01.-08. 11.

Eine Arbeitswoche

Aus der Plicht der SPICA sieht man auf die grandiosen Berge der Anaga. Ein toller Anblick!

Auf der SPICA sieht man jede Menge Arbeit, die vor dem großen Schlag über den Atlantik erledigt werden muß.

Die Arbeit geht vor und so verschoben wir unsere Inselerkundung immer weiter nach hinten.

Norbert repariert unter oftmaligem wilden Fluchen unser defektes GPS. Immer wenn er dachte er hätte den Fehler lokalisiert war plötzlich wieder alles ganz anders. Aber jetzt geht es wieder.

Unser zweites Vorstag ließen wir mit einem Rollreffsystem ausstatten. Das ist viel leichter zu bedienen als die alte Variante. Vor Allem muß man bei hohen Wellen nicht mehr vorne herum krabbeln.

Unser gesamtes Edelstahl an Bord hatte goldbraune Rostflecken, die haben wir inzwischen entfernt. Für die Überfahrt habe ich eine Proviantliste erstellt, die wir so nach und nach abarbeiten. Der nachzubunkernde Brennspiritus war ebenfalls ein Problem. So etwas gibt es hier nur in der Apotheke, zu entsprechenden Preisen.

In der Stadt kennen wir uns inzwischen ganz gut aus. Nach jeder Einkaufstour gönnen wir uns einen frisch gepressten Orangensaft und gucken Leute. Immer wieder legen große Kreuzfahrschiffe hier an, dann „stürmen“ die Touris die Stadt.

Im Hafen geht es lebhaft zu. Viele basteln an ihren Schiffen herum und bunkern Vorräte. Das „Boxing Kangaroo“ mit den beiden total netten jungen Belgiern, die wir schon in Oeiras getroffen haben, liegt hier. Ab und zu halten wir ein nettes Pläuschchen. Letzten Montag lief abends die Anke-Sophie ein. Neben ihr haben wir in Helgoland gelegen. Seither hatten wir nur noch Funkkontakt. Thomas ist mit wechselnden Crews unterwegs, da seine Freundin erst im Februar dazu stoßen kann. Es war ein freudiges Wiedersehen und ein lustiger Abend.
Mit Elke und Bert von der Anjuli Nui haben wir auch schon einen Wein getrunken. Sie sind aus der Pfalz und seit zwei Jahren unterwegs. Das Lustigste ist, das die „blauen Felixe“, Sabine und Sven deren Berichte im Netz seit langem verfolgen. Zwei Tage lag die Calimera mit den jungen Finnen neben uns. Irgendwie trifft man immer wieder jemanden, den man schon kennt.

Rosi und Klaus fehlen mir, sie sind aber zumindest schon auf dem gleichen Breitengrad wie wir.

Wir werden noch einige Zeit auf Teneriffa verbringen. Die Insel ist groß und laut Reiseführer sehr interessant. Und wir kennen sie noch nicht.

Freitag, 08. 11.

In der Mondlandschaft am Teide

Für drei Tage gehört uns ein Opel Corsa. Wir folgten der TE 24, einer sehr kurvenreichen Straße, im ersten Abschnitt durch einen feuchten Kiefernwald. Dicke Wolken hingen zwischen den Bäumen und waberten über die Straße. Langsam näherten wir uns der Baumgrenze. Viele Miradors, die zum Fotografieren einluden, blieben ungenutzt. Heute sah man nur grau-weiße Watte, aber in wolkenfreien Zeiten bieten sie bestimmt ein tolles Panorama. Dann, in ca. 2000 m Höhe war die Sonne wieder da. Klare Luft, leuchtend helle Grasbüschel im braunroten Gestein. Die Vielfalt der bei den Eruptionen entstandenen „Landschaften“ ist erstaunlich. Beiger feinkörniger Grus, darauf hohe dunkle Steinsäulen, wie kleine Inseln im Sandmeer. Ein paar Kilometer weiter ein „brodelndes“ Lavafeld ohne eine einzige Pflanze. Alte, fast schon zerfallene Krater, ein paar Schlotreste, dazwischen ein fast dunkelroter Vulkankegel mit völlig glatten Flanken.

Wir fuhren bis zum Teide, drehten dann um und nahmen die Straße nach Puerto de la Cruz. Hier sahen wir den vielen Surfern zu, die sich in den Wellen amüsierten. Zwischen Meer und Strandpromenade liegt eine von Cäsar Manrique entworfene Poollandschaft, umgeben von vielen harmonisch platzierten Baumgruppen, die effektvoll von Lavasteinen umgeben sind. Wirklich hübsch.

