Freitag, 04. 10.

Südwind

Seit dem letzten Sonntag plagte uns ein Tief, das sich über den Atlantik, auch über Madeira erstreckte. Warme, sehr feuchte Luft, manchmal gar kein, dann wieder heftiger Wind.

2 ½ Tage Regen, fast am Stück, feuchtete alles ein. Die Klamotten sind klamm, der Fußboden ist feucht, das Deck ist naß. Schon ein bißchen ungemütlich.

Gestern kam die Sonne zurück, nun ist alles ist am Dampfen. Auf dem Weg zum Supermarkt kann man dem Gras beim Wachsen zusehen. Es ist schon 6-7 cm lang.

Gestern war Wartungstag. Norbert kroch wieder einmal mit seiner Fettspritze und den Öldosen durch alle Ecken. Dann Diesel nachfüllen und die Kanister an der Tankstelle wieder auffüllen lassen.

Trinkwasser brauchten wir auch noch. Bis Madeira 2,5l pro Person/ pro Tag/ 5x5+1x5 Reserve = 30 l, hochgerechnet auf 4x6 Flaschen á 1,5l. Dazu 6 l H-Milch, 6 Flaschen alkoholfreies Bier, 6 l Wein. Der kleine Wagen, den wir uns aus der Marina ausgeliehen hatten, war gut voll.

Heute haben wir noch die Genua gewechselt. Da nur wenig Wind angesagt ist haben wir die große Genua angeschlagen. Danach haben wir das erste Mal unseren Spinnakerbaum gesetzt, zum Ausprobieren. Klappte ganz gut. Morgen üben wir noch einmal.

An einem der Regentage sind wir nach Lissabon, in den Media-Markt gefahren. 3,70 Euro für die Eisenbahn, 1,65 für die Metro, natürlich pro Person. Der Laden ist im Eingangsbereich des Fußballstadions von Benfica-Lissabon. Auf unserer Wunschliste standen: Haarschneider, Wasserkocher mit max. 1500 W, Akku für Norberts Handy, Akku für den wasserfesten Computer, MP 3 und 4 Player, ein USB-Stick für mein Tagebuch. Gekauft haben wir !!! den USB-Stick, für 4,50 Euro. Mehr gab es nicht. Dafür waren wir nun ca. 4 Std. unterwegs. Wenigstens sind wir mal Metro gefahren. Wenn man schon mal in einer Großstadt ist.-.-!

 

Ab Morgen Nachmittag ist Nordwind angesagt. Dieser soll bis Donnerstag Mittag halten. 3-4 Windstärken, manchmal Böen bis 5 Bft.. Das ist nicht allzu viel, aber angeblich gibt es auch keine hohen Wellen. Ihr seht, trotz aller Fehlprognosen ist mein Vertrauen in Wettervorhersagen ungebrochen. Porto Santo ist unser Ziel, die kleine Nachbarinsel von Madeira. 480 nm sind es bis dorthin, Luftlinie natürlich. Ca. 4 – 5 Tage. Wenn wir Glück haben können wir wenigstens die erste Zeit mit beiden Segeln fahren.

Für Euch heißt das ->mindestens 1 Woche keine Neuigkeiten außer dem Positionsreport in der Rubrik „Route“ und das auch nur, wenn der Funkverkehr klappt. Falls Euch langweilig ist, könnt ihr uns ja die Daumen halten.

Gestern haben wir Sabine und Sven kennen gelernt. Die sind eingebürgerte Konstanzer mit dem dazu passenden Dialekt. Sie fahren auf einem Katamaran, „Blauer Felix“, den wir besichtigen durften. Sie haben Unmengen von Platz, sogar eine „Kammer“ neben der Küche. Es war ein netter Abend mit Rotwein für Alle außer mir. ( Bei diesem Satz mußte ich einige Zeit überlegen, er klingt komisch, ist aber aus BERLINER Sicht völlig korrekt!!) Ich nuckelte an einer Flasche Sagres, portugiesisches Bier sem Alkohol! Nach fast zwei Wochen an Land muß ich mich erst mal wieder vorsichtig an die Wellen gewöhnen.

So liebe Leute, habt eine schöne Woche und denkt manchmal an uns, so allein auf dem großen, weiten Meer, der Nachthimmel voller Sterne, tagsüber Sonne, 22°C, wahrscheinlich 1000 Delfine und mindestens aus jeder Marina hier drei bis vier Boote, die alle in die gleiche Richtung fahren.

 

Abends wollten wir noch etwas essen gehen. In der Marina hatten sie nur noch „Toast variabel“.

Mir fiel das Restaurant neben dem Castello ein. Es hatte tatsächlich offen, allerdings war es fast leer.

Es gibt perfekte Momente. Vier Monate sind wir jetzt unterwegs. Wir aßen draußen, die Luft war mild. Unter uns rauschten sanfte Wellen auf den schönen Sandstrand. Neben uns die dunkle Linie des Kastells mit seinem roten Leuchtfeuer, auf der anderen Seite die Lichter der Küste. Das Essen war super, das Beste das wir in der ganzen Zeit bekommen haben.

Mit der halbleeren Weinflasche wanderten wir am Strand durch das warme Wasser.

Schöner kann ein Abend nicht sein.

 

Von Oeiras nach Porto Santo, der kleinen Nachbarinsel von Madeira

Samstag, 05. bis Mittwoch, 09. 10.

In unserem Atlantikführer steht für Porto Santo: Ein ungemein zufrieden stellender Landfall.

Unser Anker fiel nach 480 nm am Mittwoch um 8 Uhr UTC. Die lokale Zeit müssen wir erst erforschen. In der Marina gab es keinen freien Platz und so ankern wir nun vor dem schönen langen Sandstrand für den die Insel berühmt ist.

Der Anblick im ersten Tageslicht war schon beeindruckend. Hohe, spitz zulaufende Berge, ein paar vorgelagerte Steinhaufen, ein wildes Panorama. Christoph Kolumbus hat hier gelebt. Ich werde nachher mit Norbert am Strand entlang wandern, wie vielleicht ER vor 538 Jahren.

 

Die Überfahrt selbst: schön! Idealer Wind, Sonne, wenig Verkehr.

An den ersten beiden Tagen hatten wir ein Etmal (Meilen in 24 Stunden) von je 140nm. Wir rauschten am Samstag mit fast immer 7-7,5 kn über das Wasser. Nachts verkleinerten wir die Segelfläche, damit die Nachtwache keinen Stress hat.

Es ist immer wieder spannend, wie eine schnelle Fahrt mit Einbruch der Nacht zu einer -gefühlt- rasenden Fahrt wird. Es ist selten ganz dunkel, denn die Sterne leuchten und die Augen passen sich an. Man kann Himmel und Wasser am Horizont unterscheiden.

Alle Nächte hindurch begleitete uns Meeresleuchten, d. h. in jeder Welle, die sich am Schiff brach oder unter ihm durch rauschte, funkelten kleine Lichter. Sehr schön ist auch die Geräuschkulisse. Plätschern, gluckern, leises Rauschen oder das Dröhnen der großen Wellen, die unter dem Schiff durch laufen, eine nie endende Melodie mit hohem Suchtpotential. Wo wir gerade bei den Wellen sind: Sie kamen von N/NW. Wir fuhren nach SW. Es war ein ständiges Schaukeln, das sich bei den größeren Wellen, besonders bei den Serien, krass verstärkte.

Wir haben, wie fast alle Boote, einen kardanisch aufgehängten Herd, d. h. er schwingt bei den quer laufenden Schaukelbewegungen mit, so daß Topf oder Pfanne immer „gerade“ sind und einem das Essen oder Wasser nicht entgegen springt. Eigentlich eine gute Sache. Ich habe zweimal gekocht. Einmal Tortellinis in Champignon-Sahne-Soße, einmal Spagetti in scharfem Knoblauchöl. Das erste Mal, als das Wasser kochte, wollte ich Salz hinzufügen. ½ Teelöffe Salz in meinen eh schon zitternden Händen sollte in den Kochtopf. Hey Leute, der Topf war immer woanders als mein Löffel. Irgendwann habe ich es dann doch geschafft. Beim Kochen klemmt man sich irgendwo fest oder balanciert die Wellen aus. Das führt schon zu krassen Positionen. Dabei muß man immer aufpassen, daß man nicht an den schaukelnden Herd kommt, der ganz wild darauf ist, einem die Kniescheibe zu zertrümmern und nicht auf der anderen Seite des Bootes in den Kartentisch kracht. Eine echte Aufgabe!

 

Sonnenauf- und Untergänge gab es einige. Sie sind immer schön, aber der Sonnenaufgang am Montag früh gehörte durch die verschieden hohen Wolkenschichten zur Extraklasse.

 

 

Wie gesagt, eine schöner „ruhiger“ Törn mit angenehmen Nachtwachen. Aber damit es nicht so langweilig wird gab es auch eine Ausnahme. In der Nacht vom Montag zu Dienstag, ich hatte die erste Wache von 20-23 Uhr. Gerade als ich um 22:45 meinen letzten Kontrollblick hinter mir hatte und ich mich schon mental auf dem Weg ins Bett befand hatten wir einen Distress Alarm. MAYDAY, die Position nur 8 nm von uns entfernt.

Vorher hatten wir bruchstückhaft etwas von einer PAN PAN Meldung gehört, danach akustisch eine Mayday-Meldung, jedoch nicht zu verstehen. Dann der obige Distress Alarm über DSC (Digital Selective Calling), keine weiteren Angaben, nur die Position, keine Sprechfunkmeldung, nichts! Die Robinhome, eine Segelyacht mit einer jungen französischen Familie, war ca. 2 nm von uns entfernt. Kurze Besprechung über Funk, dann fuhren wir mit beiden Booten auf die gemeldeten Koordinaten zu.

Eine ganz blöde Richtung, fast gegen die Wellen. Unter Motor mit etwas Genua als Stützsegel rasten wir schnellstmöglich durch die Nacht. Und die war jetzt richtig schwarz, da Norbert versuchte über Satellitentelefon die Meldung weiterzugeben und wir ständig die Taschenlampe an hatten und außerdem die für Motorfahrten vorgeschriebene Beleuchtung sehr hell ist. Wir sahen gar nichts! Ich funkte ein paarmal Mayday Relais, bekam aber keine Antwort.

Außer den Koordinaten war nichts bekannt. Was würde uns erwarten? Mann über Bord? Nachts in dem schwarzen Wasser suchen? Sinkendes oder gesunkenes Schiff, Leute in der Rettungsinsel – wie bekommt man sie bei den Wellen an Bord, Verletzte?!? … Mein Gehirn lieferte viele Horrorvisionen. Dazu wurde ich leicht seekrank, denn das dauernde ->runter ins Schiff-> wieder hoch → wieder runter bei diesem Kurs bekam mir gar nicht.

