Mittwoch, 03. Juli

Summer has arrived.

 

Heute Nacht erlebten wir 3-4 Stunden Traumsegeln. Gegen 22 Uhr kam der Wind, wie angekündigt, endlich von Süden. 3-4 Windstärken, glattes Wasser. Wir glitten durch die Dämmerung in die Nacht. Kleine Wellen plätscherten, etwas größere rauschten leise. Es war fast gespenstisch – und es war warm! Meine Müdigkeit war vergessen, die Zeit stand fast still. In diesem Moment war es mir nicht mehr wichtig irgendwo anzukommen, es war nur noch schön.

Leider sind die Gewässer um Borkum von Sandbänken durchzogen. Viele Lichter blinkten und leuchteten um uns herum, wir mußten höllisch aufpassen. Um 5 Uhr morgens lagen wir dann im Burkana Schutzhafen fest. Die letzte Stunde war navigationsmäßig noch ziemlich dramatisch. Es ist schon sehr speziell ins Dunkle hinein zu fahren nur nach Karte und Computer.

Egal! Wir sind da.

Am Sonntag und Montag war herrliches Sommerwetter auf Helgoland. Sonne, blauer Himmel, gemäßigter Wind. Der Hafen erlebte eine Invasion. Unmengen Segelboote legten an.

Die Päckchen ( das erste Boot liegt längsseits am Steg, der Nächste legt sich daneben, der Nächste..., der Nächste...(guckt das Hafenfoto)) füllten sich. Sieben bis acht Boote lagen neben einander. Schweden, Norweger, Finnen, ein paar Holländer, viele Deutsche. Die Skandinavier standen durch den anhaltenden starken Westwind in Nordfriesland oder Dänemark im Stau. Sie kamen mir vor wie die Zugvögel im Herbst an der Müritz, einer gibt das Signal und alle ziehen los.

Wir starteten um 10:15 Uhr. Der Wetterbericht klang nicht schlecht. Unser Nachbar am Steg wollte ebenfalls weg, das hieß – acht Boote legten ab und 6 wieder an.

Am Anfang segelten wir 2-3 Stunden, dann kam der Wind von SW, aber sehr schwach. Der Diesel mußte her. ABER! Das Verblüffendste waren die Temperaturen. Ich schälte mich nach und nach aus meinen fünf Schichten. Zurück blieben 2: T-Shirt und Vliesjacke. Die Sonne schien, später kamen ein paar Wolken. Die Nordsee prunkte in einem hellen, leicht milchigen Grün, ein bißchen wie Jade. Ein Seehund beehrte uns mit seiner Anwesenheit. Leider kam er nicht nah heran, ist halt kein Delfin.

Abends gab es das erste warme Essen während der Fahrt. Pellkartoffeln, zum Üben halt.

Dann das oben erwähnte Traumsegeln. Leider mußten wir am Ende noch 2,5 Std. „Tonnenstrich“ dieseln, Ems aufwärts, da der Hafen auf Borkum nur so zu erreichen ist.

Auffällig ist hier der extrem starke Duft, der den vielen Holunderbüschen neben dem Hafen entströmt. Ich atme so tief ein wie möglich, damit mir davon ja nichts entgeht.

 

Fazit: Seit Helgoland 85 nm „Westen“ erobert. Unser Längengrad liegt nun bei 006°. Gestartet sind wir in Kröslin bei 013°45´. 7 von 360 Längengraden

(= 1x around the world) haben wir also schon, verbleiben 353! Geht doch, oder?

 

Freitag, 05.07.2013

Touri-Tag auf Borkum

Nach dem Frühstück hätschelte Norbert geraume Zeit seinen Freund, den Motor. Nachdem dieser wieder hübsch und frisch war (im Gegensatz zu Norbert, der dies nicht mehr war) gönnte Letzterer sich eine Dusche. Wieder vorzeigbar schlenderte er mit mir zum Fährhafen.

Hier wartete die Inselbahn, bunt und abfahrbereit. Spontan stiegen wir zu. Endstation ist mitten in Borkum Stadt.

Im „Lord Nelson“ einer Bier- und Coctailbar (es gibt hier auch Altbierbowle mit Erdbeeren) saßen wir in der Sonne und tranken ein Bier.Tatzeit 16:00 Uhr. Das ist hier schon ganz schön spät, die Ersten konsumieren dies bereits gegen 11:00 Uhr. Danach folgte ein Strandspaziergang, Füße im Wasser auf ganz feinem Sand. „Total erschöpft“ landeten wir zum Abendessen in einer Pizzeria mit Meerblick und genossen eine unglaublich leckere Pizza.

Uns gefällt Borkum sehr. Viel Natur, schöne verkrautete Dünenvegetation, unendlich viele Wildrosen, Trubel wo er hingehört, überall eine ruhige aber fröhliche Stimmung.

Samstag, 06, 07.

 

Angelika und Ulli sind da

Abends um 20:30 Uhr holten wir die Beiden an der Fähre ab. Zur Begrüßung gab es viele Umarmungen und später Linguine mit Spinatsahnesoße und „Lachskibbeling“. Sehr lecker!

Rezept s. unten.

 

 

 

 

 

 

Rezept für 4 Personen:

 

350 g Linguine bißfest kochen

1 Paket Blattspinat mit Gorgonzola auftauen

 

Soße:

1 klein gewürfelte Zwiebel in Butter andünsten,

1 x Sauce Hollandaise fettarm nach Rezept einrühren,

1 große Prise Muskat

etwas Hühnerbrühe

Pfeffer, Chilikörnchen

1 Eßl. Tomatenmark,

1-2 Spritzer Zitronensaft

Sahne nach Wunsch und Gefühl,

Soße fertig kochen, Spinat dazu geben.

 

500 g Lachs würfeln, mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer würzen,

scharf anbraten.

Nudeln mit Soße mischen, Lachswürfel darauf verteilen.

Guten Appetit.

 

Sonntag, 07. 07., - Montag, 08. 07.

Borkum → Ijmuiden

Nordostwind 2-4, Sonne pur!

Heute nur Stichworte, wir haben keine Zeit (Urlaub)!!!

Abfahrt 11:45 in Borkum, mit ablaufendem Wasser die Ems hinunter.

Unsere Sommergäste verschwanden für einen laaaaangen Mittagsschlaf in den Kojen.

Zweites warmes Essen an Bord: Gemüsereis mit Bratwürstchen.

Nette Begleitung für viele Stunden: SY J.R.Tolkien, siehe Fotos:

Nachtwache:

 

22:30 Uhr Angelika und ich , der Skipper legte sich hin,

00:45 Uhr, Norbert löste uns ab.

04:00 Uhr, ich stand wieder auf und wollte Norbert Gesellschaft leisten,

aber Ulli übernahm bis 6:00 Uhr. Also hatten Angelika und ich viel Schlaf in dieser Nacht, Norbert am wenigsten.

 

Montag: Frühstück, dann luxussegeln, immer noch NO-Wind.

Festmachen um 16 Uhr in Ijmuiden in Holland.

Strandspaziergang, gefolgt von einem wunderbaren Essen in einem Strandbistro in der Abendsonne.

Uli und ich besoffen uns mit je zwei Flaschen Amstel, Alkohl 0%.

Das Leben ist schön!

 

Erbeutete Meilen: 136.

 

Dienstag, 09. 07.

Kurzstrecke Ijmuiden → Scheveningen

Ausschlafen von 22:00 bis 8:00 Uhr.

Frühstück in der Sonne.

Die große Genua zog uns in 4,5 Std. die 25 nm bis Scheveningen. Jetzt liegen wir mitten in Scheveningen/Den Haag in einem übervollen Yachthafen und genießen: Hafen, Sonne, nette Holländer, das kostenlose W-Lan und später hoffentlich einen ebenso schönen Abend wie gestern.

 

Freitag, 12.07.

Brügge! (oder Brugge, wie es in Belgien geschrieben wird)

Vor vielen Jahren habe ich diese schöne alte Stadt mit Nicole, Jochen und unseren Kindern besichtigt und ich habe sie in sehr guter Erinnerung.

Vorher jedoch musste die Navigation für Samstag stehen. Relativ wenig Wind, dafür 90 Meilen bis Dover.

Wir fragten revierkundige Holländer, die uns empfahlen nur bis Dünkirchen /Dunkerque zu segeln und von dort dann nach Dover weiter zu fahren. Abgesehen von dem Angstschweiß auf meiner Stirn bei dem Gedanken an die endlosen und sehr flachen Sandbänke vor der belgischen Küste ist das eine sehr gute Idee. Angelika und ich machten uns an die Arbeit.

Danach die Belohnung! Auf nach Brügge.

Entlang der gesamten belgischen Küste fährt eine Tram. Sie beginnt in De Panne und fährt durch alle Orte an der Küste, auch durch Zeebrugge. Hier stiegen wir zu und waren 15 Minuten später in Knokke. Weiterfahrt mit der Eisenbahn nach Brügge. Das ist eine alte und reiche Handelsstadt. Schöne Häuser und Paläste gruppieren sich um Kirchen und Plätze, entlang der Kanäle oder reihen sich in kleinen Straßen aneinander. Jeder vierte Laden verkauft Pralinen und Schokolade. Bier und Brüsseler Spitzen sind weitere Verkaufsschlager. Kleine Galerien schmuggeln sich dazwischen. Auf den Straßen fahren Pferdekutschen und auf den Kanälen Touriboote.

Ich gönnte mir heute ein belgisches Bier. Dunkel, lecker, mit Alkohol! Am helllichten Tag. Dazu einen „Croque Madame“. So gestärkt enterten wir eines der Touriboote und ließen uns 30 Minuten über die Kanäle schaukeln, vorbei an kleinen Häusern mit schön bepflanzten Terrassen und an den alten Patrizierhäusern mit ihren Steppgiebeln und Schmuckfassaden. Leider gab es heute keine Sonne und so sind die Fotos nur schöne Fotos und nicht wie sie hätten bei Sonnenschein sein können, wunderschöne Fotos.

Mit müden Füßen trafen wir wieder auf der SPICA ein, die sich heute ausruhen durfte und nun bestimmt schon ungeduldig „mit dem Kiel scharrt“ (Hufe hat sie ja keine)

Ach ja, ein Nachtrag noch: In einem kleinen Supermarkt in Brügge kauften wir Käse, Wurst und Brot. Bei der Auswahl informierte uns die Verkäuferin: „Das ist kein deutsches, sondern ein normales Brot!“

 

Samstag, 13. 07.

Zeebrugge/Belgien → Dunkerque/Frankreich

Noch etwas muß ich erwähnen: Die Marina hatte ein umfassendes Serviceangebot. Außer dem ausgehängten Wetterbericht hatten sie noch „Nuttige Telefonnummern“ im Aushang.

Am Anfang vielleicht etwas irritierend.

 

Abfahrt 9 Uhr, kein guter Wind, kein guter Kurs zum Segeln. Wir schlängelten uns anhand der ausgearbeiteten Navigationslinie vom Freitag durch die Sandbänke. Segeln ging mangels Wind nicht. Norbert war etwas gelangweilt und rüstete seine Angel auf. Leider war die Angelschnur an einer Stelle falsch gefädelt, so daß man sie nicht mehr aufkurbeln konnte. Anstatt frischen Fischs gab es nun Angelschnursalat, da diese per Hand aus dem Meer gezogen werden mußte und sich so verhedderte, daß an ein entknübbert nicht mehr zu denken war. Ca. 25 m stehen nun der Angel nicht mehr zur Verfügung, dafür habe ich jetzt ein extrem stabiles dünnes Nähgarn.

 

Der Spruch des Tages von dem verhinderten Angler:

"Das kann halt auch dem besten Angler der Welt mal passieren!"

 

 

Navigationmäßig war der zweite Teil des Törns ab 14:30 Uhr in der heißen Phase. Die Strömung schob uns zwischen den Sandbänken herum. Die Untiefen (0,7m) lauerten ¼ Meile vom Schiff entfernt. Ich verbrachte diese Zeit vor dem Computer, korrigierte im Abstand von 1-5 Minuten den Kurs. (So cool wie sich das anhört war ich nicht immer!) Kurz vor Dunkerque war das Schlimmste vorbei und auch das Kellerkind durfte sich wieder an der freundlichen scheinenden Sonne erfreuen.

Kaum festgemacht marschierten wir los in Richtung Supermarkt. Heute wollten wir richtig bunkern da 1. die Lebensmittel in England teurer sind und 2. französische Köstlichkeiten nur hier zu erwerben sind. Voll bepackt kamen wir zurück.

Abends schlemmten wir stilecht zum Verlauf des Tages belgisch-französisch.

Belgisches Bier, französischen Wein, belgischer Salat, französische Leberpastete, Surimi mit Aioli, frisches Baguette und Käse.

Leben wie Gott in Frankreich!! jedoch der Weg dahin war „(steinig) sandig und schwer“!

 

 

Sonntag, 14.07.

Faulenzen, Dünkirchen angucken. Bis auf ein paar historische Bauten gab es nichts besonderes.

Das Treiben am Strand war nett, quirlig und ungezwungen.

Aber, wenn ich ganz ehrlich bin, das Beste an Dünkirchen war der Supermarkt!

 

Sonntag, 15. 07.

Dünkirchen -> Dover – Sammeltag

Heute sammelten wir unterwegs:

nach der Hafenausfahrt Dünkirchen: ein Rudel von 21 Segelbooten, uns inclusive, alle unterwegs nach Westen,

4-5 Schweinswale – oder auch nur 4, das war nicht so klar ersichtlich, vielleicht kam auch einer zwei Mal.

1 Seehund,

3 pink-glitzernde abgestürzte Luftballons,

1 gelbe und 1 lila Qualle und ca. 4oo kleine weiße,

eventuell einen Sonnenbrand.

Zusätzlich einen Längengrad.

Und: erste Erfahrung mit englischen Häfen. Die Einfahrtserlaubnis muß bei der Hafen-Control angefragt werden. Der Liegeplatz bei der Marina, alles über Funk! In Englisch! Bei laufendem Motor! Sprechen ging ja noch, aber verstehen!?!?!? Please repeat this, but please speak slowly,

Die Dame am Funkgerät kannte das letzte Wort wohl nicht. Beim zweiten Mal klappte es mit der Verständigung und wir legten im Wellingtn Dock an, Platz 74! Jedenfalls sind wir in England. Juhu! Und: es ist unlike unserer Vorstellung ein brüllend heißer Sommertag.

5 Tage – 4 Länder, keine schlechte Bilanz.

Nachtrag:

Die gestrige Navigation und die sichere Querung des Traffic Separation Scheme hat laut N der Navigatorin gestern und heute den Meistertitel verliehen.

Ich leihe mir jetzt mal Norbos Spruch: „Durch meine Führung sicher ans Ziel!!!“

 

 

Dienstag, 16. 07.

Immer noch Dover

Heute war ich um 8 Uhr wach, war aber die Einzige. Norbert schnarchte leise neben mir, von unseren Badegästen war nichts zu hören. Gestern hatten wir die Uhren eine Stunde zurück gestellt, englische Zeit, also ließ ich alle schlafen.

Um 10 Uhr saßen wir in dem kleine Café auf der Mole. Englisches Frühstück war angesagt.

Brauner Toast, 2 Scheiben Bacon, gebackene Bohnen, 1 Spiegelei, gegrillte Tomate, gebratene Champignons und 1 Bratwürstchen. Dazu gab es eine Kanne englischen Tee, natürlich mit Milch.

Bis auf die Bohnen (zu süß) war alles sehr lecker.

 

 

Gut gestärkt machten wir uns auf zu den weißen Klippen von Dover. Der Weg war blöd, entlang einer Straße, aber die Belohnung folgte. Eine Wiese unterhalb eines Parkplatzes, altere englische Paare nebeneinander auf Klappstühlen, manche schlafend dahin gegossen. Blick auf den Fährhafen, eine warme ruhige Stimmung. Wir setzten uns dazu und der Blutdruck sank in sekundenschnelle gegen Null. Irgendwann rappelte sich einer auf und es ging weiter bis zum South-Foreland-Lighthouse. Hier folgte der zweite Schwächeanfall und schon lagen wir wieder flach auf der Wiese.

Ein toller Tag. Das Meer war bleiglatt. Darüber schwebte ein bräunlicher Dunst, Abgase der Fähren und Schiffe im Verkehrstrennungsgebiet, dahinter die französische Küste.

 

Donnerstag, 18. 07. 13

Auf dem Weg nach Brighton

Gestern, am Mittwoch, wehte der Wind nur schwach. Norbert hatte sich einen Ankerplatz etwas südlich der Einfahrt nach Rye ausgesucht, ca. 25 nm von Dover entfernt. Diese Distanz konnten wir segeln. Segler unter Motor, die uns begegneten, schauten entweder mitleidig oder neidisch, je nach Naturell.

Leider hielt sich der Wind nicht genau an seine meteorologischen Vorgaben, daher hatten wir, als der Anker lag, noch ein paar Stunden unnötigen Schwell. Die Sonne verließ uns dunkelrot aber der Mond legte seinen „leuchtenden Pfad“ über das Meer. („“ Hab ich geklaut, ist aber schön, oder?)

 

Jetzt ist Donnerstag, 10 Uhr. Es ist ein richtig klarer warmer Sommertag. Der Wind kommt immer noch aus NO, besser geht es nicht. Auf nach Brighton.

 

17:35 Uhr: Vor 15 Minuten haben wir den Null-Meridian gekreuzt.

Pos. 51° 07,41 N, 000°00,0000

Die Vorbereitungen waren hektisch: Das entsprechende Outfit → mein Südsee-Dessous in Längsrichtung, ein Schlückchen Cidre zum Anstoßen in die Gläser füllen, die Kameras richten, Selbstauslöser einstellen, auslösen, sich ins Bild platzieren, runter zählen. JUHU, ist fast wie Silvester, nur seltener!!!

 

Das Segeln heute war first class. Die markanten Klippen von Beachy Head sind ein traumhafter Anblick. In den Senken der Klippenbögen schmiegen sich kleine Dörfer, unten am Wasser liegen gelb-weiße Strände. Das Wasser ist blau, fast wie im Mittelmeer. Kleine weiße Schaumkämme tanzen auf den Wellen und setzen Akzente. Unser schönster Segeltag bisher.

 

Brighton Marina ist riesig. Heute klappte es schon besser mit der Verständigung. Wir liegen an Steg 12, am "Hammer-Head."

Sommer in Brighton

 

Samstag, 20. 07.

Zwischen Brighton und der Isle of Wight

Unser heutiges Ziel, die Isle of Wight, ca. 50 nm.

Es ist mal wieder Traumwetter! für uns!!!

 

Aber nicht, daß ihr denkt ihr könntet euch wieder mal behaglich vor dem Computer herum fleezen und Reiseberichte lesen. Nichts da!

Wir sitzen in der Sonne, John Maynard steuert, unser Horizont liegt vor uns. Wir machen uns Gedanken, wie wir den Euren ein wenig erweitern können. Also wird heute gebüffelt, damit ihr unwissenden Landratten wisst wovon ich schreibe, falls ich ab und zu ein seefrauliches Fachwort einbauen sollte.

 

  1. Schwell: hat nichts mit Schwellungen jeglicher Art zu tun. Es sind meist unangenehme, da nicht erwünschte Wellenbewegungen in Häfen oder an den Ankerplätzen.

  2. schamfilen: berühren, scheuern, reiben von Segeln und Leinen, sonst nichts.

  3. Spring: ist keine Sportart, sondern eine Leine zum Festmachen, die zusätzlich zur Vor- oder Achterleine geschoren wird. Noch Fragen?

  4. Lümmelbolzen: Nein, es ist nicht Norbert, sondern ein Bolzen zur Befestigung des Großbaums am Mast.

  5. Lümmellager:  das Teil am Mast, indem sich der oben genannte Bolzen herum lümmelt.

  6. Latte. Weder Macchiato noch Baustoff, auch mit dem Morgen hat es nichts zu tun. Es ist eine dünne elastische Leiste zur Stabilisierung des Segels.

  7. Bullenstander: Nun mal ernst bleiben. Dies ist ein auf Vorwindkursen von der Nok des Großbaums zu einem Beschlag auf dem Vorschiff geschorene, kräftige Sicherungsleine.

 

Jetzt noch drei Begriffe zum selber recherchieren:

  • gieren

  • Speigatt

  • Kielschwein

 

Der Preis für die erste richtige Lösung, auf unserer E-Mail Adresse eingehend, ist eine FlascheSekt, die jederzeit bei uns abgeholt werden kann.

 

Sonntag, 21. 07.

Isle of Wight

Na, alles gelernt und nachgeschlagen? Dann kann es ja weiter gehen.

 

Wir liegen im Cowes Yacht Hafen, ganz im Norden der Insel. Glück gehabt, daß wir mit unserem Tiefgang noch einen Platz ergattert haben, denn gestern war „busy-weekend“, means Ferien, Sonne und guter Segelwind. Hier sind alle segelbesessen und jedes Boot, das nicht auf Anhieb untergeht, wurde aus der Box gezogen. Die Häfen waren abends randvoll.

 

Die Isle of Wight liegt im Süden des Festlands, durch eine Meerenge, dem Solent, von diesem getrennt. Am Festland haben sich vier große Fjorde ins Land gefressen, in denen man wohl auch sehr gut ankern kann. Yachthäfen gibt es ohne Ende, dementsprechend auch Unmengen von Segelbooten. Kein Witz, es ist ungefähr so wie früher auf dem Wannsee. Zwischen all diesen Booten kreuzen Schnellfähren. Große Frachter, Tanker und Kreuzfahrschiffe mischen ebenfalls mit. Wir mitten drinn! Aber alles very british, kein stures Draufhalten, grollende Schiffssirenen hört man selten.

Die Insel haben wir heute mit dem Bus erkundet. Das öffentliche Verkehrsnetz ist inseldeckend. Für 4x 5 Pfund fuhren wir kreuz und quer über die schmalen Straßen, die von hohen Hecken und noch höheren Bäumen gesäumt werden. Diese verweben ihre Baumkronen mühelos über dem Sträßchen in einander. In dem dann akkurat hineingeschnittenen rechteckigen Tunnel können zwei Doppeldecker-Busse gerade so nebeneinander fahren, daß auf jeder Seite 2 cm Platz bleiben. Es scheppert und kracht dauernd, wenn ein wenig zu lang gewordene Äste und Zweige von den sportlich gesteuerten dahin rasenden Bussen abgemäht werden. Der Vogel, der in diesen Bäumen ein Nest baut fliegt mit diesem schneller ins All als er Eier legen kann.

Wiesen, Pferdekoppeln und Getreidefelder verteilen sich über die hügelige Landschaft. Alte Kirchen, große und kleine Häuser aus Natursteinen, schön bewachsen, meist umgeben von üppigen Gärten, erfreuen unsere Augen und befriedigen meinen Hang zur Romantik. Riesige Rosenbüsche in voller Blüte tun ein Übriges. Auch die niedlichen kleinen Pubs und die winzigen Restaurants mit vier bis fünf Tischen waren allerliebst und überall vertreten. Englisch oder indisch, wie man mag.

Ein Straßenschild fiel mir auf: Dreieckiges Warnschild mit der Aufschrift: 'Red squirrels“. Ob man sie nicht überfahren soll oder ob es als Warnung vor diesen Ratten in niedlichen Kostümen gedacht war bleibt ein Geheimnis.

Cowes ->Newport ->Yarmouth. Hier unser erster Stopp. Wir saßen staunend am Ufer und schauten auf den Solent. (viele Segelboote, you remember)

Mit einem „Buscabrio“ , 2/3 oben ohne, ging es weiter zu den Needles, dem westlichsten Punkt der I.o.W.. Der warme Wind blies uns ins Gesicht und ließ die Haare flattern. Ein Riesenspaß.

Die Needles sind drei ca. 30 m hohe weiße Kalknadeln in einer Reihe, die Verlängerung der Klippe am Ausgang des Solent. Wunderschön zu sehen nach einem Fußweg über den Klippenrand und wahrscheinlich ebenso beeindruckend beim vorbei segeln am Montag.

Zurück in Newport und noch immer gierig nach weiteren Eindrücken machten wir noch einen Abstecher in den Süden. Eine hohe Küste, an deren Hänge sich alte Städte und Dörfer schmiegen. Das Fähnchen geschmückte Shaklin gefiel mir gut. In Sandown endete unsere Erkundungstour mit einem kleinen Imbiss und einem englischen Bier.

Sieben Busfahrer haben uns heute herum kutschiert. Alle waren freundlich und gut gelaunt. Die meisten Fahrgäste grüßen beim Einsteigen und bedanken sich artig beim Aussteigen. Letzteres werde ich in Berlin mal ausprobieren, nur um die Gesichter unserer „attraktiv verknatterten" einheimischen Busfahrer zu sehen.

Vollgepfropft (klasse Wort, oder) mit den Eindrücken des Tages verputzten wir noch den Rest „Fish + Chips von gestern. Drei Portionen haben wir Gierhälse gestern verschlungen, heute reichte die vierte Portion für alle.

 

 

Montag, 22. 07.

Swanage

Unter Motor, mit ablaufendem Wasser sausten wir mit 8 – 9,4 kn die ca. 15 nm zu den Needles. Unter Segeln, mit 7 kn weiter in die Bucht von Swanage. Es war nicht weit, insgesamt nur 25 nm. Vor Anker liegend schauten wir den Nebelschwaden zu, die von Westen über die Hügel krochen und sich über dem Ort verwirbelten.

Abends war Kinoabend. Von unseren Logenplätzen, alle nebeneinander in der 1. Reihe genossen wir die schöne Musik und die netten Gags von Vaya con Dios.

 

24.-27. 07.

Brixham

Mittwoch, 24. 07.

Zwei negative Faktoren vorab, die vielleicht manchen von Euch das heimatliche Leben wieder mehr genießen lassen.

  1. Wir haben kein Brot mehr an Bord. Wenn ich ehrlich bin ist es fast egal, denn das pappige Brot der letzten 2 Wochen kann ich inzwischen kaum noch essen.

  2. Der Wecker klingelte heute um 3.40 Uhr.

    Die Strömung, die hier keine Rücksicht auf durchreisende Urlauber nimmt, erforderte dies. (und es war schon der allerspäteste Zeitpunkt)

Auf den ersten 12 nm hatten wir gute Sicht, auch die Sonne zeigte sich kurz am Horizont. Später gab es wieder dicke Nebelfelder, fast wie gestern. Heute übernahm Norbo den Job mit dem Nebelhorn. Er entlockte diesem Töne, die an liebeskranke Seehunde erinnerten. Mittags gab es keinen Nebel mehr, dafür, statt Brot, Bulgur mit Hühnchen. Sehr lecker. Skippy maulte allerdings ein wenig herum, aber der Hunger trieb es rein. (Er ist bulgurmäßig noch in der Eingewöhnungsphase)

Brixham ist unser bisher schönster Hafen. Eine große Marina, viele Fischerboote, Moorings mit unendlich vielen Sportbooten. Der vordere Teil des Hafens fällt bei Ebbe trocken. Hier liegen dann kleinere Boote auf dem grün bewachsenen Grund. Fischrestaurants, Pubs, Teestuben und Souvenirläden locken die vielen Touristen. Ein beliebter Sport ist das Fischen nach kleinen Krebsen von der Mauer herab.

 

 

Donnerstag, 25. 07.

Heute haben wir Angelika und Ulli zum Bus gebracht. Es war eine sehr schöne Zeit mit den Beiden, der Abschied ging bei den Damen nicht ganz tränenfrei ab.

Morgen bleiben wir noch hier. Das Boot will gewartet werden und die Navigation bis Plymouth und/oder Falmouth muß auch noch gemacht werden. Ab Plymouth wäre der Sprung über die Biskaya möglich. Allerdings bestimmt das Wetter den Starttermin. Haltet uns die Daumen, dann gibt es bald die nächsten Berichte aus Spanien für Euch und Serranoschinken und Rotwein für uns.

 

Samstag, 27. 07.

Noch Brixham / -> Salcombe

Unsere Seewasserpumpe war undicht. Nachdem wir am Donnerstag ca. 5-6 l Flüssigkeit aus unserer Bilge abgesaugt haben (hinterher alles putzen!) kam nachmittags Dave vom Engine-Service, baute die Pumpe aus und verschwand.

Es war wieder einmal ein besonders perfekter Sommertag. Die Sonne wärmte mir das Fell, ein leichter Wind sorgte für angenehme Abkühlung, alles perfekt aufeinander abgestimmt.

Abendessen in der Abendsonne. Delikate Lambchops auf Salat erfreuten unsere Gaumen, der Abendhimmel meine Seele. Rosa, gold, türkis, lavendel, die Farbskala gab einiges her. Dazu passte:

(ich nutze jetzt mal die oft gesprochenen Worte von Alfred Biolek) ein schöner französischer Rotwein.

Die Lichter von Torquai leuchteten auf und glitzerten fröhlich im Dunkeln.

 

Heute früh kam unser netter Engine-Reparateur und baute die mit neuen Dichtungen versehene Pumpe wieder ein. Er empfahl uns statt nach Plymouth nach Salcombe zu fahren. Dort sei es viel schöner. Ich hatte das auch gelesen, aber die Barre hat mich abgeschreckt. 1 m Wassertiefe ist nicht viel. Aber es gibt drei Bootsbreiten von den Felsen entfernt eine etwas tiefere Stelle. Wir werden diese 1 Std. nach Niedrigwasser erreichen, d. h. 1 m Wassertiefe mehr, zuzüglich 0,8 m über Chart-Datum-Tiefstand, das sind dann schon 2,80 m. Jetzt noch die westliche, tiefere Rinne genutzt, dann ist es schon nicht mehr so schlimm. Hoffe ich.

Wir mussten dieseln, da kein Wind. Norbert nutzte die Fahrt um seinen Bart zu stutzen. Moritz hatte in seiner letzten Email geschrieben er würde aussehen wie der Weihnachtsmann im Urlaub. Jetzt ist die weiße Pracht ab und er sieht wieder aus wie Norbert → im Urlaub!

Die Küste zwischen Brixham und Salcombe ist schon beeindruckend. Schroffe Steilküste, deren Arme in wilden Zacken zum Meer hin auslaufen, dazwischen ab und zu ein kleiner Ort, darüber sanfte Wiesen und Felder. Ein Leuchtturm steht auf einer vorgeschobenen Klippe. Leider ist es bedeckt und es regnet ab und zu. Im Sonnenlicht wäre die ganze Pracht kaum auszuhalten.

 

Die Einfahrt in den schmalen Fjord war spektakulär. Die wild gezackten Klippen und die steile Felswand konnten wir fast anfassen. Die Salcombe Bay ist eine schmale Wasserstraße, gesäumt von goldbraunen Stränden, dahinter auf den Hügeln gelb-grüne Wiesen und kleine Villen, umgeben von dichten alten Bäumen. Der Fjord teilt sich hinter dem Ort Salcombe in drei Arme. Wir liegen an einer der Visitor-Mourings. Die Sonne scheint wieder und die Abendstimmung ist sehr schön. Wir hören Musik, trinken Wein und lassen den Tag ausklingen.

 

 

 

Sonntag, 28. 07.

Salcombe

Nach 2 Std. Arbeit hatten wie das SPACSHUTTLE erst im Wasser, dann mit Motor bestückt, dann Motor wieder weg und Bananaboot zurück an Deck. Es ist Sonntag, Salcombe hat vielleicht 800 Einwohner und ca. 500-1000 Touristen. Jeder davon war heute mit dem Boot unterwegs. Durchweg gut motorisiert strebten sie an uns vorbei, dabei fette Wellen produzierend. Norbert, der den Motor montierte hüpfte mit dem Boot wie ein Jojo. Nachdem eine Welle eingestiegen war verweigerte ich den Zustieg. Wir bestellten ein Wassertaxi und ließen uns komfortabel an Land setzten. Unterwegs entsorgten wir unseren mitgenommenen Müll auf dem Müll-Ponton, mitten in der Bucht. Es stand dort sogar ein Flaschencontainer. Ich schwöre, es ist wahr.

Zweimal durch den Ort gelaufen, alle Einkäufe getätigt, (wie früher, Bäcker, Fleischer, Kolonialwaren, Obst und Gemüse, jeweils in einem kleinen Geschäft) schnell noch ein Kleid gekauft. Es regnete ab und zu. ABER, als wir in das Taxi stiegen, das uns zurück bringen sollte, kam so ein Platzregen auf uns zu, daß sogar Norbo hastig seine Regenjacke heraus kramte. Patschnaß erreichten wir unser Boot.

Nach einem leckeren Abendessen sind wir nun wieder inside und hören dem Heulen des Windes zu. Ein bißchen maulen muß ich schon, das schöne Wetter hat mir besser gefallen.

 

Montag, 29. 07.

Nichts ist nur gut. Unser Abfluß in der Küche ist undicht und die reparierte Seewasserpumpe ebenfalls. GRRR!

Überhaupt, wenn ich schon mal am Meckern bin: Der Wind pfeift seit gestern wie blöd. Unser Boot hampelte die ganze Zeit wie wahnsinnig, da die Wellen von draußen genau in unsere Richtung liefen.

ABER: Um 13 Uhr kam der Hafenmeister mit seinem Boot vorbeigefahren und erkundigte sich wie es uns ginge?!?!?!? Wo gibt es denn so etwas?

Wenn wir möchten könnten wir uns an eine Mouring weiter hinten in der Bucht verholen. Wir wollten!

Den Hafenmeister vor uns, das SPACESHUTTLE im Schlepp pflügten wir munter hinter ihm her, das Bananaboot jedoch nicht lange. Seine Rumpfgeschwindigkeit war überschritten und es lief voll. Nur die Spitze ragte noch hochkannt aus dem Wasser, wie seinerseits die Titanic, kurz vor dem Abgleiten in die Tiefe.

Unser neuer Liegeplatz ist ein Traum. Volle Sicht auf die Stadt, 15 m hinter uns ein Strand, guter Blick in den hinteren Teil der Bucht und Sonne bis zum Untergang (der Sonne, nicht unserer), dabei viel ruhiger. Wir zahlten unsere dritte Nacht und bekamen die vierte gratis dazu. 100 m von uns entfernt ankert die „Tankstelle“. Ein Minitanker mit drei Zapfsäulen.

Morgen erwarten wir Windstärke 6-7 Bft.. So langsam könnte das Wetter sich mal wieder einkriegen.

 

 

Dienstag, 30. 07.

Der vierte Tag in Salcombe

Der erwartete Sturm blieb aus. Es gab eher wenig oder gar keinen Wind.

Norbert rüstete das SPS auf. (Hier ist nun etwas Kombinationsgabe gefragt) Mit Hilfe einer komfortablen Fenderleiter stieg ich zu und mein persönlicher Taximann (ich vermeide hier das Wort Rudersklave) brachte mich erst zum Müllponton, dann zum Stadtkai. Duschen, einkaufen, wieder ablegen. Danach brachen wir auf zu unserer ersten größeren Erkundungstour. Ein Fußpfad führt entlang der Küste, durch meterhohe Farne und bizarre Bäume bis zur Einfahrt der Bucht. Wir schauten den Wellen zu, die über die Barre liefen und sich am gegenüber liegenden Ufer brachen. Die Sonne schien und ließ den Sand in den vielen kleinen Stränden golden leuchten. Für den Rückweg hätte ich meine Machete gebraucht. Der obere Weg war zugewachsen mit Farnen, Brennnesseln und Brombeerranken. Leicht zerkratzt und etwas angebrannt kehrten wir zur SPICA zurück. Ein superschöner Spaziergang. Jetzt fehlt mir nur noch eine Shuttlefahrt durch den winzigen Seitenarm des Fjordes, in dem man wohl gut Vögel beobachten kann.

 

Eine schöne Woche, eine tolle Bucht, nette Leute, immer etwas zu gucken.

 

Fazit:

 

Wir haben die Zeit dort geliebt, jede einzelne Minute.


Letzte Impressionen: