Plymouth

 

Samstag, 03. 08.

Plymouth

Mittags verließen wir Salcombe. Unser heutiges Ziel → Plymouth.

Dunkelblaues, fast schwarzes Wasser mit weißen Schaumkämmen, gleissende Sonne, dramatische weiße Blumenkohlwolken über der großartigen Küste. 4-5 Windstärken mit der dazu passenden Welle. Nach 10 Tagen glatten Wassers eine echte Herausforderung für mich. Um 18 Uhr erreichten wir Plymouth, Mayflower Marina. Hungrig fielen wir über unsere Nahrungsreste her. Dann ein kleiner Spaziergang bis und durch einen Supermarkt.

Neben uns liegen Australier. Die ersten mit ihnen gewechselten Worte brachten meine langsam zunehmenden Englischkenntnisse ernsthaft ins Wanken. Aber man hört sich ein.

 

Sonntag, 04. 08.

keine Zeit – keine Zeit

(oder laut Ringsgwandl: „Was brauch ich ein Vergnügen, ich hab ja eh ka Zeit“)

Der Tag war kurz, da ich bis 9:30 Uhr geschlafen habe.

Dann Frühstück mit den erbeuteten Lebensmitteln vom gestrigen Abend: Vollkornbrot, geräucherter Lachs, etwas Prosciutto, englische Leberpastete (echt Klasse) ein gekochtes Ei und Tomaten.

Danach Wäsche zusammen sammeln. Mit zwei riesigen Taschen zur Loundry wanken. Diese war sooo voll, also wieder zurück. Alles wieder auspacken, da die Taschen zum Einkaufen gebraucht werden.

15 Minuten strammes Wandern, dann ungehemmt einkaufen. Von hier oder von Falmouth werden wir über die Biskaya starten, da braucht man schon einiges an Vorräten.

Zurück zum Schiff, bepackt wie die Lastesel. Alles verstauen, Wäsche zusammen sammeln, zurück zur Loundry. Diesmal klappte es und unsere Wäsche ist wieder sauber.

Nachmittags belegte ich eines dieser niedlichen, luxuriösen Badezimmer, die es hier gibt (es sind wirklich welche, sogar mit einem warmen Fußboden). Duschen, Haare waschen, ein bißchen Pflege halt. In Salcombe waren die „Facilities“ eher auf Basisebene.

Wäsche aus dem Trockner holen, einsortieren, die Polster wieder beziehen.

Dann E-mails abholen, und Neue schreiben. Internet gibt es hier gratis. Sie können es sich leisten, die Liegegebühren sind gesalzen, 34 Pfund pro Nacht.)

Homepage aktualisieren, dann Abendessen.

Puh, Leute ich bin fix und fertig und erwarte viele

Oh mein Gott, die Armen“,

herrje, was für ein Stress“

man, tun die mir leid“

oder Ähnliches als Rückmeldung. „Wenn ich doch nur helfen könnte“ wäre auch nicht schlecht, auch Tränen sind angemessen.

So, jetzt lerne ich noch etwas Englisch und dann gehe ich schlafen. Total fertig nach diesem harten Arbeitstag.

PS: Paßte aber heute prima, da das gute Wetter eine Pause macht. 2 Tage heftiger Wind und viel Regen sind angesagt. Muß ja wohl mal sein. Gute Nacht.

 

Dienstag, 06.08.

Abendessen

Sieht das nicht toll aus?

Das hat unser netter australischer Nachbar

(mit dem ich ab und zu talke) heute für uns geangelt.

 

England → Spanien

Biskaya

 

Mittwoch, 07. 08. - Das Abenteuer beginnt

Der Wetterbericht klang gut:

Mittwoch: Bis Nachts kaum Wind

Donnerstag: SW, (blöde Richtung) aber nur 10 kn Wind und kaum Welle

Freitag: den ganzen Tag NW, Windstärke 3-4, perfekt.

Samstag: NO-Wind, immer moderat, ebenfalls perfekt.

Das sah gut aus und uns sticht der Hafer. Auf nach Spanien. (Ihr wisst schon: Eviva Espana, der Kulthit der 80-iger Jahre → die Sonne scheint bei Tag und Nacht, die Gläser, die sind voller Wein, usw, usw.)

 

14:10 Uhr: Leinen los.