Die Robinhome, sie ist etwas schneller als wir, meldete sie würden ein schwaches Licht sehen. Dann bekamen sie Funkkontakt mit der „Mayday-Yacht“. Ein schnelles französisches Gespräch. Wir fragten nach. „Sie warteten auf ein portugiesisches Rettungsschiff, Unsere Hilfe wurde nicht benötigt!!!!!!!!!!!

Wir konnten abdrehen. Ich war schon etwas erleichtert und ich glaube, die Crew der Robinhome auch. Wir setzten die Segel, dann ging ich schlafen.

Im Nachhinein haben wir erfahren, daß auch die Crew der SY Homeless mit den jungen Finnen dorthin gefahren ist. Auch sie wurden wieder weg geschickt, ihre Hilfe würde nicht gebraucht.

Da hat jemand den Sinn eines Mayday Hilferufs falsch verstanden. Mayday heißt SOS, (Save our Souls) = rettet unser Leben und nicht: schlagt euch die halbe Nacht um die Ohren, aber wir brauchen eure Hilfe nicht.

 

Eben war die portugiesische Portpolice an Bord. Wie immer in Portugal eine Seite Fragebogen, aber danach ein nettes: enjoy your time in Porto Santo.

Mittwoch, 09.10. bis 14. 10.

Porto Santo

Zwei Kilometer bis in die „Stadt“.

Wir sind zur Zeit in der Marina, die nun wieder freie Plätze hat. Duschen, Haare waschen, Wäsche -
> nein, nicht selber waschen. Loundry Service! In der Rezeption abgeben, sauber wieder abholen.

Ist auch mal schön.

Zum Einkaufen wandert man am Strand entlang, locker und entspannt, die Füße von den warmen Wellen umspült, das tolle Panorama vor Augen. Das Wasser ist hellblau bis türkis, weiter draußen fast violett. Läuft man zurück ist es mit dem leichtfüssigen dahin flanieren vorbei. Schwer bepackt mit der ergatterten Beute sinkt man fast bis zu den Knöcheln in den weichen Sand ein. (Gut, es ist ein wenig übertrieben, aber nicht viel.)

Der Ort selbst, naja. Nett und übersichtlich. Ein paar Palmen peppen das Ganze auf, einige Häuser sind jedoch wirklich schön. Alles gut gepflegt.

Abends, wenn man noch einmal zum Essen dorthin läuft, ist es noch schöner. Das Wasser leuchtet jetzt silberfarben vor dem dunkel werdenden Horizont. Die Lichter des Ortes funkeln und man genießt jeden Schritt.

 

 

Die Hafenmauer ist jedoch der Hammer. Circa 500 m lang ist sie dicht an dicht bemalt. Viele Yachties, die hier Station machten, haben sich dort verewigt. Die Ewigkeit dauert ca. 4 – 13 Jahre, dann ist die Farbe verblasst. Es sind richtige kleine Kunstwerke dabei. Auch das Bild der Tamoras haben wir gesucht und gefunden.

 

Morgen geht es zurück in das Ankerfeld. Wind ist zur Zeit nur ganz wenig. Wir bleiben bis Montag oder Dienstag hier, dann geht es nach Madeira. Wenn wir Pech haben müssen wir dieseln.

 

Dienstag, 15. 10.

Madeira

Gestern sind wir nach 40 nm „Wasser pflügen“ im Hafen von Funchal eingetroffen. Gleich am Eingang stapelten sich die Boote nebeneinander. Wir reihten uns ein. Etwas Aufregung folgte, da wir wohl in der Fahrlinie eines Riesenkatamarans hinein ragten. Aber alles ging gut, er rauschte an uns vorbei. Eine Männercrew legte ab und wir wechselten noch mal den Liegeplatz für die Nacht.

Samtschwarz, mit unendlich vielen gelben Lichtern, die bis hoch in die Berge reichten, so erlebten wir unseren ersten Abend auf Madeira, in den Plicht sitzend, die Wärme und den Wein genießend. T-Shirt-Wetter bis Mitternacht.

 

La Dolce Vita

Heute früh zogen wir wieder um. Wir haben, dank der Hilfe des Hafenmeisters, einen richtig guten Platz ergattert. Am Schwimmsteg, mit Mouringleine! Jetzt können wir unser Boot bedenkenlos verlassen und uns Madeira anschauen.

Eine erste Erkundung: ein wenig Altstadt, zwei superschöne Grünanlagen, das Wahnsinnspanorama mit Blick über das Meer. In der Café/Bar Ritz tranken wir frisch gepressten Orangensaft, richtig dekadent mit Strohhalm und Eis, dazu gab es klasse Guitarrenmusik mit ein wenig Mandolinen-Sound. Wir fühlten uns wie Kreuzfahrer.

Von denen gibt es hier richtig Viele. Zur Zeit liegen zwei riesige Schiffe im Hafen, ich schätze mal mit je 1000 Touris an Bord. Alle schleppen sich durch die Straßen oder bevölkern die Cafés, denn es ist richtig warm.

Wir liessen es heute langsam angehen. Um 14 Uhr waren wir zurück am Schiff. Heute Abend stürzen wir uns noch einmal ins Getümmel.

