01. Januar 2014

Der erste Tag im Neuen Jahr

Mindelo begrüßte das neue Jahr mit einem gigantischen Feuerwerk über der Bucht. Der Himmel glühte im Schein der herrlichen Feuerfontainen deren leuchtende Reste in langsamen Fall in Richtung Wasser verlöschten. Die Strandstraße und der Kai waren voller gut gelaunter Menschen, die jede bunte Explosion begeistert bejubelten. Wir erlebten dies von einem „Logenplatz“ am Eingang der Marina.

Unter der Raketen-“Abschussrampe“ tummelten sich viele Einheimische im Wasser, den bunt beleuchteten Himmel über sich. Die Schiffssirenen heulten auf Teufel komm raus und verscheuchten jeden bösen Geist, der es wagte, sich in der Nähe aufzuhalten. Nach Ende des Feuerwerks zogen die Menschen hinauf zu dem großen Platz, auf dem eine gigantische Musikanlage aufgebaut war, die auch schon gut genutzt wurde. Die Party endete gegen 9 Uhr früh, da standen wir schon wieder auf.

Rosi und Klaus liefen gegen 13 Uhr im Hafen ein. Fröhlich am Steg sitzend begossen wir das neue Jahr noch einmal gemeinsam und feierten unser Wiedersehen.

Abends verputzten wir den Schwertfisch bis auf den letzten Krümel. Diese Sorte Fisch bekommt von mir 5 Sterne. Völlig grätenfrei, festes Fleisch, sehr wohlschmeckend.

 

Samstag, 04. 01.

Inselrundfahrt

Ein schöner, warmer, windarmer Tag. Wie geschaffen für eine Inseltour in einem offenen Pickup.

Zu viert brachen wir auf und mieteten an der Hauptstraße ein Aluguer. Wir saßen auf zwei Bänken auf der Ladefläche. Der Wind zerrte während der Fahrt heftig an unseren Haaren und ließ die Augen tränen. Rosi wand sich einen Turban aus ihrer Windjacke, ich hüllte mich in meinen Pareo, den ich sicherheitshalber mitgenommen hatte.

Im Norden von Sao Vicente liegt die Bucht von Salamansa, unser erstes Ziel. Zwei Kaitsurfer erfreuten sich an Wind und Wellen, ein paar Andere lagen faul am Strand herum. Das Dorf selbst war schon sehr speziell. Zwei freilaufende Schweine stöberten zwischen den Häusern herum und suchten sich ihr Mittagessen. Ein wirklich sehr reparaturbedürftiges Boot stand aufgebockt auf einer Wiese. Wasser gab es am Dorfbrunnen. Es wurde mit Kanistern oder Eimern, meist von Frauen, zu den Häusern transportiert. Aber auch hier ist der Fortschritt nicht aufzuhalten. Ein junges Mädchen schritt die Dorfstraße entlang. Sie balancierte ganz cool einen 10 l Kanister mit Wasser auf dem Kopf während sie beidhändig ihr Handy bediente. (Wahrscheinlich checkte sie gerade ihre Mails)

 

 

Zweiter Halt war die Baja das Gatas, eine große, schöne Bucht mit mächtigen Wellen. Sie brachen sich an einem Riff hinter dem das Wasser dann warm und ruhig zum Baden einlud. Weiße und schwarze Strandlieger ließen sich von der Sonne verwöhnen. Hier gab es ein paar Touristen und einige kleine Hotels.

Eine Zeitlang schauten wir den Wellen zu und genossen die warmen Sonnenstrahlen. Unser Fahrer nutzte diese Pausen, legte sich auf eine Bank und döste ein wenig. Neben drei langen Häusern lagen viele Fischerboote mit fröhlich bunten Farben. Sie hießen Jesus, Christo oder einfach nur Maria.

Die Straße verlief jetzt parallel zum Strand, allerdings höher am Berg, so daß man einen herrlichen Blick über die Bucht mit ihren schäumenden Wellen hatte. Hohe Sanddünen gab es hier, das Wasser nah am Land war grün.

Hinter Calhau, einem sehr grauen Dorf, führte eine nagelneue, superglatte Straße durch ein grünes, fruchtbares Tal zurück nach Mindelo. Viele Windräder heben dort fleißig Wasser in die daneben stehenden Brunnen und Zisternen. Palmen wachsen hier, überall wird Gemüse angebaut. Mir hat es sehr gut gefallen.