Entgegen der Vorhersage hatten wir schon ab 16 Uhr guten Wind und zogen mit einer Rauschefahrt nach SW, vorbei an Lands End, hinaus auf den Atlantik. Meine erst Nachtwache. Wenig Verkehr, klare Sicht, ein grandioser Sternenhimmel. Ich konnte mich nicht satt sehen. Eine besonders schöne Sternschnuppe bat ich um eine gute und sichere Fahrt. Nach drei Stunden Schlaf meine zweite Wache. Im Osten verblassten langsam die Sterne. Über dem Horizont färbte sich der Himmel türkis, gelblich, golden, orange, ein erstes Aufglühen, dann war die Sonne wieder da.

Was eine Sternschnuppe so unter einer guten Fahrt versteht: Statt 10 kn Wind hatten wir über weit über

20 kn. War vielleicht gut gemeint. Dazu heftige Wellen, die sich über dem flachen Grund auftürmten. Die SPICA machte krasse Bewegungen, mein Magen ebenfalls. Den Rest vergessen wir lieber. Das Theater ging den ganzen Tag und die halbe Nacht. Immer wieder kamen Delfine vorbei. Dicht neben uns tauchten sie aus den hohen Wellen. Es muss sich herum gesprochen haben: „Habt ihr die auf dem Schiff gesehen? Müsst ihr mal hin, ist echt lustig, die ist ganz grün!“ Mich brachten sie trotzdem zum Lächeln. Norbert saß dicht neben mir und wärmte mich. Das war sehr schön und kuschelig. Schön war auch die weiße Gischt, die mit jeder Welle unter dem Schiff hervorquoll und in der Dunkelheit verschwand. Gegen 2:00 Uhr ließen Wind und Wellen etwas nach und ich konnte mich hinlegen. Nach zwei Stunden Schlaf war die Seekrankheit vorbei und gegen 6 Uhr konnte ich Norbert ablösen, der die ganze Nacht durchgehalten hatte. Es war wohl, abgesehen von der Müdigkeit, sehr stressig, ständig schwirrten Fischer um uns herum und die Tanker und Frachter, die fast auf der gleichen Route fahren wie wir, sind sehr zahlreich. Da wir die ganze Zeit kreuzen mußten schafften wir an diesem Tag nur 60 nm in Richtung Ziel. Das ist sehr wenig.

Ab Freitag 10 Uhr lief dann der Motor. 0 Wind! Um es vorweg zu nehmen: er lief 48 Stunden. Die Wellen ließen stark nach, nur eine ewig lange Dünung hob und senkte das Schiff, fast wie eine lebendig gewordene Wüstenlandschaft. Ab und zu sah man den Blas von Walen, immer weit weg.

 

Samstag, 10. 08.

Heute wurde ich getauft!

Wal! Da bläst er“ hieß der alte Ruf. Er blies genau neben der Reling. Ich stand oben mit dem Fotoapparat bewaffnet und wurde eingenebelt. Mein empörtes „Hey“ wurde mit einem Grinsen beantwortet.

Norbert hatte beschlossen beizudrehen um seine Dieseltanks aufzufüllen. (eine gute Entscheidung) Plötzlich waren sie da. Erst 2, dann 3! Finnwale. Um es genau zu nehmen: Long-finned Pilot Whales. (Wie haben nur ein englischsprachiges Bestimmungsbuch) Es kamen immer mehr. Sie tauchten um das Boot herum, ganz dicht, tauchten auf, wieder ab. Eine Mutter mit Kalb gesellte sich dazu. Das Kleine war heller, noch grau. Die Harmonie und der Gleichklang der Bewegungen der Beiden war unglaublich schön. Leider blieben sie etwas weiter weg vom Schiff. Die anderen amüsierten sich prächtig. Nur Einer schlug immer wieder mit der Fluke aufs Wasser, so als wollte er uns vertreiben  (Norberts Meinung). Inzwischen waren es ca. 15.

Laut unserem Buch werden diese Wale bis zu 6,7 m lang. Die Meisten waren jedoch kleiner, so 3 - 5 m, schätze ich. Manchmal „standen“ sie auch senkrecht im Wasser, streckten nur den Kopf heraus und schauten sich um. Das war besonders schön aber ich habe es nicht geschafft, das zu fotografieren. Bis ich das Zoom betätigt hatte war der Kopf wieder untergetaucht.

