Vorab:

Wir sind seit 2 Tagen auf Martinique, ein wenig müde nach der Überfahrt, versuchen uns an die Wärme zu gewöhnen und ein wenig zu erholen.

Aber nein, schon werden die Berichte der Überfahrt angemahnt, über Funk!! von den eigenen Kindern!!! gefolgt von den besten Freunden.

Ich tippe so schnell ich kann.

 

Über den Atlantik / Mindelo-Martinique

 

18. Januar bis 4. Februar

1er Tag, Samstag, 18. Januar

11:45: Motor an.

12:00: Wir haben abgelegt. Walter, unsere Schiffsglocke, wurde heftig von mir bearbeitet.

Es regnet.

12:30: Mein Herz pocht, mein Bauch kribbelt, meine Hände flattern!

Der Wind in der Düse zwischen Sao Vicente und Sao Antao ist ziemlich heftig.

13:00: Ruhe ist eingekehrt, die Sonne scheint wieder. Die Segel sind gesetzt, die Windsteueranlage ist eingestellt. Mein Blutdruck ist wieder normal. Alles läuft wie am Schnürchen. So kann es weitergehen.  -Schöner Traum-

19:00: Regen, krasse Hackwellen. Nachts etwas seekrank.

                                                                                        (Würg)

 

 

 

2er Tag, Sonntag, 19. Januar → Etmal 121 nm

 

Wir sind müde und leicht deprimiert. Die Böen sind krass und uns schütteln heftige Kreuzseen. Ungemütliche Fahrt. Erst nach 15 Uhr wurde es etwas ruhiger.

Später schauten Delfine vorbei. Kurz nur, aber schön wie immer.

 

3er Tag, Montag, 20. Januar → Etmal 126 nm

Was man auf dem Meer so findet. Gestern fanden uns Delfine, heute fanden wir im Morgengrauen einen Belgier. Er hatte sich nachts an die Salmon gehängt. Auch er möchte nach Martinique. Über Funk kam dann – frei übersetzt mit Schillers schönen Worten: „Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde der Dritte.“

Es sind also wieder, wie seinerseits bei Christoph Columbus, drei Schiffe miteinander unterwegs in die Neue Welt.

Was so nett begann endete in einer chaotischen Nacht. Die Scheherazade, so heißt unser drittes Boot, kam uns immer näher. Erst mußte Norbert unseren Kurs drastisch ändern, dann auch noch Rosi und Klaus. Unsere Funkbeschwerde blieb ergebnislos. Urplötzlich zog das Schiff wieder nach NW, das Positionslicht ging aus und man sah nichts mehr. Kurz darauf tauchte es ¼ Meile vor uns auf, mal mit Licht, mal ohne. Er hat wohl ein Energieproblem und schaltet das Licht nur ein wenn er schläft. Wir müssten dann halt gucken!????!
Total nervig, an Schlaf war nicht mehr zu denken. Ich hatte in dieser Nacht nur 2 Stunden und einen mächtigen Zorn auf Monsieur Scheherazade! Am nächsten Tag entschuldigte er sich, aber das machte mich nicht munterer.

 

4er Tag, Dienstag, 21. Januar → Etmal 126 nm

 

Seit gestern regnet es immer wieder. Wir sitzen eingepackt hinter unserem großen Regenschirm. Barfußroute heißt es, wenn die Butter schmilzt biegt man ab nach Westen. Unsere Butter denkt nicht ans Schmelzen. Wale gibt es auch keine, nur Wasser, von oben und von unten.

 

5er Tag, Mittwoch, 22. Januar → Etmal 128 nm

 

Ab 12 Uhr fuhren wir durch eine silberne See. Dicke Wolken färbten das Wasser grau, die hochstehende Sonne linste durch ein paar dünnere Schichten und ließ die Oberfläche des Wassers silbern glänzen. Zwei Stunden dauerte der Spaß, dann gab es wieder die schon üblichen Hackwellen von Norden, viel Wind und eine sehr unruhige Fahrt. Ich bezog die übliche Prügel von allen Seiten, Schränke, Wände, Herd und Tisch, alle halfen mit und viele blaue Flecken waren die Folge.

Reffen, ausreffen, wieder reffen. Auf einer Route, die für ihre beständigen Winde bekannt ist!! Aber wir knackten gestern die 520 nm, 25 % der Strecke sind geschafft.

Und: Die Bananen sind reif.

 

6er Tag, Donnerstag, 23. Januar → Etmal 125 nm

 

Rosi und Klaus sind weg. Es ist 15 Uhr und sie sind immer noch weit hinter uns. Mit zwei handtuchgroßen Segeln bleiben wir unter 5,5 kn, ein Spielball der hohen Wellen. Norbert knurrt leise vor sich hin, hat aber inzwischen eine Segelstellung gefunden, mit der wir halbwegs ruhig durch das Wasser gleiten. Heftige Regenfälle sind immer wieder auf uns herunter geprasselt. Leider geht unser großer Regenschirm langsam kaputt, ein Stab nach dem anderen bricht.

Wir brauchen besseres Wetter!

 

 

7er Tag, Freitag, 24. 01. → Etmal 120 nm

 

Ein Traumtag. Bis auf 2-3 Squalls (dichte dunkle Wolken mit viel Wind und Regen) schien die Sonne, in deren Wärme wir endlich mal wieder duschen konnten. Nach den vielen Tagen mit Pulli, Jacke und Katzenwäsche ein echtes Vergnügen.

Wahrscheinlich war die schöne Sonne eine Belohnung für Norbert, der heute Nacht einem fliegenden Fisch das Leben rettete. Dieser war auf unserem Boot gelandet und zappelte hilflos herum. Norbo schob ihn mit unserem Regenschirm durch das Speigatt zurück ins Wasser.

