01. + 02. September

Von Muros nach Bayona

9:00 Uhr. Alles schlief noch, nur wir machten uns auf den Weg. Die Küstenlandschaft war wunderschön und bei dem sehr sanften Wind am Mittag hatten wir auch genug Muße sie zu genießen.

Vor Porto Novo, in der Ria der Pontevedra warfen wir den Anker. Hier tobte das Leben, genau gesagt, die Spanier. Diverse Jetskis sausten herum, kleine Motorflitzer zogen enge Kreise. Jede Menge Tretboote benutzten unser Boot als Ziel und umrundeten uns mit 3 m Abstand. Alle Leute waren gut gelaunt. Von Land dröhnten die harten Schläge einer Monstermusikanlage. Wumm wumm wumm. Die Pizza schmeckte trotz des Lärms, nur nachts steckten wir die Schotten ein, es schlief sich bessser. Am nächsten Morgen war der Spuk vorbei, der Strand war leer. Alle schliefen noch.

19,3 nm waren es bis Bayona. Langsam trödelten wir zwischen der Isla de Cies und dem Festland hindurch. Eine Traumküste.

 

 

Um 14 Uhr erreichten wir in Bayona. Hier gibt es eine kleine aber nette Altstadt, die wir durchstreiften. Abends überredeten wir Rosi und Klaus zu einem Bier. Dazu gab es einen kleinen Teller mit Oliven, Chips, Erdnüssen und ein Paar Häppchen mit Salami. Fast eine kleine Vorspeise. Auf dem Rückweg entdeckten wir in einem kleinen etwas abgelegenen Restaurant ein Super-Angebot: Meeresfrüchteplatte für vier Personen für 45 Euro. Kann man nicht meckern, oder? Die Platte war gigantisch, aber ein paar dieser Meereslebewesen waren schon etwas gewöhnungsbedürftig. Auf etwas, das aussah wie viele zusammen gebundene Schildkrötenfüße, kaute ich probehalber ein wenig herum. Rosi entdeckte dann das Geheimnis wie man an den Inhalt heran kommt. Sie waren nicht so ganz mein Ding, aber Norbert aß die alle auf. Es war „Pecebes“, wie wir auf Nachfrage erfuhren, eine hier sehr beliebte Delikatesse. Sonst war Alles absolut köstlich. Diverse Muscheln, Krabben, große Gambas, Krebse und eine Riesenkrabbe. Die Platte wurde schnell leer. Dazu gab es dunkelvioletten Wein. Allerdings die Gläser! Ich hätte Pudding hinein gefüllt, aber daraus trinken war auch eine Variante.

 

Dienstag, 03. September

Eigentlich wären wir heute gern zur Isla de Cies zurück gesegelt um dort 2-3 Tage zu ankern.

Aber dafür braucht man eine Genehmigung, die so schnell nicht zu bekommen ist. Schade.

Jetzt ankern wir vor dem Hafen. Es ist schön ruhig hier und wenn die Sonne zu warm wird gehe ich baden. Klaus hat mir seinen Stick geliehen, eine Art Internetzugang, so kann ich Euch zeitnah erzählen, was wir so treiben. Den Fliegen geht es nicht so gut, ich habe gestern zwei Fliegenklatschen erstanden.

Am Freitag kommt Wind und dann geht es ab nach Portugal.

Mittwoch, 04. 09.

Isla de Cies

Heute vor drei Monaten sind wir gestartet. Es kommt mir vor, als wären wir schon viel länger unterwegs.

Immer noch traurig, daß wir auf die Schnelle keine Ankergenehmigung für die Isla de Cies besorgen konnten, haben wir heute einen Ausflug dorthin unternommen. Per Touridampfer.

Die Insel ist wirklich wunderschön. Wanderwege führen durch Eukalyptuswälder hinauf zu grandiosen Aussichtspunkten. Hier verputzten wir unsere mitgebrachten Brote und liessen uns den Wind um die Nase wehen.

Am Strand entlang wateten wir zurück durch das kühle Wasser, vorbei an vielen dort ankernden Segelbooten. Nur die SPICA und die Salmon waren nicht dabeil. Sie mussten in Bayona auf unsere Rückkehr warten.

Freitag, 06. 09.

Abschied von Galizien

Gerade hab ich die portugiesische Gastlandsflagge gehisst. Wir passieren den Rio Minho, den Grenzfluß zwischen Spanien und Portugal. Galizien liegt nun achteraus. Vier unvergessliche Wochen verbrachten wir hier. In den stillen und schönen Buchten hätte ich mich noch lange herumtreiben können.

Es bleiben Erinnerungen an quirlige Städte und schmale Gassen, an Bars und Cafés am Straßenrand (mit leckerem Bier), an meine Spanisch-Konverstionsversuche, die meist zum Lächeln und manchmal zum Lachen reizten, an Mengen verputzter Merluzas (...sss) und an die köstlichen Meeresfrüchte. Vor Allem aber an die auffällige Freundlichkeit der Leute.

Oft denken wir auch an die schönen Abende mit Francoise und Armand und mit Rosemarie und Lutz.

Schön war es! Danke für die Gastfreundschaft.

 

Samstag, 07. 09.

Povóa de Varzim

Wir liegen gut geschützt und sicher im Hafen.

Portugal begrüßte uns gestern mit dem hier üblichen Wetter. Wind von Norden, nachmittags zunehmend. Leichter Strom nach Süden.

Ab 13/14 Uhr waren mächtige Wellen hinter uns her. Ich kann sie verstehen. Im nördlichen Europa wird es kühler, sie haben es eilig, in den wärmeren Süden zu kommen. Sie türmten sich hinter uns auf und oft dachte ich: Jetzt! Jetzt platscht sie ins Boot. Manchmal brachen sie, die Gischt schäumte und neben mir spritzte es etwas. Das war Alles. Ein gutes Gefühl! Im Lauf des Nachmittags erreichte die Windstärke 33 kn, das sind obere 7 Bft. (Klaus` Info am Abend) Wir rasten um diese Zeit mit einer lächerlich kleinen Genua mit 6-7,8 kn vor den Wellen her.

In diesen Hafen kann man laut Reeds Nautical Almanac bei einer Wellenhöhe über 3 m nicht mehr einlaufen. Unser Versuch über Funk Kontakt zur Marina herzustellen, um die Lage zu peilen, misslang. 3 Meilen vor uns pflügte die „SY-Ladybird“ durch die Wellen auf den Hafen zu. Mit dieser Yacht entwickelte sich ein witziger Funkkontakt. Sie hatten die Marina ebenfalls angefunkt und dachten nun, wir wären die Port-Control. Ein Ladybird ist ein Marien- also ein Glückskäfer. In diesem Fall auch ein Glück für uns, denn bald kam von ihnen die Information: „Wir sind im Hafen, die Einfahrt ist von SW kein Problem.“ Es sind Schweden, sehr nett und momentan unsere Nachbarn.

Gleich fahren wir mit der „S-Bahn“ nach Porto, ein wenig schlendern, vielleicht shoppen, sightseeing halt.

Samstag, 07. 09.

Porto

Eine „S-Bahn“ brachte uns in 35 Minuten in das Zentrum von Porto. Über einen breiten Boulevard erreichten wir die Altstadt. Von dem höchsten Kirchturm Portugals, der zur Igreja de Sao Pedro dos Cherigos gehört und nur über viele Stufen zu erreichen ist, hatten wir einen guten Blick über die Stadt, die sich vom Ria Douro den Hang hinauf zieht. Die Häuser stehen eng beieinander, kleine Balkone prägen die Fassaden. Licht und Schatten wechseln sich ab, lassen mal die eine, dann die andere Seite erstrahlen. Eine alte Straßenbahn rumpelt durch die steilen Gassen. Die typisch portugiesischen blau-grünen Kacheln findet man an vielen Häusern, Kirchen und in riesigen Bildern auch in der Halle des Hauptbahnhofs.

Am Douro erstreckt sich eine sehr touristisch geprägte Promenade. Die große Bogenbrücke, die ihn überquert, ist beeindruckend. Am anderen Ufer befinden sich die Keller und Lagerhallen der großen Portweinproduzenten. Kirchen und Klöster gibt es reichlich, freundlicherweise auch viele Bars und Cafés, in denen man bei einem kalten Bier die Füße ausruhen kann.

Donnerstag, 12. 09.