Wie lange diese Show dauerte weiß ich nicht, 15-20 Minuten vielleicht. Irgenwann lag eine ganze Gruppe träge vor uns herum, so als überlegten sie, was sie hier eigentlich wollten. Norbert schaltete dann das Echolot aus und legte den Gang ein. Danach trollten sie sich. Viel Glück und einen guten Weg nach Norden.

 

 

Wir hatten tagsüber immer mal abwechselnd geschlafen und so langsam die Nacht zum Freitag verwunden.

Die Schönheit des ruhigen und gleichzeitig stets wogenden Wasserteppichs über dem ca. 5000m tiefen Meeresgrund mit den verschiedensten Farbspielen faszinierte uns die ganze Zeit. Am Sonntag, gegen 9 Uhr kam endlich wieder Wind. Aus einer super Richtung. ONO, anfangs 14 kn, stetig zunehmend. Für das Seegebiet Finisterre wurden jetzt Sturmwarnungen durchgegeben, Schwerpunkt Kap Finisterre, aber auch viel Wind für La Coruna, ebenfalls zunehmend. Das war unser Ziel und wir würden dort in der Nacht ankommen. Wäre gar nicht gut. Ständig wiesen sie auf Kanal 16 auf die neuen Informationen hin. Auf Spanisch, und ziemlich schnell. Der für uns zuständige Kanal schwieg jedoch eisern und Norbert rief vermehrt Gripfiles (Wetterdaten) über Funk ab. Eine Ausweichmöglichkeit war die Ria de Viveiro, mit viel Glück vielleicht gerade noch im Hellen erreichbar. Einfache Einfahrt, laut Vorhersage nicht mehr als 20 kn Wind.

Es wurde eine sehr schöne, zum Schluß aber noch sehr sportliche Fahrt, mit sehr hohen Wellen, denn auch hier steigt der Meeresboden innerhalb von 5 nm von 5000 auf 135 m an. Die lange Dünung vom Atlantik traf sich mit den Wellen aus NO. Es war schon sehr bewegt. Zeitweise sausten wir mit 7 - 7,5 kn unserem Ziel entgegen, welches allerdings wenig einladend in einer dunkelgrauen Wand vor uns lag. Von der Küste sah man gar nichts, nur seitlich ahnte man ein paar hohe Berge. Auf den letzten acht Meilen, die Sonne verschwand, tauchten wir in das Dunkel. Wider Erwarten kein Sturm, kein Regen, sondern einfach nur extrem viel Feuchtigkeit über dem Land.

Die letzten drei Meilen Nachtfahrt (ich war schon deutlich entspannter). Festmachen in der Marina am südlichen Ende der Bucht. Noch schnell duschen, etwas essen, ein Glas Wein mit dem Meeresgott teilen. Dann ins Bett.

 

Fazit: Der Sternenhimmel über dem Meer macht süchtig, ebenfalls die vielen Sternschnuppen. Die beiden Dieseltage mit dem glatten Wasser waren ebenfalls ein tolles Erlebnis (trotz Motorgeräusch) die Begegnung mit den Walen ein Ausnahmezustand. Die Rauschefahrt von Anfang und Ende des Törns wunderschön. Der Donnerstag! War wohl der Preis, den wir für das Ganze zu zahlen hatten.

Die Wettervorhersage: hätte man auch auswürfeln können.

Hier noch ein paar Bilder von unserer Überfahrt

 

Montag, 12. 08.

Ria de Viveiro

Wir sind da. Eviva Espana. Der Himmel ist grau. Nachts muß es viel geregnet haben. Das ist gut, da das ganze Salz vom Schiff gewaschen wurde. Die Leute in der Marina sind sehr freundlich und hilfsbereit. Die Bucht ist umgeben von bewaldeten Hügeln. Auf einem Hügel hinter der Stadt steht eine Kapelle. Dort hinauf werden wir vielleicht morgen oder übermorgen wandern.

Zum Frühstück gab es Landschinken „7 Länder“?!, frisches Baguette, herrliche Tomaten mit spanischem Olivenöl und Wassermelone. Gott muss wohl auch manchmal in Spanien leben. Vielleicht macht er Urlaub hier.

Die Sea Star 2, deren Crew wir vom Medizinseminar in Hamburg kennen und die wir im Mai in Kröslin wieder getroffen haben, liegt ebenfalls im Hafen. Sie sind seit gut zwei Wochen hier und versorgen uns mit nützlichen Tipps.