 

Samstag, 09. 11.

Kalle, unser Bordarzt, hat heute Geburtstag. Liebe Grüße und Herzliche Glückwünsche nach Oldenburg.

 

Von Lava und Asche

Gestern haben wir im Nationalparkhaus eine Wanderkarte ergattert. Heute werden wir Tour Nr. 6 ausprobieren. Dauer: eine Strecke 1 Std. 45 Min. reine Gehzeit, Schwierigkeitsgrad: mittel.

Am Ende schließt Tour Nr. 7 an. Hier gibt es nach halber Strecke eine Berghütte, in der man übernachten kann. Von dort aus kann man am nächsten Morgen auf den Gipfel des Teide steigen und den Sonnenaufgang vom Berg aus erleben. Diese Hütte wollten wir uns mal ansehen.

Wir starteten in ca. 2000 m Höhe. Ein gut erkennbarer Weg führte durch die Hochebene langsam ansteigen bis hinauf zur Montana Blanca. Wilde Landschaften, schöne Ausblicke auf Felsmassive und in den Wolken verschwindende Berglinien (unter uns!). Ein bißchen wandern, leicht bergauf, eigentlich kein Problem.

Die zweite Stunde: Der Weg schlängelte sich stetig bergan. Die Beine wurden schwerer, der Atem ging schneller. Nach 5 ½ Monaten auf Meereshöhe war es schon eine Umstellung. Es wurde „steiler und steiler“. Manchmal mußte ich stehen bleiben bis ich aufhörte zu japsen.

Am Ende von Tour 6 hatten wir ca. 450 Höhenmeter bewältigt.. Gehzeit mit Japspausen → 2 Std.

Bis zur Hütte waren es laut Höhenprofil der dort stehenden Wanderkarte noch 900 Höhenmeter. Ich passte! Meine Beine waren „wie eine Flasche leer“! Aber wenigstens hinter die nächste Kurve wollte ich noch schauen. Auf dem Dach einer alten Steinhütte picknickten wir, dann drehten wir um.

Weit unter uns lag die Hochebene, die wir am Anfang unserer Tour durchwandert hatten. Den Weg konnte man gut erkennen. Hier gibt es viel Bimsstein. Ganz leichte beigefarbene Steine, mit einer zarten spinnwebfeinen Struktur. In der Sonne glänzen sie seidig. Viele Wanderschuhe haben sie zu Staub zertreten, die Spur ist viel heller als das Umfeld. Zurück lief es sich wie von selbst, locker und leicht, fast meditativ. Alles sah anders aus als beim Aufstieg. Nur wenige markante Punkte erkannte ich wieder, z. B. das von mir „Monument Valley“ benannte Stück, eine Miniausgabe des großen Vorbilds im Wilden Westen. Auch der von Norbert fotografierte „Schillerstein“ war nicht zu übersehen. Hinter einem Windschutz bietenden Lavafelsen saßen wir eine Zeitlang in der Sonne, den Rücken an den warmen Stein gelehnt. Zurück am Auto war ich ganz schön k.o.! Segeln ist ein Konditionsfresser, aber nach 4,5 Stunden so fertig zu sein, das hat mich ganz schön geschockt.

 

Von den hier lebenden Vogelarten: Felsenhuhn, Teidefink, Kanarenpieper und Raubwürger sahen wir gar nichts. Letzterer wartet wahrscheinlich bis die kaputten Wanderer zu Boden gesunken sind bevor er dann mit dem rauben und würgen beginnt.

Übrigens das Wetter! Dort wo gestern die Wolken die Sicht behinderten war es heute klar und sonnig. Alles strahlte und leuchtete wie frisch gewaschen. Ein traumschöner Tag.

 

Sonntag, 10. 11.

Im Tenogebirge

Eine Autotour, die einem der Reiseführer sehr ans Herz legt, geht in den Nordwesten von Teneriffa. Von Icod de los Vinos führt die Straße nach Garachico, einem kleinen Ort,in dem Teile der schönen Altstadt erhalten geblieben sind als bei dem Vulkanausbruch 1706 der Rest des Ortes vernichtet wurde. Um diese Gebäude herum wurde auf der „gerade erkalteten Lava“ die Stadt wieder aufgebaut. (Jetzt erst recht!!) Es war wirklich hübsch dort, klein, gemütlich und überschaubar.