Heute gab es bei uns Käseomelett auf Brot „umlegt“ mit Rettich. Die Tischmanieren an Bord sind sehr individuell. Der Skipper widmete sich seinem auf dem Tisch in der Plicht deponierten Essen mit Messer und Gabel. Es war ein wenig so wie in dem Film „Das Boot“ beim Speisen in der „Offiziersmesse“, als der junge 1. Offizier seine Portion Schweinefleisch mit haariger Schwarte elegant zerlegte. Ich erinnerte eher an die rustikaleren Typen, denn ich hielt meinen Teller unters Kinn und aß mit den Fingern. Im Gegensatz zu einem U-Boot schwankt so ein Segelschiff bei 3-4m Wellen nämlich ständig.

Kurz, die Sache mit dem anständig essen ging in/auf die Hose. Eine dicke Welle fegte die ziemlich fette, leckere Mahlzeit vom Teller und alles landete auf Norberts Schoß. Ist mir beim Kochen auch schon ab und zu passiert. Ich pfeiff auf die guten Sitten!

 

 

8er Tag, Samstag, 25. 01. → Etmal 125 nm

 

16 Uhr UTC: das Meer ist kobaltblau, garniert mit silbernem Sonnengeglitzer und weißen Schaumkronen. Hinter uns segeln Rosi und Klaus. Sie müssen 6 nm aufholen, die sie heute Nacht verloren haben.

In dieser (der Nacht) tobten wieder Wind und Wellen unter dem Motto: Alles in Bewegung, Schiff, Interieur und Crew.

 

 

9er Tag, Sonntag, 26. 01. → Etmal 132 nm

 

Widerspenstige Eier

Manches ist gar nicht so einfach, z. B. die Müllbeseitgung. Papier und Biomüll fliegen über Bord. Jeder der mich kennt, weiß daß ich nicht unbedingt ein Wurftalent bin. Dies widerlege ich hier komplett. Es gelang mir den Relingsdraht mit einer alten Banane so genau zu treffen, daß diese in zwei Teile zerfiel, die beide wieder auf dem Deck landeten, was so nicht beabsichtigt war.

Also heute unsere Eier!

Wind und Wellen trieben ihr übliches Spiel mit uns und so verschob ich unser geplantes Sonntagsessen auf morgen, da haben wir nämlich Bergfest. Alternativ gab es noch einmal Käseomelett. In meinem vorletzten Eierkarton fand ich ein angedetschtes Ei. Die restlichen vier wurden im Messbecher gequirlt und auf einer rutschfesten Matte in der Spüle verstaut. Natürlich verteilte gleich die erste große Welle einen Teil der Masse im Becken und auf der Matte. Schimpf!

Die Schalen und das kaputte Ei warteten in der Schachtel auf den Wurf über die Reling. Norbert holte souverän aus und warf sie direkt aus der Küche ?? an die Wand ?? (Welle) Eierschleim verteilte sich auf dem Boden. Mecker! Er wischte alles weg und ein zweiter Wurfversuch bahnte sich an. Ich dachte, er wollte sie mir in die Hand geben und griff zu. Nun lag alles in der Plicht. FLUCH! Diesmal wischte ich und dann landete das Zeug endlich im Wasser. (Bis auf eine Eierschale, die fand ich später hinter den Dieselkanistern)

Allen Schwierigkeiten zum Trotz: das Käseomelett war wieder göttlich. Und kein Arzt weit und breit, der unsere Cholesterinwerte bemängeln könnte.

 

 

10er Tag, 27. 01. → Etmal 128 nm

 

Bergfest

Heute in den frühen Morgenstunden hatten wir die Hälfte geschafft. Am Vormittag war dann auch unsere Zielanzeige 3-stellig. Der Wind ist seit Mitternacht nicht mehr so heftig. Die Sonne schien und wir segelten „gemütlich“ vor uns hin. Fliegende Fische zeigen sich ab und zu. Es ist spannend ihnen zuzusehen. Sie fliegen wirklich, teilweise 50-60 m, ändern sogar mit einem kurzen Aufditschen auf einer Welle komplett die Richtung.

Gerade haben wir unser Festmahl verspeist. Pfälzer Saumagen-Kartoffel-Zwiebelpfanne mit einem Stich Steinpilzsahne. Es sah ein wenig aus wie Hundefutter aber vom Geschmack her: sensationell!

Ein Gläschen kalter Rosé hätte jetzt gut gepasst. Den trinken wir dann auf Martinique.

Vor dem Essen haben wir geduscht und ich habe meine Haare gewaschen. Was für ein tolles Gefühl!

Letzte Nacht konnten wir endlich wieder besser schlafen. Noch ein paar ruhige Nächte und wir sind wieder wie neu.

Heute gesehen: einen White-tailed-Tropicbird. (Die Betonung liegt auf Tropic!)

 

11er Tag, Dienstag, 28. 01. → Etmal 112 nm

 

Heute morgen war die Bordfrau in a bad mood!! oder wie es die Schweizer ausdrücken würden: ich hatte das Fondue-Chächelí gestrichen voll!

Gestern Nachmittag begannen Squalls Jagd auf uns zu machen. Und das, nachdem uns der Wetterbericht ab sofort einen freundlichen Wind versprochen hatte. (Ich glaube denen immer noch, es ist nicht zu fassen) Die Böen peitschten, die Wolken verteilten großzügig ihr Wasser. Bei dem Gehacke hat es mich fast von der Treppe gehauen. Kurz darauf krachte eine Welle ins Cockpit, badete Norbert und mich komplett und prasselte dann durch den Niedergang in unseren Salon.

Außerdem stinkt es in meinem Kühlschrank barbarisch.

Meine erste Freiwache hindurch kämpfte Norbert draußen mit den immer heftiger werdenden Squalls. Schlafen? Wie schreibt man das?

Gegen 3 Uhr ließen sie langsam nach. Ich hatte während meiner Wache einen von ihnen draußen ausgesessen, hinter unserem nur noch halben Regenschirm. Das mache ich so schnell nicht wieder. Um uns herum sah man Wetterleuchten. Von Weitem sehr hübsch, aber auch ganz schön unheimlich. Von 5 bis 8 Uhr konnte ich dann schlafen. Die SPICA zockelte mit 4,5 kn dahin. Seit heute morgen haben wir schönstes Segelwetter, ca 20 kn gleichmäßigen Wind, Sonne, einen freundlichen, sanften Atlantik. Die Wellenhöhe ging auf c. 3 m zurück. So hatte ich mir die Überfahrt vorgestellt.

Ab Mittag wurde gearbeitet. Norbert baute an der ausgebaumten Fock herum und ich stürzte mich auf den Kühlschrank (ausgelaufene und vergammelte Milch!) Jetzt ist alles wieder ok und meine Laune hat schon wieder Normalpegel.

Was wunderschön war: Als die allererste Ahnung von Licht im Osten erschien, sah ich über der winzigen Mondsichel (die liegt hier auf dem Rücken) den ganzen runden schwarzen Mond. Mit bloßem Auge!!!

 

 

12er Tag, Mittwoch, 29. 01. → Etmal 126 nm

 

Ein warmer sonniger Tag. Nachts zogen ein paar harmlose dunkle Wolken vorbei, die etwas Regen und Wind im Gepäck hatten. Auch heute war er wieder da, mein schwarzer Mond. Unten sah man nur noch eine hauchdünne Linie. Es war eine dunkle Nacht mit vielen Sternen (ich unterhalte mich manchmal mit ihnen, ist ja sonst keiner da). Gegen 9 Uhr UTC wich das Schwarz im Osten und eine Farbsinfonie aus Petrol, Türkis und Safrangelb erfreute meine müden Augen. Scharfkantige schwarze Wolken machten den Anblick noch dramatischer. Mit der schönen Musik von Caledon fuhr ich hinein in diesen neuen Tag. Von meinem Mond sah man nur noch die helle Linie. Die Sonne schob sich höher und tauchte aus dem Wasser. In diesem strahlenden Orange segelte die Salmon, direkt neben der aufgehenden Sonne.

Mein Skipper durfte heute ausschlafen, bis 11 Uhr = 4 Stunden.

Und das Segeln: wie man es sich vorstellt in der Passatwindzone und wie es einem immer versprochen wird. Einfach schön.

 

 

13er Tag, Donnerstag, 30. 01. → Etmal 124 nm

 

Eine ruhige Nacht, ein schöner sonniger Tag. Lange sanfte Atlantikwellen. Kaum zum Aushalten.

Norbert hat seine Angel installiert, verschiedene Woppler (Köderfische mit hässlichen Haken) ausprobiert und ist etwas erstaunt, daß nach fünf Stunden noch kein Fisch angebissen hat.

Ich habe Wäsche gewaschen und ein Brot gebacken. Es sieht total gut aus und riecht sehr appetitlich.

16:30 UTC: noch 600 nm

 

14er Tag, Freitag, 31. 01. → Etmal 120 nm

 

-zu wenig Wind (14 kn)

-leckeres Frühstück mit frischem Brot und Marmelade

-Rosi und Klaus melden ein Segelschiff auf ihrer Portside (Backbord), eine Olivia

-Norbert angelt schon den zweiten Tag

-wieder einen „Weißschwanz Tropenvogel“ gesehen. Er kreiste ein paarmal über  uns.

 

 

15er Tag, Samstag, 01. 02. → Etmal 120 nm / 2 Wochen auf See

 

Wie gewonnen so zerronnen

15:15 Uhr: Fischalarm!

Die Leine rollte ab. Norbert versah mich mit einer Flut von Aufgaben. Segel drastisch reduzieren, Gaff, Messer, Alkohol und Fischbrett holen. Dann begann das „Tauziehen“. Mal holte der Fisch die Leine, dann wieder Norbert. 75 Minuten dauerte der Kampf bis er neben unserem Boot hing. Ein Speerfisch, 1,70 m lang(ohne Angellatein-Aufschlag!) Puh, mein Herz raste. Ich hatte das Gaff (wirklich ganz gemeiner langer Haken zum Hereinziehen des Fischs) schon griffbereit. Er kämpfte wie verrückt und schaffte es, sich hinter der Windsteueranlage zu verschanzen. Dort, an einer scharfen Kante, riß die Leine und unsere Eiweißmahlzeiten verschwanden wie nie gewesen.

 

 

16er Tag, Sonntag, 02. 02. → Etmal 126 nm

 

Eine Rauschefahrt! Keine Squalls, nur Sonne und Wind. Heute machten wir Meilen, denn wir wollen Martinique am Dienstag im Hellen erreichen.

 

 

17er Tag, Montag, 03. 03. → Etmal 139 nm

 

Regulierte Fahrt, Die Wellen beutelten uns ein letztes Mal und ich frischte die Kollektion meiner blauen Flecke noch einmal auf.

Die letzten zwei Nachtwachen!!! (Ich werde sie erst einmal nicht vermissen!)

 

 (18er Tag) Dienstag, 04. 02.

 

Wir sind wie geplant um 12:30 am Wegpunkt MA3 und setzen den Anker zwei Stunden später im vor dem schönen Ort St. Anne. Er hält sofort und wir liegen uns in den Armen. Geschafft! Ich habe geheult wie ein Baby.

Nach dem Funk und der letzten Positionsmeldung (ihr seht, wie wichtig ihr uns seid) gab es ein Glas Sekt von dem wir natürlich Monsieur Poseidon jeder einen Schluck abgaben. Einen riesigen Dank für die sichere Ankunft.

So nach und nach registriere ich unsere Umgebung. Eine schöne große Bucht umgeben von grünen, bewaldeten Hügeln. Vor uns St. Anne mit seinen fröhlich bunten Häusern und dem schönen weißen Strand, davor ca. 100 ankernde Segelboote. Die Salmon liegt neben uns.

Und das Beste: es schaukelt nicht mehr.

Ich habe heute früh noch schnell ein Brot gebacken. Dieses, noch warm, genossen wir nun mit unseren letzten Delikatessen, Salami und Thunfisch und dem vorletzten Rettich.

 

 

 

Gedanken:

Im Zeitalter des GPS weiß man auf so einer Überfahrt immer wie weit entfernt und in welcher Richtung das Ziel liegt. Die Pioniere der alten Zeiten wussten nicht einmal, ob es dieses Ziel überhaupt gibt. Chapeau!

Damals wäre ich zu Hause geblieben!!!

 

 

Die Zeit:

17 Tage und 3 Stunden auf See.

Die Zeit verschwimmt. Die Nachtwachen waren manchmal endlos und manchmal schnell vorbei. Ich wusste selten, welchen Wochentag wir hatten, es war auch egal. Oft schaut man einfach nur aufs Wasser. Zeit für Gedanken aber auch für keine, einfach Zeit. Man versäumt nichts!

Ein ungewöhnliches Erlebnis.

Samstag, 07. 02.

 

Restschäden

Liebe Doko-Frauen,

hoffentlich habt ihr euch von der Überfahrt erholt. Seit Beginn der Reise leistet ihr mir beim Frühstück Gesellschaft. Diesmal ist es jedoch nicht ohne Blessuren abgegangen.

Gabi hat einen Kratzer am Hals und am Ohr.

Monis Arm hat ein Loch.

Bärbels Kopf ist gerade noch mal davon gekommen.

Nur Sabine und CB sind unversehrt.

Trotz Allem freue ich mich jeden Morgen euch zu sehen!

 

Auf der Strecke geblieben ist unser Regenschirm.

Gestern haben wir die Reste entsorgt.

Hoffentlich finden wir bald einen Neuen.

Samstag, 08. 02.

Le Marin

Am Mittwoch haben wir uns in die Marina von Le Marin verlegt. Aufräumen, einkaufen, Wasser bunkern, Wäsche waschen, Boot reinigen.

Die Tage sind sehr warm und an die schwüle Hitze muß man sich erst gewöhnen. Außerdem regnet es sehr oft. Hier ist man fast immer nass, entweder vom Regen oder man schwitzt. Wir sind noch ganz schön schlapp. Nach den vielen Nächte mit wenig Schlaf müssen unsere Energiespeicher erst mal wieder aufgefüllt werden. An den Ufern um die Marina herum wachsen Mangroven, die ihre Wurzeln im Wasser verankern. Langsam erkunden wir unsere Umgebung. Bäckereien, ein bis zwei „Supermärkte“ und einen kleinen Obst- und Gemüsemarkt haben wir schon gefunden. Die Preise in den umliegenden Restaurants muß ich erst mal verdauen. Das Preisniveau ist sehr hoch. Außerdem tauche ich wieder ein in die französische Sprache. Viele Worte oder Redewendungen sind plötzlich wieder da und ich kann mich oft auch ganz spontan artikulieren. Darüber bin ich wirklich glücklich, denn ich dachte, ich hätte alles vergessen. Die Menschen hier sind sehr freundlich, wenn sie merken daß man sich Mühe gibt ihre Sprache zu sprechen.

Viele Segelboote ankern vor der Marina, aber man muß gut aufpassen, die Bucht ist an manchen Stellen extrem flach.

Für Sonntag und Montag haben wir ein Auto gemietet. Wir möchten ein wenig von der Insel sehen. Am Montag geht es nach Fort de France. Ein Großeinkauf steht ebenfalls an, nicht nur unsere, auch die Speicher der SPICA müssen aufgefüllt werden.

Sonntag, 09. 02.

Le Robert und die Halbinsel La Caravelle

Mit „unserem“ Honda i10, dem wirklich letzten Mietauto von Le Marin, (in jeder B eziehung!) fuhren wir an der Ostküste nach Norden. Die Straße wand sich durch eine hügelige, üppig grüne Landschaft. Kurz vor Le Robert hatte man einen guten Blick auf die große Bucht. Wie ein Schwarm bunter Falter jagten Boote mit fast quadratischen Segeln über das Wasser. Eine Regatta! Norbert war kaum noch zu halten. In Robert parkten wir das Auto und sausten hinunter zum Ufer. Wir kamen gerade noch zurecht als sie ihre Boote zurück an den „Quai“ manövrierten. Knapp 2 Stunden standen sie im Wasser und hielten sie in Position. Um 13:30 Uhr startete das zweite Rennen. Die Boote sind sehr schmal und haben mehrere lange Stangen an Bord, die je nach Bedarf herausgeschoben werden. An diesen Stangen turnen immer mehrere Leute der 6-8-köpfigen Crew herum. Geschickt und halsbrecherisch sieht es aus, wenn wie weit außerhalb des Rumpfes daran hängen oder darauf sitzen um das Boot auszubalancieren.

Der Start zum zweiten Rennen war spektakulär. Es erinnerte total an meinen Lieblingsfilm „Cool Runnings“ als die Jamaikaner ihren Bob anschoben und ein paar Schwierigkeiten hatten, hinein zu kommen. Alle vorhandenen Stangen wurden seitlich heraus gesteckt, jeder stieß so kräftig ab wie er konnte und versuchte dann so schnell wie möglich ins Boot zu turnen. Das klappte nicht bei jedem und so konnte manch Einer seiner Mannschaft nur noch hinterher schauen.

Wir beobachteten sie bei ihrem Kurs um die Tonnen. Es war schön und auch spannend.

Leider regnete es sehr viel und wir mussten oft Schutz vor dem Wasser suchen.

 

 

Bis nach La Caravelle, einer langen ins Meer hineinragenden Halbinsel haben wir es dann doch noch geschafft. Hier gab es ein paar schöne, karibisch anmutende Fotomotive, leider ohne die dazu gehörenden Sonne aber wenigstens hatte der Regen aufgehört.

Montag, 10. 02.

Fort de France

Heute sah das Wetter deutlich besser aus. Bis Fort de France sind es ca. 45 km. Wir brauchten trotz guter Straßen deutlich über eine Stunde, denn auch hier gibt es Staus!

Die Stadt riß mich nicht vom Hocker. Viele Geschäfte reihen sich in dem alten Stadtviertel vor dem Hafen aneinander, aber irgendwie sehen sie alle gleich aus und trafen so gar nicht meinen Geschmack. Aber zwei supergute, stabil aussehende Regenschirme haben wir erstanden. Jetzt können Norbo und ich bei Regen hinter ihnen Schutz suchen. „Unter einem Regenschirm am Abend..... „ oder so.

Nach knapp drei Stunden trollten wir uns wieder und suchten einen großen Supermarkt. Hier wurde großzügig eingekauft. Vorräte für die nächsten Tage aber auch Rillette und Patés für die Reserve. Rosé- und Rotweinpäckchen durften auch nicht fehlen. Bepackt wie die Mulis wankten wir mit unseren Schätzen über die Stege zum Boot.

Morgen bunkern wir noch Wasser, räumen noch ein wenig auf und verlegen uns dann wieder in das Ankerfeld vor St. Anne.

Baden, faulenzen, lesen und die Vorräte aufessen.

Mittwoch, 12. 02.

Klaus's Geburtstag

Schon um 10:30 Uhr genossen wir, wieder vor Anker liegend, unser Frühstück und beobachteten das Kommen und Gehen der anderen Boote. Hinter uns warf eine maigrüne Monsteryacht den Anker. Ihr Mast ist fast doppelt so hoch wie die der umliegenden Boote. Fünf Salingpaare stützen die Wanten.

Ein Leichtes für Rosi und Klaus uns zu orten, da wir nur 100m neben diesem auffälligen Blickpunkt liegen. Nachmittags machte Norbert unser Schlauchboot einsatzbereit und startete zu einer Probefahrt. Abends stieg dann auch ich ein und wir setzten damit nach St. Anne über.
Klaus hatte in einem kleinen Restaurant einen Tisch bestellt. Die Beiden haben zur Zeit Besuch von ihrem Sohn. Stefan und ich versuchten das „Verkaufsgespräch“ unserer Wirtin zu verstehen und zu übersetzen. Leicht war das nicht, denn unser Schulfranzösisch war diesem Slang nicht wirklich gewachsen. Aber irgendwann war alles geregelt. Drei Langusten wanderten aus ihrem Wassergefängnis auf die Guillotine und von dort direkt auf den Grill. Stefan hatte sich aus unserem Killerquartett ausgeklinkt und aß gegrillten Fisch. Ich betäubte mein schlechtes Gewissen erst mit Bier, später mit Wein. Lecker waren sie schon, ich hätte mir nur noch etwas Rouille oder ähnliches dazu gewünscht. Kochbananen, Süßkartoffeln und Maniok bildeten neben Reis und einem Salatarrangement geschmackliche „Farbtupfer“.

Ein schöner Abend, den wir auf der Salmon mit 18 Jahre altem Rum aus Mauritius!! gemütlich ausklingen ließen.

Donnerstag, 13. 02.

Renates Geburtstag

Heute hat meine Freundin Renate Geburtstag. Ganz herzliche Glückwünsche nach Oldenburg.

Wir wünschen Dir ein spannendes und erlebnisreiches Lebensjahr.

 

Wir liegen noch vor Anker. Die Salmon hat ihren schon „gelichtet“ und ist nach St. Lucia unterwegs. Nach dem Frühstück steckte eine ziemlich große Schildkröte ihren Kopf ein paar Meter neben der SPICA aus dem Wasser. Leider nur kurz, dann verschwand sie wieder.

Ich schmirgelte heute mal wieder Roststellen auf unserer Fußreling bis auf den Stahl herunter, hasste dabei wie üblich unseren schlampigen Maler, mischte dann in der Achterkabine nach endlosem, mühsamen Aufrühren der Rostschutzfarbe Komponente 1 und 2 zusammen und verstrich sie auf unseren blanken Stellen. Norbert befreite inzwischen unseren Wasserpass von langen Bartalgen und frechen Entenmuscheln, die es sich dort gemütlich gemacht hatten.

Abends, nach einem grässlichen Abendessen (die geräucherten Hähnchenschenkel schmeckten wirklich gemein) saßen wir draußen und schauten „Fluch der Karibik“. Freiluftkino! Schön!

 Samstag, 15. 02.

Kann man in einem Schlauchboot wirklich seekrank werden?

Fotoapparat und Computer in meinem wasserdichten Rucksack verstaut, mein dünnstes Kleid angezogen, dann ging es mit dem Schlauchboot nach St. Anne.

Individualisten wie wir liegen gern ein wenig am Rand des Ankerfelds, also 1 km Anlauf für die Wellen, von denen mich jede Zweite persönlich begrüßte. Klatschnaß, einschließlich U-Hose erklomm ich den dörflichen Dingisteg. Weitere Schlauchboote liefen ein, die Damen frisch in weißgerüschten Blusen und trockenen Shorts!?! Ich stand dort, hielt mein Kleid zum Trocknen in die Sonne und sah aus wie eine frisch gebadete Katze. 10 Minuten später war ich wieder trocken (dünnes Kleid) und wir besuchten den hochgelobten Samstagsmarkt. Drei Obststände, der Rest war Tourikram. Mit unseren Einkäufen, ergänzt im örtlichen Supermarkt, bestiegen wir unser Schlauchboot und fuhren zum Ausklarieren hinüber nach Le Marin: 2,5 nm = 1 Stunde. Schon nach dem ersten Drittel war ich wieder naß. Vorbei an der schönen Anlage des Club Med an der Spitze der weißen Sandbank mit den vielen Palmen boten wir den dort ungläubig schauenden Urlaubern schon etwas: Welle spritzt hoch, prasselt hinunter auf Christiane (im bunten Sommerkleid) Klappe die Erste, Zweite.......

Nach ca. 20 Klappen waren wir dann um die Ecke und außer Sicht.

Hier ging es dann richtig zur Sache und die Marina war noch sooooo weit weg. Die zwei eingesperrten Pferde unseres Hondas gaben ihr Bestes um uns gegen den heftigen Wind und die kleinen gemeinen Wellen in Richtung Ziel zu schieben. Ich fluchte, maulte und schimpfte. Mein hartherziger Skipper verbot mir aber auch das, denn ich hätte ja auch mit dem Dingi fahren wollten.... tatata, Pühh! Und wenn schon! Scheußlich war es trotzdem. Salzwasser in Mund und Augen, jeden zweiten Meter frisch. Kurz vor der Marina wurde mir plötzlich ganz komisch. Seekrank? Kann nicht sein oder? Vielleicht doch Montezuma!? Reihernd erreichte ich den Steg, krabbelte hoch und legte mich bibbernd auf den Rücken. Erst mal alles sortieren. Zwei Damen fragten besorgt, ob Hilfe erforderlich sei. Ich war mir inzwischen sicher, ich würde hier noch nicht sterben, also winkte ich ab und bedankte mich. Etwas später folgte ein zweiter Anfall, der aber nur die Bewohner de Mangrovensumpfes belästigte.

Was auch immer es war, langsam wurde es besser. Ich schmuggelte mich in die Duschen, spülte das ganze Salzwasser ab und schlüpfte wieder in meinen bunten, leider noch salzigen Schmetterlingsdress.

Dann klarierte ich aus. (Norbert konnte nicht mit hinein, denn er hatte Baumwollklamotten an, aus denen noch das Wasser tropfte. Ja, auch er war klatschnass, aber Männer klagen nicht.

In einem Bistro trockneten wir weiter und verbrieten unsere letzten Internetguthaben. Ich hatte Hunger und Appetit auf Pommes!?!?! Kein schlechtes Zeichen, oder?

Für die Rückfahrt handelte ich ein paar Meckereinheiten aus und die Fahrstrecke entlang des Mangrovendickichts. Beides war gut. Wir passierten eine Kolonie mit weißen Reihern im Abstand von 10 m. (Mein Fotoapparat war sicher in meinem Rucksack verpackt. Ich litt wirklich sehr.) Diesmal fuhren wir mit und nicht gegen die Wellen. Es kamen erst kurz vor der SPICA ein paar Spritzer über, dafür regnete es und ich verbrauchte ein paar von meinen ausgehandelten Meckereinheiten.

Zurück im Boot probierten wir den neuen Camenbert (es war also wirklich nichts Ernstes) und ich schreibe meine Abenteuer des heutigen Tages nieder.

Das Leben des Seemanns und besonders das seines Matrosens ist hart!

Montag, 17. 02.

St. Lucia / Rodney Bay

Am Sonntag setzten wir über nach St. Lucia. Es war seit Lissabon das erst Mal segeln ohne Nachtwache. 23 nm, ein Klacks. Schönes Wetter, Sonnenschein, lange Atlantikwellen in der Passage. Alles lief weich, im Salon war es ganz ruhig. Nichts klapperte.

Um 14 Uhr bogen wir ab in die Rodney Bay. Eine idyllische Bucht mit karibischem Flair, umrandet von pittoresken Hügeln. Ein schöner langer Strand, dahinter Palmen. Viele ankernde Boote. Wir suchten uns einen guten Platz in der Nähe der Einfahrt zur Marina und ließen unser Dingi zu Wasser.

Ein riesiges Kreuzfahrschiff mit fünf Masten lag etwas weiter draußen vor Anker. Nach Sonnenuntergang gingen an allen Rahen kleine Lichter an. Sie setzten Segel und verschwanden langsam in der Dunkelheit.

Wir gönnten uns ein gemütliches Abendessen, schauten auf die vielen Lichter der Bucht und auf das dunkle Meer.

Am Montag früh klarierten wir ein, inspizierten den Supermarkt, erkundeten Busverbindungen nach Castries und zum Flughafen und trafen Elke und Bert, die mit ihrer Anjuli nui in der Marina liegen. Sie hatten ein wenig Pech bei der Überfahrt und müssen jetzt einiges reparieren.

Zurück an Bord steuerte uns zu meiner Begeisterung ein schwimmender Marktstand an. Ich kaufte sechs kleine Mangos, schon aus Spaß, den das Gefährt war wirklich sehenswert.

 

Dienstag, 18. und Mittwoch 19. 02.

Soufrière Bay

Am Dienstag schaukelten wir, mit ganz wenig achterlichem Wind, zwischen zwei und vier Knoten die Küste hinunter zur Soufrière Bucht. Am Mittwoch quälten wir uns mit ganz viel Wind fast von vorn wieder hinauf zur Rodney Bay. Heftigste Böen beutelten uns. Es war ein gruseliges Gehacke, erst ab der Hälfte konnte man es segeln nennen.

Die Soufrière Bucht liegt nördlich der Pitons, den Wahrzeichen von St. Lucia. Zwei spitze Kegel am Ende einer herrlichen Bucht, Karibik pur. Palmen ziehen sich die Hänge hinauf, dichtes Grün umrandet einen kleinen Ort mit alten Häusern. Hier gibt es noch viele aktive Fischer, die mit ihren bunten Booten hinaus fahren.

Ein „Boatboy“ fing uns ab und brachte uns zu einer freien Mooring. Ankern darf man hier nicht mehr, damit das Riff nicht beschädigt wird. Er holte uns später auch ab und brachte uns mit seinem Boot an Land. Das Entgelt hatten wir vorher in „harten“ Verhandlungen festgelegt. Das ist wichtig hier, auch die Währung muß klar sein, denn sonst gibt es wohl ein endloses Palaver da auf St. Lucia neben dem East Caribean Dollar = EC Dollar auch die US-Währung benutzt wird.

In einem schön gelegenen Restaurant tranken wir einen Grapefruitsaft. Ich hatte ein sehr karibisches Gefühl! Die Sonne tauchte den Ort in ein goldenes Licht und wir vergaßen die vielen Regenschauer, die wir heute schon hinter uns hatten. Der dichte Wald hier ist nicht umsonst so dicht!. Soufrière ist ein Regenloch. In der Zeit zwischen 15 und 19 Uhr hatten wir bereits drei Regenbogen über dem Ort gesehen und waren mindestens genauso oft naß geworden.

Zurück in Rodney Bay. Kaum hatten wir heute in der Marina angelegt stand auch schon ein Obst- und Gemüsehändler neben uns. Ich kaufte ein paar Grapefruits und Liebesäpfel. Sie sehen schön aus, schmecken aber nicht gut. Die Liebe in der Karibik scheint eine bittere Sache zu sein.

 

Donnerstag, 20. 02.

Markt in Castries

Genau genommen ist die ganze Stadt ein Markt, aber besonders gefallen hat es mir auf dem großen Obst- und Gemüsemarkt hinter dem Hafen.

Die stolzen Frauen der Karibik hinter ihren Marktständen und die alten Ladies, die farbenfroh gekleidet, natürlich mit Hut, mit ihren Gehstöcken unterwegs sind (künstliche Hüftgelenke sind hier anscheinend noch nicht die Regel) sind faszinierend und tolle Fotomotive. Leider kann man nicht einfach so fotografieren. Man muß um Erlaubnis fragen und dafür habe ich noch nicht das richtige Feeling. Aber manchmal hat man auch Glück.

Zwei nette „Carebbean-Girls, von denen jede eine Kokosnuss mit einem Strohhalm leer schlürfte, animierten uns, das Gleiche zu tun. (Es wäre gut für den Körper und für die Eierstöcke!?!?!) Das sollte man/n sich auf keinen Fall entgehen lassen Kurz darauf nuckelten auch wir an den frisch geköpften Früchten. Ein einsamer Chinese(?), mit einem riesigen Fotoapparat beladen, schlenderte heran und auch ihm wurde eine Nuss verpasst. Es versteht sich von selbst, daß dieses Ereignis fotografisch festgehalten werden musste. Ich ließ mir die Chance nicht entgehen und habe nun ebenfalls Eins von diesem inzwischen internationalen, multikulturellen Event.

 

Aber DAS Highlight des Tages war die Ankunft unserer „Kinder“ am Abend. Ich war den ganzen Tag schon ganz aufgeregt. Eine Woche auf St. Lucia liegt vor uns. Viel Zeit für gemeinsame Unternehmungen.

Sonntag, 23. 02.

Zwei Schildkröten und der Nikolaus

Die Marigot Bay ist angeblich eine der schönsten Buchten der Karibik. Sie ist schön. Von Mangroven umrahmt, durch eine idyllische, mit Palmen bewachsene, weißsandige Landzunge vom Meer getrennt. (Mindesten 30 Fotos!) In der Bucht liegt man an einer Mouringboje, sehr bequem. Gleich am ersten Tag besuchten uns drei Boat“boys“ die uns Früchte verkaufen wollten. Inzwischen haben wir so viel Obst, daß wir selbst locker so einen schwimmenden Obststand betreiben könnten.

In dieser Bucht gab es weitere Attraktionen: Zwei Wasserschildkröten schauten vorbei, sehr zur Freude von Fritzi und Moritz.

Aber das Coolste: Am Sonntag Morgen besuchte uns der Nikolaus. Er saß auf einem Kanu und sang fröhliche karibische Lieder. Unsere MEZ gewöhnten Kinder wachen hier extrem früh auf und schwimmen und blödeln schon herum, wenn auf den anderen Booten noch alle schlafen. Deshalb waren wir auch die Ersten, die er besuchte. Ho ho ho! Shakehands mit den Damen, Gettofaust mit den Herren zur Begrüßung. Als Geschenk gab es für Fritzi und mich zwei zierliche Bananen, frisch geschält, man brauchte nur noch hinein beißen. Norbert und Moritz erhielten zwei dicke, natürlich mit dem entsprechenden Kommentar. Ich wusste gleich, das wird teuer. Vier Mandarinen, eine Papaya und eine Staude Bananen landeten zu unseren Füßen. (Wir wollten eigentlich nur ein paar Bananen.) Dann begannen die Preisverhandlungen. Bei großen Booten würde er viel mehr nehmen, aber bei so kleinen Booten wie unserem ist auch der Preis klein: 60 EC Dollar. Ich handelte ihn auf 40 herunter. Dieser Preis war ok, da die Verkaufsaktion Kabarettniveau hatte. Später beobachteten wir seine Tour zu den anderen Booten. Nur einmal konnte er nichts verkaufen, ansonsten hatte er seinen Tagessatz schon verdient, bevor einer der anderen Obsthändler auch nur aufgetaucht war.

In dieser Bucht kann man herrlich schwimmen. Warmes, grünes Wasser ohne Wellen, ein echtes Vergnügen.

Abends stiegen wir alle vier in unser kleines Schlauchboot (max. Last 180 kg) und fuhren zum Essen. Ein Pfahlbau mit Holzveranden, vor uns die Bucht im Abendlicht, hinter uns die Mangroven, angeblich bewohnt von vielen Moskitos. Diverse Rauchspiralen am Boden hielten sie in Schach, denn wir blieben komplett von irgendwelchen Angriffen verschont.

Die Suppe war sensationell, danach gab es eine Grillplatte (eher ein Grillplättchen) mit einem Kochbananenpotpourie, das ich neugierig probierte, denn ich hatte gestern Abend Süsskartoffeln mit Butter und Salz und eine Eigenkomposition aus Kochbananen, Champignons, Zwiebeln, gekochtem Schinken und Sahne serviert, der ich im Vergleich einen Stern mehr als der heutigen Variante zugestand.

 Donnerstag, 27. 02.

Eine Woche mit unseren „Kindern“ - fast eine Zeitreise.

Wir haben gerade überlegt, wann wir das letzte Mal alle Vier zusammen verreist sind.

Mein Ergebnis: 1994, drei Wochen Urlaub auf Bornholm.

Eventuell noch 1995 eine Woche Mallorca. Das ist lange her.

Nun sind sie hier, eine Woche Urlaub, die wie ich finde, im Flug verging.

In der Rodney Bay lagen wir einen Tag vor Anker zum eingewöhnen, faulenzen, baden und erzählen. Es folgte ein gemütliches Segeln zur Marigot Bay. Hier lernten sie Schlauchboot fahren und natürlich wurde am Gas nicht gespart. Aber es klappte gut und ich wurde überall sicher abgeliefert (ab und zu mußte ich kreischen wenn die Bugwelle fast ins Boot lief). Am nächsten Tag segelten wir weiter zur Soufrière Bucht, in der wir direkt unter dem Petit Piton an einer Mouringboje festmachten. Als Sundowner wurde stilgerecht Piton Bier serviert, welches uns Allen sehr gut schmeckt. Am nächsten Morgen kam Fritzi endlich zum shoppen. Der Wind zeigte sich freundlich und der Rückweg war entspanntes am-Wind-segeln, wieder mit Zwischenstopp in der Marigot Bay. Jede vorbei schwimmende Schildkröte wurde begeistert begrüßt, insgesamt waren es fünf.

 

 

Zurück in der Rodney Bay Marina führte unsere Tochter ihr neu erworbenes Kleid aus. Bis sie es in Berlin tragen kann, wird es wohl noch eine Weile dauern.

Am Mittwoch sausten wir mit den öffentlichen Minibussen über die Insel. Ich bewunderte die üppige Vegetation, Fritzi amüsierte sich über die Passagiere, (von 14 schliefen 9) Norbert und Moritz beobachteten die Fahrweise des jeweiligen Drivers, die ab und zu mehr als nur sportlich war.

Am letzten Tag mieteten wir ein Auto und führen an der Westküste entlang zum Flughafen. Unser persönlicher Driver, Norbert, kutschierte uns super durch den quirligen Linksverkehr.

Ruft man in einem Minibus: „Bus stop, driver“, hält dieser an. Fritzi und ich nutzten unser neues Wissen und verschafften uns mit „Car stop, driver“ viele Fotopausen.

Ein letztes Highlight war der Botanische Garten in Soufrière, an dessen Ende der berühmte Diamond Wasserfall zu besichtigen war. Nett, aber die eindrucksvolle Vegetation des Parks toppte alles. Norbert erstand dort zwei sehr schöne Ketten, eine für seine „Lieblingstochter“= LT und eine für mich. Ich trage sie schon und sie wird mich dauerhaft an diese schöne Woche erinnern.

Durch die ausgedehnten Bananenplantagen vor Vieux Fort, vorbei an der weiten Bucht im Westen der Stadt, dann an der Ostseite der Insel wieder ein Stück nach Norden, wo die Wellen des Atlantiks auf die Küste prallen. Türkisfarbenes Wasser, weite weiße Strände, ein letztes Mal riefen wir „car stop, driver“, stiegen aus und ließen uns den Wind um die Nase wehen. Pünktlich erreichten wir den Flughafen, dann folgte der Abschied. (Buhu!)

Es war eine tolle Woche mit viel Spaß, Geblödel und vielen schönen gemeinsamen Erlebnissen. Den Beiden gefiel es gut in der Karibik, auch wenn es manchmal ziemlich warm war.

 Die Hügel von St. Lucia – ein Pflanzenparadies

Vom Norden der Insel führt eine Küstenstraße die Westküste entlang zur Südspitze, von der, südlich von Castries, der Inselhauptstadt, nur noch ein paar kleine Stichstraßen in die Seitentäler abgehen.
Das Innere der Insel ist fast unbewohnt, ein bewaldetes Hügelgebiet, in dem man noch tropische Regenwälder findet, die allerdings schwer zu erreichen sind.

Dann gibt es noch den „Highway“, eine Straße die von Castries nach Vieux Fort führt. Von Nordwesten nach Südosten quert sie die Hügel und man ahnt, welche pflanzlichen Schätze hier wachsen. Riesige Farne mit ca. zwei Meter langen Wedeln, hohe Farnbäume, die ich schon im Botanischen Garten von Teneriffa gesehen habe. Manche Pflanzen kenne ich von zu Hause. Ca. 20 dünne Stiele,mit lanzettförmige Blätter, ungefähr 25 cm hoch, diese Variante gibt es fast in jedem Blumenladen. Hier wachsen sie in dichten Stauden, mehrere Meter hoch, am Straßenrand. Bromelien, Philodendren, Bananenpflanzen, Drachenbäume, alle mit dicken grünen Blättern, dazwischen Bambus, unendlich hoch mit seinem filigranen Blattwerk. Überall riesige Palmen, meine Lieblingsbäume, deren Wedel im Sonnenlicht glänzen und die immer und überall ein Hingucker sind. Lianen, Winden und andere Schmarotzerpflanzen verweben dies manchmal zu einem undurchdringlichen Dickicht. Auch Mimosen und die zur Zeit blattlosen, mit leuchtend orangeroten Blüten bedeckten Bäume, deren Namen ich leider nicht kenne, gedeihen prächtig.

Dunkelgrün, hellgrün. graugrün, gelbgrün, alles mischt sich. Dazwischen die Strahlen der Sonne, die manches hervorheben und dafür anderes im Schatten versinken lassen. Ein ständig wechselndes Spiel, das nie langweilig wird.

Ein tropisches Paradies, das den Fotoapparat heiß laufen lässt.