Besonders beeindruckend sind auch die bizarren Berge, die die Insel beherrschen. Eine nicht endende Kette, wohin man auch schaut.

Total zerzaust aber mit vielen neuen und interessanten Eindrücken (und total ausgehungert!) erreichten wir um 15 Uhr Mindelo. Schön war es, wir werden es nicht vergessen.

 

Ein letztes Foto von Mindelo.

Erkennt ihr es wieder?

Ist doch schön geworden, oder?

 

 

 

 

 

Wir wünschen all den freundlichen Leuten hier, daß es den Inseln so geht wie diesem Boot.

Vielleicht regnet es hier wieder häufiger und sie haben dann eine bessere Perspektive.

 

Sonntag, 05. 01.

Die große Überfahrt – jetzt gilt's!

Liebe Leute, morgen beginnt unser Trip in die Karibik.

2050 nm, d. h. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 kn sind das 120 nm am Tag. Wir werden also ca. 17 Tage +/-? unterwegs sein. Die SY-Salmon mit Rosi und Klaus begleiten uns.

 

Nach unserer Überfahrt zu den Kapverden haben uns viele Leute geschrieben daß sie froh sind, uns wieder im sicheren Hafen zu wissen. Obwohl mich das tief gerührt hat war ich auch etwas betroffen.

Bitte: macht Euch keine Sorgen!

Jedes Jahr überqueren viele Boote den Atlantik. Für die meisten ist es ein positives Abenteuer mit vielen schönen Erlebnissen, für manche die Erfüllung eines Lebenstraums.

Auch wir haben an Rosi und Klaus gedacht, als sie von Teneriffa nach Mindelo unterwegs waren, jedoch völlig ohne Sorge.

Mein Skipper ist segelerfahren und bisher ist ihm in jeder Situation seines Seglerlebens das Richtige eingefallen. Unser Boot ist überprüft und, ich bin sicher, ganz wild auf diese Reise. Wir haben genug zu essen und zu trinken an Bord. Unsere Lebern freuen sich auch schon auf die alkoholfreie Zeit.

Norbert wird wieder unsere Position funken, immer vorausgesetzt, die Verbindungen klappen.

Wir freuen uns auf die Überfahrt und noch mehr auf die schönen Inseln, die uns in „Westindien“ erwarten. Natürlich kribbelt es im Bauch, wäre ja auch schlimm, wenn nicht.

Nächste Nachrichten aus der Karibik.

 

So long. Auch für Euch eine schöne Zeit.

 

Montag, 06. 01.

April – April

Nein, heute ist nicht der erste April, jedenfalls nicht kalendarisch. Gefühlt schon.

Um es vorweg zu nehmen, wir starten nicht.

Nachdem ich mich bis ca. 13: 30 Uhr fühlte wie seinerseits vor dem Marathon, fühle ich mich jetzt wie nach diesem.

Ich will es kurz machen. Wir möchten nicht mindestens 7 Tage mit 10-11 Kn (viel zu wenig für Wind von hinten) und 3 m - Wellen von Nord mit ebenfalls 3 m Schwell von NW, teilweise auch von vorn, dahin schaukeln. Ist weder gut für die Crew noch für das Boot.

Der Wetterbericht sagt raue bis sehr raue See voraus.  Mehrere Tiefdruckgebiete mit viel Sturm im Gepäck toben sich zwischen den Azoren und der Portugiesischen Küste aus und schicken ihre Wellen über den Atlantik.

Es scheint aber in den nächsten Tagen besser zu werden.


Es ist RICHTIG frustig!!! Ich glaube, heute Abend gönne ich mir zwei Caipirinas!

Bis demnächst, Eure traurigen Odies.

Donnerstag, 09. 01.

In der Warteschleife

Wir warten nun schon drei Tage, daß sich die Wetterlage zu unseren Gunsten ändert. Das ist für die Herren genau 72 Stunden zu lange.

Zur Zeit sind wir sehr beschäftigt. Wir müssen nämlich das ganze frische Essen verputzen, das wir für die Überfahrt eingekauft haben. Etliche Bananen sind gelb, Gurken und Rettiche heben den Zeigefinger.

Das mit den Bananen habe ich im Griff. In Butter gebraten, mit etwas Zucker überstäubt der dabei karamellisiert, sind sie so ungefähr das Köstlichste, das die Küche hier zu bieten hat.