Weiter ging es nach Buenavista del Norte. Auf dem zentralen Platz vor der Kirche gab es eine Taubenausstellung. Norbert, seinerzeit als Junge ebenfalls Taubenzüchter, schaute sich das an, war aber mit dem Aussehen des ausgestellten Federviehs nicht zufrieden. Die Krallen nicht geschnitten, die Füße nicht geölt und auch die über dem Schnabel wuchernde, taubentypischen „Warzen“ glänzten nicht genügend.

An ein paar Tischen nebenan wurde Domino gespielt, anscheinend ein Turnier. An jedem Tisch saßen vier Männer, um sie herum jede Menge Zuschauer. Wir reihten uns ein und erlebten das spannende Ende eines Spiels. Auch die umliegenden Bars und Cafés waren gut besucht. Viele Kinder rannten herum. Sonntag Mittag auf Teneriffa.

Ab hier fuhren wir auf einer inzwischen sehr schmalen Straße durch das Gebirge, hinauf auf ca. 1000 m ü.M.. Endlose Serpentinen, kleine Parkbuchten, tolle Ausblicke auf die umgebenden Berge und Schluchten. Am Anfang gab es an der Straße noch viele Gärten, in denen Obst und Gemüse angebaut wurde. Später war es nur noch eine grüne, verkrautete Schicht die die Berge bedeckte. Manchmal, am Ende tiefer Schluchten, sah man das Meer. Norbert schraubte uns durch die Serpentinen, die so eng und steil waren, daß viele nur im 1. Gang bewältigt werden konnten. Gegenverkehr gab es reichlich. Hinter jeder Kurve konnte ein Fahrzeug auftauchen, im günstigsten Fall ein Auto.

In Masca, einem kleinen, sehr abgelegenen Ort, machten wir Pause. Hier beginnt eine Wanderung durch eine Schlucht hinunter zum Meer. Viele Palmen, Orangen- und Zitronenbäume schmücken den früher sehr armen aber jetzt durch den Tourismus gut lebenden Ort. Eine sehr steile Treppe führte hinunter zur Schlucht. Wir haben hier Leute beobachtet, die sich beim Abstieg an dem Geländer festkrallten und sich dabei irgendwie Stück für Stück hinunter gelassen haben. Eine schon sehr spezielle Art der Fortbewegung.

In Santiago del Teide war diese schöne Bergtour leider zu Ende. Zurück führte eine etwas breitere Straße durch eine Hochebene nach Icon de los Vinos, wo wir noch ein Wahrzeichen Teneriffas bewunderten, einen über 1000 Jahre alten Drachenbaum. Ein echtes Reptil, knorrig, knotig, fast wie versteinert. Ehrfurchtgebietend!, dieses Wort trifft es am Ehesten.

Vor Masca haben wir einen weiteren Drachen getroffen, Eine große Eidechse saß ungefähr einen Meter von mir entfernt und genoss die Wärme. Ich bot ihr ein Stück von meinem Vanilleeis an. Es hat ihr anscheinend geschmeckt, so schnell habe ich eine Eidechse noch nie etwas fressen sehen. Willkommen in der Zivilisation.

 Freitag, 15.11.

Zurück beim Raubwürger

4 Tage haben wir geschuftet. Norbert hat mal wieder an der Elektrik gearbeitet, ich habe Fender geputzt. Eine Elendsarbeit! Außerdem war ich beim Arzt. Die Erreger meiner Blasenentzündung haben sich anscheinend entschlossen einen Teil unserer Reise mitzuerleben. Ich hasse sie!

Unser neues Schlauchboot wurde auch geliefert, aufgepumpt und zusammen mit unserem 2 PS Außenbordmotor ausprobiert. Ich musste mich erst einfahren. Beim ersten Mal habe ich es beim Anlegen fast unter den Steg gerammt.

Von Freitag bis Sonntag haben wir nun wieder Urlaub. Da Bärbel uns glaubhaft versichert hat, daß wir nicht in das direkte Beuteschema des Raubwürgers passen, haben wir uns wieder eine Wanderung im Teide Nationalpark ausgesucht. Diesmal war das ganze Gebiet in den Wolken, d. h. 7-8°C. Nur Tour 6, die wir letztes Mal gegangen sind bot eine Chance auf Sonne. Wir nahmen sie wahr. Außerdem war noch die Schlappe vom letzten Mal auszubügeln. Japspausenfrei erreichten wir diesmal das Ziel, genau in der angegebenen Zeit von 1 Std. 45 Minuten. Und nur die ersten 20 Min. liefen wir durch die Wolken. Schön ist es schon, wenn sie um einen herum fliegen, alles sieht total geheimnisvoll aus. Aber wir waren doch froh, als uns die Sonne wieder wärmte.

Auf dem Rückweg nach Santa Cruz stoppten wir bei LIDL: Nicht besonders gut sortiert, aber etlich Brauchbares zum Bunkern gab es schon. AUSSERDEM gab es Wiener Würstchen. Schon an der Kasse fing ich an zu sabbern. Noch auf dem Parkplatz haben wir jeder ein Paar in uns hinein geschlungen. Die ersten Würstchen seit fünf Monaten. Lecker!!!

 

 

Samstag, 16. 11.

Im Anagagebirge

Zweiter Anlauf, meine Einkaufsliste war noch nicht abgearbeitet. Zwei Supermärkte haben wir abgeklappert. Nach dem grottenschlechten Wasser aus Madeira haben wir heute den Geschmack des Wassers unserer Wahl noch im Laden ausprobiert. Gleich der erste Versuch war ok. Und nein! Wir haben die angebrochene Flasche nicht wie Mister Bean wieder zurück gestellt, sondern sie artig an der Kasse bezahlt. Jetzt ist alles im Boot. Mich wundert es, daß wir nicht untergehen.

Nachmittags sind wir durch die Berge des Anagagebirges gefahren. Dichter Lorbeerwald, einer der Ältesten der Welt. Moosbehangen säumt er die Straße, bildet grüne Tunnel durch die man fahren und wandern kann. Total schön, aber leider düster und schattig. Die Straße windet sich durch die Berge, viele fantastische Ausblicke rechts und links. Am Ende landeten wir an dem goldenen Strand von Las Teresitas, wanderten durch das warme Wasser und genossen den schönen Blick auf die Berge, den hübschen bunten Ort und die vielen Palmen die hinter dem Strand wachsen.

 

Abends gab es eine Eigenkreation: Alemanisch-atlantische Zwiebelwaie mit Thunfisch.

Für Urbadenser wahrscheinlich ein Sakrileg, aber Norbert war hin und weg.

 

Rezept:

1 Paket Blätterteig → auf dem Blech ausrollen

ca. 700-800 g Zwiebeln → schälen und in schmale Streifen schneiden

1 Dose Thunfisch in Öl → Thunfischöl in der Pfanne erhitzen

2-3 Eßl. Gewürfelten Schinken → zusammen mit den Zwiebeln in dem Thunfischöl anbraten

1 Ei mit Salz, viel Pfeffer und etwas Oregano würzen

1 x saure Sahne ca. 5-8Minuten dünsten, Thunfisch fein zerteilen und

unterheben. Etwas abkühlen lassen, auf dem Blätterteig

verteilen. Ei und saure Sahne verquirlen, gleichmäßig über

die Zwiebel-Thunfischmasse verteilen.

Bei ca. 175°C im Ofen backen bis der Blätterteig eine feste Unterlage abgibt und die Oberfläche zart goldbraun ist.

 

 

 

Sonntag, 17. 11.

Las Roques

Wo fange ich an? In meinem Kopf stapeln sich die Erlebnisse des heutigen Tages. Also dann ganz von vorn.

Heute früh regnete es. Wir wollten zum Wandern nach Villaflor. So regnerisch haben wir die Route zum Nationalpark noch nicht erlebt. Dichte Wolken, Sichtweite ca. 50 m, 3,5°C. Erst hinter dem Teide sahen wir die Sonne. Innerhalb von 5 km stieg die Temperatur wieder auf 12,5°.

Bei der „Langen Anna“ von Teneriffa hielten wir an. Sie gehört zu dem Felsgebiet „Las Roques“. Hier beginnt eine besonders schöne Wanderung, die allerdings nur 1,5 Std. dauert.

Bis Villaflor waren es noch 16 km. Nach 15 Minuten drehten wir um, denn es ging steil bergab, wieder hinein in eine dicke Wolkenschicht. Schön (aus dem Auto heraus oder in dicken Sachen) aber kalt und grau. Zurück nach Las Roques und dort auf den Wanderweg. Es war von Anfang bis Ende großartig. Einsam stehende Riesenschlote, Felsgerippe, die der Erosion widerstanden haben, erkaltete Lavaflüsse, auf denen es sich super klettern ließ. Ich konnte gar nicht aufhören zu fotografieren. Es war die bisher spektakulärste Wanderung. Die Fotos sprechen für sich, besser als ich es beschreiben könnte. Am Ende des Wegs drehten wir einfach um, genossen die Sicht aus einer anderen Perspektive und verlängerten so die Tour und das Vergnügen.