Geisterstunde

Nach langem hin und her sind wir gestern um 14:30 Uhr in Leixoes gestartet. Unser Ziel ist Nazaré. 100 nm entfernt, mal wieder über Nacht segeln. Zur Zeit ist es warm hier, die Kälte der letzten Nächte sind zum Glück Vergangenheit. Über den Seegebieten Finisterre und Nord-Porto tobt ein Sturm. Bei uns, nah am Land tobt nur Norbert, wenn der Wind sich mal wieder verabschiedet.

Es war von Anfang an eine Schaukelfahrt. Sehr ungemütlich. Anfangs guter Wind, nachts wurde dieser jedoch immer weniger. Die SPICA wälzte sich in den Wellen und kam nicht voran. 3 kn, 2,5 kn, 2 kn. Gegen Mitternacht legte ich mich schlafen. Gute 2 Std. später weckte mich der Ruf: Delfine und Meeresleuchten.

Es war wie ein Spuk. Jede stärkere Wasserbewegung löst bei gewissen Meerestierchen ein Funkeln oder Glimmen aus. Wenn ein paar Delfine ihre Jagden durch das Wasser machen ist das jede Menge Bewegung. Ihre Spuren leuchteten silbern in dem schwarzen Wasser, wie richtig gute Sternschnuppen am Nachthimmel. Rasend schnell zogen sich Schlangenlinien oder Schleifen durch das dunkle Meer. Weiße Spuren, wie von abgeschossenen Torpedos, zischten vom Boot weg und verschwanden in der Nacht. Von den Delfinen selbst sah man kaum etwas, evtl. mal eine Flosse oder einen nass glänzenden Rücken. Aber immer wieder diese Leuchtspuren. Ein unwirkliches Schauspiel. Allerdings müffelten sie deutlich nach Fisch.

Die Sterne strahlten auch wieder und der sanfte achterliche Wind streichelte mein Gesicht. Nach einer laaangen windarmen Nacht kam mit der Sonne ein schöner Segelwind.

Und es kam noch ein Nachschlag!. Ca. 1 Std. umlagerte uns eine Delfinschule. Spinnerdelfine, dafür bekannt neugierig um die Boote herum zu trudeln, ihre Künste zu zeigen und sich die Leute an Bord anzuschauen. Unter unserem Bug war ein richtiges Gedränge, in dem auch mal geschubst und gepöbelt wurde. Sie zeigten Formationsschwimmen in 2er bis 6er Reihen und hatten anscheinend jede Menge Spaß. Am schönsten war es, wenn sich alle sammelten und rasend schnell mit vielen hohen Sprüngen das Weite suchten … nur um nach 200 bis 300 m umzudrehen und zurückzukehren.

Es sind noch 15 nm bis Nazaré. Der Wind hat mal wieder keine Lust mehr und so dieseln wir. Das geht hier nur am Tag, denn die Fischer legen flächendeckend Bojen aus, die nicht vom Propeller eingefangen werden sollten.

13.-15. 09.

Nazaré

Wir liegen in einem busy Fischerhafen (manchmal mit dem entsprechenden Geruch) in dem es immer etwas zu sehen gibt.

Der Ort ist sehr quirlig und im Gegensatz zu Póvoa de Varzim sehr portugiesisch. Ein buntes Treiben kann man jeden Vormittag in der Markthalle beobachten. Den hier zahlreichen Touristen bieten nette Geschäfte, lange leere Strände und viele Restaurants alles was man im Urlaub so braucht. Ich erstand auf Norberts Anraten ein ganz leichtes, leuchtend buntes Kleid und laufe nun herum wie ein Bonbon. Im Gegensatz zu den alten Frauen, die hier meist schwarze Kleidung bevorzugen und für eine Menge Lokalkolorit sorgen.

Ein Strandspaziergang am Nachmittag trainierte unsere Fuß- und Wadenmuskeln. Die Strände hier sind einsam, wild und schön.

 

Sonntag, 15. 09.

Peniche

25 nm von Nazaré nach Peniche. Ein Katzensprung, machbar in 4,5 Std.. Wir haben 6,5 gebraucht. Der Wind war mal da, mal weg, mal gut, dann wieder miserabel. Immer schön im Wechsel. Die Wellen waren beständiger. Sie kamen von zwei Seiten, rüttelten uns durch und brachen sich dann an der Steilküste. Vorbei am Kap Orveiro erreichten wir den Hafen. Ein lustiger Hafenpolizist hat gerade vorbei geschaut, alles registriert und uns unter Anderem über mitgebrachte Haustiere ausgefragt. Cats, dogs, crocodiles, elefants, die vorgeschlagenen Tierarten boten eine gewisse Bandbreite. Mein ehrliches: „We have some flys“ ließ ihn jedoch lachen abwinken, dabei hätte ich sie gern in Quarantäne gegeben. Peniche ist relativ klein und die fotografischen Motive halten sich in Grenzen. Wunderschön ist jedoch der Strand hinter der Stadt, an dem sich viele junge Surfer in den Wellen vergnügen. Schöne Dünen mit schneeweißem Sand begeisterten uns. Schaut selbst. Dieses Ambiente findet man nicht überall in dieser Vollkommenheit.

Dienstag, 17. 09.

Obídos

Norberts neuer Freund, der Hafenmeister, empfahl uns einen Besuch der alten Stadt der portugiesischen Königinnen, Obídos, die auf einer Felsanhöhe liegt und von komplett einer Stadtmauer umschlossen ist. Die weißen Häuser mit den blau abgesetzten Tür- und Fensterumrandungen, die Gassen voller blühender Sträucher, Oleander und Bougainvilleen, Kirchen, kleine Höfe, ein paar Souvenierläden, etliche Restaurants, all dies fügt sich zu einem bezaubernden Ganzen, in dem wir etliche Zeit herumstrolchten. Von der Stadtmauer und dem hohen Kastell schaut man auf die verwinkelten Dächer, manche schon etwas verfallen und in blühende oder verwilderte Gärten. Ein kleines Abenteuer ist die Umrundung der Stadt auf dem alten Wehrgang. Durch die Zinnen hatten wir einen weiten Blick über die Landschaft, auf der anderen Seite liegt in 10 bis 15 m Tiefe die Stadt. Der Gang ist ca. 1 m breit. Ein Geländer gibt es nicht. Die alten Steine sind glatt und manchmal ein wenig rutschig. Die Berufsgenossenschaft bei uns zuhause würde aufheulen vor Entsetzen.

Ein wunderschöner Ausflug, unbedingt zu empfehlen. Gut mit dem Bus zu erreichen (wenn man endlich weiß wo und wann er abfährt). Es war ein schöner, strahlender Sonnentag, auch warm, wenn man sich vor dem Wind verstecken kann.

Donnerstag, 18. 09.

Peniche → Cascais

47 nm, das sind bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 kn 9,5 Std.

Davon konnte man die ersten Acht eigentlich vergessen: zu wenig Wind, hohe Wellen, ein grauer, wolkenverhangener Himmel, Dieselscheppern. Mein Skipper, der am Steuerstand Wache hielt, damit wir keine der zahlreich vorhandenen Reusen überfuhren und bei jeder durchlaufenden Welle erst in die eine, dann in die andere Richtung geschleudert wurde, hatte nicht die allerbeste Laune. Ich war froh, nicht seekrank zu werden und nahm das Ganze ziemlich gelassen.

Aber der Atlantik hält immer eine Überraschung bereit. Eine Heer jagender Delfine zog mit uns um das Cabo da Roca, um sich dahinter mit einer Horde hungriger Tölpel einen Fischschwarm zu teilen. Sie, die Tölpel, stürzten im Sekundentakt aus 10 bis 15 m Höhe mit eng angelegten Flügeln fast neben unserem Boot ins Wasser. Die armen Fische. Von unten die Delfine, von oben die Vögel. So etwas habe ich bisher nur in Dokumentarfilmen gesehen. Gleichzeitig frischte der Wind auf und wir rauschten mit fast 7 kn auf den nun mit uns in gleicher Richtung laufenden Wellen im gleißenden Sonnenlicht unserem Hafen entgegen. Paradiesisch! Kurz vor dem Einlaufen in das Hafenbecken sahen wir noch ein paar Quallen. Groß wie Plastiktüten, gelbe Köpfe und spitz zulaufende Auswüchse. Richtig eklig.

Die Marina Cascais ist teuer, aber der Service ist allumfassend, eine Flasche Wein zur Begrüßung

inclusive.

In absoluter Ruhe verbrachten wir die Nacht, frühstückten gemütlich und besichtigten dann mit Rosi und Klaus den Ort.

 

Flaschenbaum

 

Vor Anker!

Einige der uns umgebenden Boote kennen wir schon aus den letzten Häfen. Neben uns liegt eine blaue Yacht mit drei jungen Schweden, dahinter die Leikaren, ein ungewöhnlich schönes Schiff mit englischer Flagge.

Heute, am Samstag füllt sich die Bucht. Die Portugiesen genießen das Wochenende, mit unterschiedlichen Prioritäten. Auf manchen Booten ist Party, andere genießen wie wir die Ruhe, wenn die Party wieder vorbei ist. Die jungen Schweden stürzten sich in das Nachtleben.

Am Sonntag fuhren Rosi, Klaus und ich mit dem Spaceshuttle an Land. (Es lag ganz schön tief.) Am Strand stieg dann noch eine Welle ein. Die glücklicherweise dort vorhandenen Strandduschen wuschen das Salzwasser wieder aus meinem Kleid und die Sonne trocknete es in Minuten.

Ein langer Landspaziergang folgte. Es gibt hier viele wunderschöne alte Villen. Eine davon, die Casa de Santa Maria konnten wir besichtigen. Die Schönheit der Räume und insbesondere des Fußbodens war beeindruckend. Ich konnte mich nicht satt sehen.

Der Grund der Zugänglichkeit des Gebäudes war eine Verkaufsausstellung. Mit ein wenig Kleingeld, so ca. 4000 bis 8000 Euro konnte Mann/Frau hier Schmuck erwerben, der in Vitrinen ausgestellt war. Rosi, die anscheinend nicht willens war, die einheimische Wirtschaft zu unterstützen, „machte einen auf Performence“. Schaut selbst, die Fotos sprechen für sich.

 

 

Abends gab es ein Treffen auf der SPICA. Es gab Chilli con Carne.

Kurz davor schwamm Rosi zu uns herüber, klemmte sich (symbolisch) die Leine des Spaceshuttles zwischen die Zähne und kraulte wieder zurück, letzteres hinter sich her ziehend. Die Schweden kriegten sich nicht mehr ein. Zum Essen erschienen sie dann, korrekt im Boot sitzend und hübsch südlich gestylt. Es war wieder ein sehr netter Abend, warm und schön, mit einem noch fast vollen Mond über den Lichtern der Stadt.

 

Cascais

Cascais ist hübsch. Eine gut erhaltene Altstadt, Hotels, Restaurants, eine kleine Shoppingmeile.

Ein riesiges Kastell überragt den Hafen und überall gibt es Palmen. Flaschenbäume mit vielen spitzen Stacheln bieten einen faszinierenden und ungewohnten Anblick. Das Ankerfeld in der Bucht vor der Stadt ist fast schon karibisch. Die vielen kleinen Strände sind gut gefüllt. Warm war es heute, nach dem Wetterbericht 34°C, aber nach den Berichten über einen naßkalten Herbst in Deutschland verkniff ich mir „ein Stöhnen über die Hitze“. Heute behandeln wir ein paar kleine „Wunden“ der SPICA direkt an der Wasserlinie. Das geht in dem ruhigen Hafen sehr gut. Wenn alles getrocknet ist ziehen wir um, mitten hinein in das Ankerfeld.

 

Dienstag, 24. 09.

Lisboa, „die Schöne am Tejo“

Überall hörten wir: Super! Ein Hammer! Wunderschön!

Heute nun fuhren wir mit der Vorortbahn hinein, vorbei an der großen Brücke, die den Tejo überspannt. Wir starteten im Baixa-Viertel, dem „Portal“ der Stadt, mit seinen breiten Straßen und vielen Geschäften.

Wie erkundet man so eine große Stadt? Norbert, unser Führer, erkennbar an dem „Buch des Wissens“ (ADAC-Reiseführer-Portugal) unter dem Arm, meist ca. 20 m hinter uns!, lotste uns zu dem 1902 gebauten 6-stöckigen Fahrstuhl, mit dem man hinauf nach Barro Alto fahren kann. Wir erklommen den Weg zu Fuß, immer noch begierig darauf, die Atmosphäre der Stadt zu erspüren.

Bei mir wurde das kurzfristig durch ein plötzlich auftretendes Hungergefühl geblockt (14:45Uhr!). In einem kleinen, gemütlichen Restaurant am Hang zur Barra Alto ergatterten wir einen freien Tisch. Für zwei Bier und 2x Schweinekotelett zahlten wir 15 Euro. Das Preisniveau in Portugal ist wirklich nicht hoch. Frisch gestärkt ging es weiter. An einem Platz sah man hinter einer Fassade bleiche filigrane Steinspitzbögen. Die Ruine der Igreja do Come, in der das archäologische Museum integriert ist, zog mich in ihren Bann. Norbert und ich gönnten uns 30 zeitlose Minuten in diesen kunstvollen, alten Kirchenmauern.

Unerwartet öffnete sich, nach einem Gang durch kleine Gassen, ein großer Platz mit einem weiten Blick über Stadt und Fluß. Ein Fotograf bot viele knallbunte Fotos zum Verkauf an. Norbert erstand zwei. Ich hätte mindestens 15 kaufen können. Auf und um die Nachbarbank saßen und standen ein paar junge Männer. Einer spielte Gitarre, manche sangen dazu. Nicht für die Touristen. Ich hatte das Gefühl als probten sie für einen abendlichen Auftritt. Hier oben, in dem Gemisch von Einheimischen und Touris verrann die Zeit ohne daß man es merkte. Die für mich schönste Stunde des heutigen Tages.

Zurück zur Unterstadt fuhr eine alte Straßenbahn. 3,60 Euro für ca. 800 m. Wir nutzten unsere Füße (wieder ein cm kleiner) um zuerst hinunter und dann zurück zu unserer Vorortbahn zu kommen, erwischten sie gerade noch vor der Abfahrt und stellten erst unterwegs fest, daß sie NICHT in Santo Altao hielt, wo wir aussteigen mußten. Glücklicherweise gab es dann doch noch einen Stopp in Oeiras. Mit jaulenden, schmerzenden Knöcheln landete ich in unserem Hafen. Jetzt galt nur noch: Füße hoch!


- LISBOA - 1. Teil -

Donnerstag, 26. 09. / Mein Kind hat Geburtstag!!

Lissabon – Teil 2

Castelo und Alfama

Heute übernahm Rosi die Führung. Gleich vom Bahnhof ging es hinein in die Stadt, Berg hoch, runter, wieder hoch. Unterhalb des Castelos steht die Sé, eine riesige romanische Kirche. Ich ging rein und sofort wieder raus. Sie hatten anstelle echter Kerzen, die man mit einer Bitte oder einem Dank für Irgendetwas oder Irgendwen anzünden kann, künstliche Teelichter mit Ledlämpchen, die vor sich hin blinken. So etwas schaue ich mir nicht an.

Ein Stück weiter oben am Berg gibt es einen schönen Platz mit einer großartigen Aussicht. Die Straßenbahnen der Linie 28 passierten ihn im Minutenabstand. Wir hatten die Alfama, das alte mittelalterliche Stadtviertel mit seinen verwinkelten Gassen erreicht.

Wenn man mal gesehen hat, wie sich so eine Straßenbahn am Berg in einer sehr schmalen Gasse über den Hügelkamm windet, oben schwankend die Richtung ändert um dann auf der anderen Seite wieder herunter zu fahren, ist man schon sehr beeindruckt. Ich war es zumindest. An einer Stelle war es so schmal, daß Rosi und ich uns eng an die Hauswand drücken mussten, um das Ungetüm mit seinem breit grinsenden Fahrer passieren zu lassen. Heute "lunchten" wir im "Restaurant" Istambul. 2 Tische a 3 Plätze. Aber das Döner war sehr gut.

Wir wanderten lange durch die Straßen, Berg hoch und wieder hinunter, kamen am Schluss in das „Fado-Viertel“, in dem Restaurant an Restaurant liegt und an jedem Abend Essen und Fado, der traurige Gesang der Portugiesen, auf die Gäste warten.

Es war wieder in schöner Tag in einer tollen Stadt, allerdings für mich etwas zwiespältig. Norbert hatte sich heute den Fotoapparat ausgebeten. Einen ganzen Tag lang, um seine Sicht auf Lissabon zu dokumentieren. So viele Motive! Und ich keine Kamera!! War am Anfang ganz schön schwierig!!!

So! Nun das Ergebnis. Alle Fotos der folgenden Bildergalerie sind von Norbert.

Sonntag, 29. 09.

Heute ist Berlin-Marathon.
Nun zu diesem Thema mal etwas zu lachen.  Wir sitzen ja zur Zeit in Oeiras fest. War so geplant. Sightseeing, Boot warten, etc. Nun ist ein Teil der Toilette defekt und wir haben bei SVB ein Neues bestellt, da sie das hier nicht so richtig auf die Reihe bekommen und es fast doppelt so teuer sein soll, wie in Deutschland. Also auch noch auf die Lieferung warten .
Rosi und Klaus sind heute nach Hause geflogen. Sie bleiben 9 Tage und hoffen heimlich, daß uns das Wetter ausbremst, und wir noch da sind wenn sie wiederkommen. Weiß ich genau!
Jetzt zum Marathon. Da wir ja, wie gesagt, hier festsitzen, stach Norbert gestern der Hafer. Parallel zum Hafen gibt es hier eine ausgemessene Joggingstrecke, die von Unmengen Portugiesen Tag und Nacht genutzt wird. Gestern also hatte Norbert das dringende Bedürfnis sich einzureihen. Er ist so ca. 8-9 km gelaufen. Es war ziemlich schwül und mich hätte man unter Drogen setzen müssen um auch nur darüber nachzudenken. Aber er ist los. Danach duschen und ab zum Zug, Belém besichtigen.

Gestern Abend ging es schon los. "Oje, ich glaube, ich bekomme Muskelkater". Nach 4 Monaten das erste Mal wieder joggen. Natürlich bekommt Mann dann Muskelkater.
HEUTE!!! war er dann da. Laut N schlimmer als nach einem Marathon. Womit sich der Kreis nach oben wieder schließt.
Irgendwie bin ich ganz erschlagen. Der gestrige Ausflug war wieder von so viel Schönheit (Kloster und Kirche, Bericht folgt) geprägt , daß es einen ganz fertig macht.

Aber das Lustigste waren vier Japanerinnen vor dem Denkmal der Seefahrer. Vasco da Gama startete seine Exkursion nach Indien von Belem, im Jahr 1497. Muß man erst mal verdauen. Ich hab mir in der Nordsee mit unseren ganzen technischen Möglichkeiten fast ins Hemd gemacht.

So, jetzt zu den vier Frauen. Sie haben eine Gruppenaufnahme gemacht und ich habe jede Hemmung vergessen und sie dabei aus nächster Nähe fotografiert. Leider konnte ich den Ton nicht dokumentieren. Wenn unsere Doppelkopfunde mal so richtig gut drauf war, gackernd, kichernd und kreischend, dann war es etwa so wie bei den Damen gestern.  Ein Brüller. Obwohl uns danach ein fetter Regen erwischte hatte ich noch den ganzen Tag gute Laune. Völkerverständigung kann so einfach sein.
Jetzt noch eine letzte Nachricht von unserem Jogger. Der Muskelkater nimmt zu aber

-Originalton N: „zur Toilette kann ich immer noch gehen.“ Ist doch auch schon was.

 

 

Belem (ist die Kurzform von Bethlehem)

Mosteira dos Jéronimos

Nach der Rückkehr Vasco da Gamas, der den Seeweg nach Indien gefunden hatte und dabei das Kap der Guten Hoffnung umfuhr, wurde diese -man staune- halb maurisch-byzanthinisch, halb normannisch-gotische Klosteranlage aus Sandstein erbaut. Diese Märchenkulisse leuchtet weiß in der strahlenden Sonne Portugals. Ein traumhafter Anblick.

In der eingegliederten Kirche begeisterten mich die hohen, kunstvollen Gewölbe, die mich an das Buch: Die Säulen der Erde, erinnerten. Auch den Sarkophag mit den Gebeinen Vasco da Gamas findet man hier.

Aber das Schönste war für mich der Klosterinnenhof, umgeben von einem zweistöckigen Kreuzgang mit kunstvoll verzierten Säulen, riesigen offenen „Fenstern“ (ich weiß nicht, wie man das sonst nennen kann) und Ballustraden. Alles wirkt grazil und der Blick aus dem Kreuzgang auf die gegenüberliegende Fassade ist großartig.

Wolken schoben sich vor die Sonne aber ab und zu ließen ein paar diffuse Strahlen Schattenbilder entstehen, die das Filigrane der Bögen wunderbar zur Geltung bringen.

Im Reiseführer Portugal ist in einem einzigen Foto der ganze Zauber der Anlage und die Kunstfertigkeit der alten Steinmetze enthalten. Neidzerfressen habe ich es angeschaut, aber Zeit und Licht lassen nicht mit sich handeln.

Daher nun folgend die „zweite Wahl“, auch noch schön.