Morgen früh (7:30 Uhr) fahren wir mit der Fähre hinüber nach Sao Antao, der großen und hohen Nachbarinsel. Den ersten Tag wollen wir durch den Krater wandern, den zweiten Tag noch ein wenig auf der Insel herum streunen. Wir haben gehört, es soll sehr schön sein. Lassen wir uns überraschen.

 

 

NS: Das Foto passt und gehört nicht zum Text, ist aber ein Hingucker! oder?

 

10. und 11. Januar

Sao Antao

Freitag: Im grünen Herzen der Insel

Die Morgenfähre brachte uns hinüber nach Porto Novo. Vor dem Hafen warteten viele Aluguer“piloten“, Taxifahrer und Inselführer. Jeder versuchte, so viele Leute wie möglich zu erbeuten. Unser Fahrer war mit uns Vieren nicht ganz zufrieden und drehte noch zwei Runden durch die Stadt um weitere Passagiere aufzuspüren. Irgendwann bog er dann aber endlich ab in Richtung Cova – Krater. Dort begann unsere Wanderung.

Sao Antao ist eine sehr hohe, bergige Insel. Der höchste Punkt liegt bei 1979 m. Tiefe Rinnen verlaufen zwischen den Bergen. Etliche Krater gibt es und tiefe Ribeiras (Flußtäler). Die Berge „fangen“ die Wolken, so sind auch die Außenflanken von einem grünen Fell überzogen.

In dem kleinen Krater, den wir ein Stück durchwanderten, liegen Felder, durch die Feuchtigkeit der Wolken bewässert. Eine umhüllte uns und nahm uns die Sicht, Nieselregen durchweichte langsam unsere Kleidung.

Bald folgte der Aufstieg zum Kraterrand, von dem man eine sensationelle Aussicht haben soll, die uns heute jedoch verweigert wurde. Man sah gerade noch die ersten Serpentinen des sehr steil abwärts führenden gepflasterten Wegs. Die glatten Steine waren durch die Feuchtigkeit sehr rutschig. Ich setzte jeden Schritt gezielt und sehr vorsichtig. Nach ein paar hundert Metern brachen die Wolken etwas auf und wir sahen tief unten ein grünes Tal, die Ribeira do Paul, das wasserreichste Gebiet der ganzen Kapverden. Manchmal erreichten uns nun ein paar Sonnenstrahlen und das helle Grün der Terrassenfelder am Berghang begann zu leuchten. Immer weiter abwärts ging es. Der Krater liegt in 1160 m Höhe, unser Ziel war Paul (spricht man Pa-ul) am Meer. Die ersten 800 Höhenmeter schafften wir in ca. 2 Stunden. Sehr schnell kamen wir nicht vorwärts, da uns die glitschigen Steine und die immer schöneren Ausblicke bremsten. 

Dieses Tal ist ein grünes Juwel. Wasser plätscherte den Hang hinab, in Levadas strömte es, in kleinen überfluteten Terrassen wuchs Yams. Die Wurzeln kann man essen, die Blätter sind ein echter Hingucker, groß, sattgrün, mit schillernden Wassertropfen geschmückt. Zuckerrohr wächst überall reichlich, dazwischen wunderschön und malerisch Bananen“bäume/stauden“? Nicht zerfleddert und mit hässlichen Mauern oder Plastikplanen umgeben wie auf den Canaren, sondern als dekorative Inseln um kleine Häuser herum oder in Hainen am Hang. Auf Terrassenfeldern wachsen Kohl, Zucchinis, rote Beete, Kaffee und Tabak. Palmen und großblättrige, dicke Bäume mit runden großen Früchten (vielleicht Brotfruchtbäume) fanden sich weiter unten. Maracujas hingen an dünnen Stämmen unter einem Blattwedel, man sah alle Reifegrade. Alles ist grün, dicht und üppig, eine tropische Vegetation, die mich zu Fotoorgien hinriß.

Unser Weg wurde zur Straße, die durch kleine Dörfer hinunter zum Meer führte. Nette bunte Häuser säumten diese, Kinder tobten herum. Viele „Bom Dias“ = Guten Tag -> werden am Nachmittags zu „Bom Tarde“ , wurden getauscht, von freundlichem Lächeln begleitet.