 

Die Rückfahrt:

Es war ca. eine Stunde vor Sonnenuntergang. Die Sonne stand tief. Die Farbspiele der Vulkanlandschaft in diesem strahlenden, schon etwas gelblich gefärbten Licht waren unbeschreiblich. Ocker, lila, anthrazit, rosa, dunkelrot, fast schwarz, ein helles grün oder der cremefarbene Streifen einer Schicht, die sich durch das dunkle Gestein zieht. Alles schien zu leuchten, ein extra Erlebnis. Die Temperatur lag immer noch bei 3,5°C. Ich hüpfte in kurzen Hosen mit Sandalen herum um wenigstens ein Wenig davon fotografisch festzuhalten und merkte erst hinterher, wie kalt es war. Bald tauchten wir wieder in die Wolken und erreichten Santa Cruz. Auch hier war es ganz schön frisch! Mir war richtig kalt, bei 19°C.

Ja, ich weiß! Wir frieren hier auf hohem Niveau.

Dienstag, 19. 11.

Bürokratie oder Regeln?

Gestern war ich wieder kurz im Medical Center. An der Anmeldung stand keiner an. Also ich schnell dorthin. Auf Spanisch wurde ich belehrt, daß ich zum Automatico gehen und eine Nummer ziehen muss. Von fünf Möglichkeiten konnte ich eine ausschließen, drei waren unverständlich, auf der fünften Taste stand otras. Diese drückte ich und bekam die Nummer 11. Im Warteraum, wo ich mich gerade niederlassen wollte (auch hier kein Mensch), stand die Anzeigetafel, auf der auch schon die 11 blinkte. Zurück am Tresen legte ich meine Nummer vor und wurde nun freundlich empfangen.

Das mit den Nummern gibt es in Spanien und Portugal überall. Auf der Post, in fast jedem Supermarkt für den Brot-, den Fisch-, dem Fleisch-, dem Wurst- und dem Käsestand. Die Automaten, an denen man diese Nummern ziehen kann, sind oft nicht leicht zu finden. Weiß man erst wie sie aussehen stehen sie plötzlich überall herum. Ich finde das richtig gut, könnte man bei uns auch einführen.

Die Empörung mancher, meist deutscher Touristen, die sich z. B. In der wartenden Menge vor dem Brotstand übergangen fühlen, macht sich dann auch manchmal Luft. Einen habe ich mal aufgeklärt aber er meinte, gestern wäre es auch so gegangen!?

 

Samstag, 23. 11. 2013

Mein Geburtstag

Seit fast sechs Monaten sind wir jetzt unterwegs. Es war bisher eine spannende Reise, bei der wir viel erlebt, viel gesehen und viel gelernt haben, vor Allem, daß wir noch viel zu wenig wissen, gesehen und erlebt haben. Die Welt ist riesig und meist wunderschön.

In meinen Gedanken vor der Reise waren die Kanarischen Inseln immer der Punkt, an dem das große Abenteuer, die Atlantiküberquerung, beginnt. In dieser Hinsicht habe ich mich getäuscht. Das große Abenteuer begann mit dem Ablegen in Kröslin. Es steckt in jedem Törn, kurz oder lang, schön oder nervig.

Unser nächstes Ziel sind die Kapverden. Sie liegen vor der senegalesischen Küste, das ist schon ganz schön afrikanisch. 860 nm bis Mindelo auf Sao Vicente, unsere bisher längste Strecke.

Mein Geburtstag fällt in die Vorbereitungszeit. Ein bißchen arbeiten, ein bißchen feiern. Bei Letzterem fehlt ihr mir. Am liebsten hätte ich euch alle hier!

Ich stoße in Gedanken mit euch auf mein neues Lebensjahr an.

Prost, Santé, Skol, Cherio und Salute.

 

Sonntag, 24. 11.

Geburtstag in Santa Cruz

Liebe Leute.

Vielen Dank für die vielen Imehls, die ich zu meinem Geburtstag bekommen und über die ich mich sehr gefreut habe. (Ist untertrieben! Ich habe sie inhaliert!)

Das Wetter bot Alles an diesem Tag, Sonne, Wolken und Regen. Aber auch den wunderschönen Regenbogen, den ich als Geburtstagsgeschenk gern angenommen habe.