Morgen müssen wir arbeiten. Dank der Schlamperei der Malerfirma sieht unsere SPICA aus wie ein Dalmatiner oder als hätte sie die Masern. Lauter mit Rostumwandler betupfte Stellen, kleine schwarze Flecken, die wir morgen mal wieder mit weißer Farbe kaschieren werden. (Nicht daß man sie noch ins Tierheim steckt oder unter Quarantäne stellt).

Mittwoch, 16.10.

Immer schön cool bleiben

Heute machen wir mal eine mentale Übung.

Stellt Euch vor, ihr steht bei Kaisers oder Aldi an der Kasse. Es ist 17:30 Uhr, ihr kommt von der Arbeit und musstet noch schnell etwas einkaufen. Alle Kassen sind besetzt, vor jeder gibt es eine lange Schlange. Langsam rückt ihr vor. Der Blick auf die Kasse wird frei. Die Kassierer/Innen ziehen ein Produkt durch den Scanner, öffnen eine Plastiktüte, verstauen es darin und wiederholen den Vorgang bis alle Waren verpackt sind. Das dauert etwas! Endlich bist Du drann. Eine Frau steht noch vor Dir, plaudert mit der Verkäuferin, diskutiert vielleicht auch. Keine Ahnung, es ist portugiesisch. Dann geht sie weg, die Tüten mit den Einkäufen stehen noch da. Die Verkäuferin legt die Hände in den Schoß und wartet. Es passiert NICHTS.

Was würdet ihr tun? Augen verdrehen? Seufzen? Demonstrativ mit den Fingern klopfen? Nachfragen?

Mein Blutdruck würde in Deutschland in die Höhe schnellen, wie seinerzeit, als ich zur Post musste und diese noch staatlich war.

Die Leute hier stehen einfach da und warten. Der junge Mann hinter mir mit einer Rolle Toilettenpapier, die junge Frau mit der Cola und dem Müsliriegel – keine Reaktion.

Ich fiel nicht weiter auf, denn ich war starr vor lauter Fassungslosigkeit. Nach gefühlt 10 Minuten (in Wirklichkeit 4-5) kam die Dame zurück, (sie war mal eben am Geldautomaten) legte 20 Euro hin, schwatzte noch ein wenig mit der Kassiererin und verschwand dann mit ihren Einkäufen. Warum sie nicht mit der Karte an der Kasse zahlen wollte?!?! Dieses Geheimnis trug sie mit sich fort.

ALSO! Wenn Ihr das nächste Mal an der Kasse steht und die Dame/Herr an der Kasse wagt es, ausgerechnet vor Euch die Bonrolle zu wechseln, denkt an diese Geschichte und vielleicht könnt Ihr ja dann darüber lachen.

Donnerstag, 17.10.

Bärbel kommt! Juhu! (meine Schwester)

Sie landet heute Nachmittag um 16:35 Uhr.

Wir wanderten vormittags zum Markt. Ein Fest der Sinne verspricht der Reiseführer. Beeindruckend war es schon. Eine unglaubliche Fruchtvielfalt. Wir sahen und probierten Früchte, die wir noch nie vorher gesehen haben. Die meisten schneidet man auf und löffelt den ungemein schmackhaften Inhalt aus. Bananen gibt es in vielen Varianten. Zum Kochen, zum Löffeln, „normale“ und dicke, die von der Form eher einer schlesischen Blutwurst ähneln. Grün, gelb, groß, klein, dick, dünn, alles Banane.

 

Wir kauften Eine, die aussieht wie ein Tannenzapfen, bei der man das Fruchtfleisch mit einem Messer heraus picken muß, dazu eine Auslöffelfrucht mit Zitronenaroma. Für den Preis hätte man eine vierköpfige Familie beköstigen können. Aber frohe erwartungsvolle Touris lassen sich so etwas schon mal aufschwatzen.

Also, heute gibt es als Begrüßungsmenü

-Avocados

-schwarzen Degenfisch mit gebratener Banane (Madeira Art)

-die obigen Fruchtexoten

-Käse und Wein.

 

Gleich fahre ich mit dem Bus zum Flughafen. Norbert hält hier die Stellung falls wir uns verpassen.

Auf dem Markt

Freitag, 18.10.

Jardim Botanico,

der Botanische Garten, ein extra Tipp unseres Reiseführers.

Schon allein die Busfahrt dorthin hatte Slapstick-Charakter. Unser Busfahrer jagte die steilen Straßen den Berg hinauf. Durch ein etwas vorwitziges Auto in seiner wilden Fahrt behindert, ließ er aus dem Fenster hängend eine heftige Strafpredigt auf den armen Sünder los. Er schimpfte und tobte, ein echter Killer.

 

 Wohlbehalten, wenn auch etwas verschüchtert, trafen wir an unserem Ziel ein.

 Dieser alte Garten ist schon sehr beeindruckend. Die ganze exotische Pflanzenpracht Madeiras konnten wir hier bestaunen. Leider bereitete ein heftiger und andauernder Gewitterregen unserer Erkundung erst einmal ein jähes Ende. Glücklicherweise waren wir gerade an dem kleinen Parkimbiss, in dessen Wintergarten wir kurzfristig Schutz vor dem vielen Wasser fanden. Kurz danach schien die Sonne wieder mit voller Kraft und wir erfreuten uns wieder an den vielen Pflanzen, Büschen und Bäumen. Ein wunderschöner Ort, jederzeit zu empfehlen.

Samstag, 19.10.

Von Camacha nach Monte

Unsere erste Wanderung.

Madeira ist durchzogen von vielen schmalen Bewässerungsgräben, neben denen die alten Wartungspfade nun den Touris als Wanderwege gute Dienste leisten. 2000 km lang ist dieses Netz.

Wir begannen nach unserer langen Wanderabstinenz mit einer einfachen Tour. Fast immer neben den kleinen Wasserläufen führte der Weg durch Dörfer und Wälder, ins Tal hinunter und wieder steil hinauf. Viele Blumen und Pflanzen, die wir gestern gesehen haben, gab es auch hier. Wilde Lilien in rosa, blau und weiß. Zeitweise begleitete uns der angenehme Duft der Eukalyptusbäume, die hier zahlreich vertreten sind. 2/3 der Strecke schafften wir im Trockenen, den Rest wanderten wir durch den erst feinen, dann immer kräftiger werdenden Regen. In Monte schauten wir ein bißchen den Korbschlittenpiloten zu, die auf mutige und zahlungskräftige Gäste warteten, um dann mit ihnen bergab zu schlittern.

Unsere heutigen Busfahrer erwiesen sich als ruhige Vertreter ihrer Spezies, kein Vergleich mit dem Wutbolzen von gestern.

Im Pizza Hut fielen wir ausgehungert über eine Familienpizza her. Total lecker.

Abends saßen wir noch lange in der Plicht, legten die Füße hoch, redeten, tranken ein wenig Wein und schauten auf die Lichter der Stadt.

Sonntag, 20. 10.

Funchal und Camara do Lobos

Heute besichtigten wir mit Bärbel die historische Altstadt von Funchal. Eigentlich sind es nur zwei lange Straßen. Die Häuser sind klein und alle Türen sind bemalt. Ganz am Ende fanden wir die Fado-Restaurants. Das Sabor a Fado wurde uns von Silke und Dieter von der Tamora wärmstens empfohlen. „Dort singt und kocht die ganze Familie“. Wir werden das testen.

Hinter der Altstadt steht ein altes Castello, gelb gestrichen, dadurch etwas gewöhnungsbedürftig.

 

Bei einem frisch gepreßten Orangensaft beschlossen wir einen Sonntag-Nachmittag-Ausflug mit dem Bus. Wir sind hier begeisterte Busfahrer. Man sieht viel und es ist immer etwas los. Unser Ziel war Camara do Lobos, ein „kleines“ Fischerdorf, umgeben von Bananenplantagen.

Es war wirklich schön. Am Hafen lagen ein paar Fischerboote, auf einem wurde Fisch getrocknet.

Eine Mauer aus hohen Basaltsäulen schirmte den Hafen ab. Das Dorf schmiegt sich zwischen Hafen und Berg. Alles sieht gut gepflegt aus.

An dem kleinen Strand ließen wir die Wellen um unsere Füße platschen und genossen die Sonne und die schöne Aussicht. Ein friedlicher, harmonischer Nachmittag.

Montag, 21. 10.

Sao Lourenco / Baya d'Abra

Mit dem Bus 113 erreichten wir nach 75 Minuten die Baya dÀbra. Hier beginnt eine Wanderung über die Klippen am Ostende von Madeira. Die Entscheidung war richtig, denn Funchal und seine

Bergdörfer versanken im Regen. Je weiter wir nach Osten kamen, desto mehr blauer Himmel war zu sehen. Der Wanderweg zieht sich über die steilen Flanken der Lavafelder, vorbei an atemberaubenden Abbrüchen, die einen schönen Blick auf die im Wasser stehenden Felsen freigaben. Die Sonne schien und die Farben strahlten. Das Meer war blau, die Felsen ocker, rot, schwarz und an den Hängen ein ganz helles graugrün, lauter Flechten und Moose. Der Wind wehte heftig und das Wasser war durchzogen von vielen weißen Wellenkämmen. So spektakulär hatten wir uns das nicht vorgestellt.

Bärbel schaute nach Vögeln, aber viele gibt es hier nicht. Dafür sahen wir jede Menge Eidechsen.

Als wir windgeschützt hinter den Mauern einer Naturschutzhütte unser Picknick verzehrten, legte ich mein Brot nur ganz kurz neben mir ab. Schon wollte eine Eidechse es wegschleppen. Ich eroberte es zurück. Wir ließen die Reste eines Apfels zurück, damit waren sie dann auch zufrieden. Nach dem letzten steilen Anstieg hatten wir einen super Ausblick auf das Meer bis hinüber nach Porto Santo. Auf dem Rückweg trafen wir noch Sabine und Sven, die beiden „Blauen Felixe“, die auch hier gewandert waren.
In Funchal regnete es immer noch oder schon wieder, da hatten wir echt das bessere Wetter erwischt.

Abends gingen wir essen, danach wurde noch eine Runde Karten gespielt. Ich habe gewonnen!

Dienstag, 22. 10.

Jardim Tropical Monte Palace

Nach einer kleinen morgendlichen Einkaufsorgie brachen Bärbel und ich zu unserer zweiten Gartenbesichtigung auf. Norbert übernahm es einen Mietwagen für Mittwoch zu besorgen, so daß wir Zeit für diesen Ausflug hatten.

Die Teleférico (Madeiras Seilbahn) brachte uns komfortabel über die Häuser der Stadt, querte die Autobahn (ganz schön weit unten) und brachte uns bis zum Eingang des Parks.

Eine Mischung aus alten Bäumen, viele von meinen geliebten Farnkrautstauden, Blumen (nicht mehr so viele), Ranken, Büsche und jede Menge Unterholz ergibt ein fast urwaldartiges Ambiente, das sich ca. 1 km den Hang hinunter zieht. Viele große und kleine Wege sowie etliche „Trampelpfade“ ziehen sich kreuz und quer durch dieses Dickicht. Dazwischen immer wieder etwas Kunst. Bis zu 500 Jahre alte Kachelbilder (Azulejos), Grotten ausgekleidet mit halbierten Edelsteindrusen, ein japanischer Garten mit zierlichen roten Stegen, die zwischen den Bäumen verlaufen, Brücken über kleine Teiche voller Kois, zwei Reihen „Chinesen in Portugal“ und das Beste von Allem: ein riesiges blaues gerahmtes Bild mitten im Wald.

Manches davon inspirierte uns zu einigen lustigen Fotos. Kurz, wir hatten jede Menge Spaß.

 

Zurück im Hafen, es war bereits 18:30 Uhr, bereiteten wir den schwarzen Degenfisch zu, den wir vormittags gekauft hatten und verspeisten ihn bis zum letzten Krümel.

Mittwoch, 23. 10

Inselrundfahrt

Schon der erste Teil der Straße von Ribera Brava nach San Vincente war wunderschön. Wir querten die Insel von Süd nach Nord.

Die vom Südwind getriebenen Wolken stauten sich an den steilen Bergflanken, von denen sich mehrere hintereinander auftürmten. Es nieselte etwas als wir in einen Tunnel führen. Bei der Ausfahrt lag die Landschaft im Sonnenschein. Vor uns, weit unten lag das Meer. Freundliche Dörfer gruppierten sich in den Tälern oder auf den Bergrücken. Die Vegetation war dicht, üppig grün und voller Blumen. Hortensienhecken voller riesiger Blüten säumten die Straße, die sich kurvig die Berge hoch und wieder hinunter schraubte. Viele Miradouros luden zum Anhalten ein, viele „guck mal da“ und „ist ja Wahnsinn“ brachen bei diesen Zwischenstopps aus uns heraus.

 In Santana machten wir Pause, tranken frisch gepressten Orangensaft und genossen die warme Sonne. Eine kleine Straße brachte uns zum Parkplatz an der Achada do Teixeira. Von hier führt ein Wanderweg auf den Pico Ruivo, dem höchsten Berg von Madeira (1860m). Dieser war umlagert von dichten, schnell fliegenden Wolken, die auf dem Weg nach oben für ein ständig wechselndes Panorama sorgten. Der Weg ist leicht zu gehen, über viele Stufen erreicht man den Gipfel.

Tolle Ausblicke über die steilen Bergrücken wechselten ab mit grauen Wolkenbändern, die kurzfristig ein Fenster freigaben, durch das man wie durch ein Fernglas auf die tiefer liegende Landschaft schauen konnte. Viele sonnige Abschnitte gab es, dann wieder ein diffuses milchiges Licht oder ein düsteres Grau. Einfach fantastisch.

Oben pfiff der Wind. Ca. 10 m unter dem Gipfel hielt ich an und ließ die Wolken über mich hinweg rasen. Ein tolles Gefühl. Ein paar Gipfelfotos folgten. Da wir ja eine Inselrundfahrt machten und die Wanderung nur eingeschoben war (2 Std.) hatte ich mein englisches Kleid an und darüber meine schöne knallbunte neue Jacke (Mustermix im Paradiesvogellook). Dies brachte mir einige teils verwunderte, teils mißbilligende Blicke der korrekt dezent und outdoor-gestylten Wanderer ein.

Kann ich mit leben.

Schon voll gestopft mit vielen Eindrücke fuhren wir über eine serpentinenreiche Straße durch einen dichten Lorbeerwald, später durch Fichtenhänge zurück nach Funchal, wo wir erst einmal fast eine Stunde im Stau standen, dann 5x im Kreis fuhren, weil wir die Straße der Autovermietung nicht erreichen konnten. Aber auch das nahm ein gutes Ende, denn 10 Min.vor Geschäftsschluss legten wir dort die Autoschlüssel auf den Tisch. Die junge Frau folgte uns leise seufzend die lange Strecke zu unserem Auto .( 5 Min.)

Wir setzten uns erst einmal in die Bar vor der Marina und tranken ein großes Bier. Mein Blutdruck, der mich laut Norberts Aussage in solchen Momenten, wie eben erlebt, zum Stier werden lässt, (nach der 4. Runde hätte ich jemanden ermorden können) sank wieder und nach einem leckeren Dinner klang der Abend bei 22°C und einem Tröpfchen Rotwein aus. Alle Drei waren wir begeistert von dieser Tour und glücklich, das alles gesehen zu haben.

Happy Birthday, liebe Bärbel, happy Birthday to you

Freitag, 25. 10.

 

Noch einmal Funchal

Gestern haben wir Bärbel verabschiedet. Es war eine tolle und sehr intensive Zeit, in der wir viel gesehen und erlebt haben. Heute hat sie Geburtstag.

 


Alles Liebe, Glück, Gesundheit und weiterhin gute Laune, das wünschen wir Dir von Herzen.

 

 


Heute waren wir groß einkaufen und ihr werdet es nicht glauben, diesmal waren wir das Hindernis an der Kasse, weil unsere Gambas nicht abgewogen waren. Hat aber auch keiner gemault.

Morgen geht es weiter nach Teneriffa. Wenn alles passt erst einmal ein paar Tage in eine Ankerbucht, dann weiter nach Santa Cruz. In der Rubrik „Route“ könnt ihr sehen wo wir sind, immer vorausgesetzt das Funken klappt.

Also, hasta luego.

Sonntag, 27. 10.

Wieder auf Madeira

Gestern verließen wir frohgemut den Hafen von Funchal, ungefähr so, als würden wir Weihnachten zum Tannenbaum treten und es ist ganz sicher, daß dort Geschenke für uns bereit liegen.

Eine sechs Tage währende stabile Nordwindlage war angekündigt, gemäßigte und passende Winde würden uns in 2 Tagen nach Teneriffa bringen. Den Spinnakerbaum bereits im Hafen gerichtet fuhren wir hinaus und hatten?!?!? Südwind!!!!!

Na gut, der Windschatten der Insel, evtl. noch thermische Winde, ist ja vielleicht alles möglich.

Zusätzlich schmiß uns eine kabbelige Dünung hin und her.

Nach 10 nm immer noch das gleiche Spiel, auch hier noch Wind von SO mit maximal 4-5 knt. Kurze Besprechung, dann drehten wir um. Zurück im Hafen von Funchal legten wir wieder an. Zu zweit, mit Mouringleine nicht so ganz einfach, aber es klappte gut.

Mein Skipper, langjähriges Mitglied bei Amnesty International, überlegte ernsthaft, ob es etwas bringen würde, den Wettergöttern ab und zu einen Meteorologen zu opfern.

Das nennt man heute Qualitätsmanagement, z. B. ISO 900*.

Laut Wettervorhersage (wir haben halt nichts Anderes) wäre Dienstag ein zweiter Versuch, die Kanaren zu erreichen, möglich. Da hier Meteorologen schwer zu finden sind, werde ich heute Abend ein Schlückchen von meinem eiskalten, leckeren Rosé opfern. Vielleicht hilft es.

Montag, 28. 10.

von Ribeira Frio nach Portela

Eigentlich wollte ich von Madeira nichts mehr schreiben, aber nun möchte ich Euch doch mitnehmen in die Schattenwelt der Levadas, die wir heute durchwandert haben.

Mal auf breiten Wegen, dann wieder nur auf der schmalen Levadamauer tauchten wir ein in ein grünes Dickicht voller Farne, Moose und Ranken. Darüber und darunter Bäume mit moosüberzogen Stämmen und Zweigen, die voller Bartflechten hängen. Die leise plätschernde Levada folgte dem anmutigen Schwung des Berghangs. Kleine Rinnsale flossen den Berg hinunter über dicke Moosteppiche. Es war ein ständiges Plätschern und Tröpfeln. Kein technisches Geräusch störte die Stille, nur ab und zu hörte man andere Wanderer. Drei Stunden folgten wir dem Wasserlauf, vorbei an zwei stillen Teichen über die sonst wohl Wasserfälle rauschen.

Stets war rechts die Levada, links ein steiler Abhang. Die Aussicht hinunter war spektakulär. Manchmal, wenn die Wolken, die zwischen den Bergen hingen, dünner wurden, sah man das schöne Panorama. Hohe Bergspitzen und tiefe Täler die hinunter zum Meer führten. Durch eine hohe Bergspalte ging es hinein in den ersten Tunnel, dem noch weitere folgten.

Blumen hatten in diesem Zwielicht keinen Platz, die fanden wir erst als es nach Portela hinunter ging. Hortensienbüsche mit den letzten Blüten, eine rosa Lilie, ein Margeritenstrauch. Aber auch hier war es schon Herbst. Braune Ahornblätter trieben im Wasser der Levada, auf dem Boden lag eine dünne Laubschicht. Es roch leicht modrig nach feuchter Erde.

Kurz vor Portela kam die Sonne wieder durch und wir kehrten aus der Fabelwelt in die Realität zurück.

 

Donnerstag, 31. 10.

Funchal – Santa Cruz de Tenerife

3 kranke Oldies und 1 müder junger Hüpfer

1 Meckerbericht! - Ich hoffe, Ihr habt es nicht eilig, denn es gibt viel zu erzählen.

 

In meinem letzten Eintrag habe ich euch in die Schattenwelt der Levadas mitgenommen, ein schönes Erlebnis. Heute gibt es mal einen Bericht aus der „Schattenseite des Segelns“, den ich euch nicht vorenthalten will.

Auch wenn es langweilig klingt, der Wetterbericht zeigte 18-20 Knoten aus NO, KEINE Böen, die See 2,2-1,8 m. Der nächste Meteorologe ist fällig!

Wie hoch die Wellen waren weiß ich nicht. Manchmal rollte ein kleines Einfamilienhaus auf uns zu.

Meist waren sie nicht ganz so hoch, dafür kamen sie schneller, wumm wumm wumm! Der Wind stimmte halbwegs, kein Problem. Aber die Böen! Obwohl eigentlich nicht vorhanden, s.o., machten sie uns das Leben schwer. Dazu kam mein Skipper, der sich eine Magen-Darm-Infektion eingefangen hatte (Gott sei Dank nichts Langwieriges) und etwas käsig in die Welt schaute. Die ganze Zeit rollte und bockte unser gutmütiges Schiffchen, so daß an Schlaf in der ersten Nacht nicht zu denken war.

Stellt euch vor, ein Frosch in einem Glas (war früher, vor Zeiten des Umweltschutzes ganz normal)

mit einer Leiter und ein paar Blättern, ein ungeduldiges Kind, das sich einen etwas lebhafteren Frosch wünscht und dieses Glas ein paarmal hin und her schüttelt, um diesen auf Trab zu bringen.

So etwa ging es uns und weder wir noch der Frosch hatten gute Bedingungen für ein Schläfchen.

Norberts Malässe ließ langsam nach, dafür bekam ich eine Blasenentzündung. Nicht besonders witzig, zu keiner Zeit. Kalle sei Dank hatte ich dagegen ein Mittel und so waren nur 3-4 Std. wirklich schlimm.

Mit den Wellen und dem heftigen Wind kam auch manchmal ein Schwall Wasser angeflogen. Einmal zog ich den Jackpot. Ich korrigierte gerade die Windsteueranlage als mir ein heftiger Schwall von hinten gegen den Kopf klatschte und dann den Rücken (in der Regenjacke) herunter lief. Bei jedem Rundumblick, alle 15 Minuten, benahm ich mich wie eine Katze im Korb, die weiß, daß ein großer Hund in der Nähe ist. Mit angelegten Ohren ganz vorsichtig auftauchen und die Lage peilen.

Am Nachmittag, ca. je 120 nm von Madeira und Teneriffa entfernt, bekamen wir Besuch. Eine Art Bachstelze mit zartgelbem Gefieder und schwarzer Zeichnung. Bärbel hat mal etwas von Schafstelzen erzählt, die ungefähr so aussehen könnten. Sie landete auf unserer Reeling, balancierte etwas herum, sah uns an und suchte dann auf dem Heck des Schiffes nach einer guten Stelle. Wir rührten uns nicht. Nach einem erneuten Rundflug landete sie vor dem Deckshaus . Ich hoffe, sie konnte sich ein wenig erholen. Von Luise wussten wir, daß sich manchmal ein müder Vogel auf dem Schiff ausruht.

Abends, Norbert hatte sich gerade hingelegt, zeigte nun auch der dritte Oldie eine Schwäche. Ein dreimaliges Piepsen, dann kam die Meldung: No GPS. Der fluchende Skipper krabbelte wieder aus der Koje und nahm unser Not-GPS in Betrieb.

Die Wellen und Böen hielten diese Nacht durch, so daß wir zwar schneller waren, ich aber meine Nachtwache von 2 bis 5 Uhr jede Sekunde hasste!

In dieser Nacht schliefen wir, zwar nicht fest aber das war egal. Es war wie in einer heftig schaukelnden Wiege, die eine zornige, völlig fertige Mutter schüttelt, um ihre schreiende Brut endlich zum Schlafen zu bringen.

Donnerstag morgen, die Wellen ließen etwas nach, dafür regnete es manchmal. Unser erster Regen beim Segeln seit dem NOK. Bärbel hatte mir ihr Regencape dagelassen, das uns nun schon in beiden Nächten gute Dienste geleistet hat.

Die letzten drei Stunden vor Teneriffa waren -man glaubt es nicht- wieder richtig schön. Die Wellen kamen von hinten, man merkte sie kaum. Teneriffas Küste bot ein unglaubliches Bergpanorama, im Geiste bestieg ich bereits jeden Einzelnen.

 

Jetzt liegen wir in der Marina Atlantico vor Santa Cruz und essen die Linsen, die ich gestern gekocht hatte. Ja, ihr lest richtig. Mein Skipper, von seiner Krankheit fast genesen, sinnierte darüber, daß er jetzt Linsen essen könnte. Als liebende Ehefrau und hauptberuflicher Smutje (ersteres überwog in diesem Moment) tauchte ich ab, kramte den Schnellkochtopf heraus, schüttete Wasser und Linsen hinein und bat den Skipper, mir in 5 Minuten Bescheid zu sagen. Es dauerte ein wenig länger, so daß man das Endergebnis ohne großen Kaueinsatz hinunter schlucken konnte.

Heute peppte ich den „Rest“ mit Steinpilzsahne und gebratenem Speck ein wenig auf. Walter Gehl pägte auf der Müritz mal den Satz: „Naja, man wird halt satt“.

Übrigens, auch unsere Schiffsglocke Walter, genannt nach dem obigen Spender, beschwerte sich manchmal bei diesem Törn, ich war versucht, ihr den Klöppel weg zu nehmen.

Freitag, 1. November: Die Sonne scheint (ihr wisst ja: auf Regen folgt Sonnenschein, eine alte seherische Weisheit, mannigfaltig anwendbar!), wir sind frisch geduscht, haben gut gefrühstückt, 12,5 Stunden am Stück geschlafen und haben mindestens zwei Wochen Zeit Teneriffa zu erkunden.

Da sieht das Leben wieder anders aus.

Da Schadenfreude oft als reinste Freude bezeichnet wird (und das stimmt! Ich weiß noch ganz genau wie ich nach dem Roller-Stockar-Rennen in Berlin Mitte, bei dem Brigitte Hans über den Haufen gefahren hat, vor Lachen fast vom Stuhl gefallen bin) könnt ihr jetzt solange grinsen wie ihr wollt. Ich kann es auch schon wieder.