 

Um 16:30 Uhr kamen wir mit Nicole und Remi, einem schweizerisch/österreichischem Paar, die wir schon oben am Berg getroffen hatten, in Paul an. Sie machen drei Wochen Wanderurlaub, waren auf Fogo und Santiago und bleiben nun sechs Tage hier. Rosi und Klaus hatten sich auf den letzten Kilometern von einem Aluguer mitnehmen lassen. Rosis Schuhwerk war für den steilen Weg am Anfang nicht gut geeignet und ihre Gelenke streikten nun.

In der Residencia de Querida, einem Tipp unserer Begleiter, bekamen wir noch zwei Zimmer. Aber zuerst gab es ein „Feierabendbier“ und eine Portion Pommes auf den Tisch, sowie ein genussvolles Ausstrecken der Beine unter demselben. Duschen, 1,5 Std. Pause, dann trafen wir uns alle zum Essen in einem kleinen Freiluftrestaurant.

Eine Kapverdische Speisekarte, eine nur dieser Sprache mächtige Bedienung und wir! Die Konversation war ein echter Brüller. Peixe war einfach = Fisch, Legumes ist auch französisch = Gemüse, Salado ist international, Arroz ist Reis (spanisch). Bei einem unverständlichen Gericht tippten wir auf Hähnchen. Unsere Frage lautete also: took, tok, tok, tok, toook??? Wir lagen richtig. Dieses gab es hier in zwei Varianten. 1. ??? ich folgte ihr in die Küche und musste meine Nase in ein Säckchen halten. Eindeutig Curry. Die zweite Variante bot Pommes mit Salat. Salat geht zur Zeit nicht, also baten wir statt dessen um Gemüse. (Die Schweizer hatten keine Probleme, sie sprachen fließend Spanisch und Französisch, damit kommt man hier gut klar)

Das Essen kam, sehr lecker. Das Gemüse war gekocht: Maniok, Yamswurzel, Kochbanane, Mohrrübe und eine halbe Kartoffel. Interessant, besonders die Yamswurzel. Es gab Bier und Wein und später noch je eine Runde jungen, noch später alten Grogues.

Nicole und Remi erzählten von ihren Inselwanderungen. Sie leben in Zürich. Er ist Pilot, fliegt

zweistrahlige Düsenjets und liebt anscheinend jede Minute. Nicole fliegt beruflich auch viel, aber als Passagier. Ein nettes Paar.

Später am Abend griff der Restaurantbesitzer zur Gitarre. Inselmusik, Gesang mit Begleitung. Es passte super zu diesem schönen, warmen Abend unter dem Sternenhimmel.

Zufrieden und voller Eindrücke fiel ich ins Bett, streckte meine schmerzenden Beine aus und träumte grüne Träume.

 

 

Sonntag: Ponta do Sol und Ribeira Grande

Um 7 Uhr war ich wach, um 7:45 ausgekuschelt. Mich stach der Hafer. Auf dem Berg neben unserer Pension steht eine Statue, die ich frühsportmäßig begrüßen wollte. Meine Beine waren steif, ein wenig Bewegung tut da gut. Die Aussicht von oben über Dorf und Meer war toll. Gut gelaunt kam ich zum Frühstück. Dieses wurde im Wohn/Esszimmer der Familie serviert. Neben Brötchen, Wurst und Käse gab es heißes Kuskus mit Zimt (schmeckt toll mit etwas Butter), eine Art Quarkkeulchen ohne Quark. Kaffee aus dem Tal, gestern geröstet, ich habe es gesehen. Marmelade und Bananen. Gut gestärkt schnappten wir uns ein Aluguer und fuhren nach Ponta do 'Sol. Klaus fand einen Bootsbauer und ließ sich ein Brett zuschneiden, auf dem er die Fische, die Rosi irgendwann fängt, filetieren will. Norbert erstand ein paar Sandalen (nicht beim Bootsbauer).

Unser nächster Anlaufpunkt war Ribeira Grande, die Hauptstadt der Insel. Hier saßen wir lange auf einer Bank vor der Kirche und beobachteten das Treiben davor. Aus einer einheimischen „Currywurstbude“ tönte laute, schöne Raggae-Musik. Klaus, in Kauflaune, wollte die CD kaufen.

Wir bekamen sie nicht, aber für wenig Geld jeder eine Kopie, frisch „gepresst'“ im örtlichen Internetcafé.

Mich zog es zurück in die grünen Berge, die greifbar nahe schienen, es aber nicht waren. Wir folgten der Straße bis Norbert streikte. Auf dem Rückweg sammelte uns ein Aluguer auf und brachte uns über die neue Küstenstraße zurück nach Porto Novo. Um 18.30 Uhr waren wir zurück auf der SPICA. Kaum an Bord kam Besuch, die Crew der Saphira, Freunde von Elke und Bert. Zwei junge Leute aus Würzburg, die über die SY-INTI von Jonathan und Claudia bei den3-oldies“ gelandet waren und nun einfach guten Tag sagen wollten.

Lustige Wege.

Abends gab es „Essen zum selber basteln“, Burritos! Allerdings statt mit Salat und Tomaten mit dem Hackfleisch zugefügten Gemüse. Mexikanisch – Multikulti!

Zum Abschluss probierten wir noch den Grogue aus, den Klaus von Sao Antao mitgebracht hatte. Er war gut, eine halbe Flasche musste drann glauben.

Diese Tour korrigiert meine Sicht auf die Kapverden. Die grünen, südlichen Inseln, von denen wir gehört haben und die schöne Wanderinsel Sao Antao. Mit dem Rucksack herum zu reisen kann ich mir jetzt richtig gut vorstellen. Schön daß wir dort waren.


Jetzt sitze ich auf dem Boot und schreibe, blicke ab und zu hinüber nach auf unsere schöne Nachbarinsel. Meine Beine sind voller Muskelkater, Rosi jammert auch. Norbert und Klaus jammern nicht, aber Muskelkater haben sie ebenfalls.

 

Noch zwei kleine Nachträge von Sao Antao:

 

 

 

1. Ein kluger Hund oder „Hund spricht Deutsch“.

 

Norbert hatte am Samstag noch eine alte Käsestulle im Rucksack, die er eigentlich hatte entsorgen wollen. Ich verwies auf die hier immer hungrigen Hunde, für die das ein kleines Festmahl wäre.

In Ponta do Sol liefen wir an einem solchen, träge daliegenden Exemplar vorbei.

Mein Spruch: „Guck mal, hier kannst Du Deine Käsestulle loswerden.“

Der Hund sah auf, stand auf und lief hinter Norbert her. Zweimal setzte er sich genau vor ihn und starrte ihn an. Beim zweiten Mal klappte es. Norbert packte seinen Rucksack aus und der Hund verschlang das gespendete Käsebrot.

 

 

Fazit: Fremdsprachen lernen ist immer gut!

 

2. Alltagsleben – oder: schmutzige Tourifüße

Zu unserer Pension gehörte ein kleiner Hinterhof, in den ich aus meinem Fenster problemlos hineinsehen konnte. Am Freitag Abend hatte ich, angezogen von dem Geruch, beobachtet, wie ein junge Frau dort Kaffeebohnen für das Frühstück am nächsten Morgen röstete.

Am Samstag schaute ich wieder hinunter. Jetzt wurde dort Wäsche gewaschen, per Hand, wie früher. Eingeweichte Laken wurden mit Seife eingerieben und über einem Waschbrett geschrubbt. Stärkere Flecken zwischen den Händen sauber gerubbelt. Unsere Laken auf den Betten waren reinweiß, Clementine wäre mit dem Waschergebnis hochzufrieden. Meine Tante und meine Oma hatten früher, in den 60-iger Jahren, die Wäsche ebenfalls so gewaschen, aber seither habe ich das nicht mehr gesehen.

In Ribeira Grande fegte eine alte Frau Kleinigkeiten von einer Straße, die hier sehr sauber gehalten werden. Müllreste, in Berlin ein gewohnter Anblick, sieht man hier auf Sao Antao selten. Auch die Aluguers sind sauber und gut gepflegt.


Nur meine Füße waren und blieben schwarz. Ich war die letzte Strecke am Freitag in Latschen gelaufen, unter Anderem auch durch eine schwarze lockere Erdkrume zum Fluß hinunter, als ich den Reiher fotografieren wollte. Kohlschwarze Füße waren das Ergebnis. Ich habe sie unter der Dusche vier Mal mit Seife gewaschen, später noch zwei Mal im Waschbecken, aber eine gewisse Restschwärze blieb. Heute, nach vier Tagen und diversen weiteren Reinigungsversuchen gibt es nur noch eine dunkle Linie, dort wo Haut und Hornhaut sich treffen.

Samstag, 18. Januar

 

Die Sonne scheint

die Winde wehn

drum woll'n wir zur Karibik gehn.

 

Jetzt geht's lohoooos!