich hin. Ich dachte, nun kontrollieren sie noch die Nachbarn, aber nein, es ging schnurstracks zurück zu ihrem Anlegeplatz. Wir vermuteten, die Beiden waren neu und mußten mal üben.

Jetzt nichts wie los, es war schon 5 Minuten vor 12!

Aber nun stellte sich unser Dingimotor quer, er verweigerte den Dienst. Jetzt knurrte ich auch!

Also paddelten wir die lange Strecke gegen Wind und -Gott sei Dank- kleine Wellen und trafen mit fast 30 Minuten Verspätung in der Sport Bar ein. Gitti und Fritz und die Salmons saßen dort, kühl, frisch und gut gelaunt.

Ich dagegen schwitzte nach der Schinderei vor mich hin. Drei Gläser kalten Saft mit vielen Eiswürfeln habe ich gebraucht um mich wieder auf Normaltemperatur herunter zu kühlen, derweil die beiden Mannschaften in Brasilien sich bei dem Spiel nicht unbedingt verausgabten.

Immerhin haben sie die nächste Runde erreicht, was ja nicht jeder klassischen Fußballnation gelungen ist. (grInS!)

29. Juni

Fisherman´s Birthday

Dieses Inselevent wird jedes Jahr an dem Tag „Peter und Paul“ in Gouyave gefeiert. Als wir gegen 15 Uhr dort eintrafen begann gerade die Aufwärmphase. Riesige Boxen waren in den Straßen verteilt, mehrere Bühnen lockten mit ihrer Musik, fast ausschließlich Carib-RAP. Stand man vor den Boxen wummerten alle inneren Resonanzkörper. Mehrere Stände boten frischen frittierten Fisch an, dazu gab es Bier, Rum oder was halt jeder so wollte. Auch das eine oder andere Rauschmittel war im Einsatz. Die Stimmung war gut und wurde zunehmend heißer. Alles tanzte, wippte oder zappelte. Tolle Fotomotive, wohin man auch sah. Stadt und Strand waren eine einzige Festmeile. Ein wunderschönes, farbenfrohes Fest für jung und alt.

Gegen 20 Uhr, also ein paar Biere und ungefähr ein Pfund Fisch später, saßen wir wieder in unserem Bus, den „wir“ aber erst einmal anschieben mussten. Danach war das Vergnügen geteilt. Die Passagiere der vier hinteren Sitzbänke genossen die Fahrt. Singen war angesagt. Allerdings war die Auswahl der Lieder schwierig, da Schweden, Engländer, Amerikaner, Österreicher und Deutsche kein wirklich gemeinsames Liedgut haben. Aber wehe wir fanden etwas, das mehrere Leute kannten, dann gab es kein Halten mehr.

Norbert und ein Engländer saßen vorn neben dem Fahrer und erlebten hautnah was dieser so anrichtete. In Gouyave mähte er den Spiegel eines anderen Autos ab, kann ja mal passieren. Zwei Fußgänger hatten Glück, daß er den einen nur zart streifte. Ein paarmal fuhr er zielsicher auf den Graben neben der Straße zu. Norbert und der Englishman, dessen Vokabular auf dieser Fahrt fast ausschließlich aus „Jesus“ bestand, mussten den Fahrer diverse Male anbrüllen, damit er wieder zu sich kam. Entweder er war zugedröhnt oder total übermüdet, jedenfalls knickte er immer wieder weg.

Aber wir hatten Glück, halbwegs heil in der Marina gelandet, war an der Bar erst einmal erholen angesagt. Fritz, Gitti und ich hatten zwar nichts von dem uns bedrohenden Unheil mitbekommen, aber erholen ist immer gut.

Nur unsere Schutzengel! Jede Wette mussten sie erst einmal in die REHA.