 

Norbert, nicht nur mein Ehemann sondern auch mein Skipper (und somit verantwortlich für das Equipment und die Sicherheit an Bord) ist dem Vorschlag vieler Leute, mich an diesem Tag zu verwöhnen, gern nachgekommen.

Er“verwöhnte“ mich mit zwei auseinander genommenen Winschen, die von altem klebrigen Fett nur so starrten und gewaltig stanken. Die habe ich gereinigt und entfettet. Danach waren meine Finger schwarz und stanken ähnlich. Norbert hat sie (die Winschen, nicht meine Finger) dann wieder zusammen gesetzt und neu gefettet. (Ich gebe zu, es war wichtig und jetzt laufen sie auch wieder viel besser, was meinen Oberarmen demnächst zu Gute kommt).

Abends haben wir dann auf meinen Geburtstag angestoßen, in Gedanken an und mit Euch.

25. - 28. 11.

Wenn alles getan ist...

Das Schiff ist fertig (die Crew auch)

Die neue Rollreffanlage am zweiten Vorstag funktioniert, die Segel auch, jetzt! Das Sturmsegel mußte noch einmal nachgearbeitet werden.

E-Mails und Tagebucheinträge werden täglich in der „WiFi-Zone“ der Marina eingestellt und in die Welt hinaus geschickt. Ein beliebter Treffpunkt für Alle.

Norbert hat Motor- und Getriebeöl und Ölfilter gewechselt, die Ruderanlage gefettet, die Stromversorgung der Kurzwellenanlage und der Kühlbox neu verdrahtet und einige Umlenkrollen der Windsteueranlage erneuert.

Das neue Dinghi ist getestet und wieder verpackt.

Spinnakerbaum setzen wurde geübt, detailliert!

Die Handgriffe zum Ausbaumen der Fock (2. Vorsegel) mit dem Großbaum ausprobiert.

Neue Bücher auf das Kindle geladen.

Vorräte gekauft, unter anderem 160 l Trinkwasser, jede Menge Konserven gebunkert, 2x Lebkuchen und ein Stollen inclusive.

Die Deko für Weihnachten erstanden, heute noch drei große Kiefernzapfen gesammelt.

320 l Diesel und 400 l Leitungswasser sind an Bord.

ALSO!!!

Bis auf Frischkost (Obst und Gemüse) ist alles im Boot. Wir könnten auslaufen.

Geht dummerweise nicht, da uns ein Tiefdruckgebiet im Norden die Luft absaugt und Südwind erzeugt.

Wir haben Lust auf Neues, die Kapverden locken. Mit diesem Wind geht das jedoch nicht.

Aber das hat auch etwas Gutes. Rosi und Klaus sind schon auf Gran Canaria und haben gefunkt, daß sie mit dem nächsten Windfenster in Santa Cruz eintreffen werden.

Ich habe den Sekt schon kalt gestellt.

 

29.-30. 11.

Ein rattenscharfes Gerät

Wir haben mal wieder 3 Tage Urlaub und dafür wie bisher ein Auto gemietet, Opel Corsa, wie gehabt. Aber statt Corsa brachte Norbert einen weißen Fiat 500 Abarth Cabrio mit. Sie hatten keinen Corsa mehr und rückten daher dieses heiße Teil heraus.

Ein knuffiges Auto, klein aber total aufgemotzt, Abarth halt. Mit über 100 PS röhrte es die Serpentinen hinauf. Heute konnten wir das erste Mal  die Nachbarinseln sehen. Gran Canaria, La Palma und am Horizont Hiero. Gomera schien über dem Wasser und zwischen den Wolken zu schweben.

Am Freitag fuhren wir nach einer netten Wanderung noch weiter bis Los Gigantes, den hohen Klippen im Südwesten. Hier liegen zur Zeit die „blauen Felixe“ in der kleinen Marina. Ein netter aber kurzer Besuch, da wir noch den weiten Weg bis Santa Cruz fahren mussten.

 

Am Samstag hatte sich der Teide adventsmäßig gestylt. Ein Wattemäntelchen um die Schultern eine Weiße Zipfelmütze auf dem Kopf. Überhaupt! Hier ist die Adventsbeleuchtung bereits komplett installiert. Am Freitag Abend wurde dann der Strom eingeschaltet. Jetzt schlendern wir im T-Shirt mit kurzen Hosen unter roten, weißen oder blauen Sternen herum. Im Supermarkt spielen sie Stille Nacht, heilige Nacht auf Spanisch.

Sehr gewöhnungsbedürftig.