 

Dienstag, 13. und Mittwoch, 14. 08.

UTC oder was??

Mittags erkundeten wir Viveiro. Eine schöne Altstadt ohne viel touristische Attraktionen, aber die schmalen, hohen Gassen intensiv genutzt von Einheimischen und Touristen. Es war „Siesta“ und die Restaurants, Bars und Cafés waren gerammelt voll. Wir mischten uns unters Volk, kletterten auf zwei Barhocker und tranken jeder ein Cana Bier (sprich Canja, denn über dem n schwebt eine kleine Wellenlinie, die meine Tastatur aber nicht hinbekommt) und etwas später noch zwei Café solo. Ich outete mich als Tourist und machte zum Amüsement der jungen Spanier neben uns ein Foto mit Selbstauslöser. (auslösen und schnell zurück auf den Barhocker hüpfen)

Um 19:30 Uhr waren wir mit Francoise und Armand, den netten Bretonen von der SINGLE MALT auf einen Wein verabredet. Um 18:00, ich lümmelte gerade in der Plicht herum, standen sie vor uns. Sie wären etwas spät drann!?!? Große Iirritation bei Norbert und mir. Irgendwann begriff er wohl und fragte mich, welche Uhrzeit wir hätten. 18:00 Uhr. Non, non, es sei bereits 20 Uhr!!!

Ich sauste in die Küche, legte Schinken. Salami, Käse, Walnüsse und Brot auf einen Teller, verteilte noch schnell 4 Blätter Katastrophenpapier und ein total netter, gemütlicher Abend begann. Der Brüller war natürlich die Uhrzeit., zumal sie sich extra beeilt hatten um noch halbwegs pünktlich zu sein, was bei Deutschen wichtig ist, bei Spaniern und Franzosen jedoch sehr lässig gehandhabt wird.

Wir haben hier, in England war UTC +/-0 plus 1 Std. Sommerzeit, nun wieder die gleiche Zeit wie in Berlin. Aber nur bis Portugal, die haben dann wieder UTC pur wie die Engländer. Ist nicht wirklich logisch. Im Reeds stand für Spanien: substract 1 hour for UTC (koordinierte Weltzeit) and add 1 hour für Summertime. , also UTC: 18 Uhr. Müde wie wir am Sonntag waren haben wir nicht groß darüber nachgedacht. Zumal weiter im Westen als vorher waren zwei Stunden Zeitverschiebung mehr als logisch.

Ich hatte am Sonntag Abend nach unserer Ankunft bei ihnen geklopft, da noch Licht brannte, das Tor zu den Facilities jedoch schon abgeschlossen war. Er lieh uns seinen Schlüssel und so konnten wir nach dem Biskayatörn noch duschen. Ein irre gutes Gefühl Er meinte dann zu seiner Frau: „Diese Deutschen, kommen um Mitternacht hier an und wollen noch duschen!“ Ich fiel fast von der Bank vor Lachen. Die Beiden sind total nett und sprechen sehr gut deutsch, was die Kommunikation sehr erleichterte. Sie leben im Süden der Bretagne, segeln seit vielen Jahren und stecken voller wertvoller Tipps über Spanien, Portugal und Mittelmeer. Kurz gesagt, den ersten Abend haben wir verplaudert und so verabredeten wir uns für den Nächsten, 18:30 Uhr, bei ihnen. Am Mittwoch arbeiteten wir den ganzen Tag. Reparaturen, Inspektionen etc.

Auch dieser Abend war wieder super schön. Wir mögen die Beiden sehr. Es war lustik und informativ, mal ganz abgesehen von den wunderbaren Minipaprikas, die Francoise in Olivenöl und Knoblauch geschmort hatte.

Habt Dank Ihr Beiden für die schöne Zeit.

 

Donnerstag, 15. 08.

Rosi, Klaus und Spanien

Für heute sah der Wetterbericht gut aus. Wir wollten weiter zur Ria de Cedeira. Ein netter Schweizer mit seiner Frau, Stegnachbarn aus Viveiro, ebenfalls.

Auf dem Meer schien die Sonne, über dem Land tummelten sich die Wolken. Die galizische Küste ist spektakulär. Hügel reiht sich an Hügel, wilde Felszacken schieben sich ins Meer, Buchten mit vielen kleinen und großen Sandstränden ziehen sich tief ins Land hinein. Ein Seglerparadies. Sanfter einheimischer Tourismus in den Städten. Viele Franzosen und ein paar Exoten: Schweizer, Deutsche, ab und zu ein Skandinavier.

Ablegen 8:30 Uhr, UTC. Anker werfen um 14:30 in der Ria de Cedeira, einer schönen und geschützten Bucht.

Heute ist Maria Himmelfahrt. Dies ist in Spanien wohl ein großes und wichtiges Fest. Seit drei Tagen jagen sie Donnerböller in die Luft. Es kracht höllisch und der Schall rollt zwischen den Hügeln hindurch.

Gegen 18 Uhr bekamen wir Nachricht von Rosi und Klaus, die sich seit Sonntag Mittag durch die Biskaya arbeiten. „Sind kurz vor Cedeira, geben Gas, sind gegen 20 Uhr da“. Das war ja eine nette Überraschung. Um 21 Uhr lagen sie längsseits. Große Freude bei uns Allen. Viel zu erzählen. Um 23 Uhr legten sie ab. Kaum lag ihr Anker begann ein gigantisches Feuerwerk, untermalt von klassischer Musik, eine nicht enden wollende Farborgie über dem schwarzen Wasser. Wenn das keine Begrüßung in Spanien ist.

Nachtrag: Heute habe ich angebadet. Es war ganz schön frisch, laut Lutz von der Alartariel 14,9° C, aber die Sonne wärmt einen schnell wieder auf.

 

 

 

Freitag, 16.08.

Maria auf dem Schiff

Vormittag gab es ein hektisches Treiben in der Bucht. Motor- und Fischerboote, voll gepackt mit vielen Leuten, schwärmten durch die Bucht. An Land bewegte sich eine Prozession, untermalt von Dudelsackmusik, in Richtung Hafen. Alle Boote reihten sich auf und tröteten wild. Ein blaues, fahnengeschmücktes Schiff kam aus dem Hafen, auf dem Vorschiff eine große Marienstatue, und fuhr hinaus in Richtung Meer. Alle Boote schlossen sich an. Nach ca. einer Stunde kehrten sie zurück. Sie reihten sich wieder nebeneinander auf. Unter permanentem Sirenengeheul fuhr nun das „Marienschiff“ an allen vorbei, wohl Segen spendend für Sicherheit und …. im nächsten Jahr. Ein wahnsinns Spektakel.

Nachmittags wanderten wir zu viert durch die Stadt, tranken ein paar Canas Cerveza und teilten uns gegrillten Pulpo. Mhm!

Abends, 21 Uhr, trafen wir uns alle auf der SPICA. Rosemarie und Lutz von der Alartariel, Rosemarie (Rosi) und Klaus von der Salmon. Nur ich machte mit Christiane mal wieder eine Ausnahme. Ein multilingualer Abend. Lutz und seine Rosemarie sprechen Französisch miteinander, Lutz mit uns Deutsch, Rosemarie mit uns ein wunderbar verständliches Englisch und ich: alles was mir gerade einfällt, leider noch meist Deutsch. Wir erhielten viele Informationen, tranken fast drei Liter Rotwein (eine Spende von der Salmon) vertilgten ein paar Häppchen und verbrachten einen sehr schönen harmonischen Abend.

 Montag, 19. 08.

Umzug nach La Coruna

Norberts Geburtstag. Der Wecker klingelte um 6 Uhr. Typisch für einen schönen Geburtstag, da dauert der Tag auch gleich viel länger.

Die Natur hatte Norberts Geschenk schon angerichtet: Zarte Nebelschleier durchwaberten die Bucht, gelb durchstrahlt von der aufgehenden Sonne.

Der Wind schwächelte in der ersten Törnhälfte, gab dann aber mächtig Gas. Mit heulenden Böen erreichten wir die Marina La Coruna, den „Balkon zum Atlantik“.

Montag, 19. 08.

Geburtstag in La Coruna

Ein schöner Geburtstag in der Altstadt von La Coruna. Was will Mann mehr!

Mein erster Eintrag.

DANKE für die vielen Glückwünsche zu meinem Geburtstag. Ob im Gästebuch oder per e-mail.

Ich habe mich sehr gefreut und war überrascht wer alles an mich dachte. Schön wars.

 

Dienstag, 20. 08.

Santiago de Campostela – DAS Pilgerziel in Spanien

Wir erreichten es komfortabel mit Bus und Bahn. Allerdings vom Hafen bis zur Bushaltestelle und abends wieder zurück mussten auch wir „pilgern“, je 15-20 Minuten. Dank meines Spanisch-Sprachführers war die Konversation beim Kauf der Fahrkarten relativ einfach und eine Gaudi für die Dame am Schalter, die zum Schluss über beide „Backen“ grinste.

Gut gelaunt und voll klimatisiert erreichten wir Santiago. Eine schöne, gepflegte Altstadt, jeder cm davon touristisch genutzt! Souvenirläden, Cafés, Restaurants. Musiker an jeder Ecke. Die schmalen Gassen voller Menschen. An der Kathedrale, die groß und alles beherrschend über der Stadt steht, ein wildes Durcheinander von Touristen und Pilgern. Letztere oft fußlahm, manche leicht hinkend, aber alle gut zufrieden. Viele in Multifunktionskleidung, einige Mountainbiker im farbenfrohen Dress. Wir saßen auf Treppen, in Hauseingängen oder im Café und beobachteten das muntere Treiben. Nach Genuss einer „Copa de Vino blanco“ am frühen Nachmittag fühlte ich mich ein wenig wie in einer langen Dünung auf See.

Viele schöne Eindrücke und Fotos später reisten wir zurück.

Abends gab es noch Wein, Melone und Schinken und ein nettes Geplauder auf der Salmon.

Samstag, 24. 08.

Ria de Ares und zurück in La Coruna

Vorgestern, am Donnerstag, zogen wir um in die Ria de Ares. Diese liegt ca. 6 nm östlich (kein Schreibfehler) von La Coruna. Da ein vernünftiger Wind zum Weiterkommen erst am Samstag erwartet wird, gönnten wir uns ankern und faulenzen in dieser schönen und ruhigen Bucht.

Gestern waren Klaus, der zur Zeit ohne Rosi auskommen muss, und ich auf dem Markt in Ares, Fische und Gemüse kaufen. Gab es dann alles zum Abendessen: 2 mittelgroße Sargos und einen halben Merluza (Seehecht). Das „z“ spricht man stimmlos, so als würde man lispeln. (x-> s.u.)

Der Fisch schmeckt großartig, vor allem, da er statt Gräten nur eine Art Kotelettknochen in der Mitte hat.

Heute früh, (Wecker 6:15 Ortszeit!) wollten wir weiter. Der versprochene Wind stand nicht zur Verfügung, dafür jede Menge Wellen. Vor der Bucht von La Coruna warfen wir das Handtuch. Jetzt liegen wir wieder am gleichen Steg wie vor zwei Tagen. Mal sehen, wann es weiter geht, zumal Norbert noch jemanden vom Volvo Penta Service benötigt und die erst wieder am Montag arbeiten. (Ist ein bißchen so, wie damals in Cuxhaven, nur wärmer)

Fotos von der Ria de Ares habe ich keine für Euch. Ich wollte gestern das schöne Abendlicht abwarten. Statt dessen hatten wir innerhalb von 15 Minuten Nebel und Nieselregen. Den ganzen Abend tröteten draußen schaurig die Nebelhörner.

 

X: Mein Lieblingslispelwort ist Plymouth, könnte ich 10 x am Tag vor mich hinsagen.

 

 

Dienstag, 27. 08.

Immer noch in La Coruna

Gestern hing unser Boot am Haken. Wir hatten bei den letzten Fahrten unter Motor krasse Vibrationen. Norbert wurde zunehmend besorgter. Also beschlossen wir bis Montag hier zu bleiben und dann jemanden vom Volvo Penta Service der Marina Seca zu konsultieren. Kaum war dieser an Bord waren auch die bad vibrations weg. Aber Norbert wollte es jetzt wissen. Boot raus. Wir hatten uns ein fettes Fischernetz eingefangen, welches wohl auch ab und zu den Propeller behinderte.

 

Ich habe die Gunst der Stunde genutzt und schnell noch einen Blick auf das Unterwasserschiff geworfen.

Alles ok, auch die Opferanoden hatten sich nicht mehr so stark abgenutzt, der eingebaute Trenntrafo

arbeitet also. Gut gelaunt, da die SPICA nun wieder locker 6 kn läuft ohne daß das Schiff auseinander zu brechen droht, kehrten wir zurück zu unserem Liegeplatz.

Am Dienstag Abend kommt Rosi aus Berlin zurück, Mittwoch wollen wir weiter.

Vorhin waren wir auf dem Markt, Salat und einen Merluza kaufen.(Das Lispeln nicht vergessen) Der wird heute Abend bei Klaus auf dem Brenner gebraten.

Vorhin habe ich Wäsche gewaschen, Norbert hat sie aufgehängt. Er ist ganz stolz auf seine Super-Leinen-Konstruktion. Ihr seht also, auch bei uns ist der Alltag eingekehrt. Habt eine schöne Woche.

 

 

 

Mittwoch, 28. 08.

Ria de Camarinas

Pünktlich, wie geplant, legten wir um 9:20 Uhr /Local Time/ in La Coruna ab. Diesmal klappte es auch mit dem Wind und die ersten 27 nm vergingen wie im Flug. Wir sausten mit 6,5 bis 7,5 kn die Küste entlang nach Westen. Am Cabo de San Adrian kabbelte es heftig. Unser Kurs drehte nun nach Süd-West. Die Genua zog uns mit noch immer 6 kn, die Wellen halfen schiebend und unser Ansteuerpunkt für die Ria de Camarinas lag vor uns. Hinter Cap Villano, das den Eingang zur Ria bewacht, erwarteten wir glattes Wasser. Gab es auch, dafür lauerte ein heftiger Wind auf harmlose, kein Unheil erwartende Berliner. Auch mit nur noch einem Fetzen Genua war der Kurs nicht mehr zu halten. Unser wieder fröhlich knatternder, kräftiger Motor schob uns nun vorwärts, hinein in die „geschützte“ Bucht, unserem Ankerplatz entgegen. Norbert, der am Ruder stand, wurde fröhlich von vielen kleinen, um ihn herum fliegenden zerstäubten Wellen begrüßt. Vor mir war alles weiß und ich war sicher, dass die Nacht nicht ohne Ankerwache vorbei gehen würde. Aber das Schicksal meinte es gut mit mir alten Pessimisten. Denn kaum lag der Anker gab es noch ein paar fette Böen zum richtigen Eingraben Desselben, dann war Ruhe.

Klaus hatte mit Schnorchel und Flossen die ordnungsgemäße Lage der beiden Anker gecheckt. Der Mann ist beinhart! (Siehe Bericht Donnerstag zum Thema Wassertemperatur)

51 nm sind wir heute gesegelt. Die höchste gemessene Windstärke waren 34 kn, das sind obere 7 Bft. Unterwegs hatten wir die Salmon unter Segeln fotografiert, Rosi und Klaus unterdessen die SPICA. Wann hat man schon mal die Gelegenheit das eigene Schiff segeln zu sehen.

Abends gab es Pizza und da der Ofen schon heiß war, habe ich noch schnell ein Brot gebacken.

Optisch und konsistenzmäßig einwandfrei, aber nicht genug Salz, und das von mir!!

 

Donnerstag, 29. 08.

Am Silberstrand

Nach dem Frühstück, so um 11 Uhr, gab es eine Routenbesprechung auf der SPICA. Danach wagten wir uns zu viert in dem motorisierten Schlauchboot der Salmon durch die wieder fröhlich pfeifende Düse in den Ort. (Düse = Tal durch das heftig der Wind pfeift). Norbert und ich saßen im vorderen Teil, sozusagen als lebendige Sprayhood. Obwohl Klaus sich bemühte crewschonend zu fahren, waren nach der Hälfte der Fahrt meine Hose und mein T-Shirt klatschnaß.

Die Wassertemperatur beträgt hier zur Zeit 14°C. Ich hatte dies bei meinem Morgenbad erst erstaunt, dann die Flucht ergreifend, festgestellt.

Die Ria de Camarinas ist unsere bisher schönste Bucht. Viele kleine bewaldete Hügel umschließen sie, kleine Felsgruppen setzen Akzente zwischen den langen, leuchtend weißen Sandstränden. Auf einem Solchen landeten wir. Ich zog erst einmal alles aus, nacheinander, denn wir sind ja in Spanien. Hose auswringen, auf einem Felsen trocknen lassen. T-Shirt auswringen, wieder anziehen, U-Hose → desgleichen. Nach dieser dringend erforderlichen Tätigkeit nahm ich dann meine Umgebung wahr. Der Sand war silbern durchsetzt mit...?? Vielleicht Perlmutt? Es funkelte und glitzerte. Die Elster in mir stand „hab Acht“. Der Strand mit seinen vorgelagerten Felsen war sehr karibisch und fotogen. Nachdem ich mich fotografisch ausgetobt hatte zogen wir in die Stadt.

Der Weg dorthin: naja. Die Stadt: auch naja. Die Rückfahrt: Mit den Wellen im Rücken kein Problem

Morgen umfahren wir das Cap Finisterre, das Ende der Erde, wie die westlichste Ecke des europäischen Festlands genannt wird. Ein beliebter Spielplatz für Wind und Wellen.

 

Freitag und Samstag, die beiden letzten Tage im August

Ria de Muros

Mein Skipper hatte gestern Abend lauthals verkündet, er würde heute vor dem Start noch ein Morgenbad nehmen, da es total blöd wäre auf diese alte, seit zwei Wochen wiederbelebte Tradition zu verzichten.

Um 7:30 Uhr (hier ist es um diese Zeit noch dunkel) sah das allerdings etwas anders aus. Schaudernd auf das schwarze, kalte Wasser blickend, verzichtete er auf dieses Event und holte die Badeleiter hoch. Um 8:15 Uhr bargen wir den Anker.

Wettervorhersage: 4-6 Bft, an den Kaps 7. Die ersten 15 nm verhielt sich der Wind wie angekündigt, wir segelten mit 6 kn Speed durch den Sonnenschein., Eine schöne Geschwindigkeit.

Querab vom Kap Finisterre hatten wir noch 2 Bft. (hochgegriffen) und 0-Wellen. Dies galt auch für den Rest der Fahrt. Ein paar Delfine kamen vorbei, aber leider an Futter und nicht an uns interessiert. Banausen! Dieselnd erreichten wir Muros Stadt und suchten einen freien Ankerplatz. Die guten Stellen waren ganz schön voll.

Muros liegt ca. 40 nm südlich von Camarinas. Es ist heiß hier, alle vier lechzten wir nach einem Sprung ins Wasser. Selbst dieses hat hier schon 18°C. Außerdem gibt es hier jede Menge Fliegen!

I´ll kill them all! Ihr seht, mein Englisch macht langsam Fortschritte.

Um 19 Uhr fuhren wir per Schlauchboot in die Stadt, ca. 800 m. Der Wind kachelte inzwischen wieder die Berge herab. Zum Schutz gegen Spritzwasser hatte ich eine lange Bluse übergezogen und mein Kleid darunter hoch gerollt. Das klappte super. Frisch und sauber erreichte ich das Festland. Schnell kauften wir noch ein paar Lebensmittel ein, dann suchten wir ein Restaurant. Das Essen war lecker! Aber das dicke Ende kam erst. Die Böen sausten immer noch über das Wasser und türmten kleine, gemeine Wellen auf. Ich kreischte schon im Hafen. Leute! 800 m können sooooo lang sein. Alle 20-30 m kam Wasser über, richtig, nicht etwa nur ein paar Spritzer. Manchmal erwischte mich ein halber Eimer. Zitternd vor Kälte hielt ich mich an Norberts Arm fest, der war noch ein bisschen warm. Mit nassen „Salzwasserhaaren“ musste ich schlafen gehen. Salzwasser ist klebriger als jeder Haarfestiger. Schön durchgetrocknet habe ich nun, am Samstagmorgen, eine recht ungewöhnliche Frisur, die selbst Norbert trotz der frühen Tageszeit einige Kommentare entlockte.

Ach ja, die Fliegen. Sie leben noch, denn ich finde meine Fliegenklatsche nicht. Inzwischen sind sie auch sehr zutraulich. Heute morgen, kaum daß es hell war, kamen sie kuscheln. Zu mir! Alle! Norbert, noch friedlich schlummernd, war fliegenfrei!?!?!?

Rosi und Klaus sind auf dem Weg nach Bayona. Sie wollen noch nach Santiago. Bei uns gibt es heute einen faulen Arbeitstag. Grobplanung für Portugal, ein bisschen lesen, in der Sonne liegen, ab und zu ins Wasser, ein paar Züge schwimmen. Morgen schauten wir uns noch die Ria de Pontevedra an, die für uns letzte Ankerbucht in Galicien.