2.und 3. August

Trinidad – Lima

Wenn man aus der Fremde in die Fremde fliegt ist das schon ein eigenartiges Gefühl. Unser Flug nach Panama City startete mit einer halben Stunde Verspätung. Nicht weiter schlimm, da wir die Nacht dort eh auf dem Flughafen verbringen würden. Im Flugzeug wurde es dann extrem kalt und auch auf dem Flughafen in Panama City war es nicht besser. Wir schlotterten vor uns hin, da die im Handgepäck verstauten Pullover bei weitem nicht ausreichten um die kalten Temperaturen auszugleichen. Irgendwie ging die Nacht vorbei und um 9 Uhr hob unser Flieger ab um uns nach Lima zu bringen. Unterwegs sahen wir die weißen Spitzen der Cordilleren. Lustigerweise saßen wir neben Marieluise, einer jungen Oldenburgerin, die auf dem Weg von Costa Rica nach Lima war. Eine nette Bekanntschaft, 19 Jahre jung und begierig auf die Schönheit der Welt, genau wie wir oldies.

Auf dem Flughafen holte uns Gina A. von trip.me ab und brachte uns in unser Hotel. Das erste Mal seit sieben Monaten schlafen wir heute in einem richtigen Bett.

Hungrig landeten wir gegen 18 Uhr im Café La Paz. Die peruanische Spezialität: geschmortes Rinderherz war absolut köstlich. Auch der Tropical Salat, den wir uns als Vorspeise gönnten, war einsame Klasse. Dazu gab es zur Feier unseres ersten Tags in Peru einen Wein aus der Gegend von Nasca. Unser Kellner war absolut nett und die Konversation, solo espaniol, klappte eigentlich ganz gut. Norbert steuerte die mir fehlenden Worte bei und so war es ein total netter Abend. Vom Kellner, der genau so aussah wie man sich einen typischen Peruaner vorstellt, mit zwei Küsschen verabschiedet, wanderten wir zurück zum Hotel und verkrochen uns in unser 2 m breites Bett mir der ungeteilten Decke über einem Laken.

Nachtrag: Natürlich zogen wir nachts daran wie zwei Hunde an einem Knochen und brachten das ganze Arrangement durcheinander.

 

 

4. und 5. Agosto

 

 

Prima Klima in Lima?

 

 

Nicht unbedingt wenn man ein Jahr Sommer hinter sich hat. Hier ist gerade tiefster Winter. Der Pazifik versteckt sich unter einer Nebelschicht, denn der kalte Humboldtstrom, der die Küste entlang nach Norden geht, hat eine Wassertemperatur von 14°C.

Morgens ist es richtig kalt in der Stadt. Mittags kann man die Jacke ausziehen, abends ist es in dieser dann wieder ganz angenehm.

Miraflores

Auch wir wohnen in diesem touristischen Stadtteil von Lima. Ans Meer grenzend, voller Geschäfte, Cafés und Restaurants, morgens ausgestorben aber ab Mittag quirlig und geschäftig bis in die Nacht hinein, bietet Miraflores uns Touristen viel zum Schauen, Probieren und Genießen.

Im Kennedy Park, einem winzigen Stück Grün, tummeln sich neben vielen Kindern fast genauso viele Katzen. Gestern Mittag kam die Sonne durch und Alle genossen die Wärme. Die Katzen räkelten sich auf den Wiesen und Wegen, die Leute auf den Bänken. Viele, auch Männer, streicheln und kraulen die Parktiger, fast so als würde das Glück bringen. Ich reihte mich ein, Glück kann man immer brauchen.

Ein Stück hinter dem Park erstreckt sich ein Viertel, in dem sich ein Kunstmarkt an den Nächsten reiht. Peruanisches Kunsthandwerk soweit die Füße tragen und die Augen noch folgen können. Es erschlägt einen regelrecht.

Hübsch sind die kleinen alten Häuser, die man zwischen den Hochhäusern, Hotels und Einkaufszentren findet. Auch einen Metro-Supermarkt gibt es, der im Vergleich mit guten Supermärkten in Deutschland hervorragend abschneidet.

Auf dem Mittelstreifen der Avenida de Larco pflanzen sie gerade Geranien. Die gleiche Sorte, die auch in Berlin auf vielen Balkonen vertreten ist.

Und nun noch mein „Spanisch des Tages“: „Tiene (haben Sie) einen Korkenzieher?“

Er hatte … und er hat ihn uns verkauft.

Hay Problemas? No, nada!

6. Agosto

Lima

Von Miraflores durch die riesige Stadt Lima zum Zentrum zu fahren ist schon ein Erlebnis an sich. Staus und lange Autoschlangen wohin man blickt und trotzdem geht es vorwärts. Ärmere Stadtteile, ein chinesisches „Viertel“, kleine ruhige Alleen mit schönen alten Villen, ein großer, als Olivenhain gestalteter Park, Hochhäuser, riesige Plätze, es war schon sehr beeindruckend.

Die Altstadt von Lima ist das koloniale Herz der Stadt. Die alte Siedlung wurde von Francisco Pizarro im 16. Jahrhundert gegründet. Dieser, bzw. das was noch von ihm übrig ist, liegt in einer Bleikiste in der Kathedrale von Lima am Plaza de Armas begraben. Um diesen Platz gruppieren sich ebenfalls der alte Erzbischhöfliche Palast, die historische Residenz des Präsidenten und mehrere schöne alte, knallgelbe Verwaltungsgebäude. Viele Leute treffen sich hier, fotografieren sich vor dem großen Bronzebrunnen im Zentrum des Platzes oder den beeindruckenden Gebäuden. Über dem Platz kreisen die Geier, die sich gern und dekorativ auf den Vorsprüngen und Verzierungen der Kathedrale niederlassen, um dann im Gleitflug herab zu stürzen und sich mit wenigen Flügelschlägen wieder hinauf schwingen.

Im Untergeschoß einer Bank besichtigten wir alte Keramiken in wunderlichen und wunderschönen Formen und in der Schatzkammer die goldenen Schätze vergangener Kulturen.

Im Monasterio de San Francisco ging es hinunter in die Katakomben. An ca. 70.000 Überresten, überwiegend Oberschenkelknochen und ein paar Schädeln, gestapelt in kleinen Kammern welche angeblich mehrere Meter tief sind, kann man vorbei laufen. Längst verstorbenen Padres des Klosters, deren Gebeine, stark verstaubt, hier aufbewahrt werden. Fotografieren ist streng verboten. Wer die alten Knochen anschauen will muß Eintritt bezahlen.

Viel Polizeipräsens und jede Menge Security's sieht man überall in der Stadt. In Peru gibt es Reichtum aber auch viel Armut. Im Schmelztiegel Lima wohl ein explosives Gemisch.

7. Agosto

Paracas Nationalpark

Die Panamericana Sur folgt der Wüste, die südlich von Lima an der Küste des Pazifischen Ozeans verläuft. Beigebraun, am Anfang öde und vermüllt, ist sie nicht besonders attraktiv, aber das ändert sich. Die Halbinsel des Paracas Nationalparks zeigt die Schönheit dieser völlig vegetationslosen Landschaft. In der Sonne, die langsam die Hochnebel auflöst, kommen die unterschiedlichen Farben zum Vorschein, zwischen creme und rotbraun ist alles vertreten. Die Schatten der Sanddünen geben dem Ganzen Konturen. Salz, Fossilien, Sand, Millionen Jahre alter versteinerter Schlamm, harte und weiche Schichten liegen unter unseren Füßen. Am Meer treffen Wind und Wellen auf Steilküsten oder lange Strände. Vögel schweben im Aufwind, sogar ein Fuchs (ziemlich groß!) trottete durch den Sand. In dieser Weite verliert sich der Blick um dann an den Hügeln oder an einer der besonders schönen Küstenformationen hängen zu bleiben. Blau schimmert das Meer in den Buchten, umrahmt von der gelben Szenerie. Durch die Sonne heizt sich der Boden auf. Unser Guide verordnete uns fünf Minuten Mittagsschlaf. Auf dem Rücken liegend, umgeben von etlichen irritiert guckenden Touristen fühlten wir die Wärme, machten die Augen zu und hörten dem Pfeifen des heftigen Winds zu.

Am Ende der Tour wurden wir an dem kleinen Fischerhafen ausgesetzt. Hier bieten mehrere Restaurants Seafood an, teuer und nicht wirklich gut.

Am Kai versammeln sich die Pelikane. Sie sind gar nicht scheu und so schlichen wir uns langsam in ihre Mitte, saßen windgeschützt an einer warmen Wand in der Sonne und schauten ihnen zu. Sie sind riesig! Mit hochgerecktem Kopf reichen sie mir bis zu Schulter.

Absolut traumhaft Momente, die man nicht mehr vergisst.

8. Agotsto

Islas de Balestos

Ungefähr 20 km vor der Küste von Paracas liegt diese Inselgruppe im Meer. Wild zerklüftete Felsen, durchbrochen von Höhlen und Tunneln, umgeben von endlos vielen bizarren Steinhaufen in absolut perfekter Anordnung. Überall sitzen Vögel. In dichten Schwärmen fliegen sie über die Boote, die jeden Morgen zahlreiche Touristen zu diesen Naturhighlights bringen. Alles ist weiß, voller Guano (das ist die elegante Art der Beschreibung!) In ein paar Metern Höhe liegen Seelöwen auf Felsvorsprüngen und wärmen ihr Fell in der Sonne. Hier schossen mir ein paar Tränen in die Augen, so schön war es. Auch Pinguine haben wir gesehen. Der kalte, fischreiche Humboldtstrom bietet Pinguinwellnessbedingungen. Wahrscheinlich sind es die Flüchter vor Eis und Schnee, die ihre Füße lieber behaglich in der Sonne wärmen anstatt in der Antarktis vor sich hin zu frieren.

Es war eine unglaubliche Fahrt. Die Boote fuhren ganz dicht an die Felsen und wiegten sich in den sich dort brechenden Wellen. Die Farbe des Wassers war gletschergrün, eine perfekte Kulisse für die Inseln, die spitzen Felsen und ihre gefiederten und pelzigen Bewohner.

Alle Leute an Bord waren aufgeregt, fasziniert und begeistert.

In einem Höllentempo sausten wir, leider viel zu früh, zurück zur Küste.

Jetzt sitzen wir im Bus nach Nazca, auf dem Weg zu neuen „Wundern“, den mythenumwobenen Nazcalinien, die sich auf 500 qkm Fläche verteilen.

Die Nazcalinien

Zwischen dem 9. Jahrhundert vor und dem 6. nach Christus entstanden auf 500 qkm ein Netz von geometrischen Linien und Formen sowie viele Tierfiguren durch die damals hier lebenden Siedler. Bis heute ist nicht bekannt, welchem Zweck sie dienten. Theorien gibt es viele aber nichts ist bewiesen.

In der riesigen Wüste rund um Nazca -und ich meine riesig, wir fahren heute den dritten Tag durch diese eindrucksvolle Landschaft- entstanden 800 gerade Linien, 300 geometrische Figuren und etwa 70 spektakuläre Tier- und Pflanzenzeichnungen von 30 bis 300 m Größe.

Kondor, Affe, Eule, Baum, Kolibri, Hände und vieles mehr kann man sehen, wenn man mit einem Kleinflugzeug in 100 bis 300 m Höhe darüber hinweg fliegt. 30 Minuten kreisten wir über den einzelnen Figuren, einmal rechts herum, dann links, damit in der dadurch entstehenden Schräglage jeder einen guten Blick auf die Figuren hat. Wir waren vier Passagiere und zwei Piloten. Der Copilot half beim Suchen, aber es war schwierig die Figuren zu lokalisieren. Wenn man sie dann gefunden hatte war es fantastisch. Das Fotografieren ist nicht so einfach, den Kopf des Kondors haben wir gut erwischt. Der Vogel hat eine Flügelspannweite von 130 m. Bei den Fotos haben wir den Kontrast nachträglich verstärkt, damit man alles gut erkennen kann.

Auch der Blick auf die Wüste und die Berge war wunderschön.

Wer mehr über die Linien und die Mythen, die sich um sie ranken, wissen möchte findet bestimmt jede Menge Informationen im Internet.

9. Agosto

Hotel Majoro

Eine südamerikanische Filmkulisse, gebaut wie man sich eine Hacienda vorstellt. Schöne alte Bäume und mächtige Bougainvilleen überschatten und ranken sich über die niedrigen Dächer. Stille Innenhöfe laden auf bequemen Sesseln zum Ausruhen ein. Auf den weiten Wiesen hinter dem Haus grast ein Alpaca, im gepflasterten Innenhof stromert ein Vinkuna herum. Ein Pfau sitzt vor uns auf der Bartheke (die danach eine gründliche Reinigung nötig hatte). Vögel fliegen hin und her oder wandern und hüpfen auf der Wiese herum. Zwei Tauben schmusen ungehemmt auf den Lehnen der Stühle am Swimmingpool. In einem Teich wartet eine winzige Insel mit zwei Liegestühlen auf Besucher. Und Alles ist leer!

Die Reisegruppen, die abends hier her gebracht werden fahren morgens weiter. Wir hatten Glück und haben das ganze schöne Gelände für uns allein. In der Stille, die nur von Vogelgezwitscher und ab und zu von den wieder kreisenden Kleinflugzeugen unterbrochen wird, sitzen wir in den warmen Strahlen der Sonne und tun nichts. Eine Atempause zwischen den Sehenswürdigkeiten Perus.

Um ein Uhr werden dann auch wir abgeholt und zum Busterminal gebracht. Weiter geht’s.

Cruz del Sur – Busreisen durch Peru

Unsere erste Fahrt mir einem dieser bequemen Busse, die den Touristenstrecken folgen, begann in Lima. Das Terminal ähnelt eher einem Flughafen als einem Busbahnhof. Bis wir richtig saßen mussten wir dreimal die Plätze wechseln. Hier bucht man nämlich Platzkarten, das war uns entgangen. In Paracas endete die Fahrt in einer Sandgrube, der Unterschied zu Lima verschlug einem irgendwie den Atem. Aber an jeder Haltestelle gibt es einen Infopunkt. Hier kann man sich informieren und manchmal Ausflüge und Hotelzimmer buchen. Auf der ersten Fahrt bekamen wir ein Sandwich, leicht zu verputzen. Heute servierten sie uns einen Lunch, der schon viel schwieriger zu handhaben war. Der Busfahrer fuhr mit Elan und ich musste in den reichlich vorhandenen Kurven die vielen Fluchtversuche meines Menüs vereiteln. Kein Vergleich zu einem Flugzeug, dort isst man locker und entspannt.

Das Gepäck wird vor der Fahrt eingecheckt und am Ziel nur gegen den Beleg herausgegeben, eine sichere Sache.

Für uns wurden von Trip.me Sitze in der ersten Klasse reserviert. Erst fanden wir diesen Zwangsluxus überflüssig, aber seit heute, auf der Fahrt nach Arequipa = 9 ½ Stunden, wissen wir den Luxus der riesigen Sitze, die man weit herunter klappen kann und die weichen Beinstützen zu schätzen.

Schaut man sich vor Abfahrt in der „Wartehalle“ um, kommt man sich zwischen all dem Jungvolk vor wie Methusalix oder wenigstens wie Gutemine. Das Durchschnittsalter liegt bei 20 bis 30 Jahren, unsere Anwesenheit schon mitgerechnet.

Sonntag, 9. Agosto

Arequipa – die weiße Stadt

Heute gab es die erste kleine Panne im Veranstaltungsprogramm. Der Fahrer, der uns nachts am Busbahnhof abholen sollte, war beim Warten auf unseren Bus eingeschlafen. Kein Wunder, wir hatten eine Stunde Verspätung und als wir ankamen war es schon nach Mitternacht. Aber alles kein Problem. Jede Menge hilfsbereiter Guides stöberten ihn auf und so erreichten wir eine halbe Stunde später unser Hotel.

Von dort starteten wir nach einem ruhigen Vormittag unsere Besichtigungstour durch die Stadt.

Auf dem großen, eindrucksvollen Platz vor der Kathedrale drängelte sich eine bunte Menschenmenge. Es fand eine Art Folkloretanzwettbewerb statt. Wir wanderten herum, saßen vor und in der Kathedrale und hörten dort einige Zeit der wirklich schönen Kirchenmusik zu. Wieder draußen beobachteten wir die Ströme der Einheimischen und Touristen, die an uns vorbei zogen und ließen uns die Sonne auf den Pelz brennen. Heute in kurzen Ärmeln. Besonders gut haben mir die Eisverkäufer gefallen, die kleidungsmäßig im Partnerlook mit ihrem Eis herum laufen.

Später wanderten wir durch die kleinen Straßen der Altstadt und landeten zum Schluß in dem Monasterio de Santa Catalina, welches man unbedingt besichtigen soll. Leider (meine Meinung) war es schon zu spät für eine Besichtigung. Arequipa hat eine wirklich schöne Innenstadt. Die Bezeichnung „weiße Stadt“ kommt von dem Baumaterial, den weißen Sillar-Steinen der Region, mit denen die Stadt größtenteils gebaut wurde.

Zurück im Hotel gab es ein Feierabendbier, alte Gewohnheiten legt man nicht so schnell ab.

Zwei nette Restaurants haben wir gefunden. Dort gibt es Peruanisches und Spezialitäten aus der Region, z. B. Alpacasteaks. Gemein, ich weiß! Sie sind wirklich süß, aber im Gegensatz zu unseren Rindern und Schweinen leben sie bis zu ihrem Ende auf den Hochweiden der Berge.

11. Agosto

Arequipa – Chivay - Canyonland

Es ist eine nette Reisegruppe mit der wir bis morgen Abend unterwegs sind. Vier junge Pärchen, Belgier, viele Holländer und ein Italiener. Dann ist da noch ein allein reisender Spanier, ungefähr in unserem Alter und natürlich wir. Unser Guide heißt Saul, unser Fahrer … ! Es ist lustig, informativ und ausgesprochen unterhaltsam.

Das Panorama des heutigen Tages: GRANDIOS! Ein rauchender Vulkan, ein schneebedeckter Sechstausender. Die Hochebene auf 4000 m ist Vinkunaland. Diese wild lebenden kleinen Verwandten des Kamels haben hier ein wunderschönes Zuhause. Straßenschilder mit Bildern von ihnen warnen vor querenden Tieren. Vinkunas sind bis zu 45 km/h schnell und tatsächlich, 50 m vor unserem Bus schossen drei Tiere über die Straße und droschen wie die Irren über das Gelände. Speedy Gonzales ist nichts dagegen.

Lama- und Alpacaherden weiden hier ebenfalls. Es war aufregend so dicht an ihnen vorbei zu fahren. Gelbes hartes Gras bedeckt die Hügel und Ebenen. Dahinter stehen die hohen Berge. Ab und zu fahren wir an Sümpfen vorbei, in denen Pfützen und Wasserlöcher schimmern. Große schwarz-weiße Vögel hocken an den Wasserlöchern und teilen diese mit den Herdentieren.

Die Szenerie wurde immer beeindruckender, die Berge höher, der Himmel blauer. Auf 4900 müM stoppten wir. In so einer Höhe war ich noch nie. (Der Mont Blanc ist nur 4800 m hoch, (grins))

Bergab, auf 3600 m Höhe liegt Chivay. Hier hatten wir Zeit über den Markt zu schlendern, die schönen Trachten der einheimischen Frauen zu bewundern (sie tragen sie immer, nicht nur für die Touristen) und ein paar der über 2000 Kartoffelsorten zu sehen, die in Peru angebaut werden. Bunt und lebendig ist dieser Markt und die davor wartenden Taxis ein echter Hingucker.

Im Hotel bekamen wir einen köstliche Lunch, ich habe viel zu viel gegessen. Danach brachen wir zu einer kleinen Wanderung zu den Aquas caliente auf, heißen Quellen in denen man super entspannen kann.

Noch etwas Touristisches

Mittwoch, 12. Agosto

El Condor pasa

Heute früh hatten wir eine wichtige Verabredung. Um ja nicht zu spät zu kommen startete unser Bus schon um 6 Uhr. Zwischen 8 und 10 Uhr kann man, wenn man Glück hat, am Cruz del Condor Kondore beobachten, die größten Raubvögel der Welt, die mit Hilfe der in den Canyons erzeugten thermischen Luftströmungen majestätisch dahin gleiten, oft ganz dicht über die Köpfe der zahlreichen hier wartenden Leute.

Die Szenerie ist großartig. Im frühen Licht des Tages liegt der Grund des hier schmalen Canyons noch in einem bläulich-grauen Dunst. Die Steilwände liegen teilweise im Schatten, aber die Sonne wärmt glücklicherweise schon mächtig.

Gleich als wir ankamen sahen wir vier Kondore, leider weit weg. Nur Einer schwebte ein Stück auf uns zu, dann waren sie verschwunden. 30 Minuten vergingen, kein Kondor! Ein extrem großer Kolibri saugte Nektar aus einer Kaktusblüte. Schön, aber nicht wirklich ein Ersatz. Doch dann tauchten sie wieder auf, kamen näher, kreisten und endlich waren sie über uns, manchmal in 10-15 m Entfernung. Ein Gänsehauterlebnis. Immer wieder drehten sie ab um kurz darauf zurück zu kommen. Nach 15 Minuten verschwanden sie dann endgültig. Alles strahlte, was für eine Show. Leider spielt mein Fotoapparat bei Vogelflugevents nicht gut mit, aber Walter, der mit seiner Spiegelreflex Sensationsfotos geschossen hat, versprach, mir ein paar per Mail zu schicken. (Nachtrag: Hat er nicht getan!)

Vorab also meine selbstgemachten, eigentlich sind sie auch sehr schön.

Colca Canyon

Er ist der zweittiefste Canyon der Welt. Bis zu 3400 m tief zieht er sich über 100 km durch das Land, bis hinunter in das Amazonasbecken. Landschaftlich ist er unendlich vielseitig. Wild zerklüftet umgibt ihn ein Touch von Freiheit und Abenteuer.

Die Ruinen alter Kulturen bewahrt er und viele Tiere leben in seinen Tiefen und an seinen Hängen.

Vom Straßenrand hatten wir großartige Ein- und Überblicke. Viele Terrassenfelder findet man hier in der Nähe der Dörfer, im Farmland von Chivay. Unser Bus brachte uns zurück in diese nette Stadt. Hier gab es einen leckeren Lunch um uns bis Puno am Leben zu erhalten. Auf der Fahrt dorthin sahen wir viele Lama- und Alpacaherden, auch ein paar Vinkunas aber auch immer wieder einen Kondor, hoch am Himmel, weit weit weg.

In einer Stunde sind wir da. Der Himmel ist bedeckt und immer wieder sieht man Blitze. Heute ist das egal, aber morgen brauchen wir Sonne.

Mittwoch, 13. Agosto

Titikakasee – das tiefblaue Meer der Anden

71 km breit, 185 km lang, der höchstgelegene schiffbare See der Welt. 3800 müM, ungefähr 15 x so groß wie der Bodensee. 1/3 des Sees gehört zu Bolivien, der Rest zu Peru.

Temperaturen im August: tagsüber ca. 15°C, nachts -2/-3 (MINUS!!!), Wassertemperatur 9°C.

Titi bedeutet Puma, Kaka → Felsen, also Pumafelsen. Es gibt hier in der Gegend wohl immer noch viele Pumas.

Von Puno starten jeden Morgen um 7 Uhr viele Barkassen zu den schwimmenden Inseln der Uros. Manche fahren noch weiter nach Taquile. Wir haben den ganzen Tag Zeit und machen Beides. Unser Führer hieß Miguel. Locker und leicht brachte er in Englisch und Spanisch jede Menge Informationen an seine Senores Passagueros, hier auch von den Guides oft Kids genannt.

Auf dem Titikakasee leben die Uros, ein Volk, das seit der Inkazeit auf schwimmenden Inseln lebt, die sie auch noch selbst herstellen.

Theoretisch kann ich das jetzt auch.

Vor Puno gibt es ein riesiges Schilf-/Reetfeld. Von der Wurzelschicht, die dick und dicht verwoben ist, werden große Stücke abgesägt und miteinander vertäut. Das ist der Schwimmkörper. Nun werden etliche Schichten trockenen Reets immer kreuzweise darauf verteilt. Darüber streut man großzügig grob gehäckseltes Reet. Das ergibt ein dickes federndes Plateau, auf dem nun kleine Einraumhäuser, natürlich ebenfalls aus Schilf, verankert werden.

Die Insel, die wir besucht haben, hatte ca. 100 qm. Vier Familien leben hier. Jedes Haus hat ca. 15-16 qm. Den meisten Platz beansprucht das Bett, aus Schilf, was sonst. (ziemlich hart) Die Kleider hängen an der Wand, gekocht wird vor dem Haus.

Viele Uros wohnen weit draußen auf dem See, noch nach alter Sitte und abseits des Tourismus. Andere leben davon, bieten Unterkünfte und Verpflegung an, zeigen und erklären ihre Inseln, natürlich gegen Gebühr. Inzwischen gibt es fast überall Solarpaneele und Fernsehgeräte. Die Kinder gehen zur Schule, später zur Hochschule und fast alle ziehen dann fort in die Städte. Die Generation Uros, die wir gesehen haben, ist laut Miguel die Letzte, die an diesem traditionellen Leben festhält.

Nach dem Unterricht → Inselbau, Jagd  und Eiersammeln, Fischen, dies wird von den Männern betrieben, wurden wir in mehrere Gruppen aufgeteilt und den Mamis der Familien übergeben. Wir landeten bei Marie. Im Haus kleidete sie uns uromäßig ein. Wehren war zwecklos. Nachdem ich das erkannt hatte war es dann auch lustig.

So hätte ich also ausgesehen, wenn ich eine Uro geworden wäre. Denkt man jetzt noch an die Temperaturen und daran, daß die Häuser keine Türen haben, bin ich doch sehr froh, in good old Germany geboren zu sein.

Nachdem wir unsere farbenfrohen und warmen Kleider wieder abgelegt hatten, versuchte Marie noch ihre Handarbeiten an die Frau zu bringen, mit wenig Erfolg. Auf einem traditionellen Boot, natürlich aus Schilf, paddelten sie uns dann zur Nachbarinsel, wo unsere Barkasse auf uns wartete. Motorisiert ging es nun weiter hinaus auf den Titikakasee.

Titikakasee - Taquile

2 ½ Stunden dauert die Fahrt von Puno nach Taquile, einer Insel, auf der 2200 Menschen leben. Sie sprechen Quetschuan, die alte Inkasprache, manche allerdings auch etwas Spanisch. Hier stricken die Männer nach alter Tradition Mützen und andere Strickwaren in den kompliziertesten Mustern. Die Frauen weben, unter Anderem für ihre Männer eine Art Schärpe, die um den Bauch getragen wird.. Auf ihr sind die wichtigsten Ereignisse im Leben des Mannes in Form von Bildern festgehalten.

Die Insel selbst ist wunderschön. Noch von den Inkas gebaute Terrassen, Ruinen aus alter Zeit, das zentral gelegene Dorf, die fast mediterrane Vegetation auf der rotbraunen Erde, alles leuchtet in dem harten strahlenden Sonnenlicht. Dazwischen sieht man überall die bunten Trachten der Leute. Im Dorf gibt es eine von der Unesco geförderte Fabrik, in denen Strickwaren mit den traditionellen Mustern hergestellt werden. Mützen, Hüte, Handschuhe, Schals, Stirnbänder in bunten Farben von feinster Qualität zu überaus günstigen Preisen. Mein Herz blutete, aber was mache ich in der Südsee mit warmen Wollsachen?

Bei einer Familie auf der Terrasse gab es ein Mittagessen. Quinoasuppe, danach frisch gefangene Forellen. Gebraten, auf dem Punkt, ein Hochgenuß. Dort habe ich auch meine erste (und letzte) Inka-Cola getrunken. Nicht wirklich schlecht, aber viel zu süß.

Sophie und Walter hatten zwei weitere Belgier getroffen, Rosette und Roger. Mit ihnen verbrachten wir diesen erlebnisreichen und interessanten Tag. Supernette Leute mit denen wir gut reden und viel lachen konnten.

Den Rückweg nach Puna verbrachten wir auf dem Dach des Bootes in der hellen, noch warmen Sonne. Die schneebedeckten Berge Boliviens winkten herüber. Weiße Wolken hinter und und schwarze vor uns, eine wilde Szenerie über dem blauen Wasser.

Im gelben Licht der untergehenden Sonne leuchtete das Schilf, zwischen dem sich die kleinen blauen Flächen des Wassers spiegelten.

Im Dunkeln erreichten wir unser Hotel. Verfroren, halb verhungert aber voller Bilder und angefüllt mit vielen Eindrücken.

Freitag, 15. 08.

Cuzco - Maria Himmelfahrt auf peruanisch

Letztes Jahr haben wir dieses Fest in der Ria de Cedera erlebt. Maria machte dort auf einem Schiff einen Ausflug zum Meer. Auch hier, in Cuzco, durfte sie an die frische Luft. Auf einer Sänfte stand sie vor der Kathedrale, umringt von Einheimischen und Touristen, die sich dieses Spektakel nicht entgehen ließen. Zwei Blasorchester wechselten sich ab und spielten wirbelnde fremde Melodien. Folkloregruppen in bunten Trachten tanzten in fröhlichen Schritten, indianisch gewandete Männer übten sich in Regentänzen. Weitere exotische Kostüme, eindeutig indianischen Ursprungs, warteten auf ihren Einsatz. Dazwischen ein blaues „Funkenmariechen“ das ehe zu unserem Fasching am Rhein gepasst hätte. Es war eine wilde Mischung aus Kirchenfest, Trachtenaufzug und Karneval.

Alte Damen verteilten blau-lila Konfetti auf den Köpfen der Gläubigen. Dicke Kerzen wurden verkauft zu unglaublich günstigen Preisen. In Berlin hätte ich mir einen Vorrat zugelegt! Eine sombrero-behütetete Musikgruppe mit vier Guitarren, einer Trompete und einer Trommel stellte sich vor Maria auf und brachte ihr ein Ständchen. Wunderbare südamerikanische Lieder, ich hätte ihnen stundenlang zuhören können.
Um 12 Uhr begann die Prozession. Leider mußten wir zum Hotel zurück, denn wir wurden zu unserer Stadtführung abgeholt.

Freitag, 16. 08.

Heiliges Tal der Inkas - Ein Tag voller „Inkaruinen“.

Durch das Heilige Tal fließt der Urubamba, der diesem das notwendige Wasser für den hier stark präsenten Ackerbau liefert. Die Ruinen alter Inkadörfer zu sehen, sowie in Ollantaytambo die alte Inkafestung zu besichtigen, an der sich seinerzeit die Spanier die Zähne ausgebissen haben, war schon beeindruckend. Sie weist, wie auch viele alte Bauten in Cuzco, die perfektesten Mauern auf die man sich vorstellen kann. Die Steine hier bestehen aus Granit. Kein Stein – und ich rede von Steinen im Meterformat – gleicht dem Anderen. Alle sind perfekt behauen und poliert. Es passt kein Stück Papier in die Ritzen.

Unendlich viele Reisegruppen schleppen sich den Berg hoch, eine nicht endende Karawane. Alles japst und schnappt nach Luft, denn die Höhe macht einem beim Aufstieg schon zu schaffen. Wir sind inzwischen gut angepasst und können zügig längere Aufstiege bewältigen. Das Japsen hält sich in Grenzen.

Der Blick über das herrliche Panorama der Berge, die im warmen Licht der Nachmittagssonne lagen und hinab ins Tal verhieß Arbeit für meinen Fotoapparat. Eine zauberhafte Atmosphäre.

Stilecht übernachteten wir in einem zu einem Hotel umgebauten ehemaligen Kloster. Sogar eine eigene Kirche gibt es hier. Kurz vor Sonnenuntergang wanderten wir in das Dorf, kauften zwei „kalte“ Biere (in einem Eimer Wasser gekühlt) und setzten uns damit auf die Tribüne des einheimischen Fußballclubs. Die Leute schauten neugierig, waren aber sehr freundlich. Wir hatten nicht das Gefühl nicht willkommen zu sein.

Samstag, 17. 08. 2014

 

Machu Picchu, die alte Inkastadt

 

Ollantaytambo->Machu Picchu, eine traumschöne Eisenbahnfahrt.

 

Gemächlich rattert der Zug durch das Heilige Tal. Die Waggons der blauen Züge von Perurail sind zusätzlich zu den Seitenfenstern mit Oberlichtern ausgestattet. Auf der linken Seite der Schienen fließt der Urubamba, der Quellfluß des Amazonas. Manchmal gemächlich, meist jedoch weiß schäumend umspült er die zahlreichen Felsen in seinem Flussbett. Wasserkaskaden ergießen sich durch die Engpässe zwischen den Steinen, eine wilde Strecke auf seinem Weg zum Atlantik. Die Oberlichter des Zugs ermöglichen die gleichzeitige Sicht auf die Berge, die hier oft grün, manchmal auch schneebedeckt seinen Weg begleiten. Hoch ragen sie beidseitig auf, alle weißen Gipfel sind höher als 5000 m, während das Urubamba-Tal „nur“ in ca. 2800 m Höhe liegt.

Das Tal ist eng, es wird immer grüner, denn in Machu Picchu beginnt schon der Dschungel.

Mit dem Bus geht es über viele Serpentinen hinauf, dann ist das Ziel erreicht.

Hundertmal gesehen, auf Karten, in Dokumentarsendungen, im GEO oder anderen Reisemagazinen. Nichts kann vermitteln, was man beim ersten Blick auf diesen geheimnisvollen, fast magischen Ort empfindet.

Die Anlage diente vermutlich unter Anderem als Winterpalast des Inka und seiner Familie. Es gab immer nur einen Inka, den König, der diesen Titel trug. Im Lauf der Zeit hat es sich durchgesetzt, daß sein ganzes Volk Inkas genannt wird, ebenso wie die vielen Bauwerke, die noch existieren als Inkastadt, -festung oder -dorf bezeichnet werden.

Die Spanier waren nie hier, die Existenz dieses Ortes wurde vor ihnen geheim gehalten. So blieb die Anlage, die als unvollendet gilt, von der Zerstörung verschont. Viele andere Orte, die wir bisher gesehen haben, wurden bei der Suche nach Gold und Silber oder einfach nur aus Spaß zerstört. Die Steine wurden abtransportiert und zum Bau der unzähligen Kirchen verwendet. Bis ins frühe 20. Jahrhundert war die heute bekannteste archäologische Stätte Südamerikas vergessen und vom Dschungel überwuchert. Erst 1911 „fand“ der Historiker Hiram Bingham diesen Ort. Bei den Einheimischen war er bekannt. Etliche Leute wohnten hier, aber es wurde, wie schon zu Zeiten der spanischen Eroberung, nicht darüber geredet.

Heute gab es die erste richtige Panne. Am Bahnhof in Machu Picchu stand niemand, der uns abholte. Wir schauten und fragten, aber keiner wollte uns. Allerdings telefonierte eine junge Frau mit unserer Reiseleitung in Cuzco und bald hatten wir dann einen Ansprechpartner. Es kostete uns eine Stunde, dies wurde jedoch ausgeglichen, denn wir bekamen eine fast private Führung. Zusammen mit Ali aus London, einem freundlichen, quirligen Energiebündel, folgten wir Romollo, unserem Guide, der uns viel über die alte Stadt erzählte.

2 ½ Stunden dauerte die Führung, bei der alle vier nebenher auch viel Spaß hatten.

 

Erst gegen 23 Uhr waren wir zurück im Hotel. Damit endet unser Tour: " die Höhepunkte Südperus", eine perfekt organisierte, wunderbare Reise.

Freitag, 22. 08.

Ein Rückblick

Unsere vorgebuchte Reise ist vorbei. 2 Tage Lima, dann 13 Tage in denen wir durch Peru fuhren und all die wunderbaren Orte besucht haben, von denen ich euch berichtet habe.

Die Organisation war fantastisch! Wir haben erwartet die Adressen der Hotels, Tickets für Ausflüge und Busfahrscheine zu erhalten und alles Übrige wie Transfers etc. selbst organisieren zu müssen. Geboten wurde uns jedoch ein Rundumsorglos-Paket, denn wir mussten keinen Schritt allein tun, wurden überall abgeholt und zur nächsten Station gebracht. Im Preis enthalten waren neben Übernachtungen in wirklich schönen Hotels alle Eintrittskarten, Fahrtkosten, Gebühren für die Nationalparks, etliche Ausflüge und Bootsfahrten.

Ich bin, außer seinerseits in Ägypten, noch nie so komfortabel gereist. Es war eine nette Mischung aus zu zweit zu sein und ab und zu mit einer Gruppe zusammen zu fahren.

Absolut empfehlenswert.

Seit vier Tagen wohnen wir in Cuzco in der Pension Alemana, einem freundlichen Hostal in San Blas, dem Künstlerort von Cuzco und erholen uns. Gleich am ersten Tag habe ich mir ein Buch geschnappt und den ganzen Tag gelesen. Im Garten, inmitten herrlicher Blumen, wenn die Sonne schien oder im Zimmer. Hier allerdings im Bett, denn Cuzco liegt 3400 m hoch und es ist deshalb, wie es eine Amerikanerin gestern richtig ausdrückte „fucking cold!“

Norbert hat seinen Geburtstag im Bett verbracht. Er hatte sich ein leichtes Fieber eingefangen, ist aber alles wieder gut. Ich habe Schnupfen, den ersten seit 1 ½ Jahren.

 

Morgen um 6:30 Uhr ist Abfahrt. Wir unternehmen einen Trip in das Biosphärenreservat am Manu-Nationalpark. Fünf Tage Dschungel mit Abend-, Tag-, Morgen- und Nachtwanderungen, Flußfahrten, schlafen auf der Tapirplattform unter Moskitonetzen oder in einer Dschungellodge.

Umgeben von Schlangen, Fröschen und Vögeln, Auge in Auge mit Jaguaren, Aras, Tapiren, Kaimanen, Riesenottern und Mücken. Letztere kann ich entbehren, aber alles Andere will ich sehen. Fünf Tage ohne Strom, ohne elektrisches Licht und ohne Handyempfang. Die armen jungen Leute!

23. 08. - Samstag – 1. Tag

Manu Nationalpark / Biosphärenreservat – der artenreichste Dschungel der Welt,

„nicht weit“ von Cuzco

Um 5:30 Uhr klingelte unser Telefon und riß uns aus dem Schlaf. „Ihr Auto ist da!“ ??

Wie, wir hatten gestern noch einmal nachgefragt, 6:30 Uhr ist richtig oder? War es wohl doch nicht. Zehn Minuten später saßen wir im Bus. Unsere Gruppe besteht aus fünf Leuten: Corinna und Markus aus Bayern hatten wir schon beim "Briefing" getroffen, unser fünftes Mitglied ist Jennifer aus Philadelphia. Jorge, unser Koch und Carlos unser Guide vervollständigten die Gruppe. Unser Leben lag in Americos Händen (unser Fahrer). Um es vorweg zu nehmen, er ging sorgsam damit um.

Auf dem Weg in die Tiefebene des Amazonasbeckens besichtigten wir einen „Prä-Inka-Friedhof“. Kleine runde Türmchen mit Spitzdach beherbergten seinerzeit die Mumien einflussreicher und wichtiger Leute. Auf diesem Hügel erbaut, in Sichtweise eines schneebedeckten 5000ers, einem heiligen Berg, standen ca. ein Dutzend dieser ausgefallenen Bauten. Die einfachen Leute wurden in größeren Gemeinschaftsgräbern bestattet.

Die inzwischen unbefestigte Piste wand sich in vielen Kurven von 4600 m auf 500 m hinab, immer an den Berghängen entlang. Neben der Piste lauerte der Abgrund. Mittagessen gab es an der Straße. Bunte Tischdecken lagen auf dem Campingtisch, das Essen war absolut köstlich.

Unsere Begleitmannschaft hatte unterwegs jede Menge Spaß. Sie gackerten oft wie die Hühner (oder wie unsere Doko-Gruppe nach der zweiten Flasche Sekt). Es war richtig ansteckend. Sieht irgendjemand ein Tier oder einen Vogel wird sofort angehalten. Alles strömt hinaus und schaut durch sein Fernglas oder durch das Teleskop unseres Guides. Wir sahen die verschiedensten Vögel, auch den Nationalvogel Perus, den roten Felsenhahn. Ihm konnten wir sogar beim Balzen zusehen.

Kapuzineräffchen und eine weitere Affenart turnten über unseren Köpfen.

Schön war auch der Wolkenwald. Grün, üppig und dicht ist die Vegetation.

Jetzt sitze ich unter meinem Moskitonetz in unserer Bambushütte und schreibe. Um die Lampe toben ein paar Falter. Draußen hört man ein gigantisches Grillenkonzert. Sie werden mich heute in den Schlaf singen.

In einer halben Stunde gibt es Dinner. Das ist auch gut so, denn wie ich es in Espaniol ausdrücken würde:

Tengo hambre!

Dschungeltour 2. Tag

Acht Stunden auf dem Rio Madre de Dios

Nach zwei Stunden Autofahrt, unterbrochen durch einen kurzen Stopp in einem alten, herrlich verkrauteten Botanischen Garten, erreichten wir den Fluß und stiegen um in ein großes Kanu mit einem starken Außenbordmotor. Es dauerte eine Weile, bis unser Gepäck und vor allem die ganzen Vorräte umgeladen waren. Alles was wir zum „Überleben“ brauchen, Essen, Getränke -vor allem Wasser- Gasflaschen zum Kochen, Kerzen, eben einfach Alles muß mitgenommen werden. Da kommt bei insgesamt 7-8 Leuten und fünf Tagen ganz schön was zusammen.

Dann ging es los. Der Fluß ist kompliziert. Viele Windungen, jede Menge Flachstellen, Verzweigungen, Arme die im Nichts enden und viele Sandbänke verlangen dem Steuermann Einiges ab. Zusätzlich gibt es noch die vielen Baumstämme, die sich irgendwo in den Grund gebohrt haben und nun ebenfalls Unterwasserbarrieren bilden. Oft „kocht“ das Wasser, hier ist Vorsicht geboten. Starke Strömungen oder Hindernisse, eine hübsche Aufgabe für den Bootsführer sein Boot -und uns!- sicher in die Lodge zu bringen. An den Ufern ragt der Urwald auf, eine grüne Mauer, aus der einzelne hohe Bäume heraus ragen. Auf den Sandbänken lagern angeschwemmte Baumstämme, dazwischen wachsen kleine Büsche. Am Anfang noch eine spannende Fahrt wird es nach 7-8 Stunden doch etwas eintönig. Jetzt wäre es schön endlich anzukommen.

In der Lodge hatten wir 15 Minuten Zeit unsere Zimmer in Betrieb zu nehmen, dann begann unsere erste Dschungelwanderung. Unser Ziel war die Tapirplattform.

30 Minuten flotter Walk, in der hier herrschenden Wärme begann ich zu kochen. Die Dämmerung war nur kurz, für den letzten Teil der Strecke war eine Taschenlampe erforderlich.

Ausschau nach Schlangen halten, die unseren Weg kreuzen könnten, in Kopfhöhe auf Spinnen achten, dabei den Weg nicht aus den Augen verlieren und Anschluß an die Gruppe halten. Letzteres fiel mir schwer obwohl ich den Teil mit den Spinnen schon heraus genommen hatte. Dort wo die Anderen durchgelaufen waren stört mich keine Spinne mehr.

Auf der Tapirplattform gibt es Matratzen, über denen Moskitonetze aufgehängt sind. Jeder verschwand unter einem Netz. Carlos würde uns holen, wenn der Tapir aufgetaucht ist.

Es war stockdunkel, wirklich null Licht. Tausende Grillen zirpten um die Wette, ein paar Frösche quakten, andere undefinierbare Gräusche mischten sich darunter.

Tapire sind geräuschempfindlich, also lagen wir alle bewegungslos und hielten fast den Atem an. Unter Norberts Moskitonetz wurden die Atemgeräusche schwerer, bald ertönte ein leises Schnarchen. Erst als dieses dominanter wurde gab es von mir einen kleinen Schubs.

Das Ganze war extrem merkwürdig! Du liegst mitten im Dschungel in völliger Dunkelheit, weißt nicht wie spät es ist und wie lange du schon dort liegst und du weißt auch nicht, ob dein Guide vielleicht auch eingeschlafen ist. Dein ganzes Sensorsystem ist lahmgelegt, die Einzigen, die voll beschäftigt sind, sind die Ohren. Das Konzert des Dschungels ist wunderbar – und einschläfernd. Auch ich versank nach einiger Zeit in einen sanften Schlummer.

Irgendwann wurde dann zum Aufbruch geblasen. Der Tapir hat uns hängen lassen! Das Gleiche wollten wir unseren Köchen nicht antun, denn Dinner gab es um Acht. Danach verschwanden alle ohne zu murren im Bett.

3. Tag - Im Dschungel

 

Flußnebel, Huatzins und Riesenotter

In der Stille des frühen Morgens fuhr unser Kanu durch die zarten sonnendurchfluteten Nebel den Fluß hinunter zum Camungo Oxbow Lake.

Auf einem Holzkatamaran glitten wir über den stillen See. Hier leben, neben vielen Vogelarten, eine Gruppe Riesenotter. Sie sind selten geworden. Bis zu 1,80 m groß, kann man sie in Südamerika nur noch in Peru und Guyana beobachten.

Auch viele Huatzins gibt es hier. Große Urvögel mit einem herrlichen Gefieder und einem „Krönchen“ auf dem Kopf. Sie bevölkern zahlreich die Büsche und Bäume am Ufer und fliegen geschäftig hin und her.

Bald schon sahen wir die Otter. Fünf Stück, leider sehr weit weg in einem geschützten Bereich, zu dem unser Gefährt keinen „Zutritt“ hatte.

Auf dem Rückweg brannte die Sonne erbarmungslos und ich hatte mächtig Mitleid mit unseren beiden Ruderern.

Die Plattform auf dem Riesenbaum – Camungo Tower

Mit das tollste Erlebnis dieser Dschungeltour war der Aufenthalt auf der Plattform in der Krone des Riesenbaums. Steht man unten und schaut hinauf verliert sich der dicke Stamm weit oben in den ausladenden Ästen. Neben dem Baum steht ein Gerüst. 42m klettert man hinauf, dann gibt es über einen Steg Zugang zu einem Flett in der Baumkrone. An ein mickriges aber stabiles Geländer gelehnt, schaut man über den Regenwald, über den nahen See und seine Schilfränder.

Die endlosen Äste dieses Vaters aller Bäume ragen weit hinaus, jeder Einzelne eine Sensation. Schmetterlinge und kleine Vögel fliegen hin und her.

Ich habe keine Höhenangst, aber als ich am Geländer stand und hinunter schaute, kribbelte es in meinem Bauch.

Nach 20 wunderbaren Minuten verließen wir diesen Platz „zwischen Himmel und Erde“ und kehrten auf den Boden zurück.

Eine Wanderung

Schmale Wege führen durch den Wald. Hier gibt es neben schönen Bäumen auch viele Palmen mit üppigen Wedeln und dicke Lianen, die sich kunstvoll um die Bäume winden. Ein paar Affen amüsierten sich in den Bäumen, Sonnenstrahlen lugten durch das Blätterdach und setzten hellgrüne Akzente.

Dann kam der Hammer:

Carlos, der vorn ging, sah einen Puma über den Weg laufen. Markus sah etwas Braunes, ca. 60 cm hoch und einen Schwanz. Die anderen sahen nichts. Am Anfang waren wir etwas ungläubig, danach jedoch war der Puma Gegenstand eines nicht endenden Geblödels. Sie sind extrem selten zu sehen, aber wenn schon mal einer unseren Weg kreuzt hätte er zumindest aus Rücksicht auf den Rest der Gruppe eine Pirouette drehen können. Verdad?

Am Nachmittag besuchten wir dann den Blanco Lake und hier hatten wir Glück. Eine große Gruppe Otter jagte Fische, (jeder braucht davon ca. 5 kg am Tag) manche planschten herum oder balgten sich. Wir arbeiteten uns langsam mit unserem Gefährt näher heran und sahen ihnen zu. Aber die richtige Show kam erst. Sie schwammen dicht an unserem Floß vorbei, einzeln und paarweise, und verschwanden dann am anderen Ende des Sees.

4. Tag

Die große Ara-Salzlecke

Aufstehen und anziehen im Dunkeln. Leises Donnergrollen und Wetterleuchten begleitet unsere Bootsfahrt

am Anfang. Schon um 7 Uhr erreichen wir nach einem flotten Fußmarsch durch dicht bewachsenes Terrain

die Beobachtungsplattform.

Im Winter, während der Trockenzeit ernähren sich Aras, Papageien und Sittiche überwiegend von Samen,

zu deren Verdauung sie den Lehm des steilen Flussufers benötigen. Gefressen wird immer in Gruppen.

Erst die kleinen grünen Papageien, dann die größeren mit den blauen Köpfen, am Ende die Aras.

Ein aufgeregtes Geschrei und Gekrächze war überall zu hören, denn es ist neben der notwendigen Seite

des Lehmfressens auch die gesellige Zusammenkunft des Tages.

Es tauchten mehr und mehr Aras auf. Immer paarweise saßen sie auf den Bäumen oder schaukelten an Palmenrispen und Lianen. Am Schluß waren es fast 100 Vögel, die sich eingefunden hatten. Langsam und vorsichtig arbeiteten sie sich immer näher an die Lehmwände heran. Dann traute sich der Erste und in

weniger als einer Minute hingen sie alle an der Wand und schlugen sich den Bauch voll.

Auf der Plattform war es still geworden. Alle schauten andächtig, nur die Fotoapparate liefen heiß.

Nach 15 Minuten Lehmgenuß schreckte sie irgend etwas auf. Alle starteten gleichzeitig. Ein rot-blaues Gefunkel vor der grünen Blätterwand.

Auf dem Rückweg besuchten wir noch ein Faultier und sahen am Ufer eine Wasserschweinfamilie.

Die letzte Nacht verbrachten wir auf der Tapirplattform, froren vor uns hin und warteten auf den Tapir, der sich jedoch wieder nicht blicken ließ. Um 4 Uhr früh kehrten wir zur Lodge zurück. Dann begann die Rückreise.

5. Tag

Abschied vom Dschungel

Das letzte Mal Boot fahren. Drei Stunden ging es flußabwärts. Kurz vor der „Stadt“ Boca Colorado stießen wir auf die ersten Goldsucher, danach trafen wir auf das große Camp. Alle schürfen hier illegal. Die russische und chinesische Mafia kontrolliert das Geschäft und die Polizei schaut zu. Angeblich gibt es viel Gold in diesem Fluß, vorwiegend Nuggets. Ich habe gleich überlegt, ob ich noch ein- zwei Tage hierbleibe und auch ein paar suche, aber es sah alles ziemlich staubig und dreckig aus. Und außerdem! Was mache ich mit dem vielen Gold? Wir dürfen schließlich nur 23 kg mit ins Flugzeug nehmen.

In Colorado stiegen wir in zwei Pick-up's. Wild schaukelnd kachelten wir über die Piste. Eine Stunde dauerte die Fahrt bis zum nächsten Fluß. Hier nahmen wir endgültig Abschied vom Dschungel, setzten über und stiegen in den schon wartenden Bus, der uns in sieben Stunden zurück nach Cuzco zurück bringt.

Vier Stunden haben wir schon geschafft. Im Moment fahren wir hoch in den Anden durch die Wolken, haben die ersten Alpackaherden getroffen, wieder Schneeberge gesehen und dicke Jacken angezogen. Den Rest schaffen wir auch noch.

Wir hatten Glück. Es war eine wirklich nette Gruppe, die sich zusammen gefunden hatte, inclusive Guide